{"id":3584,"date":"2004-04-14T12:00:00","date_gmt":"2004-04-14T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2004\/04\/14\/goa\/"},"modified":"2004-04-14T12:00:00","modified_gmt":"2004-04-14T10:00:00","slug":"goa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2004\/04\/14\/goa\/","title":{"rendered":"Goa"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/15634\" target=\"_blank\">Goa<\/a><\/h2>\n<p>&#8220;Ganz nett&#8221; war Peters erste Stellungnahme zu Goa. Ein von ihm absolut<br \/>\nungewohntes Understatement, er hatte daf\u00fcr gerade die Traumnote 10 vergeben.<\/p>\n<p>Goa ist ein Spiel mit zwei Gesichtern. Zum einen hat es stark den Charakter eines gut<br \/>\nausbalancierten Versteigerungsspiels mit allen Vor- und Nachteilen. Zum anderen ist es<br \/>\nein sehr vielseitiges und komplexes Aufbauspiel mit einem enormen komplexen<br \/>\nHandlungsspielraum f\u00fcr die Spieler.<\/p>\n<p>Versteigert werden Plantagen, Schiffe, Kolonisten und eine Reihe von anderen<br \/>\nElementen, die dem Ausbau eines Gew\u00fcrzhandels f\u00f6rderlich sind. Schon allein in der Art<br \/>\nund Weise, wie diese Dinge zur Versteigerung gelangen, steckt eine neue gute Spielidee:<br \/>\nAusgehend vom Startspieler, der die Startposition der Versteigerungsobjekte willk\u00fcrlich<br \/>\nbestimmt, sucht sich jeder Mitspieler genau eines der direkt benachbarten Pl\u00e4ttchen<br \/>\nheraus, das er unter seiner Regie auf den Markt bringen will. Entweder erwirbt er es f\u00fcr<br \/>\nsich selbst, indem der den gebotenen H\u00f6chstpreis an die Bank zahlt, oder er \u00fcberl\u00e4\u00dft es<br \/>\ndem h\u00f6chstbietenden Mitspieler und steckt daf\u00fcr den gebotenen Preis in seine eigene<br \/>\nTasche.<\/p>\n<p>Hier erhebt sich bereits die erste kniffelige Frage: Suche ich mir eine Pl\u00e4ttchen aus,<br \/>\nf\u00fcr das ich selber eine bestimmte Neigung empfinde, oder lieber eines, das eher f\u00fcr die<br \/>\nKonkurrenten eine erh\u00f6hte Bedeutung besitzt? Im ersten Fall hoffe ich, es f\u00fcr billiges<br \/>\nGeld selber erstehen zu k\u00f6nnen, im zweiten Fall m\u00f6chte ich einen besonders hohen<br \/>\nVersteigerungserl\u00f6s erzielen.<\/p>\n<p>Es gibt hierauf wohl keine schl\u00fcssige Antwort. Sofern bei allen Spielern gen\u00fcgend Geld<br \/>\nauf dem Markt ist, wird es wohl besser sein, ein f\u00fcr alle interessante St\u00fcck auszusuchen<br \/>\num damit beim Verkauf ein erkleckliches S\u00fcmmchen einzustreichen. Ist man selber aber<br \/>\neiner der reicheren Zeitgenossen und ziemlich vorne in der Reihenfolge der Versteigerer,<br \/>\ndann lohnt es sich, ein Objekt der eigenen Neigung zu w\u00e4hlen und es in der anschlie\u00dfenden<br \/>\nVersteigerung f\u00fcr sich selbst zu erwerben.<\/p>\n<p>Kommen wir jetzt zum sch\u00f6pferischen Teil des Spieles. Nach jeder Versteigerung stehen<br \/>\njedem Spieler drei oder mehr Aktionen pro Runde zur Verf\u00fcgung, in denen er seine<br \/>\nunternehmerischen F\u00e4higkeiten als Gew\u00fcrzbaron unter Beweis stellen kann. Hier entfaltet<br \/>\nGoa seinen vollen Reichtum an neuen Ideen und spielerischen Sch\u00f6nheiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Vom Start weg kann jeder Spieler immer eine F\u00fclle von konstruktiven Z\u00fcgen zu seiner<br \/>\nEntwicklung tun. Er ist niemals blockiert von seinen Mitspielern oder den Unbilden eines<br \/>\ntragischen Spielerschicksals.<\/p>\n<\/li>\n<li>Wenn der optimale Zug auf Grund von Randbedingungen der Spielregel nicht ausgef\u00fchrt<br \/>\nwerden kann, dann bieten sich immer gen\u00fcgend Ausweichz\u00fcge, die ebenfalls gute<br \/>\nEntwicklungsaussichten erlauben.<\/p>\n<\/li>\n<li>Es gibt keine Fehlplanungen. Jeder Zug tr\u00e4gt den Spieler einen me\u00dfbaren Schritt in<br \/>\nseiner Entwicklungsrichtung nach vorn. Und wenn das (geringe) Zufallsrisiko einem Spieler<br \/>\nwirklich einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, dann erh\u00e4lt er als Ausgleich<br \/>\ndaf\u00fcr immer eine akzeptable Entsch\u00e4digung.<\/p>\n<\/li>\n<li>Es gibt nur positive Z\u00fcge, keine Aktion ist gegen einen Mitspieler gerichtet,<br \/>\n\u00c4rgerelemente, H\u00e4me und Bosheit sind ausgeschlossen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/goa_b1.jpg\" align=\"right\" width=\"310\" height=\"204\" border=\"0\" alt=\"Goa\"\/><\/p>\n<p>Kommen wir zu ein paar Details. Im Prinzip kann man die Aktionen jedes Spieler in zwei<br \/>\nKlassen einteilen: Er kann alternativ seine Produktionsmittel entweder erweitern oder sie<br \/>\nnutzen. Als Produktionsmittel stehen f\u00fcnf Kategorien zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n<ul>\n<li>Schiffswerften<\/li>\n<li>Plantagen<\/li>\n<li>Expeditionen<\/li>\n<li>Steueraufkommen<\/li>\n<li>Kolonisten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jedes einzelne Produktionsmittel kann in Einerschritten von der Anfangsstufe 1 bis zur<br \/>\nMaximalstufe 5 ausgebaut werden. Je h\u00f6her die Ausbaustufe, desto h\u00f6her der Ertag bei<br \/>\neiner Ernte-Aktion. F\u00fcr jede Erweiterung ben\u00f6tigt man eine Anzahl von Schiffen und<br \/>\nbestimmte Gew\u00fcrze, und zwar um so mehr, je h\u00f6her die Entwicklungsstufe ist. Die Erh\u00f6hung<br \/>\nvon Stufe 1 zu Stufe 2 kostet eine Einheit, und je Stufe steigt dieser Preis um 1 nach<br \/>\noben. Von Stufe 4 zu Stufe 5 kostet sie bereits 4 Einheiten. In der Summe w\u00e4ren also 10<br \/>\nSchiffe und 10 genau vorgegebene Gew\u00fcrze n\u00f6tig, um ein Produktionsmittel von Stufe 1 auf<br \/>\ndie Maximalstufe 5 zu heben.<\/p>\n<p>Die Leistungsf\u00e4higkeit der verschiedenen Produktionsmittel steigen von der<br \/>\nAnfangsstufe bis zur Maximalstufe nach ganz unterschiedlichen Zahlenreihen. Der<br \/>\nSchiffsbau steigt ziemlich langsam in Einerschritten von 1 auf 5, der Ernteertrag auf den<br \/>\nPlantagen steigt dagegen in (fast durchwegs) Zweierschritten von 1 auf 8 deutlich<br \/>\nschneller an.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/goa_b2.jpg\" align=\"left\" width=\"289\" height=\"242\" border=\"0\" alt=\"Goa\"\/><\/p>\n<p>In der Endabrechung bekommt man f\u00fcr jedes Produktionsmittel genau soviel Siegespunkte,<br \/>\nwie man insgesamt daf\u00fcr Schiffe eingesetzt hat. Ein Produktionsmittel der Stufe 5 bringt<br \/>\ndemnach 10 Siegpunkte. Wenn man alle f\u00fcnf verschiedenen Produktionsmittel maximal<br \/>\nausgebaut hat, kann man damit insgesamt 50 Siegpunkte auf seinem Konto verbuchen. (Goa<br \/>\nbietet noch weitere M\u00f6glichkeiten, an Siegpunkte heranzukommen; auf diese sekund\u00e4ren<br \/>\nErwerbsquellen will ich jetzt aber nicht n\u00e4her eingehen.)<\/p>\n<p>In der Regel sind am Ende eines Spieles nur wenige Produktionsmittel bis zur h\u00f6chsten<br \/>\nStufe entfaltet. Als grober Daumenwert f\u00fcr ein gutes Ergebnis bei vier Mitspielern gilt:<br \/>\nZwei Produktionsmittel sind auf Stufe 5, ein Produktionsmittel auf Stufe 4 und zwei<br \/>\nProduktionsmittel auf Stufe 3.<\/p>\n<p>Die zweite kniffelige Frage ist nun, in welcher Reihenfolge soll ich meine<br \/>\nProduktionsmittel entwickeln. Dies ist der entscheidende Knackpunkt, wie ich mehr<br \/>\nEffizienz in meine Aktionen bringen kann und mir damit einen Vorteil vor meinen<br \/>\nKonkurrenten verschaffen kann.<\/p>\n<p>Die Antwort ist einerseits nat\u00fcrlich abh\u00e4ngig von der Art von Gew\u00fcrzen, die ich auf<br \/>\nmeinen Plantagen erzeuge und die f\u00fcr den Entwicklungsfortschritt erforderlich sind.<br \/>\nAndererseits mu\u00df es in einem solchen Spiel aber auch eine theoretisch beste Reihenfolge<br \/>\ngeben, und ich sollte versuchen, meine Entwicklung so nahe wie m\u00f6glich gem\u00e4\u00df dieser<br \/>\noptimierten Linie anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Hierzu eine kleine \u00dcberschlagsrechnung:<\/p>\n<p>F\u00fcr den oben definierten Endstand ben\u00f6tigt man insgesamt 32 (beliebige) Schiffe und 32<br \/>\n(definierte) Gew\u00fcrze. 5 Schiffe sind mein Startkapital und etwa 3 Schiffe kann ich auf<br \/>\nVersteigerungen erwerben. Bleiben also noch 24 Schiffe, die ich irgendwann, irgendwie auf<br \/>\nmeinen Werften zusammenbasteln mu\u00df. Wenn meine Werften pro Aktion nur jeweils 1 Schiff<br \/>\nproduzieren, dann brauche ich 24 Aktionen, um den besagten Endstand zu erreichen. Schaffe<br \/>\nich aber 2 Schiffe pro Aktion, dann kostet es mich nur noch 12 Aktionen, und bei einer<br \/>\ndurchschnittlichen Produktionsrate von 3 Schiffen sind es sogar nur 8 Aktionen. Bei<br \/>\nkeinem anderen Produktionsmittel ist der Bedarf so gro\u00df, die anf\u00e4ngliche Produktionsrate<br \/>\nso klein und die erzielbare Steigerungsrate innerhalb der Effizienz so augenf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Betrachten wir dagegen mal die anderen Produktionsmittel:<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>Steuereinnahmen (Geldmittel)<br \/>\n<br \/>\nwerden im Prinzip \u00fcberhaupt nicht gebraucht. Sie sind ein notwendiger und<br \/>\nselbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil der Versteigerungen. In Normalfall besitzt ein Spieler<br \/>\naber auch ohne Zusatzeinnahmen \u00fcber Steuern gen\u00fcgend pekuni\u00e4ren Spielraum, um in seinem<br \/>\nEntwicklungsfortschritt nicht gehemmt zu sein.<\/p>\n<p>Wer hier eine Finanz-Dominanz anstrebt, der bewirkt nur eine Inflation der Geldmittel, so<br \/>\nda\u00df als Folge davon seine relativen Einnahmen entsprechend immer geringer werden. Nach<br \/>\njeder Versteigerungsrunde ist das Geld ohnehin wieder gut verteilt in jedermanns H\u00e4nden.<\/p>\n<\/li>\n<li>Expeditionsf\u00e4higkeiten<br \/>\n<br \/>\nn\u00fctzen zwar in bezug auf einem sekund\u00e4ren Spieleffekt, der bei Monopoly unter dem Begriff<br \/>\n&#8220;Ereigniskarten&#8221; bekannt ist: Zufallsgesteuert ger\u00e4t der Spieler an<br \/>\nverschiedene Arten von Bonusse (oder Boni). Diese haben aber nur einen \u00e4u\u00dferst geringen<br \/>\nEinflu\u00df auf den Fortschritt innerhalb der Produktionsmittel. Ich behaupte, eine<br \/>\nGew\u00fcrzpolitik, die sich \u00fcberwiegend an Expeditionen orientiert, ist jeder soliden Grund-<br \/>\nund Bodenpolitik unterlegen. Vielleicht irre ich mir hier, ich werde aber nur widerrufen,<br \/>\nwenn ich durch klare Aussagen aus der heiligen Schrift diesbez\u00fcglich widerlegt werde.<\/p>\n<\/li>\n<li>Kolonisten<br \/>\n<br \/>\nwerden ben\u00f6tigt, um gezielt neue Plantagen zu bewirtschaften. Die freien Plantagen kann<br \/>\nman ohnehin ganz ohne Kolonisten ersteigern und bewirtschaften. Weiterhin k\u00f6nnen einige<br \/>\nder zugeordneten Plantagen allein mit der ausgeteilten Grundausstattung bei Spielbeginn<br \/>\nin Besitz genommen und abgeerntet werden. Es bleibt also nicht viel an m\u00f6glichen<br \/>\nVorteilen, die zus\u00e4tzliche Kolonisten dem Besitzer einbringen k\u00f6nnen. Ich w\u00fcrde diese<br \/>\nKategorie nur ausbauen, wenn ich wirklich keine bessere Aktion ausf\u00fchren kann.<\/p>\n<\/li>\n<li>Plantagen<br \/>\n<br \/>\nwerden nat\u00fcrlich gebraucht. Insgesamt stehen ja immer noch die oben erw\u00e4hnten 32 Gew\u00fcrze<br \/>\nim Raum, die ich f\u00fcr das Erreichen meines Entwicklungs-Endstandes ben\u00f6tige. Problemlos<br \/>\nkann ich zirka 12 davon per Versteigerung erwerben. Wenn meine Plantagen einen<br \/>\nEntwicklungsstand der Stufe 3 besitzen, dann produzieren sie bereits 4 Gew\u00fcrze pro<br \/>\nAktion. F\u00fcr die ausstehenden 20 Gew\u00fcrze brauche ich also blo\u00df noch 5 Aktionen der<br \/>\nAusbaustufe 3, um alles unter Dach und Fach zu bringen. Das ist bedeutend weniger als der<br \/>\nBedarf an Aktionen f\u00fcr den Bau der ben\u00f6tigten Schiffe.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Fazit: Leute, baut Schiffe! Goas Zukunft liegt auf dem Meer!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man die favorisierte Linie nicht ungehindert einschlagen. Das ist ja<br \/>\nschon (ein bi\u00dfchen) davon abh\u00e4ngig, ob die notwendigen Plantagen \u00fcberhaupt auf den Markt<br \/>\ngekommen sind, und ob ich sie mir ersteigern konnte. Und wenn alle Spieler diese<br \/>\nGoa-Gewinnstrategie anwenden, dann werden sie sich zwangsweise um die Ressourcen pr\u00fcgeln,<br \/>\ndie auf dieser Gewinnlinie die Engp\u00e4sse darstellen. Pr\u00fcgeln? Der Verlag spricht sogar von<br \/>\neinem &#8220;gnadenlosen Wettstreit&#8221;, aber das ist ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Der<br \/>\neigentliche Motor f\u00fcr den Sieg in Goa liegt in diesem Fall in der Versteigerungstechnik.<br \/>\nHier wird dann Fingerspitzengef\u00fchl, Erfahrung und auch ein Quentchen Gl\u00fcck den Ausschlag<br \/>\ngeben.<\/p>\n<p>Ansonsten baut jeder stillvergn\u00fcgt und unbehelligt von den Konkurrenten an seiner<br \/>\neigenen heilen Welt. Jeder ist mit seiner Produktion genauso zufrieden wie ein Vater mit<br \/>\nseinem Kind. Und nur wenn man \u00fcber den Tellerrand schaut &#8211; das passiert gew\u00f6hnlich aber<br \/>\nerst in der Schlu\u00dfabrechnung &#8211; kann man erkennen, ob die Brut des Nachbarn nicht doch<br \/>\nbesser gelungen ist als die eigene. Das ganze entspricht eher einer &#8220;friedlichen<br \/>\nKoexistenz&#8221; aus den Zeiten, als die Sowjetunion schon l\u00e4ngst die Hoffnung aufgegeben<br \/>\nhatte, den Kapitalismus links \u00fcberholen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>WPG-Gesamtnote: 8,4<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goa &#8220;Ganz nett&#8221; war Peters erste Stellungnahme zu Goa. Ein von ihm absolut ungewohntes Understatement, er hatte daf\u00fcr gerade die Traumnote 10 vergeben. Goa ist ein Spiel mit zwei Gesichtern. Zum einen hat es stark den Charakter eines gut ausbalancierten Versteigerungsspiels mit allen Vor- und Nachteilen. 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