{"id":3516,"date":"2006-11-08T12:00:00","date_gmt":"2006-11-08T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2006\/11\/08\/1861\/"},"modified":"2006-11-08T12:00:00","modified_gmt":"2006-11-08T11:00:00","slug":"1861","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2006\/11\/08\/1861\/","title":{"rendered":"1861"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-style: italic\">rezensiert von Walter Sorger<\/p>\n<p>Die Spiele der &quot;18xx&quot;-Familie &uuml;ber die Entwicklung der Eisenbahn in den<br \/>\nverschiedensten Teilen der Welt sind alle Juwelen an Kampf, Raffinesse, Dynamik und Interaktion.<br \/>\nAlle Arten von Spielermentalit&auml;t k&ouml;nnen sich hier austoben: Der Spekulant genie&szlig;t seine Macht an<br \/>\nder B&ouml;rse, der Empire-Builder erg&ouml;tzt sich beim Aufbau eines weltumspannenden Streckennetzes, und<br \/>\nder Kaufmann schwelgt in seinen Erl&ouml;sen und Ums&auml;tzen, er hat st&auml;ndig seine H&auml;nde voller<br \/>\nGeldscheine. Ein brutaler Kapitalist ist erf&uuml;llt von der Hoffnung, seine Konkurrenz in den Ruin zu<br \/>\ntreiben, ein starker Global-Player steigt selbstbewusst in diesen Kampf ein und notiert befriedigt<br \/>\nalle Hindernisse und Gefahren, die er gemeistert hat.<\/p>\n<p>Diese geballte Herausforderung an Herz und Verstand hat vor &uuml;ber 30 Jahren unter dem Namen<br \/>\n&quot;1829&quot; das Licht der Welt erblickt; damals ging es um England und 1829 fuhren dort die<br \/>\nersten Eisenbahnen. Um dieses Spiel hat sich eine richtiggehende Kultgemeinde gebildet und es<br \/>\nwurden neue Varianten entwickelt, mit denen die Spielidee und Regelwerkes auf jeweils ein anderes<br \/>\nLand &uuml;bertragen wurden. Heute gibt es weltweit &uuml;ber 60 verschiedene Mitglieder der 18xx-Spiele, und<br \/>\n&uuml;ber zwei Millionen Eintr&auml;ge findet man bei Google allein zu den Stichw&ouml;rtern &quot;1829&quot; +<br \/>\n&quot;Game&quot;.<\/p>\n<p>Eine eigene Seite &quot;<a href=\"http:\/\/www.18xx.net\/personal.htm\" target=\"_blank\">Who&#39;s Who<br \/>\nin the 18xx hobby and industry<\/a>&quot; listet alle Personen auf, die sich um dieses Spiel<br \/>\nverdient gemacht haben. Ian D. Wilson, der Designer von &quot;1861&quot; ist noch nicht darunter,<br \/>\nseine Spielidee ist nagelneu und erst im Oktober auf der &quot;Spiel 2006&quot; in Essen<br \/>\nvorgestellt worden. Es geht um die Eisenbahnen im russischen Zarenreich. Aus seinen historischen<br \/>\nStudien nahm der Autor die Leitidee mit, die (unschuldigen) Pr&auml;sidenten von bankrotten<br \/>\nGesellschaften nicht vor die Hunde gehen zu lassen, sondern in den weiten Armen von V&auml;terchen Staat<br \/>\nweich aufzufangen.<\/p>\n<h3>Die wichtigsten Regelbesonderheiten von &quot;1861&quot;<\/h3>\n<h4>Minor Companies<\/h4>\n<p>Bevor der Rummel mit den Aktien losgeht, m&uuml;ssen sich die Spieler erst einmal mit den &quot;Minor<br \/>\nCompanies&quot; herumschlagen. Diese Linien bestehen aus einem einzigen Anteil. Sie werden vom<br \/>\nhandelnden Spieler versteigert und der Auktionspreis ergibt ihr Startkapital; ansonsten leben und<br \/>\narbeiten sie wie wir von den &uuml;blichen 18xx-Gesellschaften gewohnt sind: Sie legen Gleise, kaufen<br \/>\nZ&uuml;ge, betreiben Zugverbindungen und kassieren Fahrgeld. Jeweils 50 % der Einnahmen bekommt der<br \/>\nSpieler, 50% beh&auml;lt die Gesellschaft, um damit k&uuml;nftige Lokomotiven finanzieren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>16 solcher Gesellschaften gibt es insgesamt. Diese hohe Anzahl bringt es mit sich, dass jeder<br \/>\nSpieler gleich von Anfang an zwei Linien erwirbt und mit ihnen das F&uuml;hren von<br \/>\n18xx-Eisenbahngesellschaften, das Konkurrieren um Gleisst&uuml;cke, die Trennung von Privat- und<br \/>\nFirmenschatulle und den Wettlauf mit dem technischen Fortschritt &uuml;ben kann.<\/p>\n<p>Etwa ein Drittel der gesamten Spielzeit wird ausschlie&szlig;lich mit diesen Vor&uuml;bungen verbracht.<br \/>\nAnschlie&szlig;end verschmelzen diese Minor Companies zu den richtigen &quot;Public Companies&quot;, doch<br \/>\nnur wenn sie gut aus den Startl&ouml;chern gekommen sind. Verlieren sie beim Aufkommen der 4er-Z&uuml;ge<br \/>\nihren einzigen 2er-Zug, so werden sie &quot;nationalisiert&quot;, d.h. ihr fr&uuml;herer Besitzer<br \/>\nbekommt eine Entsch&auml;digung, ansonsten gelangt ihr gesamtes Hab und Gut an Gleiswerk und Bahnh&ouml;fen<br \/>\nin die H&auml;nde der &quot;Russische Staatsbahn&quot;.<\/p>\n<h4>Public Companies<\/h4>\n<p>Der Aufbau der &quot;Public Companies&quot; dominiert den Mittelteil des Spiels. Diese<br \/>\nGesellschaften bestehen durchwegs aus acht Anteilen zu je 10% und einem Pr&auml;sidenten-Anteil zu 20%.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/1861_b1.jpg\" align=\"left\" width=\"260\" height=\"198\" border=\"0\" alt=\"board\"\/><br \/>\nSie sind in sich alle gleichwertig, besitzen keinerlei regionale Zuordnung und k&ouml;nnen an jeder<br \/>\nStelle der Landkarte gestartet werden. Allerdings gehen sie meist aus den Minor Companies hervor<br \/>\nund &uuml;bernehmen dann mit deren Besitz auch deren regionale Verbreitung.<\/p>\n<p>Nach ihrer Gr&uuml;ndung beh&auml;lt eine &quot;Public Company&quot; alle unverkauften eigenen Aktien im<br \/>\nFirmentresor, bekommt aber sonst keine weiteren Finanzmittel. Da sitzt ihr pekuni&auml;rer G&uuml;rtel schon<br \/>\nmal ganz sch&ouml;n eng. Um an liquide Mittel heran zu kommen, muss sie umgehend K&auml;ufer ausfindig<br \/>\nmachen. Unter Umst&auml;nden darf ihr Pr&auml;sident jetzt nicht fremdgehen und seine Privatmittel in<br \/>\nlukrativen Gesellschaften der Mitspieler anlegen, sondern muss seiner eigenen Linie durch<br \/>\nAktienk&auml;ufe &uuml;ber die anf&auml;nglichen finanziellen Engp&auml;sse helfen.<\/p>\n<p>Im laufenden Betrieb kommt eine &quot;Public Company&quot; dann sehr schnell in Fahrt. Da sie<br \/>\nbereits den operativen Betrieb aufnimmt, wenn ausschlie&szlig;lich die 20%-Direktor-Aktie verkauft ist,<br \/>\nbesitzt sie normalerweise eine erheblichen Anzahl der eigenen Gesellschaftsanteile und steckt so<br \/>\ninnerhalb der Operationsrunden einen entsprechend gro&szlig;en Anteil des Streckenerl&ouml;ses ein. Der<br \/>\nPr&auml;sident kann problemlos jeweils 100% der Dividende aussch&uuml;tten: Er selbst bekommt den maximalen<br \/>\nErtrag f&uuml;r seine Anteile und die Gesellschaft erh&ouml;ht trotzdem st&auml;ndig ihre Liquidit&auml;t; ihr<br \/>\nVorr&uuml;cken auf dem Aktiontableau ist ebenfalls gesichert.<\/p>\n<p>Beim Verkauf von Anteilen der &quot;Public Companies&quot; f&auml;llt der Kurs nur dann, wenn der<br \/>\nPr&auml;sident verkauft. Das Verkaufen von gegnerischen Aktienanteilen l&ouml;st also keinen Kurssturz ein.<br \/>\nDamit unterbleiben die taktischen (oder miesnickeligen) Manipulationen auf dem Aktienmarkt und ein<br \/>\nbraver Unternehmer wird von brutalen Spekulanten nicht klein gekriegt. Nat&uuml;rlich spart das auch<br \/>\nSpielzeit. Man muss sich vor solchen Eingriffen nicht sch&uuml;tzen, noch braucht man sich dar&uuml;ber<br \/>\nGedanken zu machen, wie man es selber anwendet. Allerdings geht hiermit auch ein Teil der Dynamik<br \/>\nund Spannung auf dem Aktienmarkt verloren.<\/p>\n<h4>Darlehen<\/h4>\n<p>Hat eine Gesellschaft nicht gen&uuml;gend Eigenmittel um ben&ouml;tigte Lokomotiven zu kaufen, so muss der<br \/>\nPr&auml;sident das fehlende Geld nicht aus seiner Privatkasse nachschie&szlig;en, sondern die Gesellschaft<br \/>\ndarf sich von der Bank Geld leihen. Damit wird das finanzielle Risiko gleichm&auml;&szlig;ig auf alle<br \/>\nAnteilseigener verteilt und der Pr&auml;sident vor einem m&ouml;glichen einseitigen Ruin bewahrt.<\/p>\n<p>Betr&uuml;gereien sind &uuml;ber die Darlehen nicht m&ouml;glich. Nur die minimalsten Darlehensbetr&auml;ge sind<br \/>\nerlaubt. Sie m&uuml;ssen auch fr&uuml;hest m&ouml;glich zur&uuml;ckgezahlt werden, d.h. immer sofort, wenn die<br \/>\nGesellschaft &uuml;ber Barmittel verf&uuml;gt. Ansonsten werden pro Operationsrunde 10% Zinsen f&auml;llig.<\/p>\n<h4>Verstaatlichung<\/h4>\n<p>Geht einer &quot;Public Company&quot; die finanzielle Puste aus, ist z.B. gerade ihr letzter Zug<br \/>\ndahingerostet und kann (oder will) sie keine Darlehen aufnehmen, um sich einen neuen Zug zu kaufen,<br \/>\nso wird sie &#8211; ganz analog wie eine &quot;Minor Company&quot; &#8211; nationalisiert. Die alten<br \/>\nAnteilseigner bekommen von der Bank den aktuellen Kurswert ausgezahlt, ansonsten f&auml;llt ihr gesamter<br \/>\nBesitz an die &quot;Russische Staatsbahn&quot;.<\/p>\n<p>Auch diese Spielregel sch&uuml;tzt die Kapitaleigner vor den katastrophalen Folgen eigener<br \/>\nPlanungsdummheiten sowie vor den gezielten b&ouml;sartigen Machenschaften der Mitspieler. Geht ein<br \/>\nPr&auml;sident in den betr&uuml;gerischen Bankrott, indem er den gesamten Gesellschaftsbesitz verscherbelt<br \/>\nund sich dann noch schnell von allen seinen Anteilen trennt, so f&auml;llt der Kurs nicht ins Uferlose<br \/>\nund kein Miteigent&uuml;mer braucht f&uuml;r teures Geld eine neue Diesellok zu kaufen. Die bankrotte<br \/>\nGesellschaft gibt einfach ihren Geist auf und die Miteigent&uuml;mer bekommen vom Staat immerhin noch<br \/>\netwa 80% des aktuellen Wertes als Entsch&auml;digung. Verglichen mit entsprechenden schmerzlichen<br \/>\nVorg&auml;ngen bei &quot;1830&quot; ist das noch das reinste Honigkuchenschlecken.<\/p>\n<h4>Russische Staatsbahn<\/h4>\n<p>Die &quot;Russische Staatsbahn&quot; ist das Auffangbecken f&uuml;r alle lahmen und kranken und<br \/>\nverstorbenen Gesellschaften. Sie wird neutral von der Bank gef&uuml;hrt, betreibt die geerbten<br \/>\nStreckenverbindungen und steckt die Erl&ouml;se zu 100% in die Firmenkasse. Sie kauft neue Lokomotiven,<br \/>\nwann immer sie daf&uuml;r Geld hat und erzwingt so einen st&auml;ndigen technischen Fortschritt, mit dem sie<br \/>\ngegebenenfalls auch willensschwache Pr&auml;sidenten von &quot;Public Companies&quot; unter Druck setzen<br \/>\nkann.<\/p>\n<p>Sobald der erste 8er-Zug verkauft ist, wird das Spielende eingel&auml;utet. Jetzt werden noch 3<br \/>\nOperationsrunden absolviert, dann kommt die &uuml;bliche Abrechnung und der Mitspieler mit dem meisten<br \/>\nKapital aus Barmitteln und Aktienwerten hat gewonnen.<\/p>\n<h3>Die Herausforderungen von &quot;1861&quot;<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/1861_b2.jpg\" align=\"right\" width=\"260\" height=\"295\" border=\"0\" alt=\n\"board\"\/>Das Faszinierende an den Spielen der 18xx-Familie ist, dass jede Partien anders verl&auml;uft,<br \/>\nobwohl kein einziges Zufallselement darin enthalten ist. Zu gro&szlig; ist die Handlungsfreiheit der<br \/>\nSpieler, zu stark sind die Querbeziehungen innerhalb der verschiedenen Spieleraktionen, zu<br \/>\nunbekannt und unerforscht ist der schmale Pfad der besten Entwicklung.<\/p>\n<p>Trotzdem besitzt jede Spielvariante unverwechselbare charakteristische Merkmale, die es zu<br \/>\nerkennen und zu ber&uuml;cksichtigen gilt. Ich habe jetzt noch keine Erfahrungswerte auf Lager, will<br \/>\naber anhand einiger Fragestellungen aufzeigen, in welche Richtung die Auswertungen von<br \/>\n&quot;1861&quot; gehen m&uuml;ssten, um dieses Spiel besser in den Griff zu bekommen. Selbst wenn diese<br \/>\nFragen weder heute noch morgen jemals beantwortet werden, vermitteln sie doch kleinen Eindruck von<br \/>\nder beeindruckenden Vielfalt freier Spielerentscheidungen.<\/p>\n<ul>\n<li>Wie viel sind die &quot;Minor Companies&quot; wert? Soll man gl&uuml;cklich sein, sie f&uuml;r den<br \/>\nMindestpreis von 100 Rubel erwerben zu k&ouml;nnen oder sollte man hier wohldosiert mehr Kapital<br \/>\nreinbuttern, um eine starke Linie auf die Schiene zu setzen, die auch die wirtschaftlichen<br \/>\nTurbulenzen der Gr&uuml;nderzeit erfolgreich meistert? Wie weit ist dies abh&auml;ngig von den Investitionen<br \/>\nder Konkurrenz, insbesondere von der Relativposition auf dem Aktientableau? Soll man vielleicht<br \/>\ndiversifizieren und sich sowohl teure als auch billige Linen zulegen, um sie flexibler operieren<br \/>\nund sp&auml;ter gezielter verschmelzen zu k&ouml;nnen?<\/p>\n<\/li>\n<li>Soll man versuchen, alle seine &quot;Minor Companies&quot; am Leben zu erhalten und sie in<br \/>\n&quot;Public Companies&quot; umwandeln oder soll man einige von ihnen sanft entschlafen lassen? In<br \/>\nden Zeiten schneller technischer Neuerungen, ist jede &quot;Minor Company&quot; ein Klotz am Bein.<br \/>\nWenn man beweglich sein will, wenn man an der Spitze der Fortschritts stehen will und seine<br \/>\nMitspieler durch den ersten 4er-Zug vor gewaltige finanziellen Probleme stellen will, darf man<br \/>\nselber nicht so viele hungrige Kinder durchf&uuml;ttern m&uuml;ssen.<\/p>\n<\/li>\n<li>Soll man alle seine &quot;Public Companies&quot; solide und konservativ f&uuml;hren, oder kann man<br \/>\neinige von ihnen ausbluten lassen, ja sogar zugunsten der eigenen Lieblingslinien leer pl&uuml;ndern und<br \/>\ndas bankrotte Wrack der Staatsbahn &uuml;berlassen?<\/p>\n<\/li>\n<li>Wie viel Anteile seiner Lieblingslinie soll man kaufen und zu welchem Zeitpunkt? Mit jedem<br \/>\nverkauften Anteil steigt ihre Liquidit&auml;t und sie kann immer die neuesten Z&uuml;ge kaufen. Allerdings<br \/>\nist ihr fr&uuml;her Kurs noch niedrig und das eingenommene Kapital entsprechend begrenzt. Weiterhin<br \/>\nkassiert sie f&uuml;r jeden verkauften Anteil keine Dividenden mehr und bedarf dann fr&uuml;her oder sp&auml;ter<br \/>\ndoch noch einer Kapitalspritze. Das Nicht-Aussch&uuml;tten der Streckenerl&ouml;se hei&szlig;t aber: ausgefallene<br \/>\nEinnahmen f&uuml;r die Eigner und sinkender Kurs sowie niedrigere Priorit&auml;t auf dem Aktientableau.<\/li>\n<\/ul>\n<p>All diese R&auml;tsel sind heute selbstverst&auml;ndlich noch ungel&ouml;st. Selbst f&uuml;r grobe<br \/>\nJa\/Nein-Entscheidungen fehlen &uuml;berall praktische oder theoretische Grundlagen, von einer<br \/>\nabgesicherten Feinjustierung der internen Zusammenh&auml;nge ganz zu schweigen. Jeder Spielabend bringt<br \/>\nneue Erfahrungen und zugleich die Erkenntnis, dass das weite Feld der Spielentfaltung eigentlich<br \/>\nunersch&ouml;pflich ist. Ein ganzes Spielerleben lang h&auml;lt das an.<\/p>\n<h3>&quot;1830&quot; oder &quot;1861&quot;?<\/h3>\n<p>&quot;1830&quot; und &quot;1861&quot; unterscheiden sich wie die Klischees ihrer Heimatl&auml;nder<br \/>\nUSA und Russland. W&auml;hrend die &quot;Amerikaner&quot; den nackten, brutalen Kapitalismus propagieren<br \/>\nund ausleben, wo jeder Mensch dem anderen ein Wolf ist, haben die &quot;Russen&quot; ein soziales<br \/>\nNetz in die Spielergemeinschaft eingezogen, das jeden auff&auml;ngt, wann immer er ins Straucheln ger&auml;t;<br \/>\nhier ist jeder Mensch dem anderen ein Schaf.<\/p>\n<p>Die krassen R&auml;uberelemente aus 1830 sind deutlich abgeschw&auml;cht. Wem es fr&uuml;her Spa&szlig; gemacht hat,<br \/>\neinem Mitspieler eine ausgepl&uuml;nderte Gesellschaft von die F&uuml;&szlig;e zu werfen &#8211; und wem macht das keinen<br \/>\nSpa&szlig;?! &#8211; der wird hier etwas vermissen. Doch daf&uuml;r kann ein Spieler mit deutlich weniger<br \/>\nSpielpraxis nicht so schnell in den Untergang getrieben werden. Der Konkurrenzkampf untereinander<br \/>\nfindet &uuml;ber Strecken und gute Gesellschaftspr&auml;senz statt; er kennt keine Opfer, sondern nur<br \/>\nSieger.<\/p>\n<p>Auch der Effekt von &quot;1830&quot;, dass in den ersten Runden sich nicht jeder Spieler eine<br \/>\neigene Linie zulegen kann, sondern dass einige Spieler auf Gedeih und Verderb von einem a priori<br \/>\nfeindlichen Pr&auml;sidenten regiert werden, ist vermieden. Es gibt gen&uuml;gend Linien und jeder bekommt<br \/>\nvon Anfang an eines dieser begehrten Objekte in seine Managerfinger. Alle sind gleich, nur manche<br \/>\nsind gleicher. Allerdings entf&auml;llt damit auch die konstruktive Spannung zwischen Pr&auml;sidenten und<br \/>\nNicht-Pr&auml;sidenten, die bei &quot;1830&quot; vom ersten Augenblick an das Spielgeschehen belebt.<\/p>\n<p>Die Versteigerung der &quot;Minor Companies&quot; eliminiert das einzige Zufallselement von<br \/>\n&quot;1830&quot;, n&auml;mlich die ausgeloste Sitzreihenfolge und damit die Asymmetrie beim ersten<br \/>\nZugriff auf den Aktienmarkt. Bei &quot;1861&quot; kann jeder Spieler bei jeder Linie mit bieten.<br \/>\nZus&auml;tzlich darf er sich auch noch &uuml;berlegen, wie lange er freiwillig dabei bleibt. (Dass<br \/>\nVersteigerungen gegen&uuml;ber reinen Kaufaktionen allerdings mehr Zeit kosten und damit die<br \/>\nAnfangsphase verlangsamen, steht dabei auf einem anderen Blatt.)<\/p>\n<p>Zur&uuml;ck zur Frage: &quot;1830&quot; oder &quot;1861&quot;? Unter lauter Spielerhaien w&uuml;rde ich<br \/>\ndas alte &quot;1830&quot; vorziehen. Das schnelle Geld, die schnellen Pleiten, das st&auml;ndige Suchen<br \/>\nnach Gelegenheiten, den sch&auml;rfsten Konkurrenten in die Knie zu zwingen, die st&auml;ndig lauernden<br \/>\nt&ouml;dlichen Gefahren auf dem Aktienmarkt, bei der technischen Innovation und beim Streckenbau geben<br \/>\n&quot;1830&quot; einen besonderen Kick. Ich war in meiner Jugend schon lange rot genug, so dass ich<br \/>\nheute ohne moralische Skrupel die blaue Philosophie der Besserverdienenden vertreten kann.<br \/>\n(Wenigstens im Spiel!)<\/p>\n<p>Doch unter kleineren Fischen, unter Spielern mit sehr unterschiedlicher Praxis, mit deutlichen<br \/>\nVorlieben als Empire-Builder und mit Freude am Schalten und Walten als Unternehmer und<br \/>\nGeneraldirektor, da ist &quot;1861&quot; sehr viel ergiebiger. Nach einem 6-st&uuml;ndigen<br \/>\n&quot;1861&quot;-Abend mit einem Neuling erhielt ich den Brief: &quot;Sag allen liebe Gr&uuml;&szlig;e. Der<br \/>\nletzte Spielabend war sehr sch&ouml;n. Zwar etwas lang aber wirklich sehr sch&ouml;n.&quot; Einen solchen<br \/>\nBrief h&auml;tte es in 20 Jahren &quot;1830&quot; nie geben k&ouml;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>rezensiert von Walter Sorger Die Spiele der &quot;18xx&quot;-Familie &uuml;ber die Entwicklung der Eisenbahn in den verschiedensten Teilen der Welt sind alle Juwelen an Kampf, Raffinesse, Dynamik und Interaktion. Alle Arten von Spielermentalit&auml;t k&ouml;nnen sich hier austoben: Der Spekulant genie&szlig;t seine Macht an der B&ouml;rse, der Empire-Builder erg&ouml;tzt sich beim Aufbau eines weltumspannenden Streckennetzes, und der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2006\/11\/08\/1861\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">1861<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3516","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende"],"views":13,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3516","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3516\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}