{"id":2963,"date":"2020-02-06T15:38:41","date_gmt":"2020-02-06T14:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2963"},"modified":"2020-02-06T17:44:39","modified_gmt":"2020-02-06T16:44:39","slug":"05-02-2020-spielabend-mit-taschenformaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2020\/02\/06\/05-02-2020-spielabend-mit-taschenformaten\/","title":{"rendered":"05.02.2020: Spielabend mit Taschenformaten"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. &#8220;Rituale des Wahnsinns&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Henning Poehl hat mal wieder eine abstrakte Assoziation, die absolut nichts mit Spielen gemein hat \u2013 genauso wie sein geschmackloses \u201ePopeln\u201c oder gar der kriminelle \u201eHexenhammer\u201c &#8211; , gewaltsam zu einer Spielidee umgeformt. Diesmal geht es um Gestalten aus dem Cthulhu-Mythos. Moritz kannte sie alle und h\u00e4tte zu jedem eine ganze Geschichte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Doch uns am Westpark geht es fast ausschlie\u00dflich um Spielmechanismen, und da ist es nebens\u00e4chlich ob wir \u201eRitualpl\u00e4tze\u201c entdecken und \u201egeheime Einfl\u00fcsse\u201c gewinnen: Im &#8220;Wahnsinn&#8221; nehmen wir schlichtweg Karten auf die Hand, spielen gleichzeitig und verdeckt jeweils eine davon aus, drehen sie um, legen sie in der Reihenfolge ihrer Ranges auf zul\u00e4ssige Anlegepl\u00e4tze auf dem Tisch und machen damit Siegpunkte.<\/p>\n<p>Jeder Spieler bekommt zu Spielbeginn einen definierten eigenen Anlegeplatz zugeteilt, den er bei sich \u201e\u00f6ffnet\u201c. Zus\u00e4tzlich bekommt jeder Spieler noch 9 Ablegekarten auf die Hand. Jede Ablegekarte besitzt eine Wertigkeit zwischen 1 und 5 und kann an drei verschiedenen, genau definierten Anlegepl\u00e4tze angelegt werden. Gibt es mehrere ge\u00f6ffnete Anlegepl\u00e4tze, an denen eine Ablegekarte abgelegt werden kann, so darf der Spieler beliebig einen davon ausw\u00e4hlen. Dabei ist es egal, ob der Anlegeplatz dem aktiven Spieler geh\u00f6rt oder einem Mitspieler.<\/p>\n<p>Vier Ablegekarten passen an jeden Anlegeplatz. Ist das Quartett beisammen, wird der Ablegeplatz abgerechnet: die erste Ablegekarte geht leer aus: sie muss sofort bei einem Mitspieler angelegt werden. Die zweite und dritte Karte bringt je einen Siegpunkt pro Wertigkeit. Die vierte Karte wird mit dem F\u00fcnffache ihrer Wertigkeit belohnt; im Idealfall hat sie eine Wertigkeit von 5 und bringt dementsprechend allein f\u00fcr sich satte 25 Siegpunkte ein. Jeder Spieler strebt nat\u00fcrlich solche hohen Ertr\u00e4ge an. Deswegen liegt es nat\u00fcrlich innerhalb der Ambitionen der Spieler, diese Ertr\u00e4ge zu vermindern, indem man z.B. bei diesem Mitspieler schnell mal eben als vierte Karte eine Ablegekarte mit der Minimalwertigkeit von 1 anlegt. Lustig, was?!<\/p>\n<p>Befindet sich f\u00fcr eine ausgespielte Ablegekarte kein zul\u00e4ssiger Anlegeplatz offen auf dem Tisch, darf bzw. muss der Spieler einen geeigneten neuen Anlegeplatz aus dem \u00f6ffentlichen Reservestapel w\u00e4hlen und zusammen mit der ausgespielten Karte bei sich \u201e\u00f6ffnen\u201c. Dieser Zug ist auch die einzige M\u00f6glichkeit, an neue, lebenswichtige Anlegepl\u00e4tze heranzukommen, andernfalls muss man seine Anlegekarten notgedrungen bei den Mitspielern loswerden und schustert ihnen auf diese Weise unweigerlich Siegpunkte zu, selbst wenn diese nur gering sein sollten.<\/p>\n<p>In dieser Situation befand sind Moritz \u00fcber l\u00e4nger als die H\u00e4lfte des Spieles: Sein einziger, bei Spielbeginn zugeteilter Anlegeplatz war abgerechnet, und er hatte rundenlang keine einzige Anlegekarte, mit der er einen neuen h\u00e4tte er\u00f6ffnen k\u00f6nnen. Das ist nicht \u201elustig\u201c, das ist \u201ebroken\u201c! Aaron schickte am Morgen danach eine Eilmail, um noch einmal in der Spielregel nachschauen zu lassen, <strong>\u201eob wirklich nirgendwo steht, dass man einen neuen Anlegeplatz nehmen darf, falls man keinen mehr hat. Ich kann gar nicht glauben, dass Henning dieses offensichtliche Problem nicht erkannt haben sollte\u201c<\/strong>. Nein, dar\u00fcber steht in der Spielregel tats\u00e4chlich kein einziges Sterbensw\u00f6rtchen! Andere Leute haben halt andere Vorstellung von Lustigkeit und Spiel!<\/p>\n<p>Ansonsten besteht der ganze Spielablauf lediglich darin, die insgesamt 27 Ablegem\u00f6glichkeiten seiner 9 Ablegekarten danach abzuchecken, an welche der vier bis f\u00fcnf Anlegepl\u00e4tze auf dem Tisch man sie hinlegen kann, wo sie am meisten einbringen, wo sie einen Mitspieler am meisten schaden oder ob sie nirgendwohin passen und somit einen neuen Anlegeplatz erlauben. Bei der gegebenen sparsamen Farbgebung eine m\u00fchsame Angelegenheit f\u00fcr einen minimalen Spielspa\u00df.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 2 (das Spiel hat mir noch in keiner der ca. 6 Varianten gefallen, die ich w\u00e4hrend seiner Entwicklung kennengelernt habe; das Spiel ist nicht \u201ebroken\u201c, aber ich brauche es nicht noch einmal zu spielen), G\u00fcnther: 3 (nervig, ich finde nichts Spa\u00dfiges daran, aber die Regeln stimmen), Moritz: 1 (bizarr, keinerlei Spa\u00df, nichts was interessant ist, eines der schlechtesten Spiele, die ich je gespielt habe, fast eine Parodie auf Aarons \u201eLoot Island\u201c. Poehls \u201ePopeln\u201c [WPG: 2,5] und \u201eHexenhammer\u201c [WPG: 2,0] waren besser), Walter: 3 (unstimmig in der Anforderung, die Ablege-Optionen zu checken und die Analyse daraus einem berechenbaren Ausgang zuzuf\u00fchren; vielleicht als Idee zu einem D\u00f6delspiel nutzbar).<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die Sprachpuristen: Hier in diesen wenigen kurzen Abs\u00e4tzen kommen 27 mal die W\u00f6rter \u201eAnlegeplatz\u201c bzw. \u201eAblegekarte\u201c vor. Meint Ihr, ich fand das beim Schreiben jetzt lustig? Wenn ich stattdessen die Orginal-Terminologie \u201eRitualplatz\u201c und \u201eRitualkarte\u201c verwendet h\u00e4tte, w\u00e4re das denn lustiger \u2013 oder wenigstens verst\u00e4ndlicher &#8211; gewesen?<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Belratti&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2967\" aria-describedby=\"caption-attachment-2967\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2967 size-full\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Unbenannt-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Unbenannt-1-1.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Unbenannt-1-1-300x295.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Unbenannt-1-1-150x148.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2967\" class=\"wp-caption-text\">Die Musumsdirektoren Aaron und G\u00fcnther beraten \u00fcber eine F\u00e4lschung von &#8220;Belratti&#8221;.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste das Spiel \u201eBeltracchi\u201c hei\u00dfen, nach dem gr\u00f6\u00dften Bilderf\u00e4lscher des 21. Jahrhunderts, der sich mit Hunderten von nachempfundenen Corinths, Marcs, Campendonks und wie sie alle hei\u00dfen ungez\u00e4hlte Millionen Euros ermalt hat. Aber wahrscheinlich hat der K\u00fcnstler seinen Namen daf\u00fcr nicht hergegeben.<\/p>\n<p>Als Team spielen wir die beiden Parteien Maler und Museumsdirektoren und versuchen uns gegen den F\u00e4lscher Belratti zu wehren. Gesteuert wird das Spiel \u00fcber 190 Motiv-Karten, die einfache klare Objekte darstellen: ein Telefon, eine Bratwurst, ein Damenschuh und so weiter. Die Museumsdirektoren geben jeweils zwei dieser Motive vor und m\u00f6chten von der K\u00fcnstlergruppe eine bestimmte Anzahl von Gem\u00e4lden zu diesen Motiven erstehen. Die K\u00fcnstler suchen aus ihren Gem\u00e4lden \u2013 jeder hat 9 St\u00fcck davon auf der Hand \u2013 diejenigen aus, die ihrer Meinung nach zu dieser Vorgabe am besten passen. Danach werden noch vier weitere Gem\u00e4lde vom verdeckten Stapel (die F\u00e4lschungen von Belratti) dazugegeben. Die Museumsdirektoren m\u00fcssen nun herausfinden, welche Bilder von den K\u00fcnstlern stammen und welche Belratti dazugeschustert hat. Ein h\u00fcbsches, breit ausdiskutierbares R\u00e4tselraten und Philosophieren um die Assoziationsm\u00f6glichkeiten, nach denen die K\u00fcnstler ihre Gem\u00e4lde wohl ausgew\u00e4hlt hatten.<\/p>\n<p>Nicht erkannte Belratti-Gem\u00e4lde kommen auf den Negativ-Stapel und f\u00fchren fr\u00fcher oder sp\u00e4ter das Spielende herbei. Richtig erkannte und zugeordnete Gem\u00e4lde der K\u00fcnstler bringen Siegpunkte. Am Ende haben entweder Museumsdirektoren und K\u00fcnstler gemeinsam als Team gewonnen, oder Belratti hat sie alle reingelegt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (ein sch\u00f6nes Spiel, man kann es mit jedem spielen), G\u00fcnther: 7 (nettes, lustiges Kommunikationsspiel; es hat Spa\u00df gemacht. [Wir waren ja gerade erst massiv Spa\u00df-entw\u00f6hnt!]), Moritz: 8 (Phantasie erregend, originell, keine gro\u00dfe Erkl\u00e4rung notwendig), Walter: 7 (eine Kooperation, bei der man sich gegenseitig ordentlich beraten kann, und wo der Gedankenaustausch beim Beraten ein wesentlicher Beitrag zum Spielespa\u00df ist).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Deckscape: Hinter dem Vorhang&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Gemeinsam m\u00fcssen wir eine Serie von R\u00e4tseln l\u00f6sen \u2013 54 St\u00fcck -, die zum Teil aufeinander aufbauen, im Prinzip aber doch locker &#8211; oder auch verkrampft, wenn man es so nimmt &#8211; zusammengestellt sind. Mittels Spiegel, Schablonen, Raster, raffinierte Blickwinkel und \u00e4hnlichen Techniken sowie einer gro\u00dfen Portion Findigkeit m\u00fcssen wir die via Bilder und Texten gestellten Fragen beantworten. Falls wir irgendwo nicht weiterkommen, d\u00fcrfen wir im Hilfeblatt nachschauen, aber das kostet Strafminuten.<\/p>\n<p>Wenn wir alles unter 75 Minuten geschafft haben, sind wir w\u00fcrdig, als neue Meistersch\u00fcler aufgenommen zu werden. Wir schafften es in etwa zwei Stunden, kurz vor der vorletzten U-Bahn f\u00fcr Moritz. Summa sine lauda.<\/p>\n<p>Moritz war der einzige, der mit Leidenschaft die R\u00e4tsel anging und auf die Zeit dr\u00e4ngte. Die anderen wollten eher R\u00e4tsel und L\u00f6sungswege genie\u00dfen und vollzogen in Ruhe das nach, was Moritz gerade mal wieder herausgefunden hatte. Walter gefiel sich nach eine Viertelstunde in der Rolle des kontemplativen Betrachters, ohne sich deswegen in den restlichen 105 Minuten zu langweilen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nur 4 Punkte, ich tu mir immer schwer mit diesem Spielprinzip, aber das Spiel ist wohlkonstruiert), G\u00fcnther: 6 (ich l\u00f6se gerne R\u00e4tsel, aber nicht unter Zeitdruck; eine \u201eparallelisierte\u201c L\u00f6sung, wo die Spieler m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig von einander im Akkord jeder an einer anderen R\u00e4tselecke arbeiten, macht nicht soviel Spa\u00df), Moritz: 6 (die R\u00e4tsel waren &#8211; fast alle \u2013 fair), Walter: 6 (die Autoren haben sich viel M\u00fche bei der Erfindung der Aufgaben gegeben, mehr als ich f\u00fcr die L\u00f6sung zu opfern bereit bin. Wenigstens war hinterher das Spiel nicht kaputt).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. &#8220;Rituale des Wahnsinns&#8221; Henning Poehl hat mal wieder eine abstrakte Assoziation, die absolut nichts mit Spielen gemein hat \u2013 genauso wie sein geschmackloses \u201ePopeln\u201c oder gar der kriminelle \u201eHexenhammer\u201c &#8211; , gewaltsam zu einer Spielidee umgeformt. Diesmal geht es um Gestalten aus dem Cthulhu-Mythos. 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