{"id":3181,"date":"2022-07-17T16:45:33","date_gmt":"2022-07-17T14:45:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=3181"},"modified":"2022-07-17T19:28:48","modified_gmt":"2022-07-17T17:28:48","slug":"13-07-2022-das-wunderbare-manitoba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2022\/07\/17\/13-07-2022-das-wunderbare-manitoba\/","title":{"rendered":"13.07.2022: Das wunderbare Manitoba"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Wenn ein amerikanischer Autor \/ Verlag sein Spiel in Mecklenburg ansiedelt und dann die Eingeborenen in Lederhosen herumhopsen und Maib\u00e4ume aufstellen l\u00e4sst, bekommt er dann von der Kritik Punkt-Abz\u00fcge? Das mag jeder halten wie er will, uns ist echtes oder falsches Flavor ohnehin schietegaal? (To whom it may concern.)<br \/><br \/><strong>1. &#8220;Manitoba&#8221;<\/strong><\/p>\r\n<figure id=\"attachment_3186\" aria-describedby=\"caption-attachment-3186\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3186 size-full\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/manitoba.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/manitoba.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/manitoba-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/manitoba-150x95.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3186\" class=\"wp-caption-text\">\u201eManitoba\u201c \u2013 Aaron erkl\u00e4rt auf der sommerlichen Terrasse am Westpark<\/figcaption><\/figure>\r\n<p><br \/>Wo auch immer. Auf einer gegebenen, in Hexagons aus 5 verschiedenen Farben aufgeteilten Manitoba-Fl\u00e4che sind 5 Ressourcen (Beeren, Bisons, Pferde, Kanus und Adlerfedern) in genau diesen Farben abgelegt, pro Feld 1 Ressource. Dorthin platziert im Laufe des Spiels jeder Spieler ein paar wenige seiner \u201eCrees\u201c (P\u00f6ppel), sammelt das jeweils auf seinem Standhexagon lagernde Gut ein und lagert es in seinem Beeren-, Bison-, Pferde- oder Kanus-Stadl. Adlerfedern sind Jocker.<br \/><br \/>Ein Spieler darf mit seinem Cree auch erst noch einen Schritt zur Seite (bzw. vorw\u00e4rts, r\u00fcckw\u00e4rts) tun, bevor er das dort vorhandene Gut aufliest. Das erspart neu einzusetzende Crees, und diese sind eine rare Manpower. Ist die n\u00e4here Umgebung allerdings bereits abgegrast \u2013 und unter Mithilfe der Mitspieler geschieht das sehr schnell \u2013 dann bleibt einem nichts anderes \u00fcbrig als einen seiner Crees aus seinem Dorfplatz neu einzusetzen \u2013 oder ganz auf die entsprechende Einnahme zu verzichten.<br \/><br \/>In \u2013 wenige Schritte &#8211; voraus erkennbaren Runden wird der Besitz eines jeden Spieler in einem seiner Stadl honoriert (und anschlie\u00dfend wegger\u00e4umt). Dabei werden die gesammelten Quanten an Beeren, Bisons, Pferden oder Kanus nach unorthodox skalierten Ma\u00dfst\u00e4ben honoriert.<br \/><br \/>Ein Spieler darf auf diese Honorierung auch verzichten, um sein gesammeltes Gut erst in einer sp\u00e4teren Runde werten zu lassen, weil er noch ein paar weitere Beeren, Bisons \u2026 dazu ernten m\u00f6chte, und damit die Bereiche von \u00fcberproportional steigender Skalierung ausnutzen kann.<br \/><br \/>Nicht alle diese Z\u00fcge sind a priori erlaubt, manche muss man sich durch Emporsteigen auf den vier Pfaden des \u201eVisionsplanes\u201c erst erwerben.<br \/><br \/>Das Bemerkenswerteste (im positiven Sinne) des Spiels ist der Zug-Mechanismus. Es gibt ein \u201eTotem\u201c bestehend auf 5 \u00fcbereinander gestapelten Scheiben in genau den 5 Farben der Ressourcen. Der aktive Spieler w\u00e4hlt beliebig die Scheibe mit der Farbe, auf deren korrespondierenden Manitoba-Hexagon er einen seiner Crees ernten lassen will. Er hebt dann diese Scheibe und alle dar\u00fcber liegenden Scheiben vom Totem ab und legt sie in einen tempor\u00e4ren Bereich. Nachdem er seinen Zug ausgef\u00fchrt hat, d\u00fcrfen alle Mitspieler eine eigene Sekund\u00e4r-Aktion basierend auf einer beliebigen Scheibe im tempor\u00e4ren Bereich ausf\u00fchren.<br \/><br \/>Nat\u00fcrlich liegt es im heimlichen Bestreben eines Spielers, so wenige Scheiben wie m\u00f6glich vom Totem abzuheben, m\u00f6glichst nur die oberste Scheibe, um damit den Aktionsradius seiner Mitspieler zu begrenzen, u.U. vielleicht sogar auf Null, wenn z.B. nur ein einziges Gut dieser Farbe in Manitoba vorhanden ist, und dieses vom aktiven Spieler selber kassiert wird. Aber ein wirklich wirksames Verfolgen diese Miesnickeligkeit l\u00e4sst sich nur schwer realisieren, es liegt zu oft im Konflikt mit anderen, lukrativeren Z\u00fcgen.<br \/><br \/>Moritz gewann mit nur genau 1 Punkt Vorsprung vor G\u00fcnther und einem klaren Vorsprung vor Aaron und Walter \u2013 ein deutliches Zeichen f\u00fcr ein planbares Spiel, das in der Punkte-Vergabe Spiel auch nicht nach einem Gie\u00dfkannenprinzip vorgeht.<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (die Idee f\u00fcr den Zug-Mechanismus ist gut, auch wenn sie noch leichte Unsch\u00e4rfen besitzt; die Geschwindigkeit, mit der sich das Spiel spielt, wiegt seine Schw\u00e4chen nicht auf; allein schon die Ressourcen-Knappheit ist ein unn\u00f6tiges Gl\u00fcckselement), G\u00fcnther: 6 (der \u201eVisionsplan\u201c und ein paar weitere Spielelemente sind wenig relevant), Moritz: 7 (das Spiel ist nicht uninteressant, f\u00fcr mehr Punkte ist es allerdings nicht innovativ genug), Walter: 5 (rund mit Ecken, der (lendenlahme) Run auf die Punktausbeute ist ein rechtes \u201eGefrickel\u201c [Moritz-Terminologie]).<\/em><br \/><br \/><strong>2. &#8220;Eine wunderbare Welt&#8221;<\/strong><br \/><br \/>Wir sind weder in Mecklenburg-Vorpommern noch in Manitoba. Der Verlag schreibt schlicht: \u201e<em>Ihr lenkt die Geschicke eines expandierenden Imperiums. Entwickelt euch schneller und besser als eure Konkurrenten<\/em>\u201c! Uns am Westpark reicht das, nur Moritz vermisst etwas Thema, in dem er Phantasie und Emotionen auslassen kann.<br \/><br \/><\/p>\r\n<figure id=\"attachment_3184\" aria-describedby=\"caption-attachment-3184\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2022\/07\/17\/13-07-2022-das-wunderbare-manitoba\/einewunderschoenewelt\/\" rel=\"attachment wp-att-3184\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3184\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/EineWunderschoeneWelt.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/EineWunderschoeneWelt.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/EineWunderschoeneWelt-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/EineWunderschoeneWelt-150x105.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3184\" class=\"wp-caption-text\">\u201eEine wundersch\u00f6ne Welt\u201c \u2013 Spielmaterial.<\/figcaption><\/figure>\r\n<p>Der Titel erinnert an \u201e7 Wonders\u201c, davon sind auch wesentliche Teile des Spielprinzips abgekupfert. Wir sammeln Produktionskarten, die Rohstoffe und Punkte liefern. und mit Rohstoffe erwerben wir weiterer Produktionskarten. Diese Karten k\u00f6nnen bei Bedarf auch als Rohstoff eingesetzt werden, bei &#8220;7 Wonders&#8221; entspricht das dem Verscherbeln zu Geld.<br \/><br \/>Es gibt das bekannte Karten-Drafting, anhand dessen wir uns aus einem Set von 7 Karten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck heraussuchen, um daraus unser Imperium zu bauen. Und jeder Spieler bekommt wie bei \u201e7 Wonders\u201c im Startaufbau eine individuelle Produktionskarte, die (auf der A-Seite) einem jeden Spieler schon sehr deutlich in die Schiene dr\u00fcckt, in der er sich entwickeln soll, wenn er Chancen auf den Sieg haben will.<br \/><br \/>Als Schienen sind 5 Kategorien gegeben, sie tragen die Namen Baumaterial, Energie, Wissen, Gold und Erkundung, aber mnemotechnisch sind sie sehr viel besser durch die zugeh\u00f6rigen Farben grau, schwarz, gr\u00fcn, gelb und blau identifiziert. Wir haben das Spiel gespielt, ohne auch nur einen einzigen Blick auf diese Kategorienamen zu werfen. Genauso wenig haben uns die Namen der Karten interessiert. Namen wie \u201eIndustriekomplex\u201c, \u201ePanzerdivision\u201c (f\u00fcr Energie!), Quantengenerator oder \u201eK\u00f6nig Salomos Minen\u201c zeigen auch keinerlei Auseinandersetzung mit Thema und Technik an, h\u00f6chstenfalls dies, dass Autor\/Verlag routiniert-mechanisch im Internet nach einigerma\u00dfen klingenden Begriffen gesucht haben. Das Spiel ist nicht von einem leidenschaftlichen Spieleautor erfunden worden, der eine Idee, einen Traum f\u00fcr die Spielergemeinde realisieren wollte, sondern von einem umsatzorientierten Unternehmer, der lediglich mit plagierend-adaptierten Elementen auf einen fahrenden Zug aufsprang, um dort sein kleines Gesch\u00e4ft zu erledigen.<br \/><br \/>Moritz gewann mit mehr als doppelt so vielen Punkten wie G\u00fcnther als Zweiter. Er erreichte genau 100 Punkte und wurde damit nach dem Regelheft als \u201elebender Gott\u201c apostrophiert. Nichts gegen deinen tollen Sieg, lieber Moritz, nichts gegen dein zweifelsohne konsequentes, erfolgsorientiertes Vorgehen; aber du hast selber unverz\u00fcglich zugestanden, dass dich die Startaufstellung mehr oder weniger auf diese Schiene gedr\u00fcckt hat. Die \u201eAsiatische F\u00f6rderation\u201c, die a priori zwei gelbe Kaufkr\u00e4fte besitzt, die in der Schlussabrechnung den Besitz von gelben Karten honoriert, ausgerechnet eine Kartenfarbe, von der auch noch die meisten Karten im Kartendeck sind &#8211; mehr als die anderen punkte-tr\u00e4chtigen Karten gr\u00fcn oder blau -, und deren intra-spezifische Produktion (also gelb f\u00fcr gelb) am h\u00f6chsten von allen Farben ist, ist als \u2013 gekonnt gefahrene \u2013 gelbe Schiene nicht zu toppen. Es sei denn, die Mitspieler w\u00fcrden \u2013 die eigene Siegchance aufopfernd, oder kingmakerisch sich absprechend &#8211; dagegen arbeiten. Aber selbst unser Meister im Analysieren von Besitzstand und Ambitionen der Konkurrenz bekannte: \u201eDie ausgew\u00e4hlten Karten der Mitspieler beobachten wird man wohl nicht. Da sind die fertigen und begonnenen Karten wichtiger \u2026\u201c<br \/><br \/>Ein Spiel, in dem G\u00fcnther mit der halben Punktezahl an der zweiten Stelle landet, hat in Bezug auf Planbarkeit und Ausgewogenheit erhebliche Schw\u00e4chen.<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: Aaron:4 (die H\u00e4lfte der Punkte von \u201e7 Wonders\u201c, reines, abstraktes Farbensammeln; gegen Mitspieler zu spielen (wie in der gr\u00fcnen oder roten Strategie von \u201e7 Wonders\u201c) ist nicht gut praktizierbar), G\u00fcnther: 8 (ein schnelles Spiel, schnell erkl\u00e4rt, es gibt viele M\u00f6glichkeiten zu verfolgen), Moritz: 8 (ein Spiel f\u00fcr die Gewinnpunkt-Maximierung, so etwas macht immer Spa\u00df), Walter: 5 (zu abstrakt, zu zuf\u00e4llig, zu solit\u00e4r, zu schwei\u00dftreibend und zu wenig spielerisch).<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein amerikanischer Autor \/ Verlag sein Spiel in Mecklenburg ansiedelt und dann die Eingeborenen in Lederhosen herumhopsen und Maib\u00e4ume aufstellen l\u00e4sst, bekommt er dann von der Kritik Punkt-Abz\u00fcge? 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