{"id":3523,"date":"2005-12-31T12:00:00","date_gmt":"2005-12-31T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/12\/31\/anachronism\/"},"modified":"2005-12-31T12:00:00","modified_gmt":"2005-12-31T11:00:00","slug":"anachronism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/12\/31\/anachronism\/","title":{"rendered":"Anachronism"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/16819\" target=\"_blank\">Anachronism<\/a><\/h2>\n<p><i>rezensiert von Moritz Eggert<\/i><\/p>\n<p>Als jemand der leider doch nicht immer den Lockungen von Sammelkartenspielen<br \/>\nwiderstehen kann, interessierte mich das CCG &#8220;light&#8221; Anachronism in Essen 2005<br \/>\ndoch sehr, da es im Gegensatz zu anderen Spielen seiner Zunft nicht in zuf\u00e4llig<br \/>\nsortierten Boosterpacks (eine der b\u00f6sesten Erfindungen unserer Zeit) sondern in fest<br \/>\ndefinierten Erweiterungen erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>Anachronism ist ein ambitioniertes Projekt des History Channels, das in mehreren<br \/>\nSprachen darunter Deutsch, erh\u00e4ltlich ist. Ein postmodernes Modethema der letzten Zeit<br \/>\naufgreifend (wenn man an Spiele wie Duel of Ages oder Heroscape denkt), k\u00e4mpfen hier<br \/>\nhistorische Figuren aus mehreren Epochen gegeneinander, jeweils zwei in einer Arena. Wer<br \/>\nalso schon immer mal wissen wollte, wie Jeanne d&#8217;Arc William Wallace (Braveheart) den<br \/>\nArsch versohlt, ist hier genau richtig (eines der Startersets), Dschingis Khan gegen<br \/>\nRamses II ist ebenso wenig ein Problem. In den Startersets finden sich jeweils zwei<br \/>\nhistorische Figuren, diese kann man mit den Boostersets mit kulturspezifischen<br \/>\nGegenst\u00e4nden weiter aufr\u00fcsten. Tats\u00e4chlich ist das Angebot an Kulturen schon ziemlich<br \/>\nbeachtlich, auch f\u00fcr uns Abendl\u00e4nder obskure Helden der japanischen oder chinesischen<br \/>\nGeschichte tauchen hier durchaus auf.<\/p>\n<p>Beim \u00d6ffnen der Starterbox f\u00e4llt einem zuerst einmal der riesige Spielplan auf, der<br \/>\nentfaltet die Arena darstellt, sowie auch Platz f\u00fcr die kompletten Spielregeln bietet.<br \/>\nTats\u00e4chlich ist die Gr\u00f6\u00dfe des Spielplans beachtlich (oder auch ein bisschen d\u00e4mlich) wenn<br \/>\nman bedenkt, dass hier letztlich nur 2 Spielkarten auf einem 4&#215;4 Raster verschoben<br \/>\nwerden. Der Profi merkt schnell, dass der ganze Plan letztlich \u00fcberfl\u00fcssig ist, aber<br \/>\nschlie\u00dflich wendet sich das Spiel vor allem an geschichtsinteressierte Einsteiger und<br \/>\nNichtspieler, also wollen wir mal nicht so streng sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/anachronism_b1.jpg\" align=\"left\" width=\"195\" height=\"382\" border=\"0\" alt=\"combat\"\/><\/p>\n<p>Die Regeln sind erfreulich kurz gehalten, Achtung allerdings vor einigen fr\u00fchen<br \/>\nAusgaben des Spiels, in denen anstatt eines \u00dcbersetzers offensichtlich Babelfish am Werk<br \/>\nwar. Erstaunlich ist die geringe Anzahl der Karten im Starterset, es sind n\u00e4mlich nur 5<br \/>\npro Spieler! Die Karten sind daf\u00fcr aber besonders edel gestaltet, sehr stabil (sie dienen<br \/>\nauch als Spielfigur) und mit schicken &#8220;foils&#8221; (Glitzerfolien) versehen. Das<br \/>\nSpiel erstreckt sich \u00fcber maximal 5 Runden. Jeder Spieler ordnet seine ihm zugeordneten<br \/>\nKarten im Schema 1-2-3-4 an (die 5. Figur stellt den Charakter selber dar und wird in der<br \/>\nArena platziert. Eine Kampfrunde beginnt mit dem Aufdecken der aktuellen Karte. Die<br \/>\nKarten haben sehr verschiedene Funktionen. Einige haben einen dauerhaften Effekt (zum<br \/>\nBeispiel Kampf- oder Bewegungsboni), andere Karten sind z.B. Philosophien oder<br \/>\nInspirationen, nat\u00fcrlich gibt es auch spezifische R\u00fcstungen und Waffen. Die K\u00e4mpfer<br \/>\nselbst haben nat\u00fcrlich verschiedene Eigenschaften, die best\u00e4ndig wirken, zum Beispiel<br \/>\neine bestimmte Erfahrung (die h\u00f6here Erfahrung gewinnt unentschiedene K\u00e4mpfe) oder eine<br \/>\nbestimmte Anzahl von Aktionen. Jede Aktion ist eine Bewegung (mit nachfolgender<br \/>\nNeuausrichtung der Karte auf dem Plan) oder eine Kampfaktion, wobei die Figur selber<br \/>\nbeliebig oft mit den &#8220;F\u00e4usten&#8221;, aber nur einmal mit einer Waffe angreifen kann<br \/>\n(rein vom Realismus her eine sehr seltsame und erzwungene Regel). Jeder Angriff geht nur<br \/>\nauf bestimmte Felder &#8220;vor&#8221; oder &#8220;neben&#8221; der Personenkarte, je nach<br \/>\nAusrichtung, so dass der Platzierung auf dem Feld eine gewisse wenn auch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig<br \/>\ntaktische Bedeutung zukommt.<\/p>\n<p>Alle Kampfaktionen (und um die geht es letztlich) werden mit 2 W\u00fcrfeln abgehandelt,<br \/>\nder Angreifer w\u00fcrfelt, addiert seine Boni, der Verteidiger w\u00fcrfelt; wer mehr w\u00fcrfelt,<br \/>\nmacht dem anderen Schaden, bis er mangels Lebenspunkten (auch die gibt es) aus den<br \/>\nLatschen kippt. Tats\u00e4chlich ist dieses simple Kampfsystem das gr\u00f6\u00dfte Minus f\u00fcr zumindest<br \/>\nden etwas ambitionierteren Spieler, denn es ist einfach zu gl\u00fccksbetont, was an der<br \/>\ngro\u00dfen Reichweite der Ergebnisse von 2 W\u00fcrfeln liegt (deswegen benutzen die meisten<br \/>\nSpiele f\u00fcr Kampfsysteme wie dieses auch nur einen W\u00fcrfel). Egal wie gut ich meine<br \/>\nHilfskarten einsetze und vorausplane, der W\u00fcrfelwurf macht&#8217;s letztlich, und das ist<br \/>\ndann doch ein bisschen zu einfach.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/anachronism_b2.jpg\" align=\"right\" width=\"210\" height=\"298\" border=\"0\" alt=\"card\"\/><\/p>\n<p>Immerhin ist ein Spiel sehr kurz, im Durchschnitt 5 Minuten, und die historisch<br \/>\ngef\u00e4rbten Hilfskarten sorgen f\u00fcr einige Belehrung und Abwechslung. Doch in der<br \/>\nFormulierung der Sondereigenschaften zeigt sich ein anderes Problem des Spiels: wenn das<br \/>\nGrundger\u00fcst so simpel wie hier ist (&#8220;Ich greife an, Du greifst an&#8221;), k\u00f6nnen nur<br \/>\nbegrenzt Ausnahmen definiert werden, die die Sondereigenschaften einer Karte definieren.<br \/>\nGerade die verschiedenen Regel\u00e4nderungen durch neue Karten machen ein Sammelkartenspiel<br \/>\naber interessant, hier ist einfach zu wenig Stoff, der die vielen Erweiterungen<br \/>\nrechtfertigt. Seltsamerweise leidet hierdurch auch die Spielatmosph\u00e4re, denn so richtig<br \/>\nhistorische Stimmung will hier kaum aufkommen, zu eng ist das Regelwerk, das sich die<br \/>\nAutoren selbst gesetzt haben. So will auch die Verbindung der Kartentexte zu historischen<br \/>\nGegebenheiten wenig einleuchten, ein Kampfbonus von +1 ist halt ein Kampfbonus von +1, ob<br \/>\ndie Waffe nun \u00e4gyptisch oder mongolisch ist, ist dann letztlich wurscht. Ein weiteres<br \/>\nProblem ist die Thematik an sich &#8211; es ist geradezu erstaunlich, dass ein auf historische<br \/>\nBildung bem\u00fchter Sender hier alles Geschichtliche auf ein simples Gemetzel im Arenasand<br \/>\nbeschr\u00e4nkt, so wird nat\u00fcrlich eine Figur von Jeanne d&#8217;Arc oder Ramses II nicht<br \/>\nwirklich lebendig und greifbar, obwohl durchaus eine geschichtlich gebildeter Geist bei<br \/>\nden Kartentexten durchkommt (so sind zum Beispiel alle Waffen und Spezialf\u00e4higkeiten in<br \/>\nden jeweiligen Originalsprachen benannt).<\/p>\n<p>Ein bisschen mehr Kolorit au\u00dferhalb des reinen Schlagabtausches w\u00e4re hier m\u00f6glich<br \/>\ngewesen, und selbst ein reines Duellspiel wie &#8220;Magic the Gathering&#8221; benutzt<br \/>\nElemente, die dem Geschehen auch eine erz\u00e4hlerische Dimension geben, was hier v\u00f6llig<br \/>\nfehlt.<\/p>\n<p>Ein zweischneidiges Produkt also &#8211; dem Gelegenheitsspieler mag das durchaus Spa\u00df<br \/>\nmachen, denn es handelt sich nun wirklich um kein sehr schwieriges Spiel, aber den Profi<br \/>\nwird an diesem Spiel Vieles schnell langweilen. Das f\u00e4ngt schon bei der Planung der<br \/>\nHilfskarten an &#8211; wie viele m\u00f6gliche Kombinationen habe ich, wenn ich 4 Karten in eine<br \/>\nReihenfolge bringen muss, und tats\u00e4chlich auch nur 4 Karten besitze? Nicht so wahnsinnig<br \/>\nviele, wie sich jeder denken kann\u2026.Vielfalt schafft Spielspa\u00df, das ist sicherlich<br \/>\nkein Anachronismus in einer Zeit, in der fast alle Spiele modulare und ver\u00e4nderbare<br \/>\nElemente haben. Diese Vielfalt von vornherein schon einzuschr\u00e4nken, mag gerade bei einem<br \/>\nSammelspiel ein falscher Weg sein.<\/p>\n<p>Pros: Sehr schnell zu spielen (5 Minuten), leichte, verst\u00e4ndliche Regeln, sch\u00f6ne<br \/>\nKartenbilder, edler Kartendruck.<\/p>\n<p>Kontras: aufgeblasener &#8220;Spielplan&#8221;, wenig Varianz, relativ teurer Preis f\u00fcr<br \/>\nwenig Karten.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anachronism rezensiert von Moritz Eggert Als jemand der leider doch nicht immer den Lockungen von Sammelkartenspielen widerstehen kann, interessierte mich das CCG &#8220;light&#8221; Anachronism in Essen 2005 doch sehr, da es im Gegensatz zu anderen Spielen seiner Zunft nicht in zuf\u00e4llig sortierten Boosterpacks (eine der b\u00f6sesten Erfindungen unserer Zeit) sondern in fest definierten Erweiterungen erh\u00e4ltlich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/12\/31\/anachronism\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Anachronism<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3523","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende"],"views":7,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3523"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3523\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}