{"id":528,"date":"2010-04-04T12:40:27","date_gmt":"2010-04-04T11:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=528"},"modified":"2010-04-04T12:40:27","modified_gmt":"2010-04-04T11:40:27","slug":"bewegliche-ziele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/04\/04\/bewegliche-ziele\/","title":{"rendered":"Bewegliche Ziele"},"content":{"rendered":"<p>Eine kleine Gemeinschaft von Spieleentwicklern bringt in mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden neue Varianten der 18xx-Eisenbahnspielreihe heraus. Neben den wenigen gr\u00f6\u00dferen Verlagen, die den Mut haben, ein professionell gestaltetes 18xx-Spiel f\u00fcr die kleine Fan-Gemeinde herauszubringen, gibt es inzwischen einige engagierte 18xx-Autoren, die ihre Spiele in hervorragender Aufmachung anbieten. Ein solches Prachtst\u00fcck, noch in seiner Prototypform,  durften G\u00fcnther und Aaron k\u00fcrzlich kennenlernen.<\/p>\n<p><strong>1880 &#8211; China<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber drei\u00dfig 18xx-Varianten sind inzwischen erschienen und man ist geneigt zu fragen, was au\u00dfer einer neuen L\u00e4nderkarte denn noch wesentlich Neues bei einem 18xx-Spiel entwickelt werden kann. Und hier ist 1880-China eine wirkliche \u00dcberraschung. Helmut Ohley und Lonny Orgler (Double-O Games) haben sich f\u00fcr ihr Spiel ein paar Mechanismen einfallen lassen, die das etwas angestaubte 18xx-Konzept in neuem Glanz erscheinen lassen, ohne dabei auf Bew\u00e4hrtes zu verzichten.<a href=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-533\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b4.jpg\" alt=\"Spielplan\" width=\"300\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b4.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b4-110x150.jpg 110w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b4-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der folgende Text beschreibt nur diese Neuerungen und der mit dem 18xx-Konzept noch nicht vertraute Leser m\u00f6ge sich anhand der vielen 1830-Artikel auf unserer Web-Site \u00fcber die wesentlichen Prinzipien informieren.<\/p>\n<p>Neben den bereits bekannten Privatgesellschaften mit ihren jeweiligen Sondereigenschaften und konstanten Ertr\u00e4gen gibt es als erste Neuerung die ausl\u00e4ndischen Investoren, die in den ersten Spielphasen agieren. Jeder Spieler sucht sich nach der Versteigerung der Privatgesellschaften einen der sieben Investoren aus, deren Heimatbahnh\u00f6fe bunt \u00fcber den Spielplan verteilt sind. In den anschlie\u00dfenden Betriebsrunden baut dann der Spieler vom jeweiligen Heimatbahnhof eine Bahnstrecke, die sogleich mit der gerade zum Verkauf stehenden Lok befahren wird, ohne dass diese erworben werden muss. Das Einfahrergebnis landet vorerst in der Kasse des Investors. Der Investor ist zudem fest an die erste vom jeweiligen Spieler gegr\u00fcndete Eisenbahngesellschaft gebunden und beide haben das Ziel, ihre Netze miteinander zu verbinden. Sobald dies geschieht, verschmilzt der Investor mit der ihm zugeordneten Gesellschaft und sein bis dahin eingefahrenes Kapital geht zu mindestens 80% an diese Gesellschaft; die restlichen maximal 20% darf der Direktor der Gesellschaft einsacken.<\/p>\n<p>Die Wahl der Gesellschaft\/Investor-Kombination bietet einerseits neue taktische M\u00f6glichkeiten im Streckenbau und andererseits neue Herausforderungen durch das notwendige Timing des Zusammenschlusses der beiden Netze. Gleichzeitig ist jeder Spieler mit Beginn der ersten Betriebsrunde aktiv mit mindestens 2 Linien am Streckenbau und den Einfahrergebnissen beteiligt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-534\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b1.jpg\" alt=\"Betriebsrundenleiste\" width=\"75\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b1.jpg 75w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b1-28x150.jpg 28w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b1-56x300.jpg 56w\" sizes=\"auto, (max-width: 75px) 100vw, 75px\" \/><\/a>Die wohl bemerkenswerteste Neuerung ist die variable Anzahl an Betriebsrunden oder, wie der Autor sagte, der variable Zeitpunkt der Aktienrunde. Wie gewohnt legt jeder Direktor bei der Firmengr\u00fcndung den Initialwert seiner Aktie fest. Dieser kann bei 1880-China einen von vier Werten annehmen: 70, 80, 90 und 100. Anders als bei anderen 18xx-Spielen gibt es eine Platzierungsleiste &#8211; eigentlich ein Platzierungsring &#8211; mit einer festen Anzahl an Initialwertpositionen: 4&#215;70, 2&#215;80, 2&#215;90 und 4&#215;100). Der Spieler legt beim Kauf der Direktoraktie einen Gesellschaftsp\u00f6ppel auf einen beliebigen freien Platz dieser Leiste und bestimmt damit<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<ul>\n<li>wie \u00fcblich den Initialpreis der Aktien der Gesellschaft und<\/li>\n<li>die Position der Gesellschaft in der Abarbeitungsreihenfolge der Betriebsrunde. Diese liegt damit f\u00fcr die gesamte Spieldauer fest und \u00e4ndert sich nicht bei Aktienkurs\u00e4nderungen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<p>Zus\u00e4tzlich dient diese Platzierungsleiste zur Steuerung der Betriebsrundenanzahl. Sie wird zyklisch abgearbeitet, d.h. hat die letzte Gesellschaft der Leiste ihre Betriebsphase beendet, beginnt eine neue Betriebsrunde bei der ersten.<\/p>\n<p>Aber wann gibt es eine Aktienrunde? Ein kleiner Markierungsp\u00f6ppel  kennzeichnet dabei diejenige Gesellschaft, die als letzte eine Lok gekauft hat. Wenn nun, analog dem Passen der Spieler in der Aktienrunde, keine nachfolgende Gesellschaft mehr eine Lok gekauft hat, gibt es vor der Ausf\u00fchrung der Betriebsrunde der markierten Gesellschaft eine Aktienrunde. Au\u00dferdem gibt es sofort eine Aktienrunde, wenn die letzte Lok eines Pakets gekauft wurde.<\/p>\n<p>Damit bekommen die Lokk\u00e4ufe eine neue Dimension, da hier\u00fcber in Grenzen beeinflusst werden kann, wann eine Aktienrunde stattfindet. Je nach aktuellem Einfahrergebnis und der pers\u00f6nlichen Bargeldsituation kann es sinnvoll sein, die Aktienrunde durch den Kauf einer Lok hinauszuz\u00f6gern bzw. bewusst herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-539\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b2.jpg\" alt=\"Beijing\" width=\"300\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b2.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b2-150x124.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Nach der Aktienrunde wird die Betriebsrunde der zuletzt agierenden Gesellschaft ggf. noch zu Ende gef\u00fchrt und dann mit der n\u00e4chsten auf der Leiste fortgefahren. Hiermit hat ein Spieler die M\u00f6glichkeit durch entsprechende Festlegung des Initialpreises auch in den sp\u00e4teren Spielphasen eine neu gegr\u00fcndete Gesellschaft bereits unmittelbar nach der Aktienrunde in Betrieb gehen zu lassen, um so zum Beispiel die letzte &#8211; oder erste &#8211; Lok eines Pakets kaufen zu k\u00f6nnen. Dieses Element der variablen Anzahl an Betriebsrunden gepaart mit der zyklischen Abarbeitung der Gesellschaften in der Betriebsrunde verschafft 1880-China eine v\u00f6llig neue Dynamik, die wohl\u00fcberlegt gesteuert werden will.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-542\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b3.jpg\" alt=\"Investor\" width=\"250\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b3.jpg 250w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/1880_b3-132x150.jpg 132w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Abschlie\u00dfend noch zwei weitere Neuerungen, die sich harmonisch in das Gesamtkonzept einf\u00fcgen. Da ist zum einen die M\u00f6glichkeit, eine variable Anzahl an Aktien als Direktorpaket zu kaufen. Das \u201enormale&#8221; Paket hat wie \u00fcblich 20% der Aktien, daneben gibt es aber alternativ die M\u00f6glichkeit, gleich ein 30% oder gar 40% Paket zu kaufen. Je nach Spielphase m\u00fcssen immer gr\u00f6\u00dfere Pakete gekauft werden, was die Gr\u00fcndung neuer Gesellschaften gerade in der sp\u00e4ten Mittelphase des Spiels verz\u00f6gert. Gleichzeitig haben gr\u00f6\u00dfere Direktorpakete den Nachteil, dass deren Gesellschaft in weniger Spielphasen bauen darf. W\u00e4hrend man bei einem 20%-Paket noch in drei Phasen Gleise und Bahnh\u00f6fe legen darf, also z.B. in der gelben, gr\u00fcnen und braunen Phase, darf man bei einem 40%-Paket nur noch in einer einzigen, w\u00e4hlbaren Phase bauen.  Gerade in der braunen Phase gestartete Gesellschaften haben dann das Problem, entweder nur in der braunen oder nur in der sp\u00e4teren grauen Phase bauen zu d\u00fcrfen, w\u00e4hrend die fr\u00fch in der gelben Phase gestarteten Gesellschaften in der grauen Phase dann nicht mehr bauen d\u00fcrfen. Neben den daraus resultierenden taktischen M\u00f6glichkeiten beschleunigt diese Neuerung die Betriebsphasen der letzten Runden deutlich.<\/p>\n<p>Die letze Neuerung ist eine Besonderheit der \u00fcblichen zweidimensionalen Aktienkurstabelle. Die Kurssteigerungen bei Aussch\u00fcttungen sind eher gering, so dass auch bei h\u00e4ufigem Aussch\u00fctten die Kurse nicht explodieren. Gleichzeitig zahlen Gesellschaften einen vom Einfahrergebnis unabh\u00e4ngigen Bonus aus, der umso h\u00f6her ausf\u00e4llt, je h\u00f6her der Aktienkurs ist. Beide Mechanismen sorgen daf\u00fcr, dass auch bereits lange fahrende Gesellschaften noch nachgekauft oder \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen, und dass trotzdem gen\u00fcgend Geld in die Kasse der Gesellschaft bzw. des Direktors kommt, um weiter investieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>1880-China ist mit seinen neuen Mechanismen eine erfrischend moderne Variante des 18xx-Prinzips, die sich positiv von seinen Urv\u00e4tern abhebt. Ohley und Orgler haben hier w\u00e4hrend der  vielen Monaten Entwicklungszeit ganze Arbeit geleistet und einen neuen Stern am 18xx-Himmel geschaffen und wird im Oktober dieses Jahres in der von Double-O Games gewohnten hervorragenden Materialqualit\u00e4t erscheinen.<\/p>\n<p>Ein kleiner Wermutstropfen noch zum Schluss: was wohl keinen wirklichen 18xx-Geek abschrecken wird, ist die nicht unbetr\u00e4chtliche Spieldauer von 6 Stunden. Bis Oktober soll es zwar die notwendigen Konfigurationsparameter f\u00fcr Lemmis 18xx-Moderationsprogramm geben, was dann die langwierige Geldauszahlung und -wechselei hinf\u00e4llig macht. Aber die Spieldauer wird damit immer noch 4 Stunden betragen und die Bedienung des Moderationsprogramms ist nichts f\u00fcr Gelegenheitsspieler. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn ein Spiel wie 1880-China auch in einer Kurzvariante mit halber Spielzeit erschiene&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Gemeinschaft von Spieleentwicklern bringt in mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden neue Varianten der 18xx-Eisenbahnspielreihe heraus. Neben den wenigen gr\u00f6\u00dferen Verlagen, die den Mut haben, ein professionell gestaltetes 18xx-Spiel f\u00fcr die kleine Fan-Gemeinde herauszubringen, gibt es inzwischen einige engagierte 18xx-Autoren, die ihre Spiele in hervorragender Aufmachung anbieten. 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