{"id":3436,"date":"2025-06-13T00:46:25","date_gmt":"2025-06-12T22:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=3436"},"modified":"2025-06-13T16:36:37","modified_gmt":"2025-06-13T14:36:37","slug":"11-06-2025-zappelphilipp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2025\/06\/13\/11-06-2025-zappelphilipp\/","title":{"rendered":"11.06.2025: Zappelphilipp"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Was ist ein Plagiat? Nach Wikipedia ist es die Anma\u00dfung fremder geistiger Leistungen. Das bezieht sich auf Texte, Ideen oder Designs. Bei Texten ist die Identifikation eines Plagiats vielleicht noch einfach. Bei Musikst\u00fccken k\u00f6nnten 4 bis 8 T\u00f6ne ausreichen, wenn sie \u201eals wesentlicher Teil\u201c eines Werkes gelten. Ta-ta-ta-taaah. Das ist gesetzlich aber nicht festgelegt.<br \/><br \/>Beim Spieledesign ist der Graubereich noch gr\u00f6\u00dfer. Da darf man unangefochten fast alles kopieren. Wenn ich z.B. eine Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht-Variante herausbringe, bei der jeder Spieler 5 P\u00f6ppel in Pyramidenform mittels 2 W\u00fcrfeln rechtsherum vom Start zum Spiel bringen muss, sind bereits so viele Ver\u00e4nderungen eingebracht worden, dass diese Sch\u00f6pfung als ganz neues Spiel gilt. Und wenn ich Gl\u00fcck habe, bekomme ich daf\u00fcr von der Jury Spiel-des-Jahres sogar noch den Lorbeerkranz.<br \/><br \/>Aaron und G\u00fcnther haben uns heute drei Kartenspiele vorgestellt, die alle sehr, sehr \u00e4hnlich sind, die nur handwerkliche Umformungen darstellen, aber keineswegs Geistesblitze voraussetzen. Eines davon hat es tats\u00e4chlich in die SdJ-Preisr\u00e4nge gebracht.<br \/><br \/>Alle drei funktionieren nach dem Prinzip \u201ecan\u2019t stop\u201c bzw. \u201epush-your-luck\u201c,<br \/><br \/><strong>1a. &#8220;Pairs&#8221;<\/strong><br \/><br \/>Das \u00e4lteste dieser drei Spiele. 2014 erschienen, James Ernest und Paul Peterson sind die Autoren.<br \/><br \/>Aus einem gemeinsamen, verdeckten Stapel von 55 Karten mit Zahlen von 1 bis 10 zieht jeder Spieler solange er will jeweils eine Karte heraus und legt sie vor sich aus. Wenn er eine Karte mit einer Zahl zieht, die er bereits vor sich liegen hat, muss er alles hergeben und bekommt 0 Siegpunkte.<br \/><br \/>H\u00f6rt er rechtzeitig auf, geht er mit der Summe seiner ausgelegten Karten in die Endwertung ein. Der Spieler mit der gr\u00f6\u00dften Summe bekommt die meisten Siegpunkte, in der Rangfolge nach unten gibt es jeweils einen Siegpunkt weniger. Brav, sauber, \u00fcbersichtlich.<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5, G\u00fcnther: 5, Moritz: 4 (1 Punkt mehr daf\u00fcr, dass hier gleich 30 verschiedene Spiele aufgef\u00fchrt sind), Walter: 4 (Beer &amp; Pretzel Spiel).<\/em><br \/><br \/><strong>1b. &#8220;Abgestaubt&#8221;<\/strong><br \/><br \/>Der Meister Knizia sowie sein Mitautor Miguel \u00c1ngel Gal\u00e1n haben es am 23. Januar dieses Jahres herausgebracht. Der prinzipielle Spielablauf ist gleich. Aus einem gemeinsamen, verdeckten Stapel von 115 Karten mit Zahlen von 1 bis 15 zieht jeder Spieler solange er will jeweils eine Karte heraus und legt sie vor sich aus. Wenn er eine Karte mit einer Zahl zieht, die er bereits vor sich liegen hat, muss er alles hergeben und bekommt 0 Siegpunkte.<br \/><br \/>H\u00f6rt er rechtzeitig auf, bekommt er die Summe seiner ausgelegten Karten gutgeschrieben. Aber nicht gleich! Erst wenn er das n\u00e4chste Mal wieder an der Reihe ist. Hier hatte doch zumindest Knizia seine Meisterhand im Spiel!<br \/><br \/>Jeder Spieler darf nach jedem Ziehen einer Karte \u2013 und sofern er dabei nicht ausscheidet \u2013 schauen, ob ein oder mehrere Mitspieler eine oder mehrere gleiche Zahlenkarten vor sich liegen haben. Alle diese Karten darf er an sich nehmen und in seine Auslage legen. Jeder Spieler geht also immer die Gefahr ein, dass seine Auslage gepl\u00fcndert ist, bevor er wieder an der Reihe ist und sie sichern kann.<br \/><br \/>Wir haben viel gelacht. Reine Schadenfreude.<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 7, G\u00fcnther: 6, Moritz: 5, Walter: 6 (zum warming-up).<\/em><br \/><br \/><strong>1c &#8220;Flip 7&#8221;<\/strong><br \/><br \/>Vom Autor Eric Olsen und KOSMOS dieses Jahr genau 2 Monate nach Knizias \u201eAbgestaubt\u201c herausgebracht<br \/><br \/>Aus einem gemeinsamen, verdeckten Stapel von 81 Karten mit Zahlen von 0 bis 12 zieht jeder Spieler solange er will jeweils eine Karte heraus und legt sie vor sich aus. Wenn er eine Karte mit einer Zahl zieht, die er bereits vor sich liegen hat, muss er alles hergeben und bekommt 0 Siegpunkte.<br \/><br \/>Der Verlag preist sein Spiel an mit: \u201eDas beste Kartenspiel aller Zeiten!\u201c Bei so einem stinkenden Eigenlob habe ich keine Lust, weitere Einzelheiten zu beschreiben. Lediglich: Es gibt Bonus- und \u00c4rgerkarten. So etwas wird am Westpark ja grunds\u00e4tzlich mit Abz\u00fcgen gehandelt.<br \/><br \/>Nominiert zum &#8216;Spiel des Jahres 2025&#8217;.<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5, G\u00fcnther: 6, Moritz: 3 (Da alle drei Spiele nur Gl\u00fccksspiele sind, bin ich f\u00fcr das zweite, da haben wir wenigstens gelacht), Walter: 3.<\/em><br \/><br \/><strong>2. &#8220;Cities&#8221;<\/strong><br \/><br \/>In diesem Workerplacementspiel darf jeder Spieler in jeder der acht Spielrunden einen seiner vier P\u00f6ppel in eine von vier Kategorien platzieren:<br \/><br \/>1) Er eignet sich ein quadratisches Grundst\u00fcck mit zusammen vier Subquadraten aus Wasser, Wiese oder Baugrundst\u00fccken in vier Farben an.<br \/><br \/>2) Er baut zwei, drei oder vier Stockwerke in definierten der vier Farben auf seine gleichfarbigen Grundst\u00fccke.<br \/><br \/>3) Er legt sich Modifier zu, die seine Wasser- oder Wiesenfl\u00e4chen wertvoller machen, und<br \/><br \/>4) Er w\u00e4hlt Auftr\u00e4ge, die in der Schlusswertung sein Besitztum an H\u00e4usern mit Punkten honorieren, z.B. gibt es f\u00fcr jedes 1, 2, 3 oder 4-st\u00f6ckige Haus in den Farben rot, gr\u00fcn, gelb oder blau 2, 3, 4 oder 6 Siegpunkte.<br \/><br \/>Zus\u00e4tzlich gibt es Punkte f\u00fcr die Spieler, die mit ihren Bauaktivt\u00e4ten vorgegebene Stadtentwicklungspl\u00e4ne als erste realisiert haben.<br \/><br \/>Im Finale hat jeder unweigerlich 8 Auftr\u00e4ge angesammelt, nach denen aus seinem Besitztum Siegpunkte flie\u00dfen. Dazu kommen die Wiesen- und Wasserfl\u00e4chen mit ihren Modifieren sowie angesammelte fixe Siegpunkte. Ganz sch\u00f6n aufwendig.<br \/><br \/>Der Verlag wirbt mit \u201eEin St\u00e4dteausbauspiel f\u00fcr die ganze Familie mit intuitivem Puzzle-Charakter und schnellen Spielz\u00fcgen\u201c. Westparks Meinung: Da muss das j\u00fcngste Familienmitglied aber schon ganz sch\u00f6n alt sein.\u201c<br \/><br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7 (in einer 3er Runde ist es ganz locker), Aaron: 4 (\u00fcberhaupt nicht locker; als \u201eFamilienspiel\u201c firmiert es unter einer falschen Flagge; allein die Siegpunkt-Ausrechnung bei Spielende ist eine Zumutung), Moritz: 6 (ich w\u00fcnschte mir mehr Varianz in den Auftragskarten, aber ich w\u00fcrde es noch einmal spielen), Walter: 5 (wenn man es gut spielen will, m\u00fcsste man bei jedem Zug ungez\u00e4hlte Optimierungen durchrechnen; das ist es das Spiel nicht wert).<\/em><br \/><br \/>Zwischendrin gab es bei uns mal wieder einen heftigen Regelstreit um lumpige 3 Siegpunkte. In Buenos Aires gab es diese Punkte f\u00fcr den zweiten Spieler, der den Stadtentwicklungsplan f\u00fcr einen \u201eRegattasee\u201c erf\u00fcllt hat. Dazu musste eine Wasserfl\u00e4che aus mindestens 3 zusammenh\u00e4ngenden Subquadraten vollst\u00e4ndig von Geb\u00e4uden umschlossen sein. Was hei\u00dft \u201evollst\u00e4ndig umschlossen\u201c?<br \/><br \/>Ein Gebiet ist zusammenh\u00e4ngend, wenn alle Subquadrate orthogonal miteinander verbunden sind. Diagonale benachbarte Teile gelten nicht als verbunden. Muss die \u201evollst\u00e4ndige Umschlie\u00dfung\u201c jetzt auch an den diagonal angrenzenden Subquadraten vorhanden sein? Die Logik sagt ja, die Abbildung im Regelheft zeigt ja, nur der 3-Siegpunkt-geile-Spieler sagte nein. Heftig! Eindringlich. Penetrant. Er liest die Definition von lauter unwesentlichen Begriffen vor, um anschlie\u00dfend wie ein Winkeladvokat klare Aussagen im Regelheft zu verf\u00e4lschen. Aus \u201evollst\u00e4ndig umschlossen\u201c macht er im Handumdrehen ohne das geringste Zittern in der Stimme \u201eorthogonal umschlossen\u201c. Von dieser Unverfrorenheit musste ich mich in einer Auszeit erst einmal erholen.<br \/><br \/>Und die Spieler blickten stumm<br \/>um den ganzen Tisch herum.<br \/><br \/>Inzwischen wurde die KI gefragt, wie sie diesen Streitpunkt entscheiden w\u00fcrde. Und siehe da, ohne dass es daf\u00fcr irgendwo einen Anhaltspunkt gab, behauptete sie:<br \/><em>\u201eEine Wasserfl\u00e4che ist vollst\u00e4ndig umschlossen, wenn sie von benachbarten Pl\u00e4ttchen vollst\u00e4ndig umringt ist \u2013 also an allen vier Seiten (oben, unten, links, rechts) direkt an andere Pl\u00e4ttchen angrenzt. \u2026 Diagonale Verbindungen z\u00e4hlen nicht \u2013 es m\u00fcssen tats\u00e4chlich angrenzende Seiten sein.\u201c<\/em><br \/>1:0 f\u00fcr den 3-Siegpunkt-geilen-Spieler.<br \/><br \/>Doch das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. Aaron suchte weiter im Internet und fremdsprachigen Regeltexten zu \u201eCities\u201c. In Polen wurde er f\u00fcndig:<br \/>\u201eJezioro Regatas. Jezioro skladajace sie z przynajmniej 3 p\u00f3l, calkwicie otoczone (r\u00f3wniez w narodznkach) parkami i\/lub dzia\u0142kami budowlanymi\u201c.<br \/>Auf gut Deutsch: \u201eEin Regattasee, besteht aus mindestens 3 Feldern und ist vollst\u00e4ndig (<strong>auch in den Ecken<\/strong>) von Parks und\/oder Baugrundst\u00fccken umgeben.\u201c<br \/>0:1 gegen den 3-Siegpunkt-geilen-Spieler.<br \/><br \/>Zwei Lehren daraus:<br \/><br \/>1) Wenn die KI etwas behauptet, ohne Quellen f\u00fcr ihre Behauptung anzuf\u00fchren, dann ist sie genauso glaubw\u00fcrdig wie ein W\u00fcrfel.<br \/><br \/>2) Wenn in einer strittigen Sachfrage drei Spieler einer Meinung sind und nur ein einziger Spieler einer anderen Meinung, und falls diese Sachfrage nicht eindeutig gekl\u00e4rt werden kann, dann sollte einfach die Meinung der Mehrheit gelten.<br \/><br \/><strong>3. &#8220;Bomb Busters&#8221;<\/strong><br \/><br \/>In diesem kooperativen Deduktionsspiel haben wir uns in mehreren Sessions recht z\u00fcgig bis zur Stufe 24 hochgearbeitet. Heute nahmen wir uns die Stufe 25 vor: Jeder darf als Startvorgabe nicht mehr eine seiner Zahlen kundtun, sondern nur noch von einer seiner Zahlen, wie oft sie auf seinem Zahlenb\u00e4nkchen vorkommt.<br \/><br \/>F\u00fcr gutes, notwendiges Spiel d\u00fcrfen wir nicht locker ungef\u00e4hrdete Soloschnitte hinlegen, sondern wir m\u00fcssen ganz scharf aufpassen, unser Potential daf\u00fcr nutzen, den Mitspielern die gerade zu diesem Zeitpunkt wichtigste Information aufzudecken.<br \/><br \/>Wir schafften es nicht. Zweimal nicht mit Moritz und einmal nicht, als er bereits mit der vorletzten U-Bahn unterwegs nach Hause war.<br \/><br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein 7,8 Punkte Spiel.<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist ein Plagiat? Nach Wikipedia ist es die Anma\u00dfung fremder geistiger Leistungen. Das bezieht sich auf Texte, Ideen oder Designs. Bei Texten ist die Identifikation eines Plagiats vielleicht noch einfach. Bei Musikst\u00fccken k\u00f6nnten 4 bis 8 T\u00f6ne ausreichen, wenn sie \u201eals wesentlicher Teil\u201c eines Werkes gelten. Ta-ta-ta-taaah. Das ist gesetzlich aber nicht festgelegt. 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