{"id":3606,"date":"2001-04-22T12:00:00","date_gmt":"2001-04-22T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2001\/04\/22\/junta\/"},"modified":"2001-04-22T12:00:00","modified_gmt":"2001-04-22T10:00:00","slug":"junta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2001\/04\/22\/junta\/","title":{"rendered":"Junta"},"content":{"rendered":"<h2>Junta<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/junta_t.jpg\" align=\"right\" width=\"227\" height=\"156\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><b>Hersteller<\/b>: ASS<\/p>\n<p><b>Autor<\/b>: Vincent Tsao (urspr\u00fcnglicher Entwurf); Ben Grossman \/ Eric Goldberg<br \/>\n(Weiterentwicklung)<\/p>\n<p><b>Getestet<\/b>: Deutsche ASS Ausgabe, 1986<\/p>\n<p><b>Tester<\/b>: Walter Sorger<\/p>\n<p><b>Szenario<\/b>: Eine Bananenrepublik irgendwo auf der Welt. Die Spieler<br \/>\nrepr\u00e4sentieren politische Gruppierungen innerhalb des Landes und versuchen auf Biegen<br \/>\noder Brechen den gr\u00f6\u00dften Teil des Staatshaushaltes auf Ihre Seite bzw. auf ein privates<br \/>\nKonto im Ausland zu bringen.<\/p>\n<p><b>Das Spiel<\/b>: Das Spielbrett zeigt die politisch wichtigsten Quartiere einer<br \/>\nmodernen Hauptstadt (Pr\u00e4sidentenpalast, Abgeordneten-Kammer, Polizei-Reviere, Kasernen,<br \/>\nBotschaften, Zentralbank, Million\u00e4rs- und Elendsviertel u.\u00e4.). Das Spiel verl\u00e4uft in 9<br \/>\nbis 11 Spielrunden ab, in denen jeweils Geld in Umlauf gebracht wird. Ist der gesamte<br \/>\nVorrat an Spielgeld ausgegeben, so endet das Spiel. Sieger ist derjenige, der das meiste<br \/>\nGeld auf sein Schweizer Konto gebracht hat.<\/p>\n<p>Ein Spieler ist Pr\u00e4sident, ein Amt, in das er in der Regel demokratisch gew\u00e4hlt wurde.<br \/>\nDer Pr\u00e4sident vergibt die \u00fcbrigen 6 Regierungs\u00e4mter (Minister f\u00fcr innere Sicherheit,<br \/>\nKommandeur der Luftwaffe, Admiral der Marine und 3 Generalsposten) an die anderen<br \/>\nMitspieler. Er tut dies in freier Entscheidung, wobei jeder Spieler mindestens ein Amt<br \/>\nund h\u00f6chstens zwei \u00c4mter bekommen kann. Hier zeigt sich die erste Vorliebe des<br \/>\nPr\u00e4sidenten: Er verteilt die \u00c4mter n\u00e4mlich nicht gleichm\u00e4\u00dfig auf alle Spieler, sondern er<br \/>\nbevorzugt diejenigen, die ihm treu zu sein versprechen und mit denen er in der nun<br \/>\nfolgenden Junta-Phase sein Sch\u00e4fchen ins Trocken bringen will.<\/p>\n<p>Sein &#8220;Sch\u00e4fchen&#8221; sind die zuf\u00e4llig gezogenen 8 bis 24 Millionen Pesos<br \/>\nStaatshaushalt die der Pr\u00e4sident als &#8220;Entwicklungshilfe&#8221; einstreicht. Dieses<br \/>\nGeld verteilt der Pr\u00e4sident absolut willk\u00fcrlich an die Mitspieler. Hier sind der<br \/>\nVerteilung keinerlei Grenzen vorgegeben. Der Pr\u00e4sident kann alles ausnahmslos f\u00fcr sich<br \/>\nbehalten; er kann aber auch alles oder einen Teil davon an einen oder an mehrere Spieler<br \/>\nweitergeben. Die Aufteilung des Etats an die Spieler zeigt die zweite Vorliebe des<br \/>\nPr\u00e4sidenten und nennt sich &#8220;Staatshaushalt vorschlagen.&#8221; Nat\u00fcrlich sind immer<br \/>\nein paar Spieler gegen die vorgeschlagene Verteilung, aber wenn die Mehrheit der Spieler<br \/>\ndaf\u00fcr ist, dann ist der Staatshaushalt angenommen. Falls aber eine Mehrheit gegen die<br \/>\nvorgeschlagene Verteilung ist, so kann der Minister des Inneren den Haushalt mit Gewalt<br \/>\ndurchsetzen.<\/p>\n<p>Ein solches Vorgehen schafft nat\u00fcrlich keine Freunde. Aber Junta ist auch kein Spiel<br \/>\nunter Freunden. Jeder spielt f\u00fcr sich. Allianzen werden nur f\u00fcr kurzfristige Ziele<br \/>\neingegangen und halten nur solange, bis sich lohnendere Ziele auftun. Das kann z.B. ein<br \/>\nAttentat gegen einen reichen Verb\u00fcndeten oder ein Putschversuch gegen die regierende<br \/>\nJunta sein.<\/p>\n<p>Ein Attentat kann jeder Spieler kann innerhalb der &#8220;Terror-Phase&#8221; einer<br \/>\nSpielrunde auf einen anderen Spieler aus\u00fcben. Dies geschieht durch die Ank\u00fcndigung:<br \/>\n&#8220;Ich schicke einen Attent\u00e4ter zum Ort X (Bank, Hauptquartier, Zuhause, Freundin,<br \/>\nNachtclub), um ein Attentat auf den Spieler Y durchzuf\u00fchren.&#8221; Das Attentat ist<br \/>\nerfolgreich, wenn der betroffene Spieler sich tats\u00e4chlich an dem angek\u00fcndigten Ort des<br \/>\nAttentats aufh\u00e4lt. In diesem Fall bekommt der Beauftragende des Attentats das Bargeld des<br \/>\nOpfers.<\/p>\n<p>Ein Putsch ist ein Aufstand gegen den Pr\u00e4sidenten-Clan und kann von jedem Spieler<br \/>\nausgel\u00f6st werden. Ist der Putsch initiiert, dann entscheidet sich jeder Spieler, auf<br \/>\nwelcher Seite er in den Kampf zieht: ob er sich den Aufst\u00e4ndischen anschlie\u00dft oder ob er<br \/>\nregierungstreu bleibt. Anschlie\u00dfend f\u00fchren die Truppen der einzelnen Regierungs\u00e4mter<br \/>\n(eigentlich sind es alles Kriegs\u00e4mter) die Putsch-Phasen durch, bei denen es darum geht,<br \/>\ndie Mehrheit der Schl\u00fcsselpositionen in der Hauptstadt zu erobern. Gek\u00e4mpft wird durch<br \/>\nW\u00fcrfeln. Bei jeder geworfenen 6 wird eine gegnerische Truppeneinheit entfernt.<\/p>\n<p>Siegen die Aufst\u00e4ndischen, so ist der Pr\u00e4sident abgesetzt und die Rebellen w\u00e4hlen<br \/>\nunter sich einen neuen Pr\u00e4sidenten. Siegt die Pr\u00e4sidentenseite so bleibt alles beim<br \/>\nalten. Nach jedem Putsch kann die siegreiche Seite einen Spieler der Gegenseite<br \/>\nerschie\u00dfen lassen (Nat\u00fcrlich wird nicht der Spieler erschossen, sondern der Amtstr\u00e4ger<br \/>\nden er repr\u00e4sentiert. Bei der n\u00e4chsten Runde sind alle Spieler bzw. Amtstr\u00e4ger wieder<br \/>\nmunter und fidel.) Ein &#8220;erschossener&#8221; Spieler verliert seinen gesamten<br \/>\nangesammelten politischen Einfluss. Sein Geld erh\u00e4lt der Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Alles Geld, das die Spieler im Laufe der Zeit bekommen, ist zun\u00e4chst mal nur Bargeld.<br \/>\nEs z\u00e4hlt zur Siegesabrechnung am Ende des Spieles nicht mit. Zum Sieg z\u00e4hlt nur das Geld<br \/>\nauf dem Schweizer Konto. Und wie kommt das Geld auf dieses Konto? Indem man es zur Bank<br \/>\nbringt. Das klingt zun\u00e4chst ganz einfach. Ist es aber nicht. In politisch unsicheren<br \/>\nZeiten ist die Bank geschlossen oder hat &#8220;Mittagsruhe&#8221; und nimmt keine<br \/>\nEinzahlungen entgegen. Weiterhin lauern in der Bank die Attent\u00e4ter, und es gibt kein<br \/>\nbegehrteres Opfer als ein Mitspieler mit viel Bargeld.<\/p>\n<p><b>Spieldauer<\/b>: 3 Stunden, zuz\u00fcglich Regelerkl\u00e4rung<\/p>\n<p><b>\u00c4hnliche Spiele<\/b>: Republic of Rome, Kreml, Risiko<\/p>\n<p><b>Kommentar der Westpark Gamers<\/b>: Als Vorbereitung auf ein Junta-Spiel gibt die<br \/>\nSpielanleitung den Tip &#8216;Schreiben Sie 100 mal &#8220;Junta ist nur ein Spiel&#8221; auf<br \/>\nein Blatt Papier.&#8217; Dies ist ein sehr n\u00fctzlicher Tip, denn Junta ist wirklich nur ein<br \/>\nSpiel. Ein gutes Spiel &#8211; f\u00fcr gute Spieler, freigeben ab 18 Jahre (wie die Liebe!). Es ist<br \/>\neine geistreiche Umsetzung der politischen Winkelz\u00fcge in einer Bananenrepublik auf eine<br \/>\nSpiel-Szenerie. Man braucht Humor (und Esprit), um die absolute Moral- und<br \/>\nGesetzlosigkeit der skizzierten Gesellschaft zu goutieren. Derjenige, der gerade noch im<br \/>\nSchulterschluss mit Dir den Pr\u00e4sidenten-Palast erst\u00fcrmt hat, stellt Dich gleich im<br \/>\nAnschluss daran vor ein Erschie\u00dfungskommando, um Dich zu beerben. So ist das Leben.<\/p>\n<p>Die Spielmechanismen sind ausgereift und ausgewogen, so ungleich das Schicksal (der<br \/>\nPr\u00e4sident) auch die G\u00fcter des Staates verteilen mag. Wer offensichtlich gut bedacht<br \/>\nworden ist, zieht sogleich die Neider auf sich und steht n\u00e4her an der Schwelle des Todes<br \/>\nals der Habenichts, der \u00fcber ein Attentat oder einen Putsch zu pl\u00f6tzlichem Reichtum kommt<br \/>\nund diesen wom\u00f6glich auch noch unangefochten zur Bank bringen kann.<\/p>\n<p>Und wie gewinnt man dieses Spiel? Peter versucht es als Pr\u00e4sident durch psychischen<br \/>\nDruck, durch Terror nach allen Seiten &#8211; und ist damit oft erfolgreich. Moritz glaubt an<br \/>\nden Minister der Inneren Sicherheit, als der er einmal pro Runde ein zus\u00e4tzliches<br \/>\nAttentat versuchen kann. Ich wei\u00df nicht (sicher), welche Prinzipien zur Siegstrategie<br \/>\ngeh\u00f6ren. Aber ich tr\u00e4ume von dem ganz gro\u00dfen Coup, d.h. von dem bedeckten Abwarten auf<br \/>\ndie Gelegenheit, wo ich als letzter und harmloser Mitspieler ein Attentat auf denjenigen<br \/>\naus\u00fcbe, der seinerseits gerade ein erfolgreiches Attentat auf einen reichen Mitspieler<br \/>\ndurchgef\u00fchrt hat, der auch gerade &#8230; . Und dies alles nat\u00fcrlich auf der Bank, wo ich<br \/>\nmeine Beute sofort einzahlen kann, bevor ich in der n\u00e4chsten Runde gegen die gesamte<br \/>\nMeute keine Chance mehr h\u00e4tte. Dazu muss ich die Spieler-Reihenfolge genau vor Augen<br \/>\nhaben. Und daf\u00fcr sollte ich Pr\u00e4sident sein und den Spieler links von mir zum Minister des<br \/>\nInneren ernennen &#8230;<\/p>\n<p><b>Walters Bewertung<\/b>: 9 (von 10), wegen der geistreichen Abbildung einer<br \/>\nJunta-Demokratie.<\/p>\n<p><b>Westpark Gesamtbewertung<\/b>: 8.8<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><b>Weiterf\u00fchrenden Informationen:<\/b><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/faidutti.free.fr\/jeux\/articles\/junta\/junta.html\" target=\"_blank\">Bruno Faidutti&#8217;s &#8220;Junta&#8221; Review<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.funagain.com\/cgi-bin\/funagain\/04858?;;WPRK\" target=\"_blank\">Funagain-Seite mit Spieler-Kommentaren \u00fcber &#8220;Junta&#8221;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/sunsite.informatik.rwth-aachen.de\/cgi-bin\/luding\/GameData.py?lang=DE&amp;gameid=286\" target=\"_blank\">Luding Link zu &#8220;Junta&#8221;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Junta Hersteller: ASS Autor: Vincent Tsao (urspr\u00fcnglicher Entwurf); Ben Grossman \/ Eric Goldberg (Weiterentwicklung) Getestet: Deutsche ASS Ausgabe, 1986 Tester: Walter Sorger Szenario: Eine Bananenrepublik irgendwo auf der Welt. 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