{"id":3554,"date":"2005-03-30T12:00:00","date_gmt":"2005-03-30T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/03\/30\/der-turmbau-zu-babel\/"},"modified":"2005-03-30T12:00:00","modified_gmt":"2005-03-30T10:00:00","slug":"der-turmbau-zu-babel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/03\/30\/der-turmbau-zu-babel\/","title":{"rendered":"Der Turmbau zu Babel"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/18606\" target=\"_blank\">Der Turmbau zu Babel<\/a><\/h2>\n<p><i>rezensiert von Walter Sorger<\/i><\/p>\n<p>Nein, T\u00fcrme bauen wir im &#8220;Turmbau zu Babel&#8221; keine; die Spieler bekommen auch<br \/>\nkeine Baukl\u00f6tzchen in die Hand, um sich wie bei &#8220;Bausack&#8221; oder &#8220;Villa<br \/>\nPaletti&#8221; konstruktiv zu bet\u00e4tigen. Auch die Erfinder von &#8220;Manhattan&#8221; und<br \/>\n&#8220;Torres&#8221; k\u00f6nnen sich wieder beruhigt hinlegen, ihre Spielidee mit der dritten<br \/>\nDimension ist nicht geklaut worden. Beim &#8220;Turmbau&#8221; ist das topfebene Spielbrett<br \/>\nin ganz normale acht Gebiete aufgeteilt worden, um die es zu k\u00e4mpfen gilt. Wer am Ende<br \/>\ndie optimalsten Mehrheiten errungen hat ist Sieger.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Marketing mu\u00dften nat\u00fcrlich griffige Dinge im Spieldesign untergebracht werden.<br \/>\nHier eine Frage an die Spielergemeinde: Welche acht Symbole h\u00e4ttet ihr f\u00fcr die acht<br \/>\nGebiete aus Euerem geistigen Schatzk\u00e4stlein herausgezogen?. Die 8 Planeten sind zu wenig<br \/>\nfotogen; au\u00dferdem ist noch nicht festgelegt, wann das Kuckucksei Pluto seinen Status<br \/>\nverliert.<\/p>\n<p>Nein, der Verlag hat die 7 Weltwunder ins Spiel gebracht. Weil aber selbst der gute<br \/>\nHans-im-Gl\u00fcck nicht in der Lage ist, 7 Bauwerke unversehrt auf 8 Baupl\u00e4tze verteilen, hat<br \/>\ner einen alten Mathematiker-Trick angewandt und noch ein weiteres Objekt hinzugenommen.<br \/>\nSein schmuckes H\u00e4uschen in der Birnauerstra\u00dfe war ihm zu anachronistisch, er hat lieber<br \/>\nstilecht in der Antike nachgegraben und wo ist f\u00fcndig geworden? Beim Turm von Babylon. So<br \/>\nsteht er da und erg\u00e4nzt das ehrw\u00fcrdige Ensemble der 7 Weltwunder der Antike zu einem<br \/>\n8-teiligen Set. Und weil der Name dieses Bauwerkes schon seit Moses Zeiten jedermann<br \/>\ngel\u00e4ufig ist, war das Problem um einen gut klingenden Namen f\u00fcr das Spiel auch gleich<br \/>\ngel\u00f6st.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/tbzubabel\/tbzb_b1.jpg\" align=\"left\" width=\"260\" height=\"270\" border=\"0\" alt=\"board\"\/><\/p>\n<p>Die Spielidee ist es also, in den acht Feldern des Spielbrettes, ich will sie jetzt<br \/>\nmal &#8220;Grundst\u00fccke&#8221; nennen, Mehrheiten zu erringen. Die Mehrheiten werden<br \/>\ndokumentiert, indem man wie bei &#8220;Monopoly&#8221; H\u00e4uschen oder Hotels dort plaziert.<br \/>\nDie Baugenehmigung dazu wird allerdings nicht \u00fcber W\u00fcrfel erteilt, sondern durch ganz<br \/>\nsolide Kaufgesch\u00e4fte (wenn man das Hinbl\u00e4ttern einer vorgegebenen Anzahl von<br \/>\n&#8220;Baukarten&#8221; als solches bezeichnen darf).<\/p>\n<p>Auf jedes Grundst\u00fcck werden zu Spielbeginn in einer zuf\u00e4lligen Verteilung je drei<br \/>\neinfarbige Scheiben aus insgesamt vier Farb-M\u00f6glichkeiten gelegt. Auf jeder Scheiben<br \/>\nsteht ihr Preis von 3 bis 6, d.h. die Anzahl von Baukarten dieser Farbe, die ein Spieler<br \/>\nhergeben mu\u00df, um die Scheibe zu erwerben. Die Baukarten bekommt jeder Spieler zu<br \/>\nSpielbeginn ausgeteilt; bei jedem Zug zieht er auch welche nach.<\/p>\n<p>Hat ein Spieler eine Scheibe erworben, so kann er sich zun\u00e4chst mal dar\u00fcber freuen,<br \/>\ndenn die Scheiben liefern am Ende ein paar zus\u00e4tzliche Siegpunkte. Als wesentlicher<br \/>\nEffekt seines Einkaufes darf der gl\u00fccklicher Erwerber einer Scheibe auch noch H\u00e4uschen<br \/>\nauf dem Grundst\u00fcck plazieren, und zwar genauso viele, wie er Baukarten hergeben<br \/>\nmu\u00dfte.<\/p>\n<p>Klar, nach der dritten Scheibe sind die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse an einem Grundst\u00fcck<br \/>\ngekl\u00e4rt und das Grundst\u00fcck wird abgerechnet: der Spieler mit den meisten H\u00e4uschen bekommt<br \/>\nviele Siegpunkte, der Spieler mit den zweitmeisten bekommt halb so viele, und alle anderen<br \/>\nbekommt auch noch was.<\/p>\n<p>Damit ist f\u00fcr die Ermittlung des Siegpunkte schon fast alles gesagt, und bis hierher<br \/>\ntischt uns &#8220;Der Turmbau&#8221; keine Weltneuheiten auf. Da\u00df die Siegpunkte f\u00fcr die<br \/>\nGr\u00fcndst\u00fccke nach jeder Abrechung leicht ansteigen und da\u00df die Siegpunkte f\u00fcr mehrere<br \/>\nScheiben in der gleicher Farbe sogar kr\u00e4ftig in die H\u00f6he schie\u00dfen, mag f\u00fcr die<br \/>\nKaufentscheidung von Bedeutung sein, als eigenst\u00e4ndige geniale Sch\u00f6pfung des Spieleautors<br \/>\nkann man es aber beileibe nicht ansehen.<\/p>\n<p>Dagegen beschreitet &#8220;Der Turmbau&#8221; bei den Regeln f\u00fcr das Eintauschen von<br \/>\nBaukarten gegen die Bauscheibe wirklich eigene Wege mit einer bemerkenswerten L\u00f6sung: Der<br \/>\naktive Spieler (Reihenfolge wechselt reihum) mu\u00df n\u00e4mlich \u00f6ffentlich erkl\u00e4ren, welche<br \/>\nBauscheibe er zu erwerben gedenkt. Jetzt d\u00fcrfen ihm alle Mitspieler beim Zusammenbringen<br \/>\nder n\u00f6tigen Baukarten nach bestem Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen: Jeder legt freiwillig eine Anzahl<br \/>\nvon Karten hin, die er bereit ist, f\u00fcr den Erwerb beizusteuern. Wird das Angebot<br \/>\nangenommen, darf der gebende Spieler anstatt des aktiven Spielers f\u00fcr jede Karte ein<br \/>\neigenes H\u00e4uschen auf das Grundst\u00fcck bauen. Die Bauscheibe bekommt aber in jedem Fall der<br \/>\naktive Spieler.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/tbzubabel\/tbzb_b2.jpg\" align=\"right\" width=\"360\" height=\"197\" border=\"0\" alt=\"board\"\/><\/p>\n<p>Lohnt es sich f\u00fcr die Mitspieler, solche Angebote zu machen? Nein, zun\u00e4chst mal ganz<br \/>\nklar nein! Mit den gleichen Karten k\u00f6nnen sie ja als aktive Spieler ebenso viele H\u00e4uschen<br \/>\nauf die Grundst\u00fccke plazieren und zudem noch die Bauscheibe kassieren. Nur wenn ein<br \/>\nSpieler \u00fcber eine unbegrenzte F\u00fclle von Baukarten verf\u00fcgen w\u00fcrde (ist sicher nicht der<br \/>\nFall), oder wenn er durch wenige zus\u00e4tzliche H\u00e4uschen die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse auf einem<br \/>\nGrundst\u00fcck kippen k\u00f6nnte (kann schon mal vorkommen), lohnt es sich, hier beteiligt zu<br \/>\nsein.<\/p>\n<p>Trotzdem ist dieses Unterst\u00fctzungsprinzip eine sehr sch\u00f6ne und ausgereifte Idee: Man<br \/>\nkann sein Angebot n\u00e4mlich &#8220;vergiften&#8221;! Man kann zu seiner normalen Baukarten<br \/>\nnoch eine sogenannte &#8220;Tauschkarte&#8221; hinzuf\u00fcgen, die bewirkt, da\u00df der aktive<br \/>\nSpieler zwar das Baurecht f\u00fcr jede hingelegte Baukarte beh\u00e4lt, daf\u00fcr aber die Bauscheibe<br \/>\nabgeben mu\u00df; die erh\u00e4lt dann der edle Spender. Es kann z.B. vorkommen, da\u00df ein Mitspieler<br \/>\nf\u00fcr ein einzige windige Baukarte die ganze Bauscheibe erh\u00e4lt. Als Alternative bleibt dem<br \/>\naktiven Spieler, wenn er nicht gen\u00fcgend eigene Karten besitzt, n\u00e4mlich sonst nur \u00fcbrig,<br \/>\nauf den Erwerb der Scheibe ganz zu verzichten und gar nichts zu tun.<\/p>\n<p>Es gibt noch eine weitere Regel zu dieser Unterst\u00fctzungsaktion, die das ganze Prinzip<br \/>\npfiffig abrundet: Wer als Helfer abgelehnt wird, bekommt daf\u00fcr als Trostpreis f\u00fcr jede<br \/>\nabgebotene Baukarte einen Siegpunkt! Das f\u00fchrt jeden Spieler in den Rechenkonflikt,<br \/>\nwieviel er maximal bieten darf, um doch noch abgelehnt zu werden.<\/p>\n<p>Hier eine Zusammenfassung der komplexen T\u00fcftelei bei diesen Angebotsaktionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Der aktive Spieler m\u00f6chte m\u00f6glichst alle Angebote ablehnen und nur eigene Karten<br \/>\neinsetzen; dann beh\u00e4lt er Baurecht und Bauscheibe f\u00fcr sich zu allein. Beim Ablehnen mu\u00df<br \/>\ner f\u00fcr alles, was die Mitspieler geboten haben, quasi kostenlose Siegpunkte verteilen.<\/p>\n<\/li>\n<li>Der aktive Spieler ist durchaus auch daran interessiert, bestimmte Angebote<br \/>\nanzunehmen, insbesondere dann, wenn er bei den H\u00e4user-Mehrheiten ohnehin nicht mehr in<br \/>\nBetracht kommt. Am liebsten w\u00fcrde er dann keine einzige eigene Baukarte opfern und sich<br \/>\nmit der Bauscheibe begn\u00fcgen, die er quasi geschenkt erh\u00e4lt. Hier kann er mit besonders<br \/>\nreichen Opfergaben seiner Mitspieler rechnen, wenn die aktuellen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse<br \/>\ngerade am Kippen sind.<\/p>\n<\/li>\n<li>Die Mitspieler m\u00f6chten bei ihren hohen Angeboten m\u00f6glichst abgelehnt werden, weil sie<br \/>\ndann entsprechend hohe Trostpreise kassieren, ohne daf\u00fcr eine einzige Baukarte geopfert<br \/>\nzu haben.<\/p>\n<\/li>\n<li>Die Mitspieler werden beim Kampf um Grundst\u00fccks-Mehrheiten und besonders beim Erwerb<br \/>\nvon Bauscheiben mit hohem individuellen Wert auch mal ganz gezielt hinklotzen und echt<br \/>\nlukrative Angebote machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem Spannungsverh\u00e4ltnis aus n\u00fctzlichen und nutzlosen, aus angenommenen und<br \/>\nabgelehnten, aus passenden und unpassenden Angeboten bewegt sich der Spielreiz beim<br \/>\n&#8220;Turmbau&#8221;. Dem aktiven Spieler wird so manches Seufzen entlockt, wenn er die<br \/>\nsch\u00f6nen Angebote vor sich liegen sieht und entweder keines annehmen kann oder keines<br \/>\nannehmen will. Und alle Mitspieler vernehmen dieses Seufzen mit befriedigender<br \/>\nSchadenfreude. Gut gelungen.<\/p>\n<p>Als Ausklang will ich nach diesem Lob aber auch noch einen Kritikpunkt anf\u00fchren: Die<br \/>\nAktionskarten, die der Wertungsausl\u00f6ser nach der Wertung eines Grundst\u00fcckes erh\u00e4lt,<br \/>\nentsprechen keineswegs unserem WPG-Prinzip nach Gleichwertigkeit. Es ist zwar eine<br \/>\nrichtige Idee, die Wertung von Grundst\u00fccken zu f\u00f6rdern und daf\u00fcr Pr\u00e4mien zu vergeben. Es<br \/>\nist auch gut, da\u00df manche Pr\u00e4mien wertvoller sind, je l\u00e4nger das Spiel noch dauert. Da die<br \/>\nAktionskarten aber vom Zufall verteilt werden, sollten sie in ihrer Wertigkeit doch enger<br \/>\nzusammenliegen: Die &#8220;Bauscheibe&#8221; kann leicht 10 Punkte wert sein, die<br \/>\n&#8220;Siegpunkte&#8221; sind genau 5 Punkte wert und der &#8220;Kartentausch&#8221; ggf. gar<br \/>\nnichts. Das halte ich ein bi\u00dfchen f\u00fcr geschludert. Es sei denn, es war eine gewollte<br \/>\nOpfergabe f\u00fcr die Chaos-Freunde unter den Spielern. Ich selber w\u00fcrde auf diese Beigabe am<br \/>\nliebsten verzichten.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Turmbau zu Babel rezensiert von Walter Sorger Nein, T\u00fcrme bauen wir im &#8220;Turmbau zu Babel&#8221; keine; die Spieler bekommen auch keine Baukl\u00f6tzchen in die Hand, um sich wie bei &#8220;Bausack&#8221; oder &#8220;Villa Paletti&#8221; konstruktiv zu bet\u00e4tigen. 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