{"id":3903,"date":"2003-10-10T12:00:00","date_gmt":"2003-10-10T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2003\/10\/10\/session-report-review-22-10-2003\/"},"modified":"2003-10-10T12:00:00","modified_gmt":"2003-10-10T10:00:00","slug":"session-report-review-22-10-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2003\/10\/10\/session-report-review-22-10-2003\/","title":{"rendered":"Session Report &#038; Review &#8211; 22.10.2003"},"content":{"rendered":"<h3><b><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/ENgameid\/12880\" target=\"_blank\"><font size=\"+1\">Maestro<\/font><\/a><\/b> &#8211; Eine musikalische Kritik<\/h3>\n<p>Nachdem wir vor kurzem eine <a href=\"bericht73.html#game2\">ausf\u00fchrliche Kritik<\/a><br \/>\ndieses Rudi Hoffmann &#8211; Klassikers ver\u00f6ffentlicht haben, m\u00f6chte ich mich hiermit, auf<br \/>\nWalters Anregung hin, allein auf eine &#8220;musikalische&#8221; Kritik beschr\u00e4nken. D.h.<br \/>\nalso: &#8220;Maestro&#8221; mit den Augen eines Musikers betrachtet!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i1.jpg\" align=\"right\" width=\"316\" height=\"169\" border=\"0\" alt=\"Milhaud\"\/><\/p>\n<p>Diese Betrachtungen betreffen nat\u00fcrlich weniger das Spiel selber, als vielmehr das<br \/>\nSpielbrett und die dort auffindbaren, \u00e4u\u00dferst seltsamen Abbildungen, die f\u00fcr den Laien<br \/>\nzwar wie Musikinstrumente aussehen, in Wirklichkeit aber aus einer \u00e4u\u00dferst seltsamen<br \/>\nParallelwelt stammen, in der Musik h\u00f6chstwahrscheinlich nicht von Menschen, sondern von<br \/>\nseltsam missgebildeten Aliens gespielt wird. Und in der &#8220;Laura Branigan&#8221; noch<br \/>\nimmer ein Begriff ist, den jeder kennt.<\/p>\n<p>Fangen wir links oben an: Milhaud&#8217;s &#8220;Scaramouche&#8221; f\u00fcr Saxophon und<br \/>\nKlavier. Sehen wir einmal davon ab, dass &#8220;Scaramouche&#8221; in Wirklichkeit f\u00fcr 2<br \/>\nKlaviere ist, so k\u00f6nnen wir doch die beiden abgebildeten Instrumente erkennen. Das<br \/>\nSaxophon ist ein Saxophon, trotz merkw\u00fcrdigem Untersatz unter dem Schalltrichter<br \/>\n(vielleicht war hier ein Alphorn Modell?), und das Klavier sieht nun wirklich<br \/>\nhundertprozentig aus wie das Klavier in Walters Wohnung. Nur auf einem Podium w\u00fcrde es<br \/>\n\u00fcberraschen, denn da stehen ausschlie\u00dflich Fl\u00fcgel, also die gr\u00f6\u00dfere Version des<br \/>\n&#8220;aufrechten&#8221;, hier abgebildeten Klaviers.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i2.jpg\" align=\"left\" width=\"340\" height=\"136\" border=\"0\" alt=\"Debussy\"\/><\/p>\n<p>Kommen wir zu Debussys &#8220;Trio&#8221; &#8211; tats\u00e4chlich f\u00fcr die abgebildete Formation<br \/>\ngeschrieben, allerdings hat eine echte Bratsche 4 statt 3 Saiten (alle Saiteninstrumente<br \/>\nhaben auf dem Spielbrett 3 statt 4 Saiten &#8211; aber das ist wahrscheinlich aus \u00e4hnlichen<br \/>\nGr\u00fcnden der Fall wie bei Walt Disney, da haben die Bewohner von Entenhausen auch immer<br \/>\nnur 4 Finger anstatt 5). Skurrilerweise haben die abgebildeten Saiteninstrumente auch<br \/>\nalle nur ZWEI Stimmschrauben &#8211; Jede Stimmschraube stimmt also 1.5 Saiten, was schon eine<br \/>\nLeistung ist!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i3.jpg\" align=\"right\" width=\"362\" height=\"136\" border=\"0\" alt=\"Bach\"\/>Und eine Fl\u00f6te hat ein ganz wichtiges Utensil, das man<br \/>\n     &#8220;Mundst\u00fcck&#8221; nennt. Ohne das kann man die Fl\u00f6te n\u00e4mlich gar nicht blasen!<br \/>\n     Auch Harfen pflegen f\u00fcr gew\u00f6hnlich Pedale zu haben, und zwar deren 7. Sonst kann man<br \/>\n     n\u00e4mlich darauf nie Debussy, sondern nur irische Volksmusik spielen, und die wird ja<br \/>\n     dann doch irgendwann fad&#8230;<\/p>\n<p>Was kommt jetzt? Triosonate von Bach. Immerhin richtig, dass hier Cembalo anstatt<br \/>\nKlavier gespielt wird, allerdings sieht das Cembalo aus wie der Fl\u00fcgel, der bei<br \/>\nScaramouche nicht mitspielen durfte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i4.jpg\" align=\"left\" width=\"418\" height=\"132\" border=\"0\" alt=\"Gershwin\"\/><\/p>\n<p>4 Dreisaiter bilden dann das Quartett &#8220;Lullaby&#8221; von George Gershwin, das<br \/>\nbesonders apart auff\u00e4llt, denn es gibt gar kein Streichquartett von Gershwin. Dieser<br \/>\nMissstand ist insofern verwunderlich, da es ca. 5 Millionen andere Streichquartette gibt,<br \/>\ndie man hier h\u00e4tte nennen k\u00f6nnen, von Haydn bis Mozart, und von Beethoven bis Schubert.<br \/>\nUm nur einige von hunderttausend Namen zu nennen&#8230;<\/p>\n<p>Mein Lieblingsst\u00fcck ist das jetzt folgende: &#8220;Till Eulenspiegel&#8221; von Richard<br \/>\nStrauss, in einer neuen Fassung, die die Musikwissenschaft schockieren w\u00fcrde:<br \/>\nHolzblastrio unter Zusatz von allein ZWEITER Geige (nur so nebenbei: wenn nur eine Geige<br \/>\nspielt, kann es nie aber auch wirklich nie die zweite sein) und dem vollkommen zu dieser<br \/>\nBesetzung unpassenden Instrument&#8230;Posaune????<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i5.jpg\" align=\"right\" width=\"519\" height=\"138\" border=\"0\" alt=\"Strauss\"\/>Vielleicht geht das, denn die abgebildete Posaune kann von<br \/>\n     einem Menschen nicht gespielt werden, nur von einem kopflosen Schlossgespenst, das<br \/>\n     keine Probleme damit hat, dass dort, wo der Kopf hinm\u00fcsste, ein Rohr ist. Da<br \/>\n     Gespenster aber nicht blasen k\u00f6nnen, ist das eben nicht schlimm, nur ein Ton kommt<br \/>\n     halt nicht raus. Noch &#8220;geiler&#8221; ist nat\u00fcrlich das Fagott, das in dieser<br \/>\n     Form nur in Australien gespielt werden kann, denn es steht schlicht und einfach auf<br \/>\n     dem Kopf! Dort wo man hier rein blasen m\u00fcsste, ist in Wirklichkeit der Fu\u00df des<br \/>\n     Fagotts.<\/p>\n<p>Auf der n\u00e4chsten Spielplanh\u00e4lfte begeben wir uns nun in vollkommen seltsame<br \/>\nmusikalische Gefilde. Und das nicht wegen des Forellenquintetts von Schubert, denn da<br \/>\nstimmt die Besetzung ausnahmsweise. Auch nicht wegen Tscherepnins<br \/>\n&#8220;Sommermusik&#8221;, einem quasi nie gespielten Werk eines eher zweitklassigen<br \/>\nrussischen Komponisten, das Hoffmann hier verewigt hat. Vielleicht wird es so selten<br \/>\ngespielt, weil die Trompeten hier die Ventile unten anstatt oben haben m\u00fcssen???<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i6.jpg\" align=\"left\" width=\"608\" height=\"138\" border=\"0\" alt=\"Branagan\"\/><\/p>\n<p>Nein, es ist das &#8220;Opus Summum&#8221; des Spielplans, das beliebte St\u00fcck &#8220;take<br \/>\nme&#8221; der ber\u00fchmten S\u00e4ngerin Laura Branigan (!!!!). Wie bitte? Noch nie geh\u00f6rt? Nun,<br \/>\nes ist, sagen wir mal: eher unbekannt. Vielmehr&#8230;\u00e4h&#8230; gar nicht bekannt. Vielmehr&#8230;gar<br \/>\nnicht existent???? Wer auch immer Laura Branigan sein mag, ihr wurde hier etwas gutes<br \/>\ngetan, noch in 1000 Jahren werden Spieler sich um dieses Brett versammeln, und sagen<br \/>\n&#8220;Hey, Laura Branigan, das war doch mal so ne geile S\u00e4ngerin, legen wir doch mal ihre<br \/>\nScheibe auf&#8221;, und aufgelegt wird sie, die Scheibe, und Spieler werden ihre<br \/>\nApplauskarten im Rhythmus des Welthits &#8220;take me&#8221; spielen, und dabei sinnend vor<br \/>\nsich hinschunkeln. Vermutlich wird es bis daher aber gar keine Menschen mehr geben. Nicht<br \/>\nwegen Atomkrieg oder so, nein, es reicht die abgebildete E-Gitarre zu spielen, da ist man<br \/>\nauch ohne tolle Branigan-Mucke wie &#8220;unter Strom&#8221;&#8230;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/maestro_i7.jpg\" align=\"right\" width=\"601\" height=\"138\" border=\"0\" alt=\"Saga\"\/><\/p>\n<p>Das n\u00e4chste St\u00fcck ist wiederum eine Erinnerung an ganz schlimme 80er Jahres-Zeiten,<br \/>\nn\u00e4mlich an den entsetzlichen Protzrock der grauenhaften Band &#8220;Saga&#8221;. Dass diese<br \/>\nallerdings in der vollkommen bizarren Besetzung Gesang, zwei (!!!) B\u00e4sse, Klarinette und<br \/>\nVibraphon auftraten, war mir nicht mehr ganz so klar, aber so wie deren Musik klang, kann<br \/>\ndas schon stimmen. Nachdenklich macht uns der K\u00fcnstler mit der Abbildung eines, wie soll<br \/>\nich sagen, unbekannten Objektes, das uns in quasi &#8220;Magrittescher Weise&#8221; auf das<br \/>\nUnrecht in der Welt aufmerksam macht, indem es sich der althergebrachten Gestaltung eines<br \/>\nAbbildes als etwas ideell dem Abgebildeten \u00e4hnlichen radikal verweigert. Ich kann nur<br \/>\nsagen, da\u00df das abgebildete Objekt alles m\u00f6gliche ist, aber &#8220;ceci n&#8217;est pas une<br \/>\nvibraphone&#8221;, das ist sicher.<\/p>\n<p>Denn Abschluss bildet irgend so ein doofer Marsch (Militarismuskritik?), aber der<br \/>\nSchlagzeuger wird nicht so einen L\u00e4rm machen mit seiner Schiessbude, bei der die Bassdrum<br \/>\nauf der einen, und die Hi-Hat auf der anderen Seite ist. Oder waren hier urspr\u00fcnglich<br \/>\nzwei Musiker vorgesehen?<\/p>\n<p>Wie auch immer, angesichts der Phantasie von Rudi Hoffmann und seinem Illustrator kann<br \/>\nich nichts weiter tun, als den Hut zu ziehen, oder vielmehr die letzte Applauskarte aus<br \/>\ndem Sack!<\/p>\n<div align=\"right\">\u00a9<i>2003, Moritz Eggert<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maestro &#8211; Eine musikalische Kritik Nachdem wir vor kurzem eine ausf\u00fchrliche Kritik dieses Rudi Hoffmann &#8211; Klassikers ver\u00f6ffentlicht haben, m\u00f6chte ich mich hiermit, auf Walters Anregung hin, allein auf eine &#8220;musikalische&#8221; Kritik beschr\u00e4nken. D.h. also: &#8220;Maestro&#8221; mit den Augen eines Musikers betrachtet! 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