{"id":2570,"date":"2017-11-23T16:16:47","date_gmt":"2017-11-23T15:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2570"},"modified":"2017-11-29T15:54:31","modified_gmt":"2017-11-29T14:54:31","slug":"22-11-2017-das-gaia-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/11\/23\/22-11-2017-das-gaia-projekt\/","title":{"rendered":"22.11.2017: Das Gaia Projekt"},"content":{"rendered":"<p>Bridge. Offene Bayerische Paarmeisterschaft 2017. Teilnehmen d\u00fcrfen alle, gute wie schlechte Spieler, und nat\u00fcrlich auch Ehepaare, f\u00fcr die Bridge-Turniere generell eine erh\u00f6hte Scheidungsgefahr darstellen, wenn sie diese nicht durch ein in jahrzehnelangem Ehefrust angewachsenes mauerdickes Anti-Frust-Fell wegstecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ehepaar bekommt folgendes Blatt auf die Hand:<\/p>\n<p>S\u00fcd (die Frau):<br \/>\nPik: DB53<br \/>\nCoeur: &#8211;<br \/>\nKaro: AKD7653<br \/>\nTreff: D3<\/p>\n<p>Nord (der Mann):<br \/>\nPik: A62<br \/>\nCoeur: AKDB93<br \/>\nKaro: 8<br \/>\nTreff: AK7<\/p>\n<p>7 SA fallen aus der Hand. Im Skat entspricht das einem Grand-Hand mit Vieren, Schneider-Schwarz angesagt!<\/p>\n<p>Die Reizung ging ohne Feindeinwirkung:<br \/>\n1 Karo (SIE) \u2013 2 Coeur (ER)<br \/>\n2 Pik (SIE) \u2013 4 SA (ER) &#8211; pass \u2013 pass \u2013 pass<\/p>\n<p>Im Skat entspricht das etwa, als ob man mit dem Grand-Blatt bis 46 reizen w\u00fcrde, um dann das Spiel dem Gegner f\u00fcr einen Nullouvert zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Michael, ein Gegenspieler, fragte die Frau nach Abschluss der Reizung, was der Sprung ihres Partners in 2 Coeur bedeutete. Antwort: \u201e10-11 Punkte\u201c. Dann fragte er weiter, was das 4 SA-Gebot bedeutete. IHRE Antwort: <strong>\u201eDas will er spielen.\u201c<\/strong> Jetzt fragte Michael IHN, was sein 4-SA-Gebot bedeutete. Es ist schlie\u00dflich ein Recht der Verteidigung, sich ein Bild von der Verteilung der Gegner machen zu k\u00f6nnen, soweit das aus deren Reizung hervorgehen kann. Ein ehrlicher (und guter) Spieler h\u00e4tte jetzt eine ehrliche Aufkl\u00e4rung \u00fcber sein Gebot gegeben, das doch zweifellos die As-Frage und nicht <strong>\u201ezum Spielen\u201c<\/strong> war. SEINE Antwort: <strong>\u201eDas will ich spielen!\u201c<\/strong> Nach zwei Stichen wurde auch IHM langsam klar, dass er jetzt jetzt alle 13 Stiche machen w\u00fcrde, und er sagte ziemlich gepresst zu IHR: <strong>\u201eDas wollte ich NIE spielen.\u201c<\/strong> Darauf wandte sich Michael nochmals an IHN, wissend, l\u00e4chelnd, aber auch vorwurfsvoll ob der ersten L\u00fcge: \u201eSie haben doch gerade gesagt, <strong>das will ich spielen<\/strong>\u201c! SEINE verqu\u00e4lte Antwort: <strong>\u201eDas muss ich jetzt spielen!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Gaia Project&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2572\" aria-describedby=\"caption-attachment-2572\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2572 size-full\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DerAufbauDesGaiaUniversums.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DerAufbauDesGaiaUniversums.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DerAufbauDesGaiaUniversums-150x115.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DerAufbauDesGaiaUniversums-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2572\" class=\"wp-caption-text\">Beim Aufbau des Gaia-Universums<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wieder so ein Spiel, mit dem sich die Autoren Ostertag und Dr\u00f6gem\u00fcller einen Doktorhut, wenn nicht gar den Nobelpreis verdient haben. Tausend Schr\u00e4ubchen haben sie an einer Spiel-Maschine angebracht, an denen wir drehen und ziehen k\u00f6nnen, um unsere Aktionen zur Besiedlung des Universums zu lenken und zu leiten, um eine strategische Planung umzusetzen und mit flexibler Taktik auf die jeweils neuen Gegebenheiten in der Spielsituation reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mehrere abgeschlossene Schwerpunktfelder f\u00fcr Planung und Aktion werden uns bereitgestellt, deren innere Logik wir erfassen und beherrschen m\u00fcssen, um gegen\u00fcber unseren Mitkonkurrenten Erfolg zu haben.<\/p>\n<ol>\n<li>Das Spielbrett mit dem Weltall.<br \/>\nHier fliegen die Planeten umher, die wir besiedeln d\u00fcrfen. Einige sind uns direkt zugeordnet, f\u00fcr andere fehlt uns zu Spielbeginn die Reichweite, wieder andere m\u00fcssen wir erst mit einem gewissen \u201cTerraforming\u201d beackern, bevor sie f\u00fcr uns bewohnbar werden. Nat\u00fcrlich ackern unsere Mitspieler hier ebenfalls, und wie in vielen Bereichen des richtigen Leben ist es auch hier n\u00fctzlich der Erste zu sein.<\/li>\n<li>Die Rundenbooster.<br \/>\nSie gew\u00e4hren Verg\u00fcnstigungen (Rohstoffe bzw. Siegpunkte) je nach den Aktionen, die wir in einer Runde durchf\u00fchren, bzw. je nach dem Besitzstand, den wir am Ende einer Runde haben.<br \/>\nDas zwangsweise Wechseln und Neuaussuchen der Booster in jeder Runde ist eine h\u00fcbsche Erfindung.<br \/>\nEs ist keine leichte Entscheidung, welches f\u00fcr uns gerade das beste oder wichtigste ist, und auf welche Booster unsere Mitspieler ebenfalls ziemlich scharf sind, so dass wir lange, u.U. sogar bis zum Spielende vergeblich darauf warten m\u00fcssen, bis sie wieder verf\u00fcgbar sind.<\/li>\n<li>Das Forschungstableau.<br \/>\nHier gibt es sechs Kriterien, in der wir unsere F\u00e4higkeiten (z.B. Reichweite und Navigation) in sechs Stufen verbessern k\u00f6nnen, wobei wir uns mit jeder Stufe neue Vorteile f\u00fcr die Besiedelung des Universums erwerben.<\/li>\n<li>Basis-Technologien und Ausbautechnologien.<br \/>\nInsgesamt 51 K\u00e4rtchen, davon 23 verschiedene, k\u00f6nnen wir erwerben, um unsere Aktionen und unseren Spielstand honorieren zu lassen.<\/li>\n<li>Rohstoffe und Potenzen<br \/>\nMit jeder Menge an Geld, Erzen, Wissenschaft, Intelligence Cubes, und Machtsteinen m\u00fcssen wir jonglieren, um unsere Fahrten durch das All bestreiten, bis zu 18 Geb\u00e4ude von f\u00fcnf verschiedene Typen (von der einfachen Mine bis zum Regierungssitz) errichten und finanzieren zu k\u00f6nnen, und sie ggf. noch durch eine Satellitenstra\u00dfe f\u00fcr weitere Siegpunktpr\u00e4mien zu verbinden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ach, was soll ich jetzt die ganzen 24 Seiten sch\u00f6nster Spielregeln referieren. Es ist alles gut beschrieben und auf dem reichlichen Spielmaterial durch Piktogramme bestens visualisiert. Man muss blo\u00df richtig hinschauen. \u00dcberall hinschauen! Auf einer Fl\u00e4che von einem Quadratmeter sind die ungez\u00e4hlten Brennpunkte des Spiels angeordnet, jedes Detail ist wichtig, jedes Detail bringt entweder uns, oder falls wie es \u00fcbersehen, unseren Konkurrenten Vorteile im Vorw\u00e4rtskommen. Alles ist rund, alles ist ausbalanziert. Alles muss optimal gehandelt werden. \u00dcberall flie\u00dft Schwei\u00df. Dreieinhalb Stunden lang. Sch\u00f6nster, lobenswertester Spielerschwei\u00df. Man muss es nur m\u00f6gen.<\/p>\n<p>G\u00fcnther hatte auf Wissenschaft gesetzt. Das vermittelte ihm recht bald ein bequemes kostensloses Vorw\u00e4rtskommen auf allen Leisten der Forschungstableaus. Nicht ohne Neid \u2013 wenn sie denn hinschauten &#8211; mussten seine Nachbarn diese Gabe der Natur auf ihn herabrieseln sehen. Nur Moritz blieb gelassen. Er hatte in der Startaufstellung die gr\u00fcnen Terraner bekommen. Seine Spezialaufgabe lag darin, die gr\u00fcnen Planeten zu besiedeln. Er absolvierte seine Aufgabe mit Bravour. Am Ende setzte er sich mit 142 Siegpunkten weit vor G\u00fcnther und meilenweit vor den beiden anderen Mitstreitern ab. Zu Hilfe war ihm dabei gekommen, dass die gr\u00fcnen Planten in dem f\u00fcr die Schlu\u00dfwertung zuf\u00e4llig gezogenen Wertungspl\u00e4ttchen nochmals honoriert wurden. Allerdings hatte er, nach eigenen Bekunden, schon das verwandte \u201cTerra Mystica\u201d tausendmal im Internet studiert und praktiziert, so dass er im Gaia Project auf bekannten Pfaden wandelte.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (1 Punkt mehr als \u201eTerra Mystica\u201c, weil es besser ist und die Regeln griffiger sind), G\u00fcnther: 9 (\u201eTerra Mystica\u201c war bereits super, \u201eGaia\u201c ist noch superer), Moritz: 9 (nicht origineller als \u201eTerra Mystica\u201c, aber besser, logischer und durchsichtiger, es gibt mehrere offene Siegstrategien, die man flexibel handhaben muss), Walter: 7 (f\u00fcr Freaks gewi\u00df 9 Punkte wert, da es keinen Fehl und Tadel aufweist. Aber ist es auch spielerisch, lustig, schadenfreudig, und &#8211; abgesehen von der leichten Konkurrenz auch &#8211; interaktiv? F\u00fcr mich nicht).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Startups&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Ein kleines, reizvolles Kartenspiel mit einigen alten, aber auch einer z\u00fcndenden neuen Idee. Wir ziehen reihum jeweils eine Karte in sechs verschiedenen Farben vom verdeckten Stapel oder von der offenen Auslage (sofern vorhanden) und nehmen diese in unsere Kartenhand auf, dann legen wir eine Karte aus der Hand zur\u00fcck in die offene Auslage oder vor uns als unsere private Farb-Auslage.<\/p>\n<p>Karten einer Farbe, von der wir mehr Karten in unserer privaten Auslage haben, als jeder andere Spieler, d\u00fcrfen wir aus der offenen Auslage nicht nehmen. Den ersten bei\u00dfen die Hunde, die letzten k\u00f6nnen hier problemlos zugreifen.<\/p>\n<p>Am Ende, wenn der verdeckte Kartenstapel aufgebraucht ist, bekommen die Spieler f\u00fcr die Dominanz einer Farbe in ihrer privaten Auslage von jedem Mitspieler, der ebenfalls Karten dieser Farbe ausgelegt hat, einen dicken Strafzoll. Gleicher Mehrheitsbesitz an Farbkarten pattet sich auch; die Minderheiten m\u00fcssen dann auch keine Strafz\u00f6lle bezahlen.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend, was sich da tut. In f\u00fcnf Minuten ist ein Durchgang zu Ende. Jeder darf einmal Startspieler sein, f\u00fcnf mal vier = zwanzig Minuten Logik, \u00dcberraschung und Freude. Und auch ein bi\u00dfchen Pech.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (schnell und fl\u00fcssig), G\u00fcnther: 7, Moritz: 7 (ganz OK; man muss es locker sehen), Walter: 8 (oder 7; spielerisch, kurzweilig, interaktiv, vom Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis her ein Spitzenspiel).<\/em><\/p>\n<p>Frage an die Designer: Wenn jeder Spieler reihum die einzige Karten aus der offenen Auslage nimmt und eine andere Karte daf\u00fcr hinlegt, aber nie eine weitere Karte vom verdeckten Stapel nimmt, dann hat das Spiel NIE ein Ende. Daf\u00fcr ist in den Regeln nichts vorgesehen. Unn\u00f6tig? Nie vorgekommen? Oder kein Platz mehr in der Spielanleitung?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bridge. Offene Bayerische Paarmeisterschaft 2017. Teilnehmen d\u00fcrfen alle, gute wie schlechte Spieler, und nat\u00fcrlich auch Ehepaare, f\u00fcr die Bridge-Turniere generell eine erh\u00f6hte Scheidungsgefahr darstellen, wenn sie diese nicht durch ein in jahrzehnelangem Ehefrust angewachsenes mauerdickes Anti-Frust-Fell wegstecken k\u00f6nnen. 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