{"id":2532,"date":"2017-07-21T15:58:47","date_gmt":"2017-07-21T13:58:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2532"},"modified":"2017-07-21T18:37:05","modified_gmt":"2017-07-21T16:37:05","slug":"18-07-2017-erobern-und-besetzen-ersteigern-und-tauschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/07\/21\/18-07-2017-erobern-und-besetzen-ersteigern-und-tauschen\/","title":{"rendered":"18.07.2017: Erobern und besetzen, ersteigern und tauschen"},"content":{"rendered":"<p>Eine bekannte Bananenrepublik hat dieser Tage ihre Preistr\u00e4ger zur \u201eKenner-Banane des Jahres\u201c gek\u00fcrt. Als wir von der K\u00fcr und den Gek\u00fcrten erfuhren, wandten wir uns um und weineten bitterlich.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Time of Crises&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen mal wieder das R\u00f6mische Imperium aufmischen. In der gewohnten Szenerie rund um das Mittelmeer gibt es zw\u00f6lf Provinzen und das Kernland Italien. Dort setzen wir in m\u00f6glichst vielen Provinzen \u2013 solange unsere Munition reicht &#8211; unsere <strong>blauen<\/strong> Governors ein, r\u00fcsten <strong>rot<\/strong> milit\u00e4risch auf, damit wir sie gegen eine feindliche \u00dcbernahme \u2013 durch Mitspieler oder sporadisch ausgew\u00fcrfelte Barbaren \u2013 verteidigen k\u00f6nnen oder ggf. selber Nachbarprovinzen erobern k\u00f6nnen, und wir bauen <strong>gelbe<\/strong> Amphitheater, um unsere Beliebtheit zu erh\u00f6hen und die Bev\u00f6lkerung in unseren Provinzen ruhig zu stellen, so das wir umso ungest\u00f6rter Siegpunkte einstreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2534\" aria-describedby=\"caption-attachment-2534\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/07\/21\/18-07-2017-erobern-und-besetzen-ersteigern-und-tauschen\/timeofcrisis\/\" rel=\"attachment wp-att-2534\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2534\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/TimeOfCrisis.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"357\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/TimeOfCrisis.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/TimeOfCrisis-150x89.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/TimeOfCrisis-300x179.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2534\" class=\"wp-caption-text\">Am fr\u00fchen Abend in die Krise<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Motor unserer Aktionen besteht aus blauen, roten und gelben Potenzkarten, von denen jeder Spieler zu Spielbeginn die identische Ausstattung bekommt. In jeder Runde bekommen wir gem\u00e4\u00df unserem jeweils aktuellen erarbeitetem bzw. erw\u00fcrfelten Besitztum neue liquide Mittel, um damit weitere und vor allem st\u00e4rkere Potenzkarten zu erwerben bzw. schw\u00e4chere Karten abzuwerfen. Unseren Gesamt-Kartendeck m\u00fcssen wrap-around benutzen, f\u00fcnf Karten d\u00fcrfen wir uns pro Zug ausw\u00e4hlen und in einem Schwung einsetzen, dann kommt der n\u00e4chste Spieler dran.<\/p>\n<p>So flie\u00dft das Spielchen munter fort. Aufr\u00fcsten, Feinde bek\u00e4mpfen, Provinzen \u00fcbernehmen, Potenz pflegen, und vielleicht sogar einen Gegenkaiser ausrufen, mit dem wir dem legalen Imperator in Rom ganz sch\u00f6n ans Zeug flicken k\u00f6nnen, vor allem aber einen geh\u00f6rigen Reibach an Siegpunkten einstreichen.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr bekommen wir nun Siegpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>f\u00fcr jede Provinz, die wir besitzen.<\/li>\n<li>f\u00fcr jedes gelbe Schmuckst\u00fcck, mit dem wir unsere Provinz ausgestattet haben.<\/li>\n<li>f\u00fcr jeden Kampf, gegen Barbaren oder Nachbar-Governors, den wir w\u00fcrfelig gewonnen haben.<\/li>\n<li>ganze F\u00fcllh\u00f6rner von Siegpunkten f\u00fcr Italien, falls wir Kaiser sind bzw. f\u00fcr unsere vereinigten aufst\u00e4ndischen Provinzen, falls wir Gegenkaiser sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Spiel ist h\u00fcbsch designed, seine linearen und progressiven Effekte in Kosten und Nutzen sind \u00fcberlegt, die Regeln einfach und \u00fcberschaubar &#8211; auch wenn Aaron am n\u00e4chsten Morgen gleich neun Punkte aufz\u00e4hlen konnte, in denen Moritz das 20-seitige Regelheft falsch r\u00fcbergebracht hatte. Planung ist m\u00f6glich, Zufall ist m\u00f6glicher, Mitspielerchaos ist am m\u00f6glichsten. Geborene Krieger k\u00f6nnen sich tummeln, k\u00f6nnen aufeinander einschlagen und von Arabien bis Britannien ihrem C\u00e4esarenwahn fr\u00f6nen.<\/p>\n<p>Allerdings besitzt das Spiel zwei grunds\u00e4tzliche Geburtsfehler:<\/p>\n<ol>\n<li>Jeder Spieler muss die Potenzkarten f\u00fcr seinen n\u00e4chsten Zug bereits unmittelbar nach seiner letzten Aktion heraussuchen, muss also entscheiden, wie viele Punkte er demn\u00e4chst f\u00fcr Milit\u00e4r, Politik oder \u00c4sthetik ausgeben m\u00f6chte, ohne zu wissen, was seine drei Mitspieler ihrerseits im Schilde f\u00fchren, wo K\u00e4mpfe angezettelt werden, ob herbe Verluste aufgefangen werden m\u00fcssen, und ob bzw. wo Barbaren einfallen und unsere heile Welt in Unordnung bringen. \u201eSchwachsinn hoch drei\u201c nannte Aaron diese Reihenfolge.<\/li>\n<li>Das Spiel dauert vier geschlagene Stunden in seiner <strong>KURZFASSUNG<\/strong>, d.h. wenn das Spiel endet, nachdem der erste Spieler 40 Siegpunkte erreicht hat. Die Langfassung dauert wohl noch eine Stunde l\u00e4nger. Geborene Krieger m\u00f6gen das genie\u00dfen. F\u00fcr ein so deutlich zufallsabh\u00e4ngiges Spiel und f\u00fcr das im Prinzip zu gleichf\u00f6rmige Gepl\u00e4nkel zwischen Politik und Milit\u00e4r ist das viel zu lang.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dass ein Spieler, der schlecht aus den Startl\u00f6chern herauskam, fr\u00fch von Barbaren gesch\u00e4digt oder von aggressiven Mitspielern kleingew\u00fcrfelt wurde, und entsprechend seinem geringeren Besitztum auch beim Nachkaufen von Potenzkarten nur an die Billigheimer herankommt, diese Nachteile im Laufe des Spiels nicht mehr ausgleichen kann, k\u00f6nnte ebenfalls als Geburtsfehler gewertet werden, aber dar\u00fcber wollen wir hier jetzt hinwegsehen. Aaron musste die H\u00e4lfte der Spielzeit \u2013 also 120 Minuten lang &#8211; unter diesem Schicksal leiden; die restlichen 120 Minuten verlegte er sich auf die gelbe Ausschm\u00fcckung seiner Provinzen, und weil ihm kein Mitspieler diese streitig machen wollte \u2013 mangels \u00dcberblick \u00fcber die gebotenen Chancen, denn f\u00fcr einen Appel und Ei w\u00e4ren sie zu kassieren gewesen \u2013, konnte er am Ende sogar noch einen Platz auf dem Treppchen erreichen.<\/p>\n<p>Walter hatte als einziger sein Potenz-Deck angehoben. Damit wollte er im Mittelteil des Spiels auch einmal in Rom den Imperator spielen. Sein Deck-Potenz reichte problemlos zum Verdr\u00e4ngen des bisherigen Statthalters G\u00fcnther. Aber statt zu einem Augustus wurde er nur zu einem Romulus Augustulus. Das Reich war verkommen, der Kaisersitz im Nu verwaist, \u00fcberall breitete sich Mob und Aufruhr aus, von an an wollte keiner mehr Italien regieren. Vor allem auch, nachdem Moritz in Macedonien sich zum Gegenkaiser hatte ausrufen lassen.<\/p>\n<p>Wohl alle Spieler h\u00e4tten mehr oder weniger gleichzeitig die Mittel gehabt, um als Gegenkaiser anzutreten. Es fehlte ihnen dazu nur die Idee und der Z\u00fcndfunke. Moritz hatte als Regelbuch-Owner aber noch andere Optionen in petto. In bew\u00e4hrter Manier offenbarte er immer mal wieder eine neue Siegpunkt-Quelle, wenn sie zuf\u00e4llig gerade in seine Taschen floss. Wir trugen es mit Fassung.<\/p>\n<p>Nach vier Stunden durfte G\u00fcnther den letzten Zug machen. Aaron und Walter waren in der dritter und vierter Position hoffnungslos abgeschlagen, es gab auch absolut keine Chance mehr, Moritz vom ersten Platz zu verdr\u00e4ngen. Aber G\u00fcnthers Ehrgeiz reichte noch bis weit nach Mitternacht, im letzten Zug mit \u00fcberlegener Planung sowie mit Glanz und Gloria sich auf seinem sicheren zweiten Platz niederzulassen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (zu lang f\u00fcr das, was es bietet, eine ungl\u00fcckliche Kombination von Elementen; die W\u00fcrfelei ist f\u00fcr vier Stunden Spielzeit ebenfalls unpassend), G\u00fcnther: 4 (\u201eWill ich es nochmals spielen? Wahrscheinlich nicht!\u201c; Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte [und Vierte], das ist die gesamte Gewinn-Strategie), Moritz: 7 (\u201enur\u201c 7, obwohl ihm diese Spielrichtung liegt; die Z\u00fcge dauern einfach zu lange), Walter: 4 (das Spiel h\u00e4tte durchaus die Potenz f\u00fcr 6 oder 7 Punkte, wenn es an vielen Stellen nur nicht so ungl\u00fccklich w\u00e4re).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;For sale&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor 20 Jahren hatte Stefan Dorra sein Spiel bei \u201eRavensburger\u201c herausgebracht. Mit geringen Regel\u00e4nderungen erlebte es bei \u201eiello\u201c jetzt eine Neuauflage. Ein zweistufiges Versteigerungsspiel.<\/p>\n<p>In der ersten Stufe ersteigern wir uns f\u00fcr unser Spielgeld \u201eGeb\u00e4ude\u201c in den virtuellen Werten von 1 bis 30. Jeweils vier Geb\u00e4ude (f\u00fcr jedem Spieler eines) liegen offen auf dem Tisch, jeder Spieler gibt reihum ein h\u00f6heres Gebot als sein Vorg\u00e4nger ab, oder er passt und bekommt \u2013 f\u00fcr die (abgerundet) halbe Summe, die er bis hingebl\u00e4ttert hat \u2013 das billigste Geb\u00e4ude und steigt aus. Der letzte Spieler in einer Versteigerungsrunde bekommt das letzte und h\u00f6chstwertige Geb\u00e4ude, er muss allerdings auch die gesamte gebotene Summe daf\u00fcr berappen.<\/p>\n<p>In der zweiten Runde werden in \u201eHol\u2019s der Geier-Manier\u201c die Geb\u00e4ude in Bargeld umgesetzt. Jeweils vier Barschecks mit Werten zwischen 0 und 15 T\u20ac liegen auf dem Tisch. Die Spieler w\u00e4hlen verdeckt jeweils eine ihre Geb\u00e4udekarten, dann decken alle Spieler diese alle gleichzeitig auf. Die h\u00f6chstwertige Geb\u00e4udekarte bringt den h\u00f6chstwertigen Scheck, usw.<\/p>\n<p>Wer mit Gl\u00fcck und gekonnter Geldeinsatzplanung die besten Geb\u00e4ude ersteigert hat, tut sich hinterher nat\u00fcrlich beim Umsetzen in die Schecks viel leichter. Wer bei der Geb\u00e4ude-Ersteigerung versagt hat, braucht bei den Schecks erst gar nicht mehr anzutreten.<\/p>\n<p>Das Prinzip der Geb\u00e4ude-Versteigerung sah auf den ersten Blick ganz pfiffig, wurde \u2013 bei uns \u2013 aber doch schnell mechanistisch bis langweilig gehandhabt. Die Gebote erreichten in den \u2013 wegen der abgerundeten Zahlung &#8211; ungeraden Schritten 1,3, 5, 7 sehr schnell den schmerzhaften Schwellwert. Haben wir hier ein angemessenes Lavieren mit unseren Geboten \u00fcbersehen?<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (f\u00fcr das, was es ist, ist es ganz ordentlich), G\u00fcnther: 5 (f\u00fcr das, was es ist, ist es zu wenig), Moritz: 6 (bei h\u00e4ufigerem Spielen verliert es wahrscheinlich schnell seinen Reiz), Walter: 5 (die 2-stufige Auswahl bringt keinen Zusatz-Reiz, im Gegenteil, sie geht auf Kosten von Spannung, \u00dcberraschung und Spa\u00df).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine bekannte Bananenrepublik hat dieser Tage ihre Preistr\u00e4ger zur \u201eKenner-Banane des Jahres\u201c gek\u00fcrt. Als wir von der K\u00fcr und den Gek\u00fcrten erfuhren, wandten wir uns um und weineten bitterlich. 1. &#8220;Time of Crises&#8221; Wir d\u00fcrfen mal wieder das R\u00f6mische Imperium aufmischen. 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