{"id":3612,"date":"2006-07-07T12:00:00","date_gmt":"2006-07-07T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2006\/07\/07\/kleopatra\/"},"modified":"2006-07-07T12:00:00","modified_gmt":"2006-07-07T10:00:00","slug":"kleopatra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2006\/07\/07\/kleopatra\/","title":{"rendered":"Kleopatra"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/19495\" target=\"_blank\">Kleopatra<\/a><\/h2>\n<p style=\"font-style: italic\">von Walter Sorger<\/p>\n<p>Das Spielmaterial ist entz\u00fcckend sch\u00f6n. Fast wie aus Elfenbein muten die zierlich geformten<br \/>\nbeigen Sphinxe, Obeliske, Tempels\u00e4ulen und der Thron an, mit denen die Spieler den heiligen Bezirk<br \/>\nim Tal der K\u00f6nige in Luxor ausschm\u00fccken sollen. Der Titel &#8220;Tal der K\u00f6nige&#8221; ist leider<br \/>\nschon seit 1991 f\u00fcr ein Spiel von &#8220;Kosmos&#8221; vergeben; zu dem jetzt mit<br \/>\n&#8220;Kleopatra&#8221; vorgestellten Spiel von &#8220;Days of Wonder&#8221; h\u00e4tte er ausgezeichnet<br \/>\ngepasst. Doch sicherlich besitzt auch eine &#8220;Kleopatra&#8221; gen\u00fcgend Attraktivit\u00e4t und l\u00e4sst<br \/>\ndie K\u00e4uferherzen h\u00f6her schlagen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Baumeister&#8221; deuten allerdings an, dass vor der nackten Lust erst einmal harte<br \/>\nArbeit angesagt ist. Die Spieler m\u00fcssen sich in den Steinbruch begeben, um dort im Schwei\u00dfe ihres<br \/>\nAngesichtes die Bauelemente aus dem harten Gestein hacken. Die Spielanleitung nennt diese<br \/>\nSchwerstarbeit leichthin &#8220;besorgen&#8221;; Waren die alten \u00c4gypter etwa bereits so kleptoman<br \/>\nveranlagt wie heutzutage manches Klischee-Volk und haben die Sphinxe einfach mitgehen lassen? Na<br \/>\nja, immerhin sind die fraglichen Teile bereits fertig ausgestanzt und liegen in einem wundersch\u00f6nen<br \/>\nPlastik-Steinbruch zum Abholen bereit.<\/p>\n<p>Ehe man im Steinbruch seine &#8220;Besorgungen&#8221; machen kann, muss man den &#8220;Markt<br \/>\nbesuchen&#8221;. Hier erwirbt man alle Zutaten, die f\u00fcr die Bauelemente ben\u00f6tigt werden, also<br \/>\nSteinbl\u00f6cke, Marmorplatten, Bauh\u00f6lzer und \u00e4hnliches. Ich habe fr\u00fcher im Geschichtsunterricht nie<br \/>\ngelernt, dass die alten \u00c4gypter sich erst mal auf dem freien Markt mit Steinbl\u00f6cken eindeckten und<br \/>\ndiese dann in den Steinbruch trugen, um sich dort Sphinxe mei\u00dfeln zu lassen. Doch bei<br \/>\n&#8220;Kleopatra&#8221; funktioniert diese Vorgehensweise ganz ausgezeichnet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/kleopatra_b1.jpg\" align=\"left\" width=\"260\" height=\"349\" border=\"0\" alt=\"board\"\/><\/p>\n<p>Die Art und Weise, wie die Zutaten (= Karten) auf dem Markt verteilt werden, enth\u00e4lt einen ganz<br \/>\nneuartigen Verteilungsmechanismus: Die Zutaten-Karten werden zu Spielbeginn zur H\u00e4lfte offen und<br \/>\nzur H\u00e4lfte verdeckt in einem Stapel vermischt und peut a peut in drei getrennten Paketen auf den<br \/>\nTisch ausgelegt, offen oder verdeckt, wie es das Schicksal entschieden hat. Ein Spieler, der den<br \/>\n&#8220;Markt besucht&#8221;, nimmt eines der drei Pakete als Zutaten-Vorrat vollst\u00e4ndig auf die Hand,<br \/>\nund legt anschlie\u00dfend auf jedes der Pakete auf dem Tisch eine neue Karte vom Stapel. [Bemerkung nur<br \/>\nf\u00fcr Mathematiker: Auch ein leeres Paket ist ein Paket!] Die Pakete auf dem Tisch weisen demnach<br \/>\nalle eine unterschiedliche Anzahl von Zutaten-Karten auf und jeder Spieler kann \/ muss sich<br \/>\nentscheiden, ob er wenige Karten mit bekannten aber guten Eigenschaften aufnimmt oder viele Karten<br \/>\nvon teilweise fragw\u00fcrdiger Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Im Standardfall stehen die Karten f\u00fcr eine Einheit eines bestimmen Baustoffes. Es gibt<br \/>\nallerdings auch Sonderkarten, die gleich die doppelte Einheit eines Baustoffes beinhalten oder in<br \/>\ndenen die Art des Baustoffes frei gew\u00e4hlt werden kann. Diese Vorteile werden aber sofort wieder mit<br \/>\nNachteilen neutralisiert: Beim Spielen von solchen Sonderkarte bekommt der Spieler Minuspunkte<br \/>\n(&#8220;Korruptionsamulette&#8221; genannt), die wie ein Damoklesschwert \u00fcber seiner Seele lasten.<br \/>\nBei der Schlussabrechung werden die Minuspunkte aller Spieler miteinander verglichen, und wer die<br \/>\nmeisten hat, ist Letzter und scheidet aus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen2\/kleopatra_b2.jpg\" align=\"right\" width=\"200\" height=\"279\" border=\"0\" alt=\"card\"\/><\/p>\n<p>Die Minuspunkte aller anderen Spieler l\u00f6sen sich in Luft auf und haben keinerlei Einfluss mehr<br \/>\nauf die Siegerermittlung. Deswegen darf man vor den Minuspunkten nicht grunds\u00e4tzlich Angst haben.<br \/>\nZu einem erfolgreichen Spiel geh\u00f6rt es sogar unbedingt dazu, die Sonderkarten mit ihren Vorteilen<br \/>\nmaximal zu nutzen. Ohne ihre Verg\u00fcnstigungen kann man das Spiel nicht gewinnen. Nur muss man sein<br \/>\nSchuldenkonto immer im Auge haben und konsequent alle Gelegenheiten nutzen, die das Spiel bietet,<br \/>\ndie Minuspunkte wieder zu verringern.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit dazu ist das Tempelopfer, hier darf man sich nicht lumpen lassen: &#8220;Sobald<br \/>\ndas Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt!&#8221; Eine weitere<br \/>\nM\u00f6glichkeit zum Abbau der Minuspunkte ist das Anlegen von G\u00f6tter-G\u00e4rten, womit ein erheblicher<br \/>\nS\u00fcndenablass gew\u00e4hrt werden sein kann. Viel s\u00fcndigen, viel bauen, viel gewinnen und viel in die<br \/>\nS\u00fcndenvergebung investieren, das ist f\u00fcr &#8220;Kleopatra&#8221; eine erfolgreiche Maxime. Das<br \/>\nrichtige Spiel mit den Minuspunkten ist \u00fcberhaupt das wichtigste strategische Element. Wenn am Ende<br \/>\ndes Spieles nur ein einziger Mitspieler mehr Minuspunkte aufweist, hat man die Dreipunktlandung<br \/>\nhingekriegt, frei nach einer Redewendung aus meiner Kindheit: &#8220;Evangelisch gelebt und<br \/>\nkatholisch gestorben, ist dem Teufel die Rechnung verdorben.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Kleopatra&#8221; ist ein sehr gut ausbalanciertes konstruktives Sammel- und Aufbauspiel.<br \/>\nViele h\u00fcbsche pfiffige Ideen sind hier eingeflossen. Viele Freiheiten und unterschiedliche Wege<br \/>\nf\u00fchren zum Erfolg. Alles zusammen ist in ein gelungenes Gesamtkonzept gegossen. Somit reiht sich<br \/>\n&#8220;Kleopatra&#8221; verdienterma\u00dfen in die 2006er Generation der gro\u00dfen Aufbauspiele ein. Und<br \/>\nsein bestechendes Spielmaterial hebt es noch ein bisschen dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleopatra von Walter Sorger Das Spielmaterial ist entz\u00fcckend sch\u00f6n. 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