{"id":3936,"date":"2003-12-02T12:00:00","date_gmt":"2003-12-02T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2003\/12\/02\/westpark-spielbericht-review-1830-02-12-2003\/"},"modified":"2003-12-02T12:00:00","modified_gmt":"2003-12-02T11:00:00","slug":"westpark-spielbericht-review-1830-02-12-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2003\/12\/02\/westpark-spielbericht-review-1830-02-12-2003\/","title":{"rendered":"Westpark Spielbericht &#038; Review: &#8220;1830&#8221; &#8211; 02.12.2003"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/2120\" target=\"_blank\">1830<\/a> &#8211; Spielbericht vom 2.12.2003<\/h3>\n<p>Vier hochkar\u00e4tige Robber-Barons und eine Miss Polly trafen sich zu einer<br \/>\nAuseinandersetzung um Anteile auf dem umk\u00e4mpften Eisenbahnmarkt der USA. Es geht um<br \/>\nShares, Deals, Priorities und Bankrupts. Der Eingeweihte wei\u00df sofort: es kann sich nur um<br \/>\n1830 handeln.<\/p>\n<p>Schon im Vorfeld wurde darum gefeilscht, wer den Mackie Messer spielen darf und wie<br \/>\nweit er bei Polly gehen darf. Denn in ihrer jugendlichen Unerfahrenheit mu\u00dfte sie sich<br \/>\nwohl oder \u00fcbel von den m\u00e4nnlichen Besch\u00fctzern unter die Fittiche nehmen lassen. Aber von<br \/>\nwem? Es w\u00e4re doch zu schade, wenn wir uns allein deswegen in die Haare kriegen w\u00fcrden.<br \/>\nDann schon lieber um die New York &#8211; New Haven!<\/p>\n<p>Eine weise Entscheidung ist es, den zugeteilten Besch\u00fctzer rechts von ihr sitzen zu<br \/>\nlassen. Nur so k\u00f6nnen seine Tips wirklich uneigenn\u00fctzig sein. Und wenn sie falsch sind,<br \/>\ndann freuen sich alle anderen. Er selbst zuletzt.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Endergebnis nach. Nach einer Session ohne Blei und Blut wurde Aaron<br \/>\nmit 7809$ Erster und G\u00fcnther, eigentlich der gebuchte Seriensieger, mit 6766$ Zweiter.<br \/>\nPolly, Entschuldigung, sie hei\u00dft ja in Wirklichkeit Loredana, kam mit 5516$ auf einen<br \/>\nehrenvollen dritten Platz, ihr Besch\u00fctzer Peter wurde mit 3911$ Letzter. Dazwischen kam<br \/>\ndann noch ich.<\/p>\n<p>Noch in der Nacht wurden die ersten Analysen verschickt. Aaron hat eine sehr kluge<br \/>\nneue Beobachtung offenbart: Mit der <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/1830walt.html\">WPG-Regel<\/a>, &#8220;eine<br \/>\nGesellschaft r\u00fcckt nur vor, so lange sie mindestens ihren Aktenpreis aussch\u00fcttet&#8221;,<br \/>\ndarf man die Linien am Anfang nicht zu hoch einsetzen. Sonst verliert man die<br \/>\nBonus-M\u00f6glichkeit des Vorr\u00fcckens. Dazu kommt nat\u00fcrlich noch, da\u00df man sich von billigen<br \/>\nLinien erheblich mehr Shares leisten kann, und da\u00df die lukrativen, zu 100% ausverkauften<br \/>\nGesellschaften auch davon profitieren, da\u00df die Aktien nach jeder Bankrunde noch<br \/>\nzus\u00e4tzlich eine Ebene nach oben steigen.<\/p>\n<p>Peter findet immer mehr \u00c4hnlichkeiten zwischen 1830 und seiner neuen Liebe<br \/>\n&#8220;<a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/1869\" target=\"_blank\">Time<br \/>\nAgent<\/a>&#8220;, aber er wei\u00df, da\u00df ich das f\u00fcr Blasphemie halte. Und der Zaungast Moritz<br \/>\ntriumphierte, wieder mal habe es sich herausgestellt hat, da\u00df 1830 genauso wenig zu<br \/>\nberechnen ist wie seine Try-und-Spell-Spiele.<\/p>\n<p>Nein, so ist es absolut nicht. Es ist ganz sicher, da\u00df derjenige bei 1830 gewinnt, der<br \/>\nkeine Fehler macht. Aber genauso sicher ist, da\u00df es unm\u00f6glich ist, bei 1830 keine Fehler<br \/>\nzu machen. Ganz im Gegenteil, die ganz allt\u00e4glichen Aktionen der Robber-Barons strotzen<br \/>\nnur so voller Fehler. Zu vielseitig sind die Fehlerm\u00f6glichkeiten, zu komplex die Abl\u00e4ufe.<br \/>\nUnd zu kybernetisch sind die Auswirkungen der einzelnen Spielz\u00fcge aufeinander. Wenn man<br \/>\nheute einen Zug als Fehler erkannt hat und morgen das Gegenteil davon beherzigt, kann das<br \/>\nauch schon wieder falsch sein, weil auch die Gegenspieler sich eine andere Strategie<br \/>\nzurechtgelegt haben.<\/p>\n<p>Spricht das schon f\u00fcr die Unberechenbarkeit des Spielablaufes? Nein, wir sind eben<br \/>\nalle noch nicht erfahren genug, und wir spielen das Spiel auch viel zu selten, um<br \/>\nwirkliche Experten zu werden. Au\u00dferdem, Moritz aufgepa\u00dft, wir unterliegen nicht den<br \/>\nZuf\u00e4lligkeiten der Spielregeln, sondern den taktischen Planungen und Erfolgen der<br \/>\nMitspieler. Wir werden nicht gespielt, sondern wir spielen uns selbst! Es gewinnt der,<br \/>\ndessen Fehler in der Summe die wenigsten gravierenden Auswirkungen haben. Erlaubt mir als<br \/>\nVorletztem, die Aktionen meiner Kontrahenten einer detaillierten Spielkritik zu<br \/>\nunterziehen. Fehler haben halt die nat\u00fcrliche Eigenschaft, post mortem leichter erkennbar<br \/>\nund benennbar zu sein. Besonders f\u00fcr die Au\u00dfenstehenden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/1830_b2.jpg\" align=\"left\" width=\"314\" height=\"257\" border=\"0\" alt=\"1830 board\"\/><\/p>\n<p>Aaron hat wirklich sehr gut gespielt. Er hat sich als erster Aktion\u00e4r die <i>NYNH<\/i><br \/>\nunter den Nagel gerissen (+) und hat sie f\u00fcr einen optimalen Kurs eingesetzt (+). Er hat<br \/>\nzum besten Zeitpunkt als zweite Linie die einflu\u00dfreiche <i>NC<\/i> gefloated (+) und hat<br \/>\nihr Streckennetz sehr systematisch ausgebaut (++). Er hat unheimlich fr\u00fch und ohne<br \/>\nmerkbare Knauserigkeit f\u00fcr die <i>NYNH<\/i> eine Diesel zusammengespart (++) und damit<br \/>\nalle anderen Linien einem technischen Innovationsdruck ausgesetzt. Er hat diese Diesel<br \/>\nunverz\u00fcglich (+) von der <i>NYNH<\/i> zur <i>NC<\/i> transferiert (++), weil dort das<br \/>\nbessere Streckennetz vorhanden war, und damit verdienterma\u00dfen bis zum Spielende fast<br \/>\ndoppelt soviel Rendite kassiert wie seine Konkurrenten.<\/p>\n<p>Das sind eine Menge positiver Wertungen. Ein bi\u00dfchen ist im dabei allerdings das Gl\u00fcck<br \/>\ndes T\u00fcchtigen zu Hilfe gekommen. Das fing schon mit der Startposition an. Er wurde als<br \/>\nzweiter gesetzt und konnte so, nachdem jeder Mitspieler seine obligatorische Privatbahn<br \/>\nersteigert hatte (ich als Startspieler brav 2 St\u00fcck davon), als erster eine richtige<br \/>\nLinie erwerben. In dieser Beziehung ist 1830 ein asymmetrisches Spiel. Die Linien<br \/>\nbesitzen alle unterschiedliche Eigenschaften und Qualit\u00e4ten. Und der Startaktion\u00e4r darf<br \/>\nals erster unter ihnen w\u00e4hlen und sich die beste heraussuchen.<\/p>\n<p>Jetzt h\u00f6re ich unsern Orc-Advokaten schon h\u00e4misch unter dem Tisch hervorkommentieren:<br \/>\n&#8220;1830 ist doch nur ein verkapptes &#8220;<a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/1869\" target=\"_blank\">Time<br \/>\nAgent<\/a>&#8220;. Dabei \u00fcbersieht er aber, da\u00df wir alle jetzt bereits unseren ersten<br \/>\nFehler gemacht, und Aaron davon profitiert hat. Nat\u00fcrlich ist die Position, als erster<br \/>\neine Eisenbahnlinie erwerben zu k\u00f6nnen, ein bedeutender spieltechnischer Vorteil. Aber<br \/>\nkeiner mu\u00df sich hier klaglos in das Schicksal der Startauslosung f\u00fcgen. Um diese Position<br \/>\nkann man k\u00e4mpfen! Mu\u00df man k\u00e4mpfen! <b>Warum<\/b> haben wir eigentlich alle die uns<br \/>\nangebotenen Privatgesellschaften erworben? Warum hat denn keiner gepa\u00dft? Jeder, der hier<br \/>\ngepa\u00dft h\u00e4tte, h\u00e4tte dieses Privileg der ersten Linie um eine Spielerposition verschoben.<br \/>\nEin einziges Passen, und Peter w\u00e4re in den Startvorteil gekommen. Dieses Passen haben wir<br \/>\nalle vers\u00e4umt! Peter und Loredana bekommen mildernde Umst\u00e4nde, weil es sich als zweiter<br \/>\nund dritter Startaktion\u00e4r auch noch ganz gut leben l\u00e4\u00dft. Von G\u00fcnther und mir waren es<br \/>\nglatte Unterlassungen.<\/p>\n<p>Eine gl\u00fcckliche Ausgangslage f\u00fcr Aaron war auch, da\u00df seine <i>NYNH<\/i> nur einen<br \/>\nZweierzug kaufen mu\u00dfte und sofort mit einem weiteren Dreierzug ins Rennen gehen konnte.<br \/>\nDas lag vor allem daran, da\u00df die <i>BO<\/i> vom Start weg gefloatet wurde und Peter seine<br \/>\n<i>BM<\/i> mit hohem Kurwert eingesetzt hatte. So kaufte die <i>BO<\/i> am Anfang drei<br \/>\nZweierz\u00fcge (das ist guter Standard) und die <i>BM<\/i> mu\u00dfte ihren Startbedarf an Loks<br \/>\nebenfalls <b>vor<\/b> der <i>NYNH<\/i> eindecken. So war f\u00fcr die <i>NYNH<\/i> das Kontingent<br \/>\nder ungeliebten Zweierz\u00fcge schon fast ersch\u00f6pft und sie durfte ohne Anstrengung gleich<br \/>\nden ersten Dreierzug erwerben.<\/p>\n<p>Aarons Analyse, die Startlinien nicht zu hoch einzusetzen, kann man noch mit dem<br \/>\nZusatz erg\u00e4nzen, die zweite Gesellschaft sollte h\u00f6chstens f\u00fcr den gleichen Kurs<br \/>\neingesetzt werden wie die Startlinie. Nat\u00fcrlich unter der Voraussetzung, da\u00df die<br \/>\n<i>BO<\/i> gefloatet wird.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Aaron. Er hat auch ein paar Fehler gemacht. Er konnte die <i>NYNH<\/i> sofort<br \/>\nmit der optimalen Zugkombination ausstatten, er sorgte aber nicht im gleichen Ma\u00dfe f\u00fcr<br \/>\neinen angemessenen Streckenbau. Er vernachl\u00e4ssigte total die zweite Linie zur Ostk\u00fcste<br \/>\nund wendete sich sofort nach Westen dem zweiten New Yorker Bahnhof zu. Das dauert eine<br \/>\nganze Weile. Drei Runden lang konnte er nur einen einzigen Zug fahren lassen und mu\u00dfte<br \/>\nsich mit Dividenden von unter 100 Dollars begn\u00fcgen. Das ist f\u00fcr die <i>NYNH<\/i> eine<br \/>\nziemlich schlechte Einfahrbilanz.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen\/1830_b1.jpg\" align=\"right\" width=\"264\" height=\"209\" border=\"0\" alt=\"1830 board\"\/><\/p>\n<p>Da\u00df Aaron daf\u00fcr einen <i>NYNH<\/i>-Token f\u00fcr den zweiten Bahnhof in New York aufsparen<br \/>\nkonnte und damit dann noch eine sehr lukrative Strecke aufbauen konnte, steht auf einem<br \/>\nanderen Blatt. Es h\u00e4tte b\u00f6s enden k\u00f6nnen. Vor allem wenn der technische Fortschritt nicht<br \/>\nso schnell vorangeschritten w\u00e4re, oder wenn irgendeiner mit mehr Vorsatz (und \u00dcbersicht)<br \/>\nAaron in die Quere gekommen w\u00e4re. So aber blieb diese Schw\u00e4che weitgehend ungeahndet.<\/p>\n<p>Auch Aaron&#8217;s zweite Linie, die \u00e4u\u00dferst potente <i>New York Central<\/i> kam nur<br \/>\nsehr schwer aus den Startl\u00f6chern. Die Linie konnte ihre Strecke lange Zeit weder zur<br \/>\n<i>BM<\/i> hin noch nach New York anschlie\u00dfen und mu\u00dfte einige Runden auf einer Strecke<br \/>\naus nur zwei Bahnh\u00f6fen sehr mickrige Gewinne einfahren. Nur weil die anderen Linien<br \/>\ngerade mit dem Ausmustern ihrer veralteten Lokomotiven besch\u00e4ftigt waren, geriet Aaron<br \/>\nhier nicht ins Hintertreffen.<\/p>\n<p>Nun zu G\u00fcnther, von der Zahl der 1830-er Partien her der weitaus erfahrenste Spieler<br \/>\nvon uns allen. G\u00fcnther hat immer einen Plan, aber diesmal war davon \u00fcberhaupt nichts zu<br \/>\nsehen. Er k\u00e4mpfte weder darum, vom Start weg selbst Pr\u00e4sident einer Linie zu werden, noch<br \/>\nsp\u00e4ter darum, als Pr\u00e4sident oder als Aktion\u00e4r Akzente zu setzen. Er beteiligte sich<br \/>\nlediglich an der <i>BO<\/i> des linkssitzendes Mitspielers (+), kassierte ein paar Mal<br \/>\ngute BO-Dividenden und ver\u00e4u\u00dferte diese Aktien wieder (+), bevor die <i>BO<\/i> in ihre<br \/>\nSparphase \u00fcberging. Gerne h\u00e4tte ich als Pr\u00e4sident die <i>BO<\/i> durch<br \/>\nGewinn-Aussch\u00fcttungen total ausgepowert und sie ihm anschlie\u00dfend vor die F\u00fc\u00dfe geworfen.<br \/>\nVom Priority-Deal war es leider nie m\u00f6glich, darauf hat G\u00fcnther aber sicherlich auch<br \/>\naufgepa\u00dft.<\/p>\n<p>G\u00fcnther wendete sich dann, bereits im zweiten Viertel des Spiels, der <i>PRR<\/i> zu<br \/>\n(+-), konnte hier aber auch keine Glanztaten vollbringen. Insbesondere konnte er ihr hier<br \/>\nauch seine Privatbahn, die <i>Camden&amp;Amboy<\/i> f\u00fcr einen Riesenreibach unterbringen<br \/>\n(-). Die <i>PRR<\/i> ist eine sehr langsame Linie, und wenn sie sich nicht von Anfang an<br \/>\num einen gro\u00dffl\u00e4chigen Gleisausbau bem\u00fcht, ist sie immer ein hartes Brot. Auch G\u00fcnther<br \/>\nsie nicht in Kaviar verwandeln.<\/p>\n<p>Als zweite Linie legte er sich die <i>Canadian<\/i> zu. Das war fast eine<br \/>\nVerlegenheitsl\u00f6sung, weil f\u00fcr sein gutes Geld nichts Besseres auf dem Markt war. Er<br \/>\nverzichtete auf ihren Ost-West-Ausbau (+-) und strebte sofort den Anschlu\u00df nach New York<br \/>\nan (+). Das gelang auch, und dort konnte er sich gut etablieren. Allerdings engagierte er<br \/>\nsich nicht aggressiv genug gegen seine Konkurrenten, insbesondere gegen das Streckennetz<br \/>\nder <i>NC<\/i>. Seine Aktionen blieben alle irgendwie im Mittelma\u00df stecken (G\u00fcnther,<br \/>\nEntschuldigung). Weil er aber im Detail keine (bemerkenswerten) Fehler gemacht hat, und<br \/>\nweil eigentlich nichts <b>gegen<\/b> ihn gelaufen ist, wurde er ziemlich m\u00fchelos<br \/>\nZweiter.<\/p>\n<p>Jetzt zu Peter. Er ri\u00df sich gleich zu Beginn die <i>BM<\/i> unter den Nagel (+-) und<br \/>\nbaute sie mit Tokens und Strecken schnell zu einer Milchkuh aus (+), die sich sehr<br \/>\nbereitwillig melken lie\u00df. Sie fuhr mehrmals H\u00f6chstrenditen ein. Zus\u00e4tzlich sorgte er mit<br \/>\nseinem Besch\u00fctzer-Einflu\u00df daf\u00fcr, da\u00df sich Loredana an seiner Linie beteiligte (+) und<br \/>\nbeide gemeinsam an der aufstrebenden Wirtschaftslage partizipierten. Leider wurde er<br \/>\ndabei richtig satt und tr\u00e4ge, und war zufrieden, wenn er mit seinem Z\u00f6gling<br \/>\nAktien-Streicheleinheiten austauschen konnte. Kein Kampf, keine Aggressivit\u00e4t, kein<br \/>\nweiterer Plan, keine weitere Linie, nur noch Besitzstandswahrung (-). Oder habe ich da<br \/>\netwas \u00fcbersehen?<\/p>\n<p>Es reicht bei 1830 nicht, mit einem tollen Start davonzuziehen. Jede Spielphase hat<br \/>\nhier ihre besonderen Aufgaben. Die beiden New Yorker Linien bringen nur bis zum<br \/>\nMittelteil etwas ein. In der Endphase sind sie die schw\u00e4chsten. Entweder haben sie keine<br \/>\nStrecke oder keine Lokomotive. Wenn sie vom Kurswert her nicht interessant bleiben, mu\u00df<br \/>\nman sie rechtzeitig absto\u00dfen. Peter mu\u00dfte, teilweise aus seiner Privatschatulle, f\u00fcr die<br \/>\n<i>BM<\/i> eine Diesellok anschaffen und fuhr damit genausoviel ein, wie mit einem<br \/>\nbilligen 5-er Zug. Kein grunds\u00e4tzlicher Fahrfehler, die BM kann es nicht besser.<\/p>\n<p>Peter h\u00e4tte sich ja leicht von der ins Schlingern geratenen BM trennen k\u00f6nnen und sie<br \/>\nseinem Z\u00f6gling zuschustern k\u00f6nnen. Soviel nat\u00fcrliche Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit wollte er<br \/>\nLoredana aber doch nicht um die Ohren hauen. Im Sinne von Robber-Barons ist das eindeutig<br \/>\nein Minuspunkt.<\/p>\n<p>Loredana&#8217;s Gesch\u00e4ftsgebaren will ich nicht weiter analysieren. Sie hat zun\u00e4chst<br \/>\nmal das getan, was Peter ihr &#8211; fast uneigenn\u00fctzig &#8211; geraten hat. Sp\u00e4ter war nicht so ganz<br \/>\nklar ersichtlich, f\u00fcr oder gegen wen ihre Aktienpolitik gerichtet war. F\u00fcr einen Anf\u00e4nger<br \/>\nist das auch OK so. Einen Plan kann man ja auch nur haben, wenn man ungef\u00e4hr wei\u00df, wohin<br \/>\nder Hase l\u00e4uft. Dazu fehlen ihr bei 1830 noch ein paar Duzend Durchg\u00e4nge. Hoffentlich hat<br \/>\nes Dir trotzdem Spa\u00df gemacht und Du bist beim n\u00e4chsten Mal wieder dabei!<\/p>\n<p>Dein dritter Platz gibt Dir sicherlich nicht die Gewissheit, das Spiel schon zu<br \/>\nbeherrschen. Moritz argumentiert damit ja gegen die Berechenbarkeit des Spieles. Aber da<br \/>\nist der Wunsch der Vater des Argumentes. Gute Anf\u00e4ngerergebnisse liegen nicht an der<br \/>\nUngerechtigkeit des Spieles. Sie liegen einfach daran, da\u00df die Robber-Barons auch<br \/>\nMenschen mit Herz sind, und einem Anf\u00e4nger &#8211; dem grunds\u00e4tzlich ALLE mit Rat und Tat zur<br \/>\nSeite stehen &#8211; keine Steine in den Weg legen. Ein Anf\u00e4nger kann deshalb bei 1830 sogar<br \/>\ngewinnen, wenn niemand gegen ihn spielt, wenn ihm keiner aus Vorsatz die Aktien in den<br \/>\nKeller haut, wenn ihm keiner wichtige Gleisteile verbaut, gegenl\u00e4ufige Streckenbarrieren<br \/>\nerrichtet und b\u00f6sartiger Tokens legt. All das tut man nicht gegen Anf\u00e4nger. Die<br \/>\nRobber-Barons treiben ihr Unwesen vor allem gegeneinander. Und wenn bei der<br \/>\nSelbstzerfleischung die Anf\u00e4nger aus den Augen geraten und sich nach vorne absetzen<br \/>\nk\u00f6nnen, dann ist das Berufsrisiko. Kein Fehldesign des Spielautors. H\u00f6chstenfalls<br \/>\nAnf\u00fcttern der Backfische vor dem Vernaschen!<\/p>\n<p>Und was waren meine Fehler? \u00dcber die Privatgesellschaften wurde ich<br \/>\n<i>BO<\/i>-Pr\u00e4sident habe die Linie in Kooperation mit G\u00fcnther gleich in der ersten Runde<br \/>\ngefloated (+). Nat\u00fcrlich mit hohem Einstiegskurs. Durch viele Loks (3 Zweierloks und 1<br \/>\nDreierlok), die ab der zweiten Runde alle Geld einfuhren, habe ich schnell hohe Einnahmen<br \/>\nerzielt (+). Anschlie\u00dfend habe ich mit der Linie keine konsequente Gesch\u00e4ftspolitik<br \/>\nbetrieben. Ich habe zuviel Geld ausbezahlt (-), und damit die Gesellschaft bei den<br \/>\nanstehenden Investitionen in Liquidit\u00e4tsprobleme gebracht, ohne in die Gelegenheit zu<br \/>\nkommen, die Linie wieder los zu werden (-).<\/p>\n<p>Ich habe meine Shares zu wenig diversifiziert (-), insbesondere mich zu wenig an<br \/>\nAaron&#8217;s Gesellschaften beteiligt, weil man mit solchen Streubesitzen erstens<br \/>\nGentlemen-Agreements erzwingen und zweitens durch taktische Verk\u00e4ufe Einflu\u00df auf die<br \/>\nZugreihenfolge aus\u00fcben kann.<\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich noch mal auf Moritz&#8217; Ausf\u00fchrungen eingehen, es g\u00e4be bei 1830<br \/>\n&#8220;nicht vorhersehbare&#8221; Kettenreaktionen. Das ist eine Fehldiagnose, die auch<br \/>\nschon G\u00fcnther dementiert hat. Wenn ich eine Aktie verkaufe, um beim Gegner die<br \/>\n100%-Ausverkaufsregel zu unterlaufen, dann mu\u00df ich mich vergegenw\u00e4rtigen, da\u00df die<br \/>\nMehrheitsbesitzer dieser Gesellschaft dieses letzte Share wieder kaufen wollen. Wenn sie<br \/>\naber kein Geld mehr haben oder ihr Sharelimit erreicht haben, dann werden sie scharf<br \/>\nrechnen, ob sie ihrerseits nicht auch wieder ein Share verkaufen und damit die<br \/>\nKettenreaktion weiterf\u00fchren. Das ist absolut vorhersehbar.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem mu\u00df man jederzeit damit rechnen, da\u00df Aktien verkauft werden, nur um den<br \/>\nGegnern zu schaden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und wenn es eintritt,<br \/>\nist als Vision klar abzusehen, wo am Ende alle Kurse landen werden. Deswegen<br \/>\ndiversifiziert man ja. Nicht nur, um bei anderen Linien mitverdienen zu k\u00f6nnen, sondern<br \/>\nauch, um durch Besitzstand an Fremd-Aktien die Kurse manipulieren zu k\u00f6nnen und um<br \/>\ngegnerische Manipulationen wegen der Gegenschlag-Drohung ausbremsen zu k\u00f6nnen. Alles sehr<br \/>\nlogisch, alles sehr vorhersehbar und doch sehr komplex zusammengestellt.<\/p>\n<p>1830 ist ein intelligentes Mehr-Personen-Kampfspiel. Es kommt auf das Tagesgeschick<br \/>\ndarauf an, welcher bei gleichwertigen K\u00e4mpfern den Sieg davontragen wird. Wie Kater<br \/>\nziehen wir am Abend hoffnungsvoll auf die Katzenpirsch und wollen uns tapfer schlagen.<br \/>\nMeistens kommt es anders als man denkt. Am Morgen hinken wir dann wieder nach Hause und<br \/>\nlecken unsere Wunden. Aber nicht traurig und depressiv. Sondern voller Erlebnisse. Und<br \/>\nwir freuen uns schon beim Lecken auf den n\u00e4chsten Abend, f\u00fcr den wir uns vornehmen, den<br \/>\ngestrigen Sieger mit noch mehr Geschick, mit noch mehr Tricks, mit einer noch besseren<br \/>\nStrategie \u00fcberlisten zu k\u00f6nnen. Viel Gl\u00fcck!<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1830 &#8211; Spielbericht vom 2.12.2003 Vier hochkar\u00e4tige Robber-Barons und eine Miss Polly trafen sich zu einer Auseinandersetzung um Anteile auf dem umk\u00e4mpften Eisenbahnmarkt der USA. Es geht um Shares, Deals, Priorities und Bankrupts. Der Eingeweihte wei\u00df sofort: es kann sich nur um 1830 handeln. 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