{"id":3946,"date":"2009-06-05T12:00:00","date_gmt":"2009-06-05T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/06\/05\/cultaptation-das-ergebnis-und-ein-beispiel\/"},"modified":"2009-06-05T12:00:00","modified_gmt":"2009-06-05T10:00:00","slug":"cultaptation-das-ergebnis-und-ein-beispiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/06\/05\/cultaptation-das-ergebnis-und-ein-beispiel\/","title":{"rendered":"Cultaptation &#8211; Das Ergebnis und ein Beispiel"},"content":{"rendered":"<h3>Cultaptation &#8211; Das Ergebnis und ein Beispiel<\/h3>\n<p><span class=\"img-shadowr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/Ressourcen3\/cultaptation_t.jpg\" width=\"478\" height=\"181\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/span><\/p>\n<h4>von G\u00fcnther Rosenbaum<\/h4>\n<p>Lange hat es gedauert &#8211; doch mittlerweile ist die Gewinnerstrategie des Cultaptation Wettbewerbs<br \/>\nermittelt worden und die Autoren haben ihren Preis auf der EHBEA 2009 conference in St Andrews<br \/>\nentgegengenommen. Die Strategie &#8220;Discountmachine&#8221; der Autoren Dan Cownden und Tim<br \/>\nLillicrap hat mit gutem Abstand gegen\u00fcber den Konkurrenten gewonnen.<\/p>\n<p>Zitat[1]:<br \/>\n<br \/>\n&#8220;<i>There are a number of ways in which this strategy stands out and that may have contributed<br \/>\nto its success. The first is that it attempts to characterise the environment in a highly<br \/>\ncomprehensive way, extracting a lot of information from its prior experiences, and is responsive to<br \/>\nthat information. The second is that this strategy explicitly makes decisions based on expected<br \/>\nlifetime outcomes, rather than immediate payoff benefits. Finally, the strategy is noteworthy for<br \/>\nthe sophistication of the mathematics it uses to calculate expected payoffs.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Manche Dinge in diesem Wettbewerb scheinen auf der Hand zu liegen &#8211; denn jedem ist es irgendwie<br \/>\nklar, dass das Kopieren einer &#8220;guten&#8221; Aktion (leider kopiert man aber nicht immer nur<br \/>\ngute Aktionen) einfacher ist als das Finden einer guten Strategie durch wiederholte Trial &amp;<br \/>\nError Versuche.<\/p>\n<p>Dazu noch ein weiteres, etwas l\u00e4ngeres Zitat aus den Wettbewerbsregeln[2], welches den Stand der<br \/>\naktuellen Forschungen wiedergibt; ich m\u00f6chte jedem empfehlen, diesen Absatz vorab und in Ruhe<br \/>\ndurchzulesen:<\/p>\n<p>&#8220;<i>It is commonly assumed that social learning is inherently worthwhile. Individuals are<br \/>\ndeemed to benefit by copying because they take a short cut to acquiring adaptive information,<br \/>\nsaving themselves the costs of asocial (e.g. trial-and-error) learning. Copying, it is assumed, has<br \/>\nthe advantage that individuals do not need to re-invent technology, devise novel solutions, or<br \/>\nevaluate environments for themselves. Intuitive though this argument may be, it is flawed (Boyd<br \/>\n&amp; Richerson 1985; Boyd &amp; Richerson 1995; Rogers 1988; Giraldeau et al. 2003). Copying<br \/>\nothers per se is not a recipe for success. This is easy to understand if social learning is<br \/>\nregarded as a form of parasitism on information (Giraldeau et al. 2003): asocial learners are<br \/>\ninformation producers, while social learners are information scroungers. Game-theoretical models of<br \/>\nproducer-scrounger interactions reveal that scroungers do better than producers only when fellow<br \/>\nscroungers are rare, while at equilibrium their payoffs are equal (Barnard &amp; Sibly 1981).<br \/>\nSimilarly, theoretical analyses of the evolution of social learning in a changing environment (e.g.<br \/>\nBoyd &amp; Richerson 1985; Boyd &amp; Richerson 1995; Rogers 1988; Feldman et al. 1996) reveal that<br \/>\nsocial learners have higher fitness than asocial learners when copying is rare, because most<br \/>\n&#8216;demonstrators&#8217; are asocial learners who will have sampled accurate information about the<br \/>\nenvironment at some cost. As the frequency of social learning increases, the value of copying<br \/>\ndeclines, because the proportion of asocial learners producing reliable information appropriate to<br \/>\nthe observer is decreasing. An equilibrium is reached with a mixture of social and asocial learning<br \/>\n(Enquist et al. 2007). These mathematical analyses, together with more conceptual theory (e.g.<br \/>\nGalef 1995), imply that copying others indiscriminately is not adaptive; rather, individuals must<br \/>\nuse social learning selectively, and learn asocially some of the time. Natural selection in animals<br \/>\ncapable of social learning ought to have fashioned specific adaptive social learning strategies<br \/>\nthat dictate the circumstances under which individuals will exploit information provided by others<br \/>\n(Boyd &amp; Richerson 1985; Henrich &amp; McElreath 2003; Laland 2004; Schlag 1998). At present, it<br \/>\nis not clear which social learning strategy, if any, is best. The tournament has been set up to<br \/>\naddress this question.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Es galt also eine Strategie zu finden, die<\/p>\n<ul>\n<li>den optimalen Zeitpunkt und die optimale H\u00e4ufigkeit von sozialem Lernen (Observe) nutzt,<\/li>\n<li>die gelernten und ausgef\u00fchrten Aktionen der Vergangenheit analysiert und daraus<br \/>\nSchlussfolgerungen f\u00fcr die Zukunft zieht,<\/li>\n<li>bei Bedarf auch gelegentlich asoziales (Innovate) Lernen nutzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bevor ich aber die Ergebnisse noch etwas detaillierter betrachte, m\u00f6chte ich meine eigene<br \/>\nStrategie etwas erl\u00e4utern; wer m\u00f6chte, kann sich auch den Java und Mathlab Code im Detail<br \/>\nanschauen[5].<\/p>\n<p>In der paarweisen Simulation (nur die betrachte ich hier) treten jeweils 2 gegnerische<br \/>\nStrategien \u00fcber 10000 Runden gegeneinander an &#8211; die besser an die Umgebung angepasste Strategie<br \/>\nwird sich dabei h\u00e4ufiger vermehren und den Gegner in seine Schranken verweisen! (F\u00fcr den genauen<br \/>\nAblauf der Simulationen siehe [2])<\/p>\n<p>Jede Strategie hat folgende 3 Aktionsm\u00f6glichkeiten in jeder Runde:<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>EXPLOIT (benutzen)Dies ist die wichtigste und vermutlich h\u00e4ufigste aller Aktionen.<br \/>\n<br \/>\nIndem ich eine in einer fr\u00fcheren Runde gelernte Aktion meines Repertoires benutze, erhalte ich<br \/>\neinen Ertrag und st\u00e4rke damit meine Fitness (wenn der Ertrag gen\u00fcgend hoch ist) &#8230; und bei h\u00f6herer<br \/>\nFitness ist meine Fortpflanzungsrate h\u00f6her.<\/li>\n<li>OBSERVE (nachahmen, kopieren, soziales Lernen)<br \/>\n<br \/>\nBei Observe lerne ich eine der Aktionen, die ein zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlter Simulationsteilnehmer in der<br \/>\nVorrunde ausgef\u00fchrt hatte. Wenn ich davon ausgehe, dass dessen Strategie eine ertragreiche Aktion<br \/>\ngew\u00e4hlt hatte und ich diese Aktion noch nicht kannte, dann habe ich jetzt auch eine gute Aktion in<br \/>\nmeinem Repertoire.<br \/>\n<br \/>\nLeider (oder vielleicht gl\u00fccklicherweise) ist das Abschauen auch fehlerbehaftet; der Ertrag ist<br \/>\netwas verf\u00e4lscht und manchmal geht das Abkupfern v\u00f6llig in die Hose &#8211; ich erhalte dann eine<br \/>\nzuf\u00e4llige Aktion (\u00e4hnlich zu Innovate!).<br \/>\n<br \/>\nIn der zweiten Stufe des Wettbewerbes war es auch m\u00f6glich, dass ein OBSERVE nicht nur eine Aktion<br \/>\nerlernt, sondern bis zu 6 Aktionen!<\/li>\n<li>INNOVATE (Trial&amp;Error, asoziales Lernen)<br \/>\n<br \/>\nHierbei erlerne ich zuf\u00e4llig eine der 100 Aktionen (inklusive des Ertrages) der<br \/>\nSimulationsumgebung. Dies kann eine gute, schlechte oder sogar schon bekannte Aktion sein. Die<br \/>\nErtr\u00e4ge einer gelernten Aktion \u00e4ndern sich \u00fcber die Zeit mit einer festen, aber unbekannten<br \/>\nWahrscheinlichkeit.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dummerweise wei\u00df ich auch nicht im voraus, welche Werte die Ertr\u00e4ge annehmen k\u00f6nnen &#8211; ist 20<br \/>\nschon ein hoher Ertrag oder erst 150? Eine Aktion, die momentan 50 bringt, kann in wenigen Runden<br \/>\nnur noch 0 wert sein &#8211; denn diese Ertr\u00e4ge sind Zufallsvariablen.<\/p>\n<p>Eine vermutlich gute Aktion werde ich h\u00e4ufig so lange benutzen (Exploit), bis sich pl\u00f6tzlich der<br \/>\nErtrag ver\u00e4ndert: Man beachte, dass man in diesem Fall wieder so etwas wie ein Innovate ausf\u00fchrt &#8211;<br \/>\ndie Aktion erh\u00e4lt einen neuen, zuf\u00e4lligen Ertragswert!<\/p>\n<p>Mehrere unabh\u00e4ngige Wahrscheinlichkeitsverteilungen beeinflussen die Umwelt w\u00e4hrend einer<br \/>\nSimulationsreihe; diese Verteilungen werden vor einem Durchgang fixiert und \u00e4ndern sich dann f\u00fcr<br \/>\neine ganze Testreihe nicht mehr (ein Individuum kann also w\u00e4hrend seiner Lebenszeit von<br \/>\ndurchschnittlich 50 Jahren diese Parameter zu sch\u00e4tzen versuchen). Dummerweise kannte man vor dem<br \/>\nWettbewerb nur einige grobe Eckwerte dieser Parameter &#8211; einige Dinge sind auch im Nachhinein noch<br \/>\nnicht komplett offengelegt.<\/p>\n<p>Jedes Individuum innerhalb der Simulation hat jede Runde (aber unabh\u00e4ngig vom Alter!) eine<br \/>\nSterbewahrscheinlichkeit von 2%. &#8211; stirbt jemand, so sofort wieder ein Kind geboren. Um die<br \/>\nStrategie des Kindes festzulegen, wird ein &#8220;Vorfahre&#8221; aus allen 100 Individuen (eigene<br \/>\nund gegnerische) zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt &#8211; wobei die Auswahlwahrscheinlichkeit proportional zur Fitness<br \/>\n(durchschnittlicher Ertrag pro Runde) gew\u00e4hlt wird. Zus\u00e4tzlich tritt mit 2% Wahrscheinlichkeit noch<br \/>\neine Mutation auf, bei der der Nachfolger eine gegnerische Strategie nutzt.<\/p>\n<p>Jedes Individuum hat nur die Informationen aller gelernten oder ausgef\u00fchrten Aktionen seit<br \/>\nseiner Geburt als Entscheidungskriterium f\u00fcr seinen n\u00e4chsten Zug zur Verf\u00fcgung: Wie w\u00fcrdet ihr<br \/>\njetzt eine gute Strategie formulieren, die m\u00f6glichst fit ist, um sich gut fortzupflanzen und die<br \/>\nsich gegen die Mutanten erfolgreich wehrt?<\/p>\n<p>Aufgrund der vielen Unbekannten dreht man sich da immer wieder im Kreis&#8230;<\/p>\n<p>Meine Strategie &#8220;StabilityObserver&#8221; habe ich dann folgenderma\u00dfen festgelegt:<\/p>\n<ul>\n<li>Um immer etwa 2% Innovationen (und damit &#8220;frisches Blut&#8221;) im eigenen Volk zu haben,<br \/>\nwurde in der ersten Runde eines jeden Individuums immer INNOVATE ausgef\u00fchrt.(Nat\u00fcrlich muss man<br \/>\nnicht selbst Innovate ausf\u00fchren &#8211; es gen\u00fcgt auch, dass gegnerische Individuen dies tun und man dies<br \/>\ndann kopiert). Die zweite und dritte Runde bestanden dann aus OBSERVE und EXPLOIT.<\/li>\n<li>Die Strategie sch\u00e4tzt die Stabilit\u00e4t ihrer Umgebung (payoff mutation rate), indem sie<br \/>\nberechnet, wie lange die ausgef\u00fchrten Aktionen in ihrer Vergangenheit ihren Ertrag nicht gewechselt<br \/>\nhaben. Der Mittelwert hiervon ist in etwa der Kehrwert der payoff mutation rate.<\/li>\n<li>Wenn die Stabilit\u00e4t der Umgebung gering ist (die Ertr\u00e4ge bleiben nur kurze Zeit stabil), dann<br \/>\nmacht es keinen Sinn Zeit zu verschwenden und immer wieder etwas Neues zu lernen. In diesem Fall<br \/>\nsollten die vorhandenen Aktionen einfach benutzt werden (und seltener gelernt werden).<\/li>\n<li>Ist die Stabilit\u00e4t der Umgebung sehr hoch, so wechseln die Ertr\u00e4ge der Aktionen nur sehr<br \/>\nselten. Um zu vermeiden, dass wir eine ung\u00fcnstige Aktion zu lange benutzen, wird jede 10te Runde<br \/>\nein OBSERVE eingeschoben &#8211; ansonsten wird die beste bekannte Aktion mit EXPLOIT benutzt.<\/li>\n<li>Bei mittlerer Stabilit\u00e4t wird immer dann ein OBSERVE eingeschoben, wenn der Ertrag der aktuell<br \/>\nausge\u00fcbten Aktion unterhalb des oberen Quartils aller bisher in der eigenen Lebensdauer gesehenen<br \/>\nErtr\u00e4ge rutscht. Nach einem OBSERVE kommt aber immer erst ein EXPLOIT.<\/li>\n<li>Die Umsetzung dieser Vorgaben ins Programm geschah eher qualitativ &#8211; die echten Zahlenwerte f\u00fcr<br \/>\ndie Begriffe\/Parameter in der obigen Beschreibung habe ich dann durch Testsimulationen heuristisch<br \/>\nbestimmt(wobei die Bereiche gleitend ineinander \u00fcbergehen).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum hei\u00dft die Strategie &#8220;StabilityObserver&#8221;? Nun, weil sie einerseits die Stabilit\u00e4t<br \/>\nihrer Umwelt &#8220;beobachtet&#8221; und andererseits fast ausschlie\u00dflich durch &#8220;OBSERVE&#8221;<br \/>\nlernt!<\/p>\n<p>Einen Link auf die eingereichten Wettbewerbsunterlagen mit Java-Code sowie die Umsetzung auf<br \/>\nMatlab-Code findet Ihr am Ende dieses Berichtes [5].<\/p>\n<p>Nun, diese Strategie hat es nur (immerhin?) bis auf Platz 11 von 104 Einsendungen geschafft.<br \/>\nAber wie sah die Strategie des Siegers &#8220;Discountmachine&#8221; aus?<\/p>\n<p>Hier eine grobe Beschreibung der Siegstrategie; Zitat[ 1]:<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">Our creature does three major things:<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">First it estimates\/calculates, what we believe to be all the<br \/>\npertinent parameters of the simulation as well as a few other quantities that we believe to be<br \/>\nuseful. These are P_c, the mean of the payoff distribution, the mean of of the observed values, the<br \/>\ncorrelation between observe and exploit values of the same action, N_observe, and where applicable<br \/>\nthe number of data points used to make these estimates.<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">Second it uses some of these parameters to estimate the expected<br \/>\npayoff for performing each action in its repertoire. Once it has a best exploit chosen from its<br \/>\nrepertoire it compares the value of Exploiting to the value of Observing using a geometric<br \/>\ndiscounting scheme based on our estimate of P_c and the given probability of death.<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">Lastly a machine learned function, takes into account N_observe and<br \/>\nthe estimates on the reliability of observing and P_c to adjust the value of Observing accordingly.<br \/>\nOur creature then chooses whichever action has the higher perceived value, Observing or Exploiting.<br \/>\nAs a side note our creature only Innovates when it has an empty repertoire and observe doesn&#8217;t<br \/>\nwork, which typically is only on the first turn of a simulation.<\/p>\n<p>Worin liegt nun der Unterschied zu meiner Strategie?<\/p>\n<p>So wie es aussieht, werden hier wohl die verschiedenen variablen Parameter der Umwelt recht<br \/>\ngenau gesch\u00e4tzt (ich habe nur einen einzigen Parameter grob gesch\u00e4tzt).<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend versucht man, die erwarteten zuk\u00fcnftigen Ertr\u00e4ge einer EXPLOIT und einer OBSERVE<br \/>\nAktion abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Ein vereinfachtes Beispiel:<\/p>\n<p>Gehen wir von einer recht variablen Umgebung aus, in welcher Aktionen im Mittel nur etwa 5<br \/>\nRunden stabil sind. F\u00fchre ich nun z.B. 5-mal eine Aktion mit dem Ertrag 100 aus, so habe ich hier<br \/>\nalso eine Fitness von 500\/5 = 100.<\/p>\n<p>F\u00fchre ich aber zuerst ein OBSERVE (hat immer Ertrag 0) durch und lerne tats\u00e4chlich eine bessere<br \/>\nAktion mit Ertrag 110, so erhalte ich eine Fitness von 0+110+110+110+110+110\/6 = 550\/6 = ca. 92.<br \/>\nOBSERVE w\u00e4re hier also die schlechtere Alternative!<\/p>\n<p>Hat man also gute Sch\u00e4tzwerte der Parameter, so kann man recht gute Entscheidungen treffen (wohl<br \/>\nnoch unterst\u00fctzt durch entsprechende Abzinsung der zuk\u00fcnftigen Ertr\u00e4ge).<\/p>\n<p>Bei mir ist das ungenauer, mehr auf qualitativer denn auf quantitativer Weise geschehen. Zu<br \/>\nguter Letzt habe ich die vermeintlich geringen Effekte der &#8220;Kopierfehler&#8221; einfach<br \/>\nignoriert.<\/p>\n<p>Eine extrem vereinfachte Form des Wettbewerbes (kein OBSERVE, stabile Umgebung,<br \/>\nVerteilungsfamilie der Aktionswerte bekannt, etc. &#8230;) wurde in [3] nach dem Wettbewerb<br \/>\nmathematisch analysiert: Als Kind lernen (INNOVATE), mit mathematischen Methoden den optimalen<br \/>\nStoppzeitpunkt f\u00fcr den Abbruch des Lernens bestimmen und dann bis zum Lebensende arbeiten (EXPLOIT)<br \/>\n&#8230; das ist dort die traurige Wahrheit f\u00fcr ein optimales Individuum!<\/p>\n<p>Einen solchen optimalen &#8220;Smart Innovator&#8221; habe ich in der eigenen Simulationsumgebung<br \/>\nbei stabiler Umgebung gegen den StabilityObserver antreten lassen: Es ist wohl klar, dass der Smart<br \/>\nInnovator ohne &#8220;Observe&#8221; keine Chance gegen den StabilityObserver hatte!<\/p>\n<p>In [7] wird der Ansatz des Smart Innovators nochmal etwas modifiziert: Will man die<br \/>\nFortpflanzungswahrscheinlichkeit optimieren, so muss man manchmal schon als Kind EXPLOIT nutzen.<br \/>\nTja, kommt man etwas n\u00e4her an die realen Wettbewerbsbedingungen, so wird es auch schon wieder etwas<br \/>\nkomplizierter&#8230; Des weiteren muss man beachten, dass &#8220;einfache&#8221; optimale<br \/>\nStrategien\/Nash-Gleichgewichte auch nur einen garantierten Ertrag gegen jeden Gegner garantieren &#8211;<br \/>\nbei Wettbewerben muss man allerdings auch und gerade schwache Gegner m\u00f6glichst hoch besiegen um<br \/>\neine hohe Gesamtpunktzahl zu erreichen.<\/p>\n<p>Interessant und \u00fcberraschend war die Strategie des Zweitplazierten &#8220;Intergeneration&#8221;.<br \/>\nZitat[1]:<\/p>\n<p>&#8220;<i>My main idea is (although it seems not be as good as I expected) that an important<br \/>\ninformation for the young is, how much is the &#8220;good&#8221; payoff (with how much I can be<br \/>\nhappy). If I have so much or more, I would just EXPLOIT until it changes, otherwise I would 8 times<br \/>\nexploit and once observe.<\/i><\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">The important trial is that the old could &#8220;say&#8221; something<br \/>\nto the young, by &#8220;signaling&#8221; something to the young. The signal consists of doing an act<br \/>\nwhose number is divisible by 8. If the fraction is 1,2,3,4 this means that &#8220;payoff 8 is very<br \/>\ngood&#8221;, 5,6,7,8 means &#8220;payoff 20 is very good&#8221; and 9,10,11,12 means &#8220;payoff 40<br \/>\nis very good&#8221;.<\/p>\n<p><i>If the old does not have this in his repertoire, he innovates. If he has more than one of<br \/>\nthese 4 possible &#8220;symbol&#8221; acts, he uses that with highest payoff &#8212; because it is a<br \/>\nhigher chance that this will diffuse. Even the &#8220;opponent&#8221; can help spread out this<br \/>\nsignal, without knowing that.<\/i> &#8220;<\/p>\n<p>Huch! Das sieht ja so aus, als wollte da jemand schummeln, denn laut Regeln gibt es eigentlich<br \/>\nkeinen Kontakt und Informationsaustausch zwischen verschiedenen Individuen! Luke Rendell, einer der<br \/>\nOrganisatoren des Wettbewerbes sagt dazu:<\/p>\n<p>&#8220;<i>We thought about whether it was cheating or not but decided to let it go. I am<br \/>\ninvestigating the properties of this strategy in more detail right now. I think that the<br \/>\n&#8216;signalling&#8217; part of the strategy made very little difference \u2026<\/i> &#8220;<\/p>\n<p>Intergeneration war wohl aber auch der einzige Teilnehmer, der etwas grenzwertige Methoden<br \/>\nbenutzte &#8211; alle anderen haben sich nicht nur dem Worte sondern auch dem Sinne nach an die Regeln<br \/>\ngehalten.<\/p>\n<p>Es wird sicherlich auch noch eine wissenschaftliche Auswertung der besten Strategien geben &#8211; da<br \/>\nbin ich schon drauf gespannt (z.B. [6]); auch die Organisatoren werden hierzu noch Informationen<br \/>\nver\u00f6ffentlichen (aber im Moment noch nicht verf\u00fcgbar)!<\/p>\n<p>Die besten Strategien in diesem Wettbewerb waren sicherlich nicht so elegant und allgemein<br \/>\nverst\u00e4ndlich wie damals die &#8220;Tit for Tat&#8221; Strategie im Wettbewerb von Axelrod; viele<br \/>\nTeilnehmer haben zul\u00e4ssige mathematische Methoden benutzt &#8211; dies hat nat\u00fcrlich nichts mit Mogeln zu<br \/>\ntun und ist auch bei vielen anderen Spielanalysen und Strategien notwendig!<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte es auch einen Folgewettbewerb geben&#8230; zumindest klang das so aus einem<br \/>\nNebensatz in einer Mail von Luke Rendell heraus.<\/p>\n<p>Lassen wir uns \u00fcberraschen!<\/p>\n<p align=\"right\"><i>G\u00fcnther Rosenbaum <\/i>  <\/p>\n<p>[1] Social Learning Strategies Tournament<br \/>\n<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.intercult.su.se\/cultaptation\/tournament\/Social_Learning_Strategies_Tournament_Final_Results_release.pdf\" target=\"_blank\">Details of Stage II and Final Results<\/a><br \/>\n<br \/>\nLuke Rendell and Kevin Laland, University of St Andrews<br \/>\n<br \/>\nJanuary 5, 2009<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.intercult.su.se\/cultaptation\/tournament\/Social_Learning_Strategies_Tournament_Stage_1_Results_Web.pdf\" target=\"_blank\">Details of Stage I Results<\/a><br \/>\n<br \/>\nLuke Rendell and Kevin Laland, University of St Andrews<br \/>\n<br \/>\nNovember 26, 2008<\/p>\n<p>[2] Social Learning Strategies Tournament<br \/>\n<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.intercult.su.se\/cultaptation\/tournament\/Social_Learning_Strategies_Tournament_Rules_for_entry.pdf\" target=\"_blank\">Rules for entry<\/a><br \/>\n<br \/>\nKevin Laland and Luke Rendell, University of St Andrews<br \/>\n<br \/>\n4th January 2008<\/p>\n<p>[3]<a href=\"http:\/\/www.aaai.org\/Papers\/ICCCD\/2008\/ICCCD08-003.pdf\" target=\"_blank\">When<br \/>\nInnovation Matters: An Analysis of Innovation in a Social Learning Game<\/a><br \/>\n<br \/>\nRyan Carr, Eric Raboin, Austin Parker, Dana Nau ICCCD 2008 Proceedings<\/p>\n<p>[4]<a href=\"http:\/\/www.intercult.su.se\/publications\/Enquist_&amp;_Ghirlanda_2007.pdf\" target=\"_blank\">Evolution of social learning does not explain the origin of human cumulative culture<\/a><br \/>\n<br \/>\nMagnus Enquist, Stefano Ghirlanda, 2006<\/p>\n<p>[5] StabilityObserver (<a href=\"http:\/\/www.rosenbaum-games.de\/wpg\/cultaptation\/strat_j.doc\" target=\"_blank\">Java<\/a>) &#8211; (<a href=\"http:\/\/www.rosenbaum-games.de\/wpg\/cultaptation\/strat_m.doc\" target=\"_blank\">Matlab<\/a>)<\/p>\n<p>[6] <a href=\"http:\/\/www.aamas-conference.org\/Proceedings\/aamas09\/pdf\/02_Extended_Abstract\/D_SP_0809.pdf\" target=\"_blank\">Within Epsilon of Optimal Play in the Cultaptation Social Learning Game<\/a><br \/>\n<br \/>\nRyan Carr, Eric Raboin, Austin Parker, and Dana Nau (Short Paper)<br \/>\n<br \/>\nAAMAS 2009.<\/p>\n<p>[7] <a href=\"http:\/\/www.cs.umd.edu\/~nau\/papers\/raboin08balancing.pdf\" target=\"_blank\">Balancing<br \/>\nInnovation and Exploitation in a Social Learning Game<\/a><br \/>\n<br \/>\nEric Raboin, Ryan Carr, Austin Parker, Dana Nau, 2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cultaptation &#8211; Das Ergebnis und ein Beispiel von G\u00fcnther Rosenbaum Lange hat es gedauert &#8211; doch mittlerweile ist die Gewinnerstrategie des Cultaptation Wettbewerbs ermittelt worden und die Autoren haben ihren Preis auf der EHBEA 2009 conference in St Andrews entgegengenommen. Die Strategie &#8220;Discountmachine&#8221; der Autoren Dan Cownden und Tim Lillicrap hat mit gutem Abstand gegen\u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/06\/05\/cultaptation-das-ergebnis-und-ein-beispiel\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Cultaptation &#8211; Das Ergebnis und ein Beispiel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3946","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende"],"views":15,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3946"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3946\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}