{"id":3910,"date":"2004-05-19T12:00:00","date_gmt":"2004-05-19T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2004\/05\/19\/sanktpetersburg\/"},"modified":"2004-05-19T12:00:00","modified_gmt":"2004-05-19T10:00:00","slug":"sanktpetersburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2004\/05\/19\/sanktpetersburg\/","title":{"rendered":"Sankt\nPetersburg"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/15635\" target=\"_blank\">Sankt<br \/>\nPetersburg<\/a><\/h2>\n<p>&#8220;Sankt Petersburg&#8221;, das Spiel meine ich, hat seinen Namen von der Stadt<br \/>\nbekommen, die der russische Zar Peter vor 300 Jahren in den S\u00fcmpfen der Newa aus dem<br \/>\nBoden stampfen lie\u00df. Das mu\u00df ein quirliges Leben gewesen sein, als Handwerker und B\u00fcrger,<br \/>\nVerwalter und Adlige in wenigen Jahren ein &#8220;Paris des Ostens&#8221; aufbauten. So hat<br \/>\nes sich der Autor Michael Tummelhofer vorgestellt.<\/p>\n<p>Hier im Spiel kommen eher die Kaufleute unter den Spielern zur Geltung. Die<br \/>\nverschiedenen Rollen von damals liegen als einfache Spielkarten offen auf dem Tisch und<br \/>\nk\u00f6nnen gekauft werden, um dann eine definierte Rendite abzuwerfen. Handwerker sind billig<br \/>\nund bringen pro Runde Geld ein. Mit einer ziemlich guten Kosten-Nutzen-Relation.<br \/>\nVerwalter (oder besser: administrative Geb\u00e4ude) kosten deutlich mehr, und bringen in der<br \/>\nRegel kein Geld ein, lediglich Prestige, sprich Siegpunkte. Und diese entscheiden das<br \/>\nSpiel. Am Ende ist das Geld nichts mehr wert, nur noch die umgesetzten Siegpunkte<br \/>\nz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Am meisten Siegpunkte stecken in den Adeligen: au\u00dfer Geld und den st\u00e4ndigen<br \/>\nSiegpunkten pro Runde liefern sie am Ende noch einen Bonus, der quadratisch mit der<br \/>\nAnzahl der gekauften Adeligen w\u00e4chst. Ein einzelner Adeliger bringt 1 Siegpunkt, zehn<br \/>\nAdelige bringen 55 Siegpunkte Der Sieg wird also regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Mehrheit an<br \/>\nAdeligen-Karten entschieden.<\/p>\n<p>Wo steckt dann das Problem? Da k\u00f6nnte sich ein t\u00fcchtiger Kaufmann doch relativ einfach<br \/>\neine Optimierung ausrechnen (lassen), nach welchem Schema er die verschiedenen Karten<br \/>\nerwerben mu\u00dft und schon w\u00e4re das Spiel entzaubert. Das ist &#8211; gl\u00fccklicherweise &#8211; nur zu<br \/>\neinem kleinen Bruchteil richtig. Es sind nicht alle Karten gleichzeitig verf\u00fcgbar,<br \/>\nsondern es werden jeweils nur maximal 8 Karten aufgedeckt und stehen zum Erwerb an. Alle<br \/>\nanderen Karten bleiben verdeckt auf ihren Stapeln. Also mu\u00df man sich zun\u00e4chst mal mit dem<br \/>\nvorhandenen Angebot an Karten auseinandersetzen und hieraus die jeweils besten<br \/>\nherausfischen. Erst wenn keiner mehr kaufen will, wird f\u00fcr jede verkaufte Karte eine neue<br \/>\nKarte aufgedeckt.<\/p>\n<p>Das ganze l\u00e4uft in vier Phasen ab. In der ersten Phase werden nur neue Handwerker<br \/>\naufgedeckt und am Ende werden alle im Besitz befindlichen Handwerker gewertet, d.h. es<br \/>\ngibt Geld. In der zweiten Phase kommen neue Geb\u00e4ude ins Spiel und am Ende werden nur die<br \/>\nGeb\u00e4udekarten gewertet, d.h. es gibt Siegpunkte. In der dritten Phase geht es um Adelige<br \/>\nund in einer vierten Phase um Austauschkarten&#8221;, das sind solche, mit denen man einen<br \/>\nbereits in Besitz befindlichen Adligen im Rang, spricht in seiner Geld- und<br \/>\nSiegpunkt-Aussch\u00fcttung, hochr\u00fcsten kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/petersburg_b1.jpg\" align=\"left\" width=\"310\" height=\"196\" border=\"0\" alt=\"Sankt Petersburg\"\/><\/p>\n<p>Einige Karten haben noch Sonder-Eigenschaften sie bringen beim Erwerb bestimmter<br \/>\nKarten einen Kostenerla\u00df. Mit anderen Karten kann man eine gewisse Menge Geld in<br \/>\nSiegpunkte verwandeln. Eine Karte erlaubt es, sich pro Runde eine Karte aus einem der<br \/>\nverdeckten Stapel anzuschauen und sie bei Bedarf zu kaufen. Das ist insbesondere sehr<br \/>\nn\u00fctzlich, wenn man damit seine Mehrheit an Adeligen f\u00fcr die Schlu\u00dfwertung ausbauen<br \/>\nwill.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es noch zwei taktische Elemente, die im Spiel eine bedeutende Rolle<br \/>\nspielen: Beim Erwerb einer Karte bringt jede bereits im Besitz befindliche Karte der<br \/>\ngleichen Sorte einen Preisnachla\u00df von einer Einheit. Z.B. kostet der erste Holzf\u00e4ller<br \/>\ndrei Rubel, der zweite kostet zwei und der dritte nur noch einen. Es ist also durchaus<br \/>\nein kaufm\u00e4nnisches Ziel, Karten gleicher Sorte zu erwerben.<\/p>\n<p>Das zweite taktische Element ist &#8220;Bunkern&#8221; von Karten: Man mu\u00df eine<br \/>\nerworbene Karte nicht sofort vor sich offen auf den Tisch legen, man kann sie &#8211; OHNE den<br \/>\nGeldbetrag daf\u00fcr zu bezahlen &#8211; zun\u00e4chst verdeckt in die Hand nehmen und sie erst zu einem<br \/>\nbeliebigen sp\u00e4teren Zeitpunkt bezahlen und auslegen. Damit kann man nat\u00fcrlich eine<br \/>\nmomentane Geldknappheit \u00fcberbr\u00fccken. Viel wichtiger aber: man kann f\u00fcr die<br \/>\nSchlu\u00dfabrechnung lukrative Karten f\u00fcr sich reservieren, ohne damit seine Liquidit\u00e4t zu<br \/>\nbeanspruchen. In jedem Fall ist es erstrebenswert, Austausch-Adelige zu bunkern, um damit<br \/>\nganz am Ende das Adeligen-Kontingent zu verbessern und damit die daraus resultierenden<br \/>\nBonuspunkte zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Ist Sankt Petersburg ein taktisches Spiel? Nat\u00fcrlich, denn es kennt ja keinen W\u00fcrfel,<br \/>\nsondern nur freie Entscheidungen der Mitspieler. Allerdings sind die Freiheitsgrade beim<br \/>\nVorgehen &#8211; auf den ersten Blick &#8211; doch sehr eingeschr\u00e4nkt. Man kann nur Karten kaufen<br \/>\noder nicht. Keine Versteigerung, kein Preiskampf, keine Auseinandersetzung um<br \/>\nPriorit\u00e4ten. Wer am Zug ist, entscheidet ganz unbeeinflu\u00dft von allen anderen allein nach<br \/>\nseinen finanziellen Mitteln, und ggf. noch nach seinen Vorlieben.<\/p>\n<p>Da\u00df man am Anfang Handwerkerkarten erwirbt, weil diese das meiste Geld einbringen und<br \/>\ndas Geld eigentlich immer knapp ist, ist unabdinglich. Da\u00df man die jeweils billigste &#8211;<br \/>\nund damit renditenst\u00e4rkste &#8211; Handwerkerkarte erwirbt, versteht sich von selbst.<br \/>\nIrgendwann mu\u00df man nat\u00fcrlich auf Siegpunkte umschalten. Und da\u00df in den Adeligen die<br \/>\nmeiste Musik steckt, habe ich schon oben erw\u00e4hnt. Es geht also nur darum, den richtigen<br \/>\nZeitpunkt zu erwischen, wann man vom Handwerk auf den Adel umsteigt. Nach geschlossener<br \/>\nWPG-Auffassung m\u00f6glichst unter Auslassung der Geb\u00e4udekarten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen daf\u00fcr Adeligenkarten im Angebot sein. Und hier liegt ein weiteres<br \/>\nspielentscheidendes Geheimnis von Sankt Petersburg. Am Ende jeder Phase werden auf die<br \/>\noffenen Pl\u00e4tze neue Karten gezogen. Der jeweils wechselnde Startspieler hat dann die<br \/>\nfreie Auswahl. Wenn ich nicht Startspieler werde, dann sollte ich mir genau \u00fcberlegen, ob<br \/>\nich von den ausliegenden weniger lukrativen Karten \u00fcberhaupt noch eine Karte erwerbe.<br \/>\nUnser 1830-Motto &#8220;keep fully invested&#8221; z\u00e4hlt hier \u00fcberhaupt nicht. Mit jeder<br \/>\nKarte, die ich in dieser Situation noch kaufe, vergr\u00f6\u00dfere ich die Chance des neuen<br \/>\nStartspieler, ein Super-Karte ins Angebot zu bekommen. Also eher die Finger weg<br \/>\nlassen.<\/p>\n<p>So summieren sich die kleinen taktischen Handlungsspielr\u00e4ume an Ende doch zu einem<br \/>\nbetr\u00e4chtlichen Ausma\u00df an Taktik und Strategie. Zugleich verl\u00e4uft das Spiel friedlich,<br \/>\nflott, aufbauend und harmonisch. Unser erster positiver Eindruck ist nach wiederholtem<br \/>\nSpiel noch gestiegen. Wir halten es f\u00fcr empfehlenswert.<\/p>\n<p>WPG-Wertung : 7,5<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sankt Petersburg &#8220;Sankt Petersburg&#8221;, das Spiel meine ich, hat seinen Namen von der Stadt bekommen, die der russische Zar Peter vor 300 Jahren in den S\u00fcmpfen der Newa aus dem Boden stampfen lie\u00df. 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