{"id":2480,"date":"2017-01-27T10:52:14","date_gmt":"2017-01-27T09:52:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2480"},"modified":"2017-01-27T12:36:02","modified_gmt":"2017-01-27T11:36:02","slug":"25-01-2017-maria-sackt-in-petersburg-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/27\/25-01-2017-maria-sackt-in-petersburg-ab\/","title":{"rendered":"25.01.2017: Maria sackt in Petersburg ab"},"content":{"rendered":"<p>Aaron musste sich vom Autorentreff in Ruppichteroth erholen, Peter werkelt mittwochs regelm\u00e4\u00dfig an seinem Forschungsauftrag in Bamberg, und Horst bringt den Innendienst auf Vordermann. G\u00fcnther kann eigentlich immer, nur diesmal war ihm zu wohl und er hatte sich aufs Eis begeben. Zw\u00f6lf Spangen im Unterschenkel versuchen, ihm in den n\u00e4chsten Wochen wieder auf die Beine zu helfen. Gute Besserung!<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Maria&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2485\" aria-describedby=\"caption-attachment-2485\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/27\/25-01-2017-maria-sackt-in-petersburg-ab\/maria-politiktableau\/\" rel=\"attachment wp-att-2485\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2485\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Maria-PolitikTableau.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Maria-PolitikTableau.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Maria-PolitikTableau-150x114.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Maria-PolitikTableau-300x228.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2485\" class=\"wp-caption-text\">Das Politik-Tableau von \u201eMaria\u201c<\/figcaption><\/figure>\n<p>Immerhin haben heute noch zwei gestandene Wargamer ihren Weg zum Gastgeber am Westpark antreten k\u00f6nnen. \u201eFriedrich\u201c war angesagt worden, aber Moritz war noch kl\u00fcger, er brachte Friedrichs j\u00fcngere Schwester \u201eMaria\u201c mit, beide nicht mehr ganz jung, beide vom gleichen Vater Richard Siv\u00e9l.<\/p>\n<p>\u201eFriedrich\u201c lag schon 8 mal am Westpark auf dem Tisch und konnte auf Anhieb Begeisterung ausl\u00f6sen. \u201eMaria\u201c war erst einmal, kurz nach ihrem Erscheinungsjahr 2009, hier. Da sie aber nur zu dritt gespielt werden kann, und wir damals eine Viererrunde waren, musste Moritz seine Neuerwerbung unverrichteter Dinge wieder mit nach Hause nehmen. Jahrelang ruhte sie da jungfr\u00e4ulich in seiner Spiele-Schatzkammer. Heute packte er die Friedrich-Ank\u00fcndigung beim Schopfe und k\u00fcsste stattdessen \u201eMaria\u201c aus ihrem Dornr\u00f6schenschlaf. Wir durften sie ausp\u00f6ppeln.<\/p>\n<p>Leider hatte er keine Zeit gefunden, sich mit den Spielregeln zu besch\u00e4ftigen. So mussten wir uns aus dem Stegreif durch ein zwar logisches, teilweise auch bereits bekanntes, in vielen Maria-Details aber neuartiges und komplexes Regelwerk einarbeiten. Gl\u00fccklicherweise verstand Helmut als Experte von \u201eLieber bairisch sterben\u201c sofort den Kampfmechanismus. Auch bewies er ausreichend abwartende Geduld bei den Elementen, die in der Stegreif-Einf\u00fchrung gar nicht klar r\u00fcberkommen konnten, sonst w\u00e4ren wir heute spielerisch im Nirwana gelandet.<\/p>\n<p>\u201eFriedrich\u201c und \u201eMaria\u201c sind beides historische Kriegsspiele im mitteleurop\u00e4ischen Raum. Beide basieren thematisch auf den ewigen Kriegshandlungen zwischen Preu\u00dfen und \u00d6sterreich als Hauptakteuren, Franzosen, Sachsen und dem Reich als Nebenakteuren, sowie ein paar Nachbarl\u00e4ndern als Beiwerk.<\/p>\n<p>Topologisch sind beide Spielbretter sehr \u00e4hnlich: es sind geographisch getreue Landkarten von der Ostgrenze Frankreichs bis zur Westgrenze Polens; St\u00e4dte und D\u00f6rfer, Festungen und Armeequartiere sind mit Stra\u00dfen und Wegen verbunden. Darauf ziehen die Gener\u00e4le der verschiedenen Kriegsparteien, erobern feindliche St\u00e4dte, um damit Siegesbedingungen zu erf\u00fcllen, r\u00fcckerobern eigene St\u00e4dte, um die gegnerische Erf\u00fcllung wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, sichern sich ab, requirieren neue Armeen, und versuchen, die ihnen gegebenen Mittel je nach Lage und Aufgabenstellung optimal einzusetzen.<\/p>\n<p>In \u201eFriedrich\u201c muss der Alte Fritz nur lange genug \u00fcberleben und seine Feinde im Zaum halten, um Sieger zu werden; seine Feinde hingegen h\u00e4tten gewonnen, wenn sie eine Anzahl vorgeschriebener St\u00e4dte erobert haben. In \u201eMaria\u201c gewinnt jede Partei durch das Erobern von St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Der Kampfmechanismus ist in beiden Spielen identisch. Und zwar \u00e4u\u00dferst elegant! Jede Partei erh\u00e4lt pro Runde eine definierte Anzahl von \u201eTaktik-Karten\u201c eines (fast normalen) franz\u00f6sischen Kartenspiels; die kann sie zur\u00fcckhalten und sammeln, bis sie gen\u00fcgend zur Verf\u00fcgung hat, um den Gegner an einer passenden Stelle anzugreifen. Dann spielt man bis zur bitteren Neige die Karten einer Kartenfarbe solange auf den Gegner aus, bis der nichts mehr dagegensetzten kann. Allerdings sollte man sich dabei kann nicht verspekuliert haben. Der Gegner kann n\u00e4mlich parieren und seinerseits durch das Ausspielen seiner Taktik-Karten zur\u00fcckschlagen. Wessen Karten am Ende in Summe die meisten Augenzahlen besitzt \u2013 zuz\u00fcglich eines Wertes f\u00fcr die eingesetzten Gener\u00e4le \u2013 hat gewonnen. Der Gegner verliert Armeen \u2013 bis zur totalen Ausschaltung \u2013 und muss sich mit seinen Rest-Armeen zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p>In beiden Spielen ben\u00f6tigen Gener\u00e4le im Ausland einen eigenen Tross, der sie versorgt. Der Tross muss immer in greifbarer N\u00e4he, sonst geht eine Armee unter. Die Vernichtung eines feindlichen Trosses ist ein vorz\u00fcglicher Coup, um eine leichtfertig dahintrabende feindliche Truppe schnellstens zur Heimkehr zu veranlassen, wenn sie damit nicht sogar gleich t\u00f6dlich getroffen wurde.<\/p>\n<p>\u201eMaria\u201c ist eine Weiterentwicklung von \u201eFriedrich\u201c, in der das \u201eeinfache\u201c Karten-Kampfgeschehen durch eine Reihe von lang- und mittelfristigen \u201epolitischen\u201c Entscheidungen aufgebauscht wurde, die alle einen direkten Einfluss auf das Kartenmanagement haben. Jeder Spieler kann in jeder Runde eine Taktik-Karte daf\u00fcr opfern, damit er irgendwann mal pro Runde eine Taktik-Karte mehr oder ein Gegner eine Taktik-Karte weniger bekommt. Wem das fr\u00fchere Karten-K\u00e4mpfen zu \u201eroh\u201c war (war es aber nicht!), kann jetzt von langer Hand eine Sch\u00e4digung seiner Gegner herbeif\u00fchren.<\/p>\n<p>In \u201eMaria\u201c bekommen die \u00d6sterreicher auch noch zwei Husaren-Truppen zur Verf\u00fcgung, mit der sie feindliche Armeen von ihrem Tross abschneiden k\u00f6nnen. Ein Balance-Element f\u00fcr Maria Theresia, damit sie ihren Gegnern, das freie Herumtollen auf \u00f6sterreichischem Staatsgebiet etwas erschweren kann. Dieser St\u00f6rfaktor hat aber nur eine begrenzte Wirkung, da die vom Tross abgeschnittenen Armeen durch den Einsatz von Taktik-Karten diesen Husaren-Eingriff neutralisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Fazit, das klare, eindimensionale Taktieren mit den Taktik-Karten (sowie das vieldimensionale Taktieren mit Gener\u00e4len, Trossen, Angriffen und R\u00fcckz\u00fcgen), ist durch ein politisches Karten-Klimbim aufgep\u00e4ppelt und zerrissen worden. F\u00fcr manche Spielerseelen ist die l\u00e4ngerfristige Karten-Planung ein positives Element, f\u00fcr andere dagegen eher ein Interruptus. Selbst ein Richard Siv\u00e9l konnte es nicht allen rechtmachen.<\/p>\n<p>In unserem Spiel f\u00fchrte Moritz die Maria mit ihren \u00d6sterreichern, Helmut die Preu\u00dfen, die Sachsen und die Pragmatische Armee, und Walter die Franzosen mit den bayrischen Hilfstruppen. Die franz\u00f6sischen Bayern suchten ihr Heil in den Bierst\u00e4dten von Budweis bis Pilsen, die franz\u00f6sischen Franzosen hingegen vernachl\u00e4ssigten die ihnen zustehende Beute in Luxemburg und Belgien. Nachdem sie auch noch zwei blutige Schlachten in \u00d6sterreich und bei Trier verloren hatten, krochen sie auf dem Zahnfleisch zu Kreuze. Preu\u00dfen und \u00d6sterreich lieferten sich Runde f\u00fcr Runde an der Neisse wohlkontrollierte Scharm\u00fctzel. Nachdem \u00d6sterreich aber seine Kr\u00e4fte massiv bei der Abwehr der Bayern verpulvert hatte, konnte es den Preu\u00dfen nicht mehr gen\u00fcgend entgegensetzen. Knall auf Fall durchbrachen Helmuts Preu\u00dfen die schlesischen Linien, erreichten ihre Kriegsziele und beendeten die Karten-Schlacht als Sieger.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Helmut: 9 (ganz, ganz toll. F\u00fcrchtete nach der etwas konfusen Einf\u00fchrung schon das gr\u00f6\u00dfte Regel-Durcheinander, doch die klare Logik der Spielz\u00fcge brachten beim learning by doing schnell ausreichend Linie ins Spiel; &#8220;es gibt keinen Grund, nicht 9 Punkte zu vergeben&#8221;), Moritz: 9 (elegantes Design, war von den Maria-spezifischen Erweiterungen sehr angetan), Walter: 8 (w\u00e4re ohne den Interruptus gl\u00fccklicher gewesen).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Sankt Petersburg&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Stunde wollten Helmut und Moritz noch spielen, ein Absacker war gew\u00fcnscht. \u201eBluff\u201c unter drei Experten ist langweilig, auch \u201eAbluxxen\u201c entfaltet seine Sch\u00f6nheiten erst in einer gr\u00f6\u00dferen Runde. \u201eVerflixxt!\u201c ward gewogen und f\u00fcr die aktuelle Stimmung als zu leicht empfunden. \u201eSankt Petersburg\u201c bekam den Zuschlag, das gute, alte Original-StP, und zwar als ABSACKER! Und das ging gut.<\/p>\n<p>Jeder kannte die Regeln, jeder konnte sich am einfachen und schnellen Spielaufbau beteiligen. Nur die Expansion-Karten f\u00fcr die 5-Mitspieler-Version mussten aussortiert werden. Wilhelms Dermaleinst-Gabe von festen Abacus-Geldscheinen erleichterte die Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Locker, fl\u00fcssig und schnell wurden sie abgewickelt. Alle wussten mit Geld, Kartenlimit, Upgradern und den vielen h\u00fcbschen taktischen und strategischen Elementen von \u201eSankt Petersburg\u201c umzugehen.<\/p>\n<p>Moritz gewann. Er hatte die Refinanzierung mittels Handwerkerkarten geradlinig bis weit \u00fcber die H\u00e4lfte der Spieldauer durchgezogen, konnte recht fr\u00fch den Baumeister-Upgrader aktiveren, der ihm eine reichlich sprudelnde Geldquelle unter den Adeligen sicherte, und konnte auch recht fr\u00fch die Hofmeisterin auf seine Seite ziehen, so dass neben dem Geld auch noch regelm\u00e4\u00dfig erklecklich viele Siegpunkte auf seinem Konto anfielen. Bei der Schlussabrechnung blieben ihm sogar noch 60 Rubel nicht mehr ausgebbares Barverm\u00f6gen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Walter hatte sich gleich in der Anfangsphase sehr stark bei den Handwerkern eingekauft. Auch seine fr\u00fche Sternwarte wurde konsequent f\u00fcr weitere Handwerker eingesetzt. Dann allerdings nahm er zu fr\u00fch sein Engagement hier zur\u00fcck. Auch verwechselte er die Effekte von Hofmeisterin und Zarin: die erstere ist in der Anfangsphase Gold wert, die letztere erst dann, wenn das Geld seine enorme Anfangsbedeutung verloren hat.<\/p>\n<p>Als j\u00fcngster Mitspieler war Helmut in der ersten Runde der Startspieler bei den Handwerkern. Aber anstatt mit den billigen 3-Rubel-Holzf\u00e4llern zu beginnen, kaufte er den einzigen ausliegenden 9-Rubel-Bauern, dessen teuer erkaufter Vorteil ein einziger Siegpunkt pro Handwerkerrunde war. Moritz und Walter hielten die Luft an, aber Helmut war kein Anf\u00e4nger, den man mit guten Ratschl\u00e4gen vor Schaden bewahren musste. Vielleicht lag darin ja eine Methode. Lag aber nicht. Die Mehrausgaben von 6 Rubel konnte er bis zur letzten Runde nicht mehr reinholen. In geldlicher Hinsicht verzeiht Sankt Petersburg keinen Fehler.<\/p>\n<p>Erst beim Zusammenr\u00e4umen fiel auf, dass der Bauer gar nicht zur Original-Ausstattung geh\u00f6rt, sondern eine Expansion-Karte der 5-Mitspieler-Version ist. Wir hatten sie beim Aussortieren \u00fcbersehen. Hallo Helmut, Dein Start-Ziel-Handicap verdankst Du also lediglich einem Fl\u00fcchtigkeitsfehler von uns allen. Sankt Petersburg ist unschuldig.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Helmut blieb mit seinen 8 Punkten exakt im bisherigen Durchschnitt (eigentlich nur 7 Punkte, aber ich habe das Spiel immer sehr gemocht, 1 Sympathiepunkt).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aaron musste sich vom Autorentreff in Ruppichteroth erholen, Peter werkelt mittwochs regelm\u00e4\u00dfig an seinem Forschungsauftrag in Bamberg, und Horst bringt den Innendienst auf Vordermann. G\u00fcnther kann eigentlich immer, nur diesmal war ihm zu wohl und er hatte sich aufs Eis begeben. 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