{"id":2901,"date":"2019-09-20T00:05:37","date_gmt":"2019-09-19T22:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2901"},"modified":"2022-07-09T12:03:09","modified_gmt":"2022-07-09T10:03:09","slug":"18-09-2018-irrungen-in-ragusa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2019\/09\/20\/18-09-2018-irrungen-in-ragusa\/","title":{"rendered":"18.09.2019: Irrungen in Ragusa"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. &#8220;Ragusa&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Trotz Moritz\u2019 achtmaliger Erfahrung mit diesem Spiel und seiner h\u00f6chst autolaudierten Regelkompetenz haben wir letzte Woche erhebliche Regelfehler ins Spiel gebracht, die den Spielablauf und seinen Ausgang entscheidend ver\u00e4ndert haben. Die beiden gravierendsten Fehler waren:<\/p>\n<ol>\n<li>Wir haben vergessen, jedem Spieler zu Spielbeginn eine Bonuskarte zu geben. Sie bietet einen ersten Anhaltspunkt, in welche (unterschiedliche) Richtung sich ein jeder Spieler orientieren kann, z.B. sich verst\u00e4rkt im Weinbau oder Schiffshandel zu engagieren. Ohne diese Bonuskarten sind wir alle symmetrisch im Wald allein gelassen und schlagen halt irgendeine gangbare Richtung ein. Nach Moritz\u2019 damaliger Empfehlung sollte das zumindest in Reichweite von Erz sein.<\/li>\n<li>Wir haben den Universal-Rohstoff \u201eFisch\u201c total falsch behandelt. Wenn Fische in einen der anderen Rohstoffe umgewandelt werden, so ist das \u201epermanent\u201c, d.h. das Sprudeln unserer Fisch-Quelle erniedrigt sich um den entsprechenden Betrag, und die Zielrohstoffquelle erh\u00f6ht sich. Bei uns konnte Fisch-Kr\u00f6sus Moritz seine Fischquelle von Zug zu Zug umorientieren und hatte so immer und \u00fcberall ausreichend Material, um sich an Verarbeitung oder Verk\u00e4ufen zu beteiligen. Vielleicht hatte er seine Fische sogar nicht nur in Weintrauben, sondern sogar direkt in Wein verwandelt, aber das m\u00f6chte ich hier jetzt auf keinen Fall beschw\u00f6ren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Protokollant hat ebenfalls einen Fehler in seinen Report gebracht: Die Stadt Ragusa, nach der das Spiel benannt ist, ist nicht irgend eine real existierende ambitionierte Stadt in Sizilien, sondern das antike Dubrovnik, das im Osmanischen Reich eine gro\u00dfe Handelsstadt war. Vielleicht sogar schon bei den R\u00f6mern.<\/p>\n<p>Auch wenn Ragusa letzte Woche nur gebremste Zustimmung gefunden hat, sollte es heute in einer kontemplativen 3er Runde seine offenen und versteckten Sch\u00f6nheiten noch einmal offenbaren k\u00f6nnen. Es war zudem eine der seltenen Gelegenheiten, wo zwei Spieler mit einem Spiel bereits erste Erfahrungen gesammelt hatten, hingegen der immer-alles-schon gespielt-habende G\u00fcnther aber nicht.<\/p>\n<p>Walter verlegte sich auf das neulich von Moritz angepriesene Erz, kam damit aber auf keinen Blumentopf. Der Preis war schon vom Start weg (zuf\u00e4llig) mit nur einer einzigen Geldeinheit pro Silberling festgelegt und blieb praktisch w\u00e4hrend des gesamten Spiels auf dieser Armutsgrenze. Walter engagierte sich wie letzte Woche auch verst\u00e4rkt im Mauernbau und war froh, dass ihn hier keiner blockierte. Doch Aaron profitierte noch mehr vom gemeinsamen Mauerbau. 21 Punkte brachten ihm in der Endwertung allein seine H\u00e4user und T\u00fcrme in der Stadtmauer ein. Es reichte zum unangefochtenen Sieg.<\/p>\n<p>G\u00fcnther ging nicht nur hier ziemlich leer aus. Richtig, richtig: er wurde Letzter, zwar nur knapp von Walter geschlagen (das wollte G\u00fcnther jetzt auf jeden Fall im Protokoll sehen), aber wenn unser strategischer Seriensieger in einem w\u00fcrfel- und zufallslosen strategischen Spiel an letzter Stelle landet, so ist dieses &#8211; f\u00fcr alle anderen &#8211; freudige Ereignis in jedem Fall eine Erw\u00e4hnung wert.<\/p>\n<p>Unser Spiel blieb auch diesmal nicht ohne Regelfehler. Aaron baute auch ohne ausreichenden Holzreichtum seine multiplen St\u00e4dte in die Hexaringe der Grenzregion zwischen Stadt und Land. Walter tauschte in einem g\u00fcnstigerem Verh\u00e4ltnis als vorgegeben Fische in den ben\u00f6tigten Stein, wobei anschlie\u00dfend leider die \u201ePermanent\u201c-Regel \u00fcbersehen wurde. Obwohl jeder Spieler nur 12 (in einer 4er Runde sogar nur 10) H\u00e4user auf den Spielplan setzt, ist der Gesamt-Spielstand gegen Ende des Spiels so un\u00fcbersichtlich, dass Z\u00e4hl- und Wertungsfehler fast unvermeidlich sind.<\/p>\n<p>Es war keine Zumutung, das Spiel erneut auf den Tisch zu bringen, aber jetzt beim zweiten Mal ist es schon ziemlich ausgelutscht.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (bleibt, \u201eman h\u00e4tte daraus etwas machen k\u00f6nnen\u201c), G\u00fcnther: 6 (das Spiel hat schon einen gewissen Reiz, aber wenn man bereits nach einer minimalen Spielerfahrung wei\u00df, wohin man optimal ziehen muss, dann ist dieser Reiz auch schon wieder weg. Man muss auf die Details aufpassen wie ein Luchs, damit man nichts falsch macht), Walter: 7 (bleibt, da kann das Spiel ja nichts daf\u00fcr, dass wir beim zweiten Spielen seinen Anfangscharme schon ausgelutscht haben).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;AMUL&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2906\" aria-describedby=\"caption-attachment-2906\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2019\/09\/20\/18-09-2018-irrungen-in-ragusa\/amul-500\/\" rel=\"attachment wp-att-2906\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2906\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AMUL-500.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"376\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AMUL-500.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AMUL-500-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AMUL-500-300x226.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2906\" class=\"wp-caption-text\">AMUL &#8211; Kartenauslage<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Name ist kein Sprechfehler eines Gebisstr\u00e4gers, der den Namen des (grandiosen!) \u201eKennerspiels des Jahres 2018\u201c nicht aussprechen kann. Gro\u00dfschreibung und Lautverschiebung \u201eZ\u201c zu \u201eM\u201c sind beabsichtigt und haben vielleicht sogar Methode.<\/p>\n<p>Dieses (fast) kleine Kartensammel- und Ablegespiel ist ungef\u00e4hr in der Mitte zwischen \u201e7 Wonders\u201c und \u201eRomm\u00e9\u201c angesiedelt. Wir fangen mit einer Hand von 6 Karten an, legen jeweils eine Karte in unsere Auslage, deren Qualifikation sp\u00e4ter unsere Siegpunkte ausmacht, und ziehen vom Nachziehstapel verdeckt eine Karte nach.<br \/>\nEs gibt Karten<\/p>\n<ul>\n<li>mit festen Siegpunktzahlen, z.B. Gold.<\/li>\n<li>deren Siegpunkte wachsen, wenn man mehrere davon ausliegen hat, z.B. Silber.<\/li>\n<li>deren Siegpunkte abnehmen, wenn insgesamt mehrere davon ausliegen, z.B. Kamele.<\/li>\n<li>deren Wert durch den Besitz anderer Karten steigt, z.B. werden Lampen wertvoller, wenn man auch \u00d6l dazu hat.<\/li>\n<li>deren Wert reduziert wird, wenn man bestimmte andere Karten ebenfalls im Sortiment hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weiter gibt es Karten, die es erlauben, eine der offenen Karten am Bazar oder im Palast zus\u00e4tzlich an sich zu nehmen und auszulegen. Damit wird suggeriert, man h\u00e4tte einen gewissen Einfluss auf die eigene Kartenhand. Signifikant ist das aber garantiert nicht.<\/p>\n<p>Ein bemerkenswerter Mechanismus ist das Handeln auf dem Markt. Jeder Spieler muss pro Zug eine der Karten aus seiner Hand in den Markt legen (nat\u00fcrlich die schlechteste) und danach, wenn der Markt gef\u00fcllt ist, wieder eine Karte davon an sich nehmen (nat\u00fcrlich die beste). Wenn man sehr positiv gestimmt ist, darf man darin so eine Art \u201eDrafting-Mechanismus\u201c sehen. Doch bei den Quanten 1 gegen 1 macht das den Ochsen auch nicht fett.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch eine weitere f\u00fcr den Kartenwert entscheidende, f\u00fcr den Charakter des Spiels aber absolut untergeordnete Karteneigenschaft: Es gibt \u201eTischkarten\u201c und \u201eHandkarten\u201c (und \u201eZwitterkarten\u201c). Die \u201eTischkarten\u201c darf man vor sich ableben, die Handkarten muss man auf der Hand behalten, sie werden erst am Spielende komplett zur eigenen Auslage dazugez\u00e4hlt. Die Handkarten sammeln sich in der Hand eines jeden Spielers und beengen seine Auswahl an ablegbaren Tischkarten. Notfalls kann man sie nat\u00fcrlich aber auch auf den Markt geben.<\/p>\n<p>Fazit: Das Gl\u00fcck der gezogenen Karten bedeutet die halbe, wenn nicht die ganze Miete.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (vielleicht hat das Spiel Absacker-Qualit\u00e4ten), G\u00fcnther: 5 (minus, das Spiel reizt mich &#8211; im Gegensatz zu \u201e7 Wonders\u201c &#8211; \u00fcberhaupt nicht), Walter: 5 (zuerst planm\u00e4\u00dfiges, sp\u00e4ter zuf\u00e4lliges Hantieren mit Plus-Minus-Karten; Kenner sind unterfordert, Enkelkinder noch \u00fcberfordert).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Newton&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Auch dieses Spiel haben wir letzte Woche zum ersten Mal aufliegen gehabt. Begrenzt in der Interaktion, aber vielseitig in den Zugfreiheiten.<\/p>\n<p>Walter versuchte diesmal, seinen Gelehrten bei s\u00e4mtliche Universit\u00e4ten des Abendlandes vorbeizuschicken. Zus\u00e4tzlich brachte er sogar gleich drei Famuli zur Strecke, kam in Endeffekt aber nicht \u00fcber den Studentenstatus hinaus. Letzter! <strong>Ohne ein Buch, bleibst Du Eunuch.<\/strong><\/p>\n<p>Aaron und G\u00fcnther wussten, wie man Newton beeindruckt: mit B\u00fcchern, B\u00fcchern, B\u00fcchern! In den letzten Runden scheffelten sie ihre Siegpunkte nur so auf ihr Konto und zogen als stattliche Professoren in das Walhall der Wissenschaften ein. <strong>Mit vielen B\u00fcchern, entgehst Du Newtons Fl\u00fcchern!<\/strong><\/p>\n<p>Dazu mussten sie nat\u00fcrlich in den \u201eLehrstunden\u201c jede B\u00fccherrolle aufnehmen, derer sie habhaft werden konnten. Die Konkurrenz hier lie\u00df fast den solit\u00e4ren Charakter des Spiels vergessen.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst friedlich zogen wir unsere Kreise. Keiner kontrollierte Kosten- und Einnahmen bei den Z\u00fcgen der Mitspieler. Jeder dachte \u00fcber seinen eigenen n\u00e4chsten Zug nach, auch wenn er nicht dran war. Selbst der Denker G\u00fcnther kehrte seine spielerische Ader hervor und verzichtete auf ein noch genaueres Ausrechnen seines jeweils besten Zuges. So konnten wir das Spiel eine geschlagene Stunde schneller beenden als letzte Woche, wo nur Moritz mit seiner Jeden-Zug-in-einer-Sekunde-Manie uns den Atem verschlagen hatte.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther setzte sich mit 8 Punkten an die Spitze der Scorer vom Westpark (\u201eIch fand das jetzt sehr sch\u00f6n\u201c).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. &#8220;Ragusa&#8221; Trotz Moritz\u2019 achtmaliger Erfahrung mit diesem Spiel und seiner h\u00f6chst autolaudierten Regelkompetenz haben wir letzte Woche erhebliche Regelfehler ins Spiel gebracht, die den Spielablauf und seinen Ausgang entscheidend ver\u00e4ndert haben. Die beiden gravierendsten Fehler waren: Wir haben vergessen, jedem Spieler zu Spielbeginn eine Bonuskarte zu geben. 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