{"id":3757,"date":"2001-07-24T12:00:00","date_gmt":"2001-07-24T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2001\/07\/24\/castle-of-magic-und-die-verarschung\/"},"modified":"2001-07-24T12:00:00","modified_gmt":"2001-07-24T10:00:00","slug":"castle-of-magic-und-die-verarschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2001\/07\/24\/castle-of-magic-und-die-verarschung\/","title":{"rendered":"&#8220;Castle of Magic&#8221; und die Verarschung"},"content":{"rendered":"<p>Ich liebe strategische Spiele. Das mu\u00df vorweggeschickt werden. Ich liebe aber auch<br \/>\ngenerell Spielen als Freizeitzeitkultur und ich genie\u00dfe unseren Spielkreis<br \/>\n&#8220;Westpark-Gamers&#8221;. Hier haben sich meine Spielambitionen schon erheblich<br \/>\ngewandelt. Fantacy und Adventure-Games sind f\u00fcr mich heute nicht mehr der saure Apfel, in<br \/>\nden ich halt auch mal bei\u00dfen mu\u00df. Moritz hat f\u00fcr eine behutsame Umstellung der Ern\u00e4hrung<br \/>\ngesorgt. Heute finde ich diese Kost manchmal sogar spannend und unterhaltend. Aber nicht<br \/>\nimmer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/castle-of-magic_t.jpg\" align=\"right\" width=\"235\" height=\"245\" border=\"0\" alt=\"Castle of Magic\"\/> Nehmen wir &#8220;Caste of Magic&#8221;. Nach <a href=\"bericht25.html#game2\">Moritz<\/a> &#8220;funktioniert diese Mischung aus &#8216;<a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/156\" target=\"_blank\">Cluedo<\/a>&#8216; und<br \/>\n&#8216;<a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/2041\" target=\"_blank\">Talisman<\/a>&#8216; sehr gut&#8221;. Der Spiele-Kritiker Ray Mulford schreibt,<br \/>\n&#8220;it is a really fun game. I&#8217;m glad to have it in my collection.&#8221; Ich teile<br \/>\ndiese Euphorien nicht. Ganz im Gegenteil. Ich f\u00fchle mich verarscht.<\/p>\n<p>Ich mag keine Spiele, bei denen es einzig und allein darauf ankommt, durch<br \/>\nhundertfaches Ausprobieren dahinter zu kommen, welche eine Irrgarten-Szenerie sich ein<br \/>\nAutorengehirn ausgedacht hat. Das bezog sich jetzt auf Indianer Jones. Ich mag keine<br \/>\nSpiele, bei denen allein Fortuna&#8217;s Liebling gewinnt. Das gilt jetzt f\u00fcr Lotto und<br \/>\nRoulette. Ich mag auch nicht unbedingt Spiele, bei denen sich zwei Intelligenzbestien mit<br \/>\ngefletschten Z\u00e4hnen gegen\u00fcbersitzen, bis einer bei der kleinsten Unaufmerksamkeit den<br \/>\nanderen auffri\u00dft. Schachspieler, verzeiht mir! Ich mag Spiele, die eine Spielrunde mit<br \/>\neiner geh\u00f6rigen Portion Interaction miteinander und gegeneinander spielt, bei denen<br \/>\nGeschick, Psychologie, Kooperation und Konfrontation meine Gewinnchancen heben, und bei<br \/>\ndenen ich zu jeder Zeit meiner Maxime nachgehen kann, &#8220;to have a plan&#8221;.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu &#8220;Caste of Magic&#8221;. Wenn das Spiel aufgebaut ist und ich meine<br \/>\nSpieleridentit\u00e4t zugeteilt bekommen habe, dann f\u00e4ngt erst einmal die gro\u00dfe<br \/>\nRitual-Rechnerei an. Heute bin ich Seballa und w\u00fcrde 10000 Punkte verlieren (t\u00f6dlich),<br \/>\nwenn Marus verflucht wird, dagegen gewinne ich 2000 Punkte, wenn Sorrell verflucht wird.<br \/>\nBilanzieren wir also die m\u00f6glichen Rituale-Ergebnisse:<\/p>\n<p>Ritual-Ergebnis 1 &#8220;Fluch generell aufgehoben&#8221;, ganz klar, das ist gut, weil<br \/>\nes einen Verlust von 8000 Punkten verhindert. Ritual-Ergebnis 2 &#8220;Der Besitzer der<br \/>\nKrone mu\u00df eine Stadt seiner Wahl verfluchen&#8221;. Was bedeutet das f\u00fcr mich? Wer am Ende<br \/>\ndie Krone besitzt, k\u00f6nnte mir durch seine willk\u00fcrliche Entscheidung, Marus oder eine<br \/>\nandere Stadt zu verfluchen, 10000 Punkte kosten oder 2000 Punkte einbringen. Wie kann ich<br \/>\nseine Entscheidung voraussehen? Zun\u00e4chst einmal gar nicht! Am besten ist es wohl, ich<br \/>\nbem\u00fche mich selber darum, die Krone in meinen Besitz zu bringen. Es gibt aber insgesamt<br \/>\nnur 3 Objekte, um die sich 6 Mitspieler bewerben. Nur jeder zweite wird am Ende \u00fcberhaupt<br \/>\nein Objekt besitzen. Ob f\u00fcr mich dabei die Krone herausspringt? Da mu\u00df ich schon k\u00e4mpfen.<br \/>\nK\u00e4mpfen hei\u00dft in diesem Spiel aber ausschlie\u00dflich: Eine ganze Serie von guten<br \/>\nW\u00fcrfel-W\u00fcrfen hinzulegen. Hoffentlich hat ein anderer Mitspieler nicht genauso viel<br \/>\nInteressen an der Krone. Und dabei mehr Gl\u00fcck beim W\u00fcrfeln.<\/p>\n<p>Gott-sei-Dank gibt es noch andere Techniken, das Kronenproblem zu l\u00f6sen. Falls im<br \/>\nLaufe des Spieles erkennbar wird, da\u00df Fortuna die Krone f\u00fcr einen anderen vorgesehen hat,<br \/>\ndann k\u00f6nnte ich versuchen, das Ritual-Ergebnis 2 zu verhindern. Immerhin ist die<br \/>\nA-priori-Chance daf\u00fcr 87,5 %, sollte also fast von alleine gehen. Zur Sicherheit mu\u00df ich<br \/>\nnur noch herausfinden, unter welcher Kombination von Bell-Book-Candle das Ritual-Ergebnis<br \/>\n2 verborgen ist. Doch dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Ja selbst wenn ich die Position von Ritual-Ergebnis 2 &#8220;deduktiv&#8221; (d.h. durch<br \/>\nsystematisches Gutes-W\u00fcrfeln und durch zuf\u00e4lliges Aufdecken des richtigen Pl\u00e4ttchens)<br \/>\nerfahren habe und dieses Ergebnis als Endstand nicht verhindern kann, so k\u00f6nnte ich durch<br \/>\nkonsequentes Einsetzen von Secret-Abfragen noch versuchen herauszufinden, ob der Besitzer<br \/>\nder Krone mein geliebtes Marus \u00fcberhaupt verfluchen will, oder nicht doch lieber eine<br \/>\nandere Stadt. Mit Gl\u00fcck und Zufall erfahre ich das vielleicht. Vielleicht auch nicht. Am<br \/>\nEndergebnis und dessen Tragweite \u00e4ndert das nat\u00fcrlich nichts. Ich w\u00fc\u00dfte lediglich bereits<br \/>\nein paar Runden vor Schlu\u00df, ob ich verlieren werde oder irgendwo im Mittelfeld landen<br \/>\nwerde. Auch daf\u00fcr lohnt es sich zu k\u00e4mpfen, d.h. gut zu w\u00fcrfeln, gell Moritz?<\/p>\n<p>Ach wir sind ja erst bei Ritual-Ergebnis 2. Bei Ergebnis 3 bzw. 4 stehe ich vor dem<br \/>\ngleichen Dilemma, nur geht es hier um Amulett und Szepter anstelle der Krone. Gleiche<br \/>\n\u00dcberlegungen, gleiche Wahrscheinlichkeiten. Ganz sch\u00f6n kybernetisch.<\/p>\n<p>Das Ritual-Ergebnis 5 ist jetzt kontraproduktiv zum Besitzen von Objekten. Hier stirbt<br \/>\nder Besitzer der Krone und sein Land wird verflucht. Es geht f\u00fcr mich also gar nicht<br \/>\nallein darum, die Krone zu erwerben; ich mu\u00df auch noch daf\u00fcr sorgen, da\u00df am Ende nicht<br \/>\ndas Ritual-Ergebnis 5 erzielt wird. Sterben kann ich mir nicht leisten, da\u00df ist genauso<br \/>\nt\u00f6dlich wie der Fluch \u00fcber Marus. Sollte ich besser den Besitz der Krone erst gar nicht<br \/>\nanstreben?<\/p>\n<p>F\u00fcr die m\u00f6glichen Besitzer von Amulett und Szepter tritt die gleiche Katastrophe bei<br \/>\nden Ritual-Ergebnissen 6 und 7 ein. Es hei\u00dft also f\u00fcr alle Spieler h\u00f6llisch aufpassen,<br \/>\nwelches Objekt man erwirbt (freiwillig) oder loswird (unfreiwillig), welche Interessen<br \/>\ndie Spieler mit Objekten verfolgen oder nicht und welches Ritual-Ergebnis am Ende erzielt<br \/>\nwerden kann. Nur bei Ritual-Ergebnis 8 &#8220;Fluch generell beibehalten&#8221; sehe ich<br \/>\nwieder Land: das kostet mich (Seballa) 8000 Punkte. Mu\u00df unbedingt vermieden werden, denn<br \/>\ndamit h\u00e4tte ich die Medaillenr\u00e4nge verpa\u00dft.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr meinen aktuellen Spielplan? Ritual-Ergebnis 1 ist besser als<br \/>\nRitual-Ergebnis 8, die \u00fcbrigen 6 Resultate sind nicht kalkulierbar. Sie k\u00f6nnen gut sein<br \/>\noder schlecht sein, je nachdem welcher Spieler welches Objekt erworben hat und f\u00fcr welche<br \/>\nVerfluchung sich der Ergebnis-Objekt-Tr\u00e4ger entscheiden mag. Nichts genaues wei\u00df man<br \/>\nnicht.<\/p>\n<p>Doch bis hierher ist das ganze nur ein Bruchteil meiner Seballa-Bilanz, das war nur<br \/>\ndie Spalte mit den beiden Zahlen f\u00fcr die Fluch-Auswirkung. Auf meiner Seballa-Karte<br \/>\nstehen noch weitere 11 Zahlen mit Soll- und Haben-Punkten f\u00fcr verschiedene m\u00f6gliche<br \/>\nEnd-Fakten. Es l\u00e4uft auf eine abz\u00e4hlbare Addition von endlichen Zahlen mit unbekanntem<br \/>\nVorzeichen und unbekannter Wahrscheinlichkeit hinaus. Ich kann sie alle nicht unter einen<br \/>\nHut bringen.<\/p>\n<p>Hier konstatiere ich hier die <u>Verarschung Nummer 1:<br \/>\n&#8220;Identit\u00e4ten-Bilanzierung&#8221;<\/u>: In einem hundertprozentig zufallsgesteuerten<br \/>\nSpiel investieren die Spieler gleich zu Beginn eine Menge Zeit und Rechenleistung, um die<br \/>\nEffekte von unbekannten Besitzverh\u00e4ltnissen und nicht bewertbaren Ritual-Ergebnissen zu<br \/>\nbilanzieren. Die Menge der ben\u00f6tigten arithmetischen und stochastischen F\u00e4higkeiten steht<br \/>\nin keinem Verh\u00e4ltnis zu dem simplem W\u00fcrfel, mit dem man sich anschlie\u00dfend auf dem<br \/>\nSpielbrett bewegt und der als einziges Kriterium den Spielablauf steuert.<\/p>\n<p>Ich kann nat\u00fcrlich versuchen, kl\u00fcger zu werden. Ich kann durch systematischen Einsatz<br \/>\ndes Spielmittels &#8220;Secret&#8221; versuchen, die Identit\u00e4ten, Eigenschaften und<br \/>\nVorlieben meiner Mitspieler aufzudecken. Lieber Gott, gibt mir eine F\u00fcnf, damit ich auf<br \/>\ndas Spielfeld Secret komme und irgendeines von Peters Geheimnisse abfragen kann.<\/p>\n<p>Gott mu\u00df mir keine F\u00fcnf schenken. Jedes andere W\u00fcrfelergebnis hat nat\u00fcrlich auch seine<br \/>\nBedeutung. In diesem Spiel darf man grunds\u00e4tzlich nichts erbetteln. Dem\u00fctig hinnehmen,<br \/>\nwas uns geschenkt wird. Wie im richtigen Leben. Irgendein W\u00fcrfelergebnis wird uns immer<br \/>\ngeschenkt und jeder Wurf ist zu irgendetwas gut. Der Mensch denkt.<\/p>\n<p>Ich habe die F\u00fcnf bekommen, und darf von Peter ein Geheimnis l\u00fcften. Ich mische den<br \/>\nKartensto\u00df mit den Geheimnissen und \u00fcberreiche es Peter. Er gibt mir die erste auf ihn<br \/>\nzutreffende Karten zur\u00fcck. Ich erfahre, da\u00df Peter kein Interesse hat, Sorrell zu<br \/>\nverfluchen. Was wei\u00df ich jetzt von ihm? Nichts dar\u00fcber, ob er mein geliebtes Marus<br \/>\nzerst\u00f6ren will und mir damit einen Platz auf dem Siegertreppchen verwehrt. Nichts<br \/>\ndar\u00fcber, ob er ein Serf ist, dessen St\u00e4dte-Besitz mir Pluspunkte einbringt. Nicht ob und<br \/>\nauf welche Stadt er ein Auge geworfen hat, nicht ob er sterben oder \u00fcberleben will. Nur<br \/>\nob er gut ist oder schlecht, das wei\u00df ich. Aber das wu\u00dfte ich bereits vor dem Spiel.<\/p>\n<p>Es ist ja noch schlimmer. Falls ich wieder mal einen Super-Wurf habe und nochmals die<br \/>\nGelegenheit habe, von Peter ein Geheimnis abzuringen. Dann darf ich wieder die<br \/>\nGeheimniskarten mischen und Peter mu\u00df mir wieder ein Geheimnis offenbaren. Wenn&#8217;s der<br \/>\nZufall will, dann zieht Peter wieder die gleiche Geheimniskarte und ich erfahre zum<br \/>\nzweiten Male, da\u00df er Sorrell nicht verfluchen will. So geheimnisvoll ist Peter<br \/>\nschlie\u00dflich doch nicht.<\/p>\n<p><u>Verarschung Nummer 2: &#8220;Secrets&#8221;<\/u> Es kann doch nicht sein, da\u00df ich nach<br \/>\neiner Reihe von m\u00fchevollen Zufallsw\u00fcrfen endlich auf einem Secret-Feld lande, wo ich von<br \/>\neinem meiner 5 Mitspieler ein hochbrisantes Geheimnis erfahren darf, und er mir dann<br \/>\nzufallsgesteuert eine Information r\u00fcberschiebt, die mich bestenfalls nicht d\u00fcmmer macht,<br \/>\nals ich ohnehin schon bin. Much ado about nothing.<\/p>\n<p>Eine absolut notwendige Verbesserung w\u00e4re hier in meinen Augen, da\u00df ich bei Secrets<br \/>\neine beliebige Geheimniskarte heraussuchen kann und damit einen Mitspieler fragen darf,<br \/>\nob die darauf beschriebene Eigenschaft auf ihn zutrifft oder nicht.<\/p>\n<p>Das Spiel hat auch ein paar logisch konstruierte und durchschaubare Mechanismen. Wenn<br \/>\nich per Zufallswurf auf einem Feld lande, wo schon jemand ist, dann kann ich versuchen,<br \/>\nvon ihm einen beliebigen Objektpunkt abzukn\u00f6pfen. Ich mu\u00df nur im anschlie\u00dfenden<br \/>\nKampf-W\u00fcrfeln besser w\u00fcrfeln als er. Die A-priori-Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr ist 42 %.<br \/>\nImmerhin bekomme ich nichts abgezogen, wenn ich schlechter w\u00fcrfele als mein Gegen\u00fcber.<br \/>\nMeine Sieg-Chancen kann ich sogar noch erh\u00f6hen, wenn ich im Laufe des Spieles gezielt<br \/>\nbeim Objekt der Begierde meinen Spell-Level angehoben habe. An diesem Konstrukt kann ich<br \/>\nnichts aussetzen.<\/p>\n<p>Leider hat hier Hans zu meiner Verarschung (au\u00dfer Konkurrenz) beigetragen. Er war<br \/>\n\u2013 wie der Zufall es wollte \u2013 das erste Opfer meines ersten Raubzuges. Er<br \/>\njammerte ganz furchtbar und lamentierte, wie un\u00fcberlegt es doch von mir w\u00e4re, gerade ihm,<br \/>\nmeinen durch die Spielblutsverwandtschaft (human \u2013 Lord) doch potentiell engsten<br \/>\nVerb\u00fcndeten, einen Krone-Punkt abzukn\u00f6pfen. Mir brach es schon fast das Herz. Am Ende<br \/>\nstellt es sich heraus, da\u00df er von seiner Spieleridentit\u00e4t her doch gar kein Interesse an<br \/>\nirgendwelchen Objekten besa\u00df, und da\u00df nicht einmal die menschliche Verwandtschaft uns<br \/>\nverbunden hatte: Er h\u00e4tte davon profitiert, da\u00df wir alle sterben. &#8220;But Hans is an<br \/>\nhonourable man.&#8221; Daf\u00fcr gebe ich meinem Kopf. Ich habe mich nach dem Spiel noch<br \/>\neinmal explizit von seiner Redlichkeit \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Ganz so redlich ist Peter nicht. Das Spiel erlaubt jedem Spieler, einmal zu einem<br \/>\nbeliebigen Zeitpunkt, einen anderen Mitspieler ins Chambre S\u00e9par\u00e9 zu bitten, um mit ihm<br \/>\nbeliebige bis dahin gesammelte Informationen auszutauschen. \u00dcber Ritual-Positionen, \u00fcber<br \/>\nIdentit\u00e4ten und Geheimnisse, \u00fcber Gewinnpunkte und gemeinsame Zielstrategien. Jeder darf<br \/>\nes nur genau einmal.<\/p>\n<p>Das ist im ganzen Spiel ein Abw\u00e4gen und Lavieren um die Informationen, die man sich<br \/>\nselber erwirbt und die man gegebenenfalls von einem anderen Spieler zu erfahren gedenkt.<br \/>\nEs gilt den Spieler herauszufinden, dessen Wissen die (bekannte) geringste Redundanz mit<br \/>\nmeinem Wissen aufweist, und der in seinen Spielzielen die (vermutlich) gr\u00f6\u00dfte Kongruenz<br \/>\nmit meinen aufweist, so da\u00df wir Absprachen \u00fcber Zugpriorit\u00e4ten treffen k\u00f6nnen. Je fr\u00fcher<br \/>\nich diesen Informationsaustausch nutze, desto weniger Informationen sind es, die<br \/>\nausgetauscht werden k\u00f6nnen; desto effizienter sind aber m\u00f6gliche Strategie-Absprachen.<br \/>\nUnd umgekehrt. Richtig ausgewogen.<\/p>\n<p>Erst arbeitet jeder konsequent und konzentriert auf den Punkt hin, wo er seine<br \/>\neinmaligen Gelegenheit des Gedankenaustausches mit einen Spieler seiner Wahl in die<br \/>\nWirklichkeit umsetzen will, dann kann nach der Spielregel folgendes passieren:<\/p>\n<ol>\n<li>Der auserw\u00e4hlte Mitspieler will nicht und schl\u00e4gt die Verabredung einfach aus.<br \/>\nSpielzug weg \u2013 Information nicht da. Da h\u00e4tte ich mir wohl einen anderen Mitspieler<br \/>\naussuchen m\u00fcssen!<\/li>\n<li>Der auserw\u00e4hlte Mitspieler verr\u00e4t mir nur die H\u00e4lfte dessen, was mich so brennend<br \/>\ninteressiert. Vielleicht sogar erst, nachdem ich meinerseits mein gesamtes eigenes Wissen<br \/>\noffenbart habe. Das war dann zwar undiplomatisch von mir, mindert aber nicht den<br \/>\nVerlust.<\/li>\n<li>Der auserw\u00e4hlte Mitspieler bel\u00fcgt mich nach Strich und Faden. Niemand kann vom<br \/>\nanderen verlangen, da\u00df er den Wahrheitsbeweis f\u00fcr seine Information mitliefert. Es ist<br \/>\nalles Vertrauenssache. Bei unserem Spiel hat hier Peter den Moritz betrogen. Dumm<br \/>\ngelaufen. \u00dcber Peter&#8217;s Redlichkeit l\u00e4\u00dft sich halt nicht streiten.<\/li>\n<li>Der auserw\u00e4hlte Mitspieler h\u00e4lt sich im sp\u00e4teren Verlauf nicht an die ausgemachte<br \/>\ngemeinsame Strategie. Aber das ist ja schon normal.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Effekte werte ich von der Spielregeln her als eine ganze Reihe von Schw\u00e4chen,<br \/>\ndie ich insgesamt zusammenfassen m\u00f6chte zur <u>Verarschung Nummer 3 :<br \/>\n&#8220;Informationsaustausch&#8221;<\/u> : Es kann doch nicht sein, da\u00df ich mich hier im<br \/>\nSchwei\u00dfe meines Angesichtes um etwas Transparenz bem\u00fche und dann \u2013 abh\u00e4ngig von den<br \/>\ngegenl\u00e4ufigen Ambitionen meines Mitspielers \u2013 als begossener Pudel nach Hause<br \/>\ngeschickt werde.<\/p>\n<p>Als Mindest-Ergebnis dieses Spielzuges erwarte ich, da\u00df mir der auserw\u00e4hlte Mitspieler<br \/>\nseine Identit\u00e4tskarte aush\u00e4ndigen mu\u00df. Selbst die Herausgabe des Wissens um die<br \/>\nRitual-Positionen sollte noch Pflicht werden. Damit k\u00f6nnte man die Endphase des Spiels<br \/>\nbeschleunigen und die Zufallsergebnisse beim Spielausgang etwas mildern.<\/p>\n<p>Ja der Spielausgang. Am Ritual h\u00e4nget, zum Ritual dr\u00e4nget doch alles, ach wir Armen!<br \/>\nHaben wir hier gen\u00fcgend Positionen aufgedeckt und alles in Erfahrung gebracht, was uns<br \/>\nzutr\u00e4glich ist? Hoffentlich. Wir brauchen auf jeden Fall Gewi\u00dfheit \u00fcber die<br \/>\nRitual-Positionen, deren Ergebnis f\u00fcr uns t\u00f6dlich ist. Wieviel Zufall braucht der Mensch<br \/>\ndazu? Angenommen, ich habe meinen Ritual-Level auf 3 hochw\u00fcrfelt. Dann w\u00e4re jedes zweite<br \/>\nW\u00fcrfeln, ein Ritual aufzudecken, erfolgreich. Bei 8 Ritualen w\u00e4re die Wahrscheinlichkeit,<br \/>\nmit 8 W\u00fcrfen alles erledigt zu haben, etwa 4 Promille. Bei 9 W\u00fcrfen ist sie schon \u00fcber 1<br \/>\nProzent. Und so geht das weiter. In einer endlichen Zeit sollte doch irgendwann jeder<br \/>\nalles wissen. Denkste! Rein rechnerisch kann es sein, da\u00df einer unendlich lange w\u00fcrfelt,<br \/>\nohne alle Rituale gel\u00fcftet zu haben.<\/p>\n<p>Dabei laufen die realen Erfolgsquoten f\u00fcr die einzelnen Spieler immer weiter<br \/>\nauseinander. Das &#8220;Gesetz der gro\u00dfen Zahl&#8221; besagt n\u00e4mlich nicht, da\u00df bei einer<br \/>\nKette von Zufallsereignissen die Ergebnisse aller Mitspieler immer enger beieinander<br \/>\nliegen werden. Im Gegenteil, es gesagt, da\u00df die absoluten Differenzen immer gr\u00f6\u00dfer<br \/>\nwerden. Konkret bedeutet das f\u00fcr unser Spiel, da\u00df zufallsbedingt die Menge des<br \/>\nRitual-Wissen der einzelne Spieler immer st\u00e4rker auseinanderklafft. W\u00e4hrend die einen<br \/>\nschon alles erw\u00fcrfelt haben und sich auf die Endposition einschie\u00dfen, krebsen die anderen<br \/>\nnoch mit einem Bruchteil des ben\u00f6tigten Wissens herum und werden von jedem weiteren Wurf<br \/>\nfrustriert. Nein, das ist keine Verarschung, das ist nur purer Zufall. Aber vielleicht<br \/>\nversteht jetzt einer von Euch, warum ich f\u00fcr dieses Spielprinzip nur 3 Wertungspunkte<br \/>\nvergebe.<\/p>\n<p>Als ich mit meinem letzten Zug willentlich aber den Regeln gerecht das Spielende<br \/>\nherbeigef\u00fchrt hatte, kannte ich 6 Rituale und hatte mich auch schon vergeblich um<br \/>\nvollst\u00e4ndige Aufkl\u00e4rung beim 7 (und logisch letzten) Ritual bem\u00fcht. Alle kritischen<br \/>\nRituale waren bereits in meinem Repertoire und die Ritual-Position stand auf einem<br \/>\nakzeptablen Feld. Hinterher hat sich Andrea \u00fcber mich beklagt, weil ich auch ohne<br \/>\nVollwissen das Spiel beendet hatte. Das, liebe Andrea, grenzt schon an Verarschung (au\u00dfer<br \/>\nKonkurrenz).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war es entt\u00e4uschend f\u00fcr Dich, von dem einzigen m\u00f6glichen Ereignis, das f\u00fcr<br \/>\nDich t\u00f6dlich war, getroffen zu werden. Glaubst Du, das war ein unverdientes Pech? Die<br \/>\nSumme des Pechs ist konstant. Irgendeinen h\u00e4tte es immer treffen m\u00fcssen. Ohne da\u00df er<br \/>\ndaf\u00fcr kann. Allein deshalb, weil die Mehrheit der anderen zuf\u00e4llig dieses End-Ergebnis<br \/>\neingestellt haben. Diesmal warst es halt du. Mehr liegt in diesem Spiel nicht drin.<\/p>\n<p>Du bestreitest hier den Zufall? Wenn Du niemals genau wei\u00dft, in welche Richtung die<br \/>\nanderen ziehen wollen, wenn jeder nur \u00e4u\u00dferst begrenzte M\u00f6glichkeiten hat, die<br \/>\nErfolgswahrscheinlichkeiten f\u00fcr seine Aktionen zu erh\u00f6hen, wenn die g\u00fcnstigen und<br \/>\nung\u00fcnstigen Felder nicht wie in einer lieblichen Landschaft weich ineinander \u00fcbergehen,<br \/>\nsondern wie bei schroffen Felsen und Schluchten unmittelbar nebeneinander liegen, wenn es<br \/>\nvom W\u00fcrfel abh\u00e4ngt, ob einer \u00fcberhaupt ein ritual-relevantes Objektfeld betritt und wenn<br \/>\ndann weiterhin der W\u00fcrfel entscheidet, ob einer den Objektlevel auch tats\u00e4chlich<br \/>\nverschieben darf oder nicht, dann ist das End-Ergebnis genausowenig beeinflu\u00dfbar wie eine<br \/>\nKugel im Gauss\u2019schen Nagelbrett. Wenn mir hier seine Illusionen als Strategie<br \/>\nverkaufen will, der m\u00f6chte mich doch wohl auf den Arm nehmen. Ich verzichte auf die<br \/>\nFormulierung des <u>Verarschungsaxioms Nummer 4<\/u>.<\/p>\n<p>Wie wird \u00fcberhaupt die Ritual-Position bestimmt? Ich brauche es den Lesern, die bis<br \/>\nhierher gefolgt sind, nicht zu erkl\u00e4ren. Es ist ein spannender Kampf aller gegen alle und<br \/>\n\u2013 in meinen Augen \u2013 das bemerkenswerteste Element des Spieles. Moritz hat<br \/>\nvollkommen recht, wenn er es hier als &#8220;spannend, unterhaltsam und aufregend&#8221;<br \/>\nempfindet. Aber das gilt nur f\u00fcr diese Phase. Und ob eine solche Phase \u00fcberhaupt<br \/>\nstattfindet (und nicht zwei Spieler den Reibach bereits unter sich verteilen, w\u00e4hrend die<br \/>\nanderen vier noch im Halbdunkel herumw\u00fcrfeln), ist zufallsabh\u00e4ngig und keineswegs<br \/>\ngarantiert. F\u00fcr diesen komplexen und langwierigen Spielaufbau viel zu unsicher.<\/p>\n<p>Zum Vergleich m\u00f6chte ich hier Barrikade \/ Malefiz entgegenhalten. Dort ist der<br \/>\nEndkampf um das Ziel zwischen den zuf\u00e4llig oder gewollt entstandenen Seilschaften und<br \/>\nderen internes Machtgerangel vergleichbar spannend, aber spielimmanent, logisch<br \/>\nentwickelt und langdauernd. Mit vielen zus\u00e4tzlichen Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten und<br \/>\n\u00dcberraschungseffekten. Und nicht mit so viel \u00fcberfl\u00fcssigem Hokuspokus. Doch ich will<br \/>\nnicht abschweifen.<\/p>\n<p>Bei &#8220;Castle of Magic&#8221; tritt das Spielende ein, wenn insgesamt 5 mal ein<br \/>\nbestimmtes Spielfeld betreten wird. Vom gleichen oder von verschiedenen Spielern. Vor mir<br \/>\nwaren Aaron und Hans bereits 4 mal auf dem bewu\u00dften Feld. Ich war der f\u00fcnfte und habe<br \/>\nsomit den Sudden Death ausgel\u00f6st. Nicht gerade emotionsgeladen und euphorisch, aber die<br \/>\nRitual-Position schien erfolgversprechend zu sein. Mindestens drei Augenpaare richten<br \/>\nsich schweigend und vorwurfsvoll auf mich. Wie bei Roald Dahls &#8220;K\u00fcsschen, K\u00fcsschen&#8221;<br \/>\ndas Auge der pr\u00e4parierten Gehirnmasse auf die<br \/>\nrauchende Ex-Ehefrau. &#8220;Hat er uns jetzt b\u00f6sartig den Spa\u00df verdorben?&#8221; Diese<br \/>\nSituation, liebe Freunde, ist auch eine Art Verarschung. I rest my case.<\/p>\n<p><a href=\"castlemagicp.html\">Link zu Peters Antwort auf diese Darstellung<\/a><br \/>\n.<\/p>\n<p><a href=\"castlemagicm.html\">Link zu Moritz&#8217; Antwort auf diese Darstellung<\/a><br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich liebe strategische Spiele. Das mu\u00df vorweggeschickt werden. Ich liebe aber auch generell Spielen als Freizeitzeitkultur und ich genie\u00dfe unseren Spielkreis &#8220;Westpark-Gamers&#8221;. Hier haben sich meine Spielambitionen schon erheblich gewandelt. Fantacy und Adventure-Games sind f\u00fcr mich heute nicht mehr der saure Apfel, in den ich halt auch mal bei\u00dfen mu\u00df. Moritz hat f\u00fcr eine behutsame &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2001\/07\/24\/castle-of-magic-und-die-verarschung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;Castle of Magic&#8221; und die Verarschung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3757","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende"],"views":5,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3757"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3757\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}