{"id":378,"date":"2009-12-03T03:53:38","date_gmt":"2009-12-03T02:53:38","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=378"},"modified":"2009-12-22T09:08:31","modified_gmt":"2009-12-22T08:08:31","slug":"02122009-getreues-albion-und-perfide-wertungen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/12\/03\/02122009-getreues-albion-und-perfide-wertungen-2\/","title":{"rendered":"02.12.2009: Getreues Albion und perfide Wertungen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn ich ein wenig Geld habe, kaufe ich mir Spiele, und wenn mir dann noch was \u00fcbrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung&#8221; (Erasmus von Rotterdam, leicht variiert).<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Albion&#8221;<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/albion.jpg\" alt=\"Albion\" width=\"600\" height=\"374\" class=\"alignnone size-full wp-image-386\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/albion.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/albion-150x94.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/albion-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n\u00c4ltere Semester assoziieren mit &#8220;Albion&#8221; noch die Eigenschaft &#8220;perfide&#8221;. Bei Wikipedia kann man nachlesen, warum. Doch die Bezeichnung wurde schon von Ptolemaeus gepr\u00e4gt und bezieht sich schlichtweg auf das Gebiet des heutigen England (einschlie\u00dflich Wales).<br \/>\nWir sind r\u00f6mische Siedler und m\u00fcssen die Insel von unseren Basislagern an der Kanalk\u00fcste ausgehend besetzen. Wir lassen unsere Siedler in das Landesinnere marschieren, bauen Kastelle und Siedlungen, und erschlie\u00dfen Rohstoffquellen (Fisch, Holz, Stein und Gold). Die Rohstoffe ben\u00f6tigen wir zum Bauen, durch das Bauen erhalten wir mehr Bewegungsfreiheit f\u00fcr unsere Siedler und Legion\u00e4re, gr\u00f6\u00dfere Verteidungskraft oder reichere Rohstoffquellen. Verteidigung brauchen wir, um uns gegen die Pikten zu wehren, die in immer gr\u00f6\u00dferen Mengen auftauchen und unsere Bauwerke zerst\u00f6ren, wenn wir vorher nicht gen\u00fcgend Verteidigungspotential zusammengetragen haben. Ein rechtes Aufbauspiel ohne W\u00fcrfel und Zufallseinflu\u00df.<br \/>\nBeim Vordringen nach Norden stehen wir im Wettlauf mit unseren Mitspielern: Wenn wir in einem Gebiet bauen wollen, wo sie sich bereits festgesetzt haben, m\u00fcssen wir ihnen Tribut zahlen. Um die Siegbedingung zu erf\u00fcllen, m\u00fcssen wir uns fast in jedem Gebiet niedergelassen haben, wir k\u00f6nnen die Gebiete unserer Mitspieler also gar nicht meiden. Tributzahlungen sind fast allt\u00e4glich. Sie sind nicht hoch, aber wer g\u00f6nnt seinem Konkurrenten schon freiwillig einen Fisch. Also m\u00f6chten wir \u00fcberall gerne selber die ersten sein. Doch das bleibt nat\u00fcrlich ein unerf\u00fcllbarer Wunschtraum.<br \/>\nZwangsweise m\u00fcssen wir unsere Z\u00fcge in die verschiedenen notwendigen Entwicklungsrichtungen verpulvern, und oft stehen wir dabei unschl\u00fcssig vor trivialen Alternativen, z.B. <\/p>\n<li>Erst unsere Rohstoffquellen nutzen und dann damit weitere Rohstoffquellen erschlie\u00dfen, oder umgekehrt. <\/li>\n<li>Erst ein Kastell auf ungef\u00e4hrdetem Gebiet bauen und dann in Innere vordingen, oder erst mit einem gewissen Risiko ins Innnere vordringen und dann dort ein Kastell bauen, das sp\u00e4ter in bezug auf weitere Besiedelung Bewegungsvorteile mit sich bringt.<\/li>\n<li>Erst eine Siedlung errichten oder ausbauen, um von den Mitspielern Tribut zu kassieren, allerdings mit dem Risiko, dass sie von den Pikten zerst\u00f6rt wird, oder erst die Verteidung sichern, daf\u00fcr aber die Mitspieler vorbeiziehen zu lassen und im Endeffekt Tribut zahlen zu m\u00fcssen anstelle selber Tribut zu kassieren. <\/li>\n<p>Wir gingen alle sehr vorsichtig ans Werk. Verteidigung wurde gro\u00df geschrieben. Nur Hans ging bewu\u00dft das Pikten-Risiko ein, und ist dabei mehrmals nur haarscharf von herben Verlusten verschont geblieben: die zuf\u00e4llig aufgedeckten Ureinwohner waren alle friedlich. Nur deshalb reichte es f\u00fcr ihn zum Sieg, im Tiebreak gegen G\u00fcnther.<br \/>\nAn allen Ecken und Enden wurde Interaktion vermi\u00dft. Alle Spieler stehen vor der gleichen Aufgabe, die symmetrischen Vorgaben f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig zu gleichf\u00f6rmigen Entwicklungslinien. Wer sich \u00fcber seinen eigenen Fortschritt freut, ohne dabei der Konkurrenz Kn\u00fcppel zwischen die Beine werfen zu wollen, ist mit &#8220;Albion&#8221; gut bedient. Es ist garantiert ein vorz\u00fcgliches Solit\u00e4rspiel und vielleicht macht in einem Zweierspiel sogar das systemmatische Erarbeiten von minimalen Vorteilen bis zum Niederringen des Gegners einigerma\u00dfen Spa\u00df.<br \/>\nIn einer Viererrunde ist diese M\u00f6glichkeit zum konsequenten Ausbau einer vorteilhaften Stellung eher von Nachteil. Das Entwicklungstempo w\u00e4chst, aber die strategischen Herausforderungen nicht. Gar nicht. Wer irgendwann einmal leicht geschw\u00e4chelt hat und bis zum Mittelspiel ins Hintertreffen geraten ist, kann einen sp\u00e4teren Sieg abschreiben, er trottelt bis zum Ende hinterher. Ja es bleiben ihm nicht einmal Nadelstiche, mit denen er seine Mitspieler &#8211; zu seiner eigenen Ermunterung \u2013 ab und zu mal \u00e4rgern kann.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (langweiliges Wettrennen ohne Interaktion, da hat schon wieder Willis Tuning gefehlt), G\u00fcnther: 6 (wurde von 7 Punkten runterargumentiert, f\u00fcr ihn braucht ein Spiel nicht \u201erabiat\u201c zu sein), Hans: 6 (braucht ebenfalls keine Aggressivit\u00e4t; als Aufbauspiel hat es Spa\u00df gemacht), Walter: 6 (ebenfalls von Aaron runterdiskutiert).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Ra &#8211; The Dice Game&#8221;<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/radicegame.jpg\" alt=\"Ra - The Dice Game\" width=\"500\" height=\"423\" class=\"alignnone size-full wp-image-387\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/radicegame.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/radicegame-150x127.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/radicegame-300x254.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n&#8220;Hast Du noch so\u2019n Br\u00fcller?&#8221; fragte Aaron. G\u00fcnther war leicht indigniert. Hatte er doch schon die Essen-Erwerbung \u201eAlbion\u201c aus seiner gro\u00dfen gr\u00fcnen Spieltasche hervorgeholt. &#8220;Ich spiele jedes Spiel mindestens einmal.&#8221; Rechtfertigte er sich. \u201eEs soll ja Kollegen geben, die manche gekauften Spiele \u00fcberhaupt nicht spielen.\u201c Es war nicht klar, gegen wen diese Aussage gem\u00fcnzt war. Wenn wir wenigstens eine Rezension dar\u00fcber schreiben, dann hat sich die Investition doch schon gelohnt, da braucht man das Spiel ja nicht gespielt zu haben \u2026<br \/>\n&#8220;Ra&#8221; ist so ein Spiel, bei dem Walter bereits nach G\u00fcnthers vorz\u00fcglichem Regelvortrag eine Rezension h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen oder wollen: einen Verri\u00df. Super Spielmaterial: 5 W\u00fcrfel. Hexagon-W\u00fcrfel. Jeder w\u00fcrfelt wie bei Kniffel mit allen 5 W\u00fcrfeln, darf zweimal nachw\u00fcrfeln und das Ergebnis nach einem Ra[ch]istischen Spielbrettschema einordnen und kummulieren. Und damit man seine tausendj\u00e4hrigen W\u00fcrfelgewohnheiten gleich \u00fcber den Haufen werfen kann, wurden die Zahlen 1 bis 6 durch Symbole ersetzt.<br \/>\nJedes geworfene Sonnensymbol \u201eRa\u201c ist sofort verloren und mu\u00df in der Ra-Reihe abgelegt werden, Jede &#8220;Pharaom\u00fctze&#8221; oder jedes &#8220;Schiff&#8221; bringt uns auf der Pharo\/Schiff-Reihe vorw\u00e4rts, wo einmal Relativ-Positionen gegen\u00fcber den Mitspielern und einmal Absolut-Fortschritte vom Startfeld aus gesehen in Siegpunkte umgerechnet werden. Jede \u201ePyramide\u201c darf in einem Zeilen-Spalten-Muster abgelegt werden, woraus bestimmte Kombinationen bei Spielende mit progressiv wachsenden Siegpunkten honoriert werden. Von \u201eSklaven\u201c ben\u00f6tigt man schon mindestens 3 aus 5, um sie siegpunkttr\u00e4chtig ablegen zu k\u00f6nnen; hat man nur 2 davon, sind sie ersatzlos verloren. Daf\u00fcr gibt es dann auch noch die \u201eJoker\u201c, die als jedes beliebiges Symbol eingesetzt werden k\u00f6nnen und die Erreichbarkeit hoher Mindestquoten erleichtern.<br \/>\nWie die verschiedenen W\u00fcrfelergebnisse kummuliert und in 2 Zwischenwertungen und einer Entwertung in Siegpunkte umgerechnet werden, ist Schwarz auf Wei\u00df in einer einfachen Tabelle beschrieben. Doch welche Kombinationen besonders lukrativ sind, auf welche man &#8220;hinarbeiten&#8221; soll (sofern man mit W\u00fcrfeln \u00fcberhaupt gezielt arbeiten kann), welchen Erwartungswert a) ein einzelnes W\u00fcrfelergebnis und b) die gesamten kummulativ eingetragenen W\u00fcrfelergebnisse eines &#8220;Ra&#8221;-Spieler mit sich bringen, das ist nat\u00fcrlich unbekannt. Selbst unser Chef-Statistiker G\u00fcnther wird in dazu in den n\u00e4chsten Jahrzehnten keine brauchbare Tabelle erarbeiten. Wollen wir wetten?<br \/>\nWer an W\u00fcrfelspielen Spa\u00df hat, bekommt mit &#8220;Ra&#8221; einen neuen Zeitvertreib. Ihm wird dann vielleicht auch nicht auffallen, da\u00df nicht einmal die Startspielerproblematik gel\u00f6st ist. Wenn eine festgelegte Anzahl Sonnen geworfen wurden, ist das Spiel schlagartig zu Ende, unabh\u00e4ngig davon, ob alle Spieler gleich oft an der Reihe waren. Dass dies gerade bei kummulativen Wertungen unbefriedigend ist, wo ein einziger zus\u00e4tzlicher guter W\u00fcrfel leicht 5 Punkte wert sein kann, st\u00f6rt doch keinen gro\u00dfen Geist!<br \/>\nG\u00fcnther verteidigte &#8220;Ra&#8221; verhement als klassisches Nullsummenspiel. F\u00fcr Walter war es eher in der Summe ein klassisches Nullspiel. Aaron fand es bemerkenswert, da\u00df das Spiel von einem diplomierten Mathematiker erfunden wurde, dem Altmeister Reiner Knizia. Dem hielt Walter entgegen: &#8220;Der hat schon l\u00e4ngst einen Ghostwriter, der ihm seine Spiele schreibt. Er gibt nur noch seinen Namen her!&#8221; Hans w\u00fcrde aus &#8220;Ra&#8221; gerne die Schachspieler-Effekte herausarbeiten. Mu\u00df dazu aber noch bis zu seiner Rente warten. Mindestens.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (obwohl er nicht das Gef\u00fchl hatte, etwas steuern zu k\u00f6nnen), G\u00fcnther 7 (lockeres W\u00fcrfelspiel), Hans: 3 (primitiver W\u00fcrfelmechanismus mit komplexer Wertung), Walter: 2 (tut mir leid, ihr lockeren W\u00fcrfler, ich mag hier schon das Prinzip nicht).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Fzzzt!&#8221;<\/strong><br \/>\nWalter war strikt dagegen, aber sein Einspruch wird offensichtlich nicht f\u00fcr ernst genommen. Aaron durfte Hans die Regeln erkl\u00e4ren, und nach seinen zwei vorhergegangenen Generalproben machte er das vorz\u00fcglich. Als er fertig war, kommentierte Hans: \u201eH\u00fcbsch! Gef\u00e4llt mir soweit!\u201c \u2013 Als wir seinerzeit soweit waren, haben wir das auch noch gesagt. Inzwischen hat sich die Benotung bei 5 Punkten eingependelt. Hans machte einen gewaltigen Ausrei\u00dfer.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Hans: 8 (niedlich, locker und gut).<\/em><br \/>\nLieber Herr Blaumeise,<br \/>\nHans war heute auch bei \u201eStartspieler\u201c nicht so kritisch wie wir anderen. Mehr als 5 Punkte w\u00fcrde er f\u00fcr dieses Kartendeck geben. Solche Spr\u00fcche wie: \u201eWer den coolsten hat, darf anfangen\u201c haben ihn einfach \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nErstmals spielten wir mit der \u201eAnderschschen Warmduscherregel\u201c (siehe Session-Report vom 23.11.2009). Als G\u00fcnther vor der Alternative stand, mit Risiko zwei W\u00fcrfel (relativ) zu verlieren oder ohne Risiko einen, fand er diese Situation \u201edoof\u201c. Dabei \u00e4hnelt die doch schon ganz sch\u00f6n stark einem Nullsummenspiel!<br \/>\nIm zweiten Durchgang spielten wir wieder nach Standard. Im Nu bekam er die Gelegenheit, diese unsere 180\u00b0 Wende zu bedauern.<br \/>\nNoch eine Knobelei f\u00fcr Logiker am Ende:<br \/>\nAaron stand mit 2:1 gegen Hans im Endspiel. Er legte 1 mal die Vier vor, Hans hob auf 1 mal die F\u00fcnf, Aaron auf 1 mal Stern, Hans auf 2 mal Eins und Aaron auf 2 mal Zwei. Hinterher diskutierten wir noch lange \u00fcber die Fehler, die jeder innerhalb dieser Folge gemacht hatte. Schon die Vorgabe 1 mal die Vier war problematisch!<br \/>\nFrage: Wer hat gewonnen und was hatte jeder von ihnen unter seinem W\u00fcrfelbecher???<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/cum-mulos-300x225.jpg\" alt=\"cum-mulis\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignleft size-medium wp-image-420\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn ich ein wenig Geld habe, kaufe ich mir Spiele, und wenn mir dann noch was \u00fcbrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung&#8221; (Erasmus von Rotterdam, leicht variiert). 1. &#8220;Albion&#8221; \u00c4ltere Semester assoziieren mit &#8220;Albion&#8221; noch die Eigenschaft &#8220;perfide&#8221;. Bei Wikipedia kann man nachlesen, warum. 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