{"id":3896,"date":"2002-11-05T12:00:00","date_gmt":"2002-11-05T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2002\/11\/05\/spielbericht-05-11-2002\/"},"modified":"2002-11-05T12:00:00","modified_gmt":"2002-11-05T11:00:00","slug":"spielbericht-05-11-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2002\/11\/05\/spielbericht-05-11-2002\/","title":{"rendered":"Spielbericht 05.11.2002"},"content":{"rendered":"<h2>Spielbericht 05.11.2002<\/h2>\n<p><b>Autor<\/b>: Walter<\/p>\n<p><b>am Tisch<\/b>: Peter, Andrea, Hans, Moritz, G\u00fcnther, Walter<\/p>\n<p><b>auf dem Tisch<\/b>: Age of Steam<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li><a name=\"game1\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/14206\" target=\"_blank\">Age Of Steam<\/a><\/b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/ageofsteam_t.jpg\" align=\"right\" width=\"235\" height=\"319\" border=\"0\" alt=\"Age of Steam - box\"\/><br \/>\n<br \/>\nG\u00fcnther hatte das Spiel frisch aus Essen mitgebracht und die Erwartungen waren gro\u00df. Die<br \/>\nEmotionen auch. &#8220;Sieht aus wie 1830!&#8221;. &#8220;Funktioniert wie<br \/>\n&#8216;Dampfross&#8217;!&#8221; &#8220;Hat es denn Orcs und Spells?&#8221; Eifrig machten wir<br \/>\nuns ans Studium der Spielregeln. Nur unterbrochen von Peters Bemerkungen zu seinen<br \/>\nletzten Erfahrungen \u00fcber Gott und die Welt.<\/p>\n<p> Hans wurde Startspieler. Das hei\u00dft hier aber noch gar nichts. Er durfte nur als erster<br \/>\ndas Gebot um die wirkliche erste Position in der Zugreihenfolge abgeben. Noch wu\u00dfte<br \/>\nkeiner, was dies f\u00fcr eine Bedeutung haben sollte. Ich wei\u00df nicht mehr, wer sich<br \/>\nschlie\u00dflich mit einem H\u00f6chstgebot das Recht des ersten Zuges ersteigerte. Sparsam wie ich<br \/>\nnun mal bin, hatte ich gar nichts geboten und kam daf\u00fcr als letzter zum Zug.<\/p>\n<p> Wir verteilten die Sondereigenschaften. In Rahmen der noch \u00fcbrig gebliebenen<br \/>\nWahlm\u00f6glichkeiten glaubte jeder, das Beste f\u00fcr sich herausgeholt zu haben. Der eine den<br \/>\n&#8220;ersten Streckenbau&#8221;, der n\u00e4chste den &#8220;Ingenieur&#8221;, der dritte die<br \/>\n&#8220;erste Bewegung&#8221; usw.. Mir als letztem blieb nur &#8220;Passen&#8221; oder<br \/>\n&#8220;St\u00e4dtbau&#8221; \u00fcbrig. Als erfahrener Bridgespieler w\u00e4hlte ich das<br \/>\n&#8220;Passen&#8221;. Und fuhr damit sehr gut!<\/p>\n<p> Nicht so sehr in der ersten Runde. Da konnte jeder irgendeine Strecke in irgendeinem<br \/>\nWinkel der USA bauen und auch betreiben. Ein Einkommen von 1 oder 2 Dollar war noch keine<br \/>\nVorentscheidung. Dagegen machten die unvermeidlichen Ausgaben und Kosten gleich deutlich,<br \/>\nda\u00df es ganz sch\u00f6n teuer werden w\u00fcrde, das Eisenbahngesch\u00e4ft ins Rollen zu bringen. Da<br \/>\nging es auch schon in die zweite Runde.<\/p>\n<p> Mit den angefangenen Strecken waren bereits pers\u00f6nliche Tendenzen erkennbar und<br \/>\nPr\u00e4ferenzk\u00e4mpfe konnten sich entwickeln. Wilhelm Busch hat schon bemerkt: &#8220;Ohne die<br \/>\ngeh\u00f6rigen Mittel, soll man keinen Krieg beginnen&#8221;. Also ging es darum, viele Aktien<br \/>\nzu verkaufen und sich damit gen\u00fcgend liquide Mittel zu verschaffen, um die Zug-Priorit\u00e4t<br \/>\nzu ersteigern und den Gleisausbau vorantreiben zu k\u00f6nnen. Hier waren Hans und Peter ganz<br \/>\nentschiedene Verfechter eines ungebremsten Kapitalismus. Der eine aus Neigung, der andere<br \/>\naus Abneigung. Schlie\u00dflich setzte sich Peter mit einem Gebot von 11 Dollar durch. Allein<br \/>\nf\u00fcr die Priorit\u00e4t! Wenn es darum geht, sich an die Spitze zu setzen, hat er noch nie<br \/>\ngekleckert. Eher geklotzt.<\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/ageofsteam_b.jpg\" align=\"left\" width=\"235\" height=\"282\" border=\"0\" alt=\"Age of Steam - board\"\/>Ich kam in einen unvermutenen Bonus meiner<br \/>\n&#8220;Pass&#8221;-Eigenschaft. Nachdem ich in der ersten Runde doch noch zu einer<br \/>\nakzeptablen Strecke gekommen war und auch gen\u00fcgend Aussicht hatte, in der zweiten Runde<br \/>\nnicht zu kurz zu kommen, bot ich wiederum nichts in der Versteigerungsphase. Da aber<br \/>\nPeter schon mit einem hohen Erstgebot in die Versteigerung eingestiegen war, konnte ich<br \/>\nberuhigt passen, ohne gleich auf den letzten Platz positioniert zu werden. Die anderen<br \/>\nSpieler fielen nun reihenweise um, und nach dem sich der Dampf der Versteigerung verzogen<br \/>\nhatte, war ich ohne eine einzigen Heller zu investieren Dritter geworden. Das gefiel mir<br \/>\nso gut, da\u00df ich als Sondereigenschaft gleich wieder das &#8220;Passen&#8221; ausw\u00e4hlte. Das<br \/>\nwar n\u00e4mlich noch frei, denn die ersten beiden Spieler hatten sich selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr<br \/>\nein &#8220;jus primae &#8230;&#8221; entschieden.<\/p>\n<p> Wie ging es weiter. Mit G\u00fcnther baute ich friedlich im Westen der USA. Die 4 anderen<br \/>\nSpieler k\u00e4mpften mit Ingenieurskunst, St\u00e4dtebau, G\u00fcterwachstum und Lokomotiven im Osten.<br \/>\nDabei hatten gerade die gr\u00f6\u00dften &#8220;Powerer&#8221; (sagt man &#8220;Verpulverer&#8221;?)<br \/>\nvor allem damit zu tun, mit ihren noch sp\u00e4rlichen Einkommen die Anspr\u00fcche der<br \/>\nAktieninhaber zu befriedigen. Trotz hoher Eink\u00fcnfte nagten sie ewig am Hungertuch. Man<br \/>\nsieht, ein nackter Kapitalismus kann keine heile Welt schaffen.<\/p>\n<p> Lange Zeit hatte ich als Sieger ausgesehen. Ich war ein \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltendes und<br \/>\n\u00f6kologisches Prinzip gefahren: Fast keine Aktien ausgeben, wenig und das Wenige aus<br \/>\neigenen Mitteln finanzieren. Geringe Eink\u00fcnfte, aber noch weniger Kosten. Das sah alles<br \/>\nsehr gut aus. Aber &#8211; Gott-sei-Dank- ist eine solch gr\u00fcne Industriepolitik in diesem Spiel<br \/>\ndoch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ein bi\u00dfchen Aktionismus mu\u00df schon dabei sein.<\/p>\n<p> Moritz war einen gem\u00e4\u00dfigten Kurs gefahren, hatte ruhig und konzentriert im Zentrum Zug<br \/>\num Zug seine Strecken ausgebaut und besa\u00df nach der vierten Runde ein hegemoniales<br \/>\nImperium, an dem keiner mehr vorbeikam. Ob man wollte oder nicht, jeder mu\u00dfte ihn<br \/>\nmitverdienen lassen. Am meisten ergatterte Moritz sich aber selbst, indem er G\u00fcter \u00fcber 4<br \/>\nbis 5 eigene Strecken ans Ziel transportieren konnte. Ein verdienter Sieg.<\/p>\n<p> Was ist post mortem zu den anderen zu sagen? G\u00fcnther hatte sich zu sehr verzettelt. Es<br \/>\ngeht nicht darum, irgendwo mal ein schnelles Gl\u00fcck zu machen. Die Sonne \u00fcber Kalifornien<br \/>\ngeht auch mal unter. Dann zahlen sich die Investitionen um Chincinnati und Detroit aus.<br \/>\nWir stehen schlie\u00dflich vor dem Automobil-Zeitalter! Das hat er etwas zu sp\u00e4t erkannt.<\/p>\n<p> Andrea hatte einen schweren Stand im Kreise der m\u00e4nnlichen Empire-Builder. Sie mu\u00dfte<br \/>\nsich ja auch noch gegen ihren eigenen Mann durchsetzen. Wie sehr oft lieferten sie sich<br \/>\neinen leidenschaftlichen Konkurrenzkampf um Strecken und G\u00fcter. Mit einem ehrenvollen<br \/>\ndritten Platz durfte sie ihn nach Hause begleiten.<\/p>\n<p> Hans neigt bei diesen Spielen dazu, sein Gehirn einzuschalten. Wie beim Schach. Und dann<br \/>\nist er immer entsetzt, wenn es erstens anders kommt, zweitens als er denkt. Lieber Hans,<br \/>\nstell&#8217; Dir mal vor, Du spielst ein Schach mit 5 Gegenspielern. Und nach dem<br \/>\nDamengambit nimmt Dir der erste Gegner den Bauern und der zweite Gegner die Dame weg!<br \/>\nDumm gelaufen! Spricht das gegen das Schach? So sind nun mal stragetische<br \/>\nMehr-Personen-Spiele. Die besten Gedanken n\u00fctzen nichts, wenn sie die anderen haben!<\/p>\n<p> Wir haben alle erst die Spiel-Prinzipien kennenlernen m\u00fcssen. Wir sind alle kl\u00fcger<br \/>\ngeworden. Das n\u00e4chste Mal wird es mehr gewollte Kooperationen geben. Eine Hand w\u00e4scht die<br \/>\nandere, d.h. nutzt du meine Strecke und l\u00e4\u00dft mich mit-verdienen, so nutze ich deine<br \/>\nStrecke und la\u00df dich mit-verdienen! Mit-zu-verdienen, nicht mit-zu-zerst\u00f6ren sind wir da.<br \/>\nEs wird auch mehr taktisches Bauen geben. Man kann sich mit \u00fcbrigen Bauteilen ja mal<br \/>\nprophylaktisch Ausg\u00e4nge aus St\u00e4dten sichern. Und damit ggf. eigene Strecken sch\u00fctzen. Das<br \/>\nkam \u00fcberhaupt nicht vor. Auch das Bieten um die Zugreihenfolge wird sich m\u00e4\u00dfigen. Man mu\u00df<br \/>\nnicht immer als erster ziehen um erster zu werden. Den wahren Wert der Zug-Priorit\u00e4t<br \/>\nwerden wir erst im Laufe einiger Sessions einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Aber eines ist sicher: Es<br \/>\nwerden noch viele Age-of-Steams-Sessions folgen.<\/p>\n<p> Insgesamt war es ein sehr vergn\u00fcglicher Abend. Nach anf\u00e4nglichen Agressionen ganz<br \/>\nallgemein und insbesondere bei irrt\u00fcmlichen und wechselnden Regel-Auslegungen k\u00e4mpfte<br \/>\njeder f\u00fcr seine eigene Wohlfahrt. Da wurde die Stimmung am Ende ganz sachlich und<br \/>\nkonstruktiv. Moritz vergab die (gute) Note 8, obwohl er zum Bruder-Spiel 1830 noch keine<br \/>\nechte Beziehung gefunden hat. Peter vergab die (schlechte) Note 5, obwohl seine Liebe zum<br \/>\ngro\u00dfen Bruder gerade erst den ersten H\u00f6hepunkten zustrebt. Hans vergab auch die Note 5,<br \/>\nweil er das entsetzliche Aufwachen nach dem Damengambit niemals \u00fcberwinden wird. Wir<br \/>\nanderen 1830-er waren mit 8-9 Punkten dabei. Ein bi\u00dfchen Luft bis zum wahren 1830 mu\u00df<br \/>\nschon noch bleiben.<br \/>\n\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spielbericht 05.11.2002 Autor: Walter am Tisch: Peter, Andrea, Hans, Moritz, G\u00fcnther, Walter auf dem Tisch: Age of Steam Age Of Steam G\u00fcnther hatte das Spiel frisch aus Essen mitgebracht und die Erwartungen waren gro\u00df. 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