{"id":2504,"date":"2017-05-27T22:24:29","date_gmt":"2017-05-27T20:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2504"},"modified":"2017-05-27T23:41:13","modified_gmt":"2017-05-27T21:41:13","slug":"24-05-2017-rund-um-ulm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/05\/27\/24-05-2017-rund-um-ulm\/","title":{"rendered":"24.05.2017: Rund um Ulm"},"content":{"rendered":"<p>Warum hei\u00dfen die Ulmer \u201eSpatzen\u201c?<\/p>\n<p>Zum Bau des M\u00fcnsters karrten die Ulmer eines Tages einen besonders gro\u00dfen Balken herbei. Sie schafften es aber nicht, ihn durch das Stadttor zu bringen, da sie ihn quer transportieren wollten. Sie hatten schon beschlossen, das Stadttor einzurei\u00dfen, da sahen sie einen Spatzen, der einen Zweig im Schnabel trug, um diesen in sein Nest einzubauen. Und dieser Spatz drehte den Zweig und schob ihn l\u00e4ngs durch die Mauernische zu seinem Nest. Da ging dann auch den Ulmern ein Licht auf: sie legten den Balken der L\u00e4nge nach auf ihren Karren und brachten ihn so durch das Stadttor. Tor und M\u00fcnster waren gerettet!<\/p>\n<p>Diese Geschichte und andere erz\u00e4hlt uns der Viel-Spiele-Autor G\u00fcnter Burkhardt als Einstimmung in sein 2016 erschienenes bislang neuestes Werk<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Ulm&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2507\" aria-describedby=\"caption-attachment-2507\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/05\/27\/24-05-2017-rund-um-ulm\/guentherinulm\/\" rel=\"attachment wp-att-2507\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2507\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GuentherInUlm.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GuentherInUlm.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GuentherInUlm-150x135.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GuentherInUlm-300x270.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2507\" class=\"wp-caption-text\">\u201eUlm\u201c : im Vordergrund die h\u00fcbsche, aber funktionslose Kathedrale, im Hintergrund k\u00e4mpft G\u00fcnther mit den beiden Regelheften<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gleich zwei Regelhefte werden uns angeboten: Eins mit acht (deutschen) Seiten zu Einf\u00fchrung, und eines mit achtzehn (deutschen) Seiten f\u00fcr die Details, einschlie\u00dflich einer Einf\u00fchrung in die Ulmer Stadtgeschichte. Nat\u00fcrlich muss man beide Hefte gr\u00fcndlich gelesen haben, bevor man mit dem Spiel beginnen kann. Und bei R\u00fcckfragen muss man sich ebenfalls in beiden Hefte einigerma\u00dfen gut auskennen, um die Antworten zeitnah zu finden. Ein Mehrwert wird in dieser Spielregel-Erkl\u00e4rungs-Aufteilung nicht sichtbar.<\/p>\n<p>Wir fahren mit unserer Zille (so hie\u00dfen in Ulm bzw. im Donauraum die K\u00e4hne, mit denen sich die Fischer und andere Leute auf der Donau bewegten) in zehn Runden maximal 21 Donaufelder vom Start zum Ziel. Dabei geh\u00f6rt es aber nicht zum Sieg, als Erster die Gesamtstrecke zur\u00fcckgelegt zu haben, sondern unterwegs unsere 13 Siegel optimal in den 10 Stadtbezirken verteilt zu haben, so dass wir mit ihnen die meisten Siegpunkte einheimsen konnten.<\/p>\n<p>Genial ist der Zugmechanismus, nach dem ein jeder Spieler ausw\u00e4hlt, was er in der n\u00e4chsten Runde tut. Aus einem S\u00e4ckchen ziehen wir verdeckt einen Aktionsstein. Diesen Stein m\u00fcssen wir nach dem Prinzip des \u201eVerr\u00fcckten Labyrinths\u201c an einer beliebigen Seite eines quadratischen 3 mal 3 Rasters mit ebensolchen Aktionssteinen einschieben, so dass einer dieser Aktionssteine auf der anderen Seite herausgeschoben wird. Die bewegten, aber noch im Raster gebliebenen Aktionssteine einschlie\u00dflich des eigenen, neu eingesetzten Aktionssteines bestimmen die drei Aktionen, die wir jetzt ausf\u00fchren d\u00fcrfen:<\/p>\n<ul>\n<li>mit unserer Zille einen Schritt vorw\u00e4rts fahren<\/li>\n<li>eine M\u00fcnzeinheit kassieren<\/li>\n<li>Aktionssteine kassieren<\/li>\n<li>gegen zwei Geldeinheiten ein Siegel in eines der umliegenden Stadtbezirke legen.<\/li>\n<li>zwei Aktionssteine gegen eine Bonuskarte eintauschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Siegel bringen uns einmalige sofortige oder \u2013 mit Gl\u00fcck und K\u00f6nnen \u2013 wiederkehrende Vorteile an Geld, Aktionssteinen, Aktionen oder Siegpunkten.<\/p>\n<p>Bonuskarten bringen uns einmalige sofortige Vorteile an Besitztum oder, am Spielende, zus\u00e4tzliche Siegpunkte, f\u00fcr unseren inzwischen angeh\u00e4uften Besitz, teilweise sogar massenhaft welche.<\/p>\n<p>Alles ist rund, alles ist sch\u00f6n. Es gibt Weichmacher beim Ziehen des verdeckten Aktionssteines, es gibt tempor\u00e4re Verg\u00fcnstigungen beim Bauen und Fahren, jeder Spieler hat zu jeder Zeit eine ganze Reihe von vorteilhaften Zugm\u00f6glichkeiten zur Auswahl. Aber welches sind in diesem Wettlauf um die beste Zugauswahl die Eckpfeiler, nach denen man seine Strategie und Taktik ausrichten soll? In welchen Stadtbezirken soll man seine ersten Siegel platzieren? Soll man schnell oder langsam mit seiner Zille die Donau abw\u00e4rts fahren? Soll man den anderen vorauseilen, im Pulk fahren, oder darf man auch ungestraft hinterherschippern?<\/p>\n<p>Als Neuling ist man hier selbstverst\u00e4ndlich \u00fcberfordert. Aber selbst f\u00fcr die ersten Spielwiederholungen \u2013 die am Westpark ja ziemlich selten sind \u2013 gibt es kein (vorsichtshalber ausgedr\u00fcckt \u201ekaum\u201c) Licht im Dunkel des Z\u00fcge-Tunnels. Zu vielf\u00e4ltig sind die Angebote und zu unmessbar klein die Unterschiede innerhalb der verschiedenen Vorteile.<\/p>\n<p>Als gewiefter Spielmeister hatte Moritz selbstverst\u00e4ndlich einen Plan. Die anderen hatten noch keinen, aber weil Moritz Startspieler war, konnten sie ihm problemlos alle Z\u00fcge nachmachen. Sogar mit Vorteilen, weil man beim Schippern mit seiner Zille die anderen Ziller \u00fcberspringen darf. Daf\u00fcr war Moritz mit seinem zweiten Zug wieder an der Spitze und engagierte sich mit seinem Siegel beim M\u00fcnzmeister, wodurch er im weiteren Spieleverlauf bei jeder Geldaktion noch eine zus\u00e4tzliche M\u00fcnze bekam. Walter schien das ein gewaltiger Vorteil zu sein und er moserte \u00fcber den nicht ausbalanzierten Startspieler-Vorteil. Doch trotz dieses und jenes sp\u00e4teren ebenfalls phantastisch guten Zuges wurde Moritz nicht Erster. Er hatte ein ungl\u00fcckliches Mix von Bonuskarten gezogen.<\/p>\n<p>G\u00fcnther moserte nicht, machte auch keine besonders genialen Z\u00fcge, aber er wurde Erster. Ja, ja, es ist nicht leicht auszumachen, was in \u201eUlm\u201c die gewinnbringenden Z\u00fcge sind.<\/p>\n<p>Einige Elemente haben wir \u00fcberhaupt nicht genutzt: Kein einziger bekam das Privileg, sich neue Spatzen zu geb\u00e4ren. Zu schnell waren wird \u00fcber die ersten Donaufelder hinweggeschippert. Kein einziges Mal legte ein Spieler ein Siegel, um daf\u00fcr ein Wappen zu erhalten. Hier erschien allen der Bezirk hinter der Stadtmauer als viel lukrativer. W\u00e4re es doch besser gewesen, langsam zu fahren und das Spatz- sowie das Wappen-Potential an Land zu ziehen? Wer wei\u00df. Von uns wird es wohl keiner mehr erfahren. Vielleicht aber haben andere Spiele-Wissenschaftler diese Geheimnisse schon l\u00e4ngst entschl\u00fcssel. Aber wenn man das hat, dann kann man \u2013 unserer Einsch\u00e4tzung nach &#8211; Ulm vollends links liegen lassen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7 (fast 6, m\u00f6chte es noch h\u00e4ufiger spielen, um es besser kennen zu lernen), Moritz: 5 (unplanbar, es gibt viele sch\u00f6nere Spiele am Flu\u00df, z.B. Egizia; das Thema ist nur im graphischen Design vorhanden, in den Mechanismen \u00fcberhaupt nicht; das Spiel hat weder mit Ulm noch mit dem Bau einer Kathedrale etwas zu tun. Die Papp-Kathedrale hat in Essen die Besucher angezogen: \u201eUjj, das m\u00fcssen wir uns kaufen.\u201c Und hinterher ist das ein kontraproduktives Element, das f\u00fcr einen Teil der Spieler die bildliche Spielhilfe am entgegengesetzten Spielfeldrand verdeckt. Es fehlt total eine Punkteaussch\u00fcttung f\u00fcr den Besitzstand am Ende. Dies d\u00fcrfte nicht abh\u00e4ngig sein von den irgendwann mal zuf\u00e4llig gezogenen Bonuskarten, sondern das m\u00fcsste als feststehende Regel mitgegeben sein; es gibt keine Strategie, die man einschlagen kann, deshalb wird das Spiel schnell spannungslos oder langweilig), Walter: 5 (fast 6, zu umfangreich in den Regeln, daf\u00fcr zu minimal in den Effekten, kaum Interaktion, jeder spielt vor sich hin, repetitiv. 1 Sympathiepunkt f\u00fcr das runde Regelwerk, 1 Sympathiepunkt f\u00fcr die Einf\u00fchrung in die Stadtchronik von Ulm, und 1 Sympathiepunkt f\u00fcr das neuartige Zugauswahlverfahren. Bleiben aber trotzdem nur 5 Punkte f\u00fcr den spielerischen Eindruck).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Weltausstellung&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor drei Monaten zum ersten Mal gespielt, aber erst letzte Woche beschrieben. Gleich heute f\u00fcr Walter die Wiederholung, f\u00fcr G\u00fcnther und Moritz die Jungfernfahrt.<\/p>\n<p>Ein Kampf um Exponate und um die Genehmigung, diese Exponate auch ausstellen zu d\u00fcrfen. Aarons Seufzer vom ersten Mal: \u201eHat man Korn so fehlt\u2019s am Winde, hat man Wind, so fehlt\u2019s am Korn\u201c bewahrheitete sich auch in dieser Runde. Man hat massenweise Exponate der verschiedenen Kategorien, aber keine Genehmigung, oder man schwimmt in Genehmigungen, hat aber keine Exponate dazu.<\/p>\n<p>Immerhin habe wir diesmal drei vollst\u00e4ndige S\u00e4tze von Exponaten zusammenbekommen. Beim ersten Mal ist das keinem gegl\u00fcckt.<\/p>\n<p>G\u00fcnther wurde wieder Erster, also ist \u201eWeltausstellung\u201c genauso wie auch \u201eUlm\u201c kein Gl\u00fccksspiel\u201c! Kleiner Taktik-Tipp: F\u00fcr die erste Wertung sollte man nicht m\u00f6glichst viele (ungenehmigte) Exponate zur Seite schaffen, sondern vielleicht nur ein oder zwei verschiedene, f\u00fcr die man aber zugleich auch eine Genehmigung erreicht. Damit kann man in den n\u00e4chsten Runden versuchen, antizyklisch und damit konfliktfrei zu agieren. Denn der Kampf um Mehrheiten f\u00fcr die Genehmigung bindet nur unn\u00f6tig viel Energie.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7 (bis 6, recht sch\u00f6n, schnell), Moritz: 7 (locker, nicht voll planbar, nicht l\u00e4nger als es sein muss), Walter: 7 (fr\u00fcher 6, schnell, erhebliche Freiheitsgrade, viel lockere Interaktion).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum hei\u00dfen die Ulmer \u201eSpatzen\u201c? Zum Bau des M\u00fcnsters karrten die Ulmer eines Tages einen besonders gro\u00dfen Balken herbei. Sie schafften es aber nicht, ihn durch das Stadttor zu bringen, da sie ihn quer transportieren wollten. 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