{"id":554,"date":"2010-04-15T01:46:50","date_gmt":"2010-04-15T00:46:50","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=554"},"modified":"2010-04-15T09:24:12","modified_gmt":"2010-04-15T08:24:12","slug":"14042010-gallier-und-teutonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/04\/15\/14042010-gallier-und-teutonen\/","title":{"rendered":"14.04.2010: Gallier und Teutonen"},"content":{"rendered":"<p>Vom geplanten aber abgeblasenen Streik der Lufthansapiloten w\u00e4re der eine oder andere von uns vielleicht betroffen gelesen. Vom gleichzeitig in Frankreich stattfindenden Eisenbahnerstreik wohl kaum. Au\u00dfer Hans. Gestern kam seine Mail hier an:<br \/>\n\u201eMeine R\u00fcckreise aus dem Frankreichurlaub l\u00e4uft ganz und gar nicht wie geplant &#8230; und kann noch dauern. Ein Eisenbahnerstreik begann am vergangenen Mittwoch, meinem ersten geplanten R\u00fcckreisetag. Am Sonntag hatte meine Mitfahrgelegenheit kurz nach Abfahrt eine spektakul\u00e4re Panne, und heute fahren in der Region wieder keine Z\u00fcge. Es nervt langsam. Zwischen Gewerkschaft und Bahn gibt es bisher keine Einigung, und ich habe auch die Nase voll vom Fr\u00fchaufstehen ohne Erfolg &#8230;<br \/>\nSorry, dass ich entgegen der Ank\u00fcndigung am Mittwoch nicht komme!\u201c<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/eisenbahnerstreik.jpg\" alt=\"eisenbahnerstreik\" width=\"272\" height=\"204\" class=\"alignright size-full wp-image-553\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/eisenbahnerstreik.jpg 272w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/eisenbahnerstreik-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><br \/>\nGleich darauf meldete sich G\u00fcnther: \u201eDann sage ich noch zu. Somit sind wir wieder zu viert!\u201c<br \/>\nDoch Mittwoch Abend, 19 Uhr, war weit und breit kein G\u00fcnther zu sehen. Kein Anruf, keine Absage, keine Mail. 15 Minuten Wartetoleranz ist Maximum, dann starteten wir als Trio.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Cloud 9&#8221;<\/strong><br \/>\nAuf Deutsch wird der Titel wohl mit \u201eWolke 7\u201c \u00fcbersetzt. Das Altertum kannte sieben Himmel, dahinter endete die materielle Welt und es kam nur noch die Welt der Phantasie, W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume. Die Angloamerikaner sind hier weniger klassisch. Die \u201ecloud no. Nine\u201c r\u00fchrt (angeblich) daher, dass die h\u00f6chsten Wolken nur bis zu acht Meilen \u00fcber der Erde sein k\u00f6nnen, mit der Nummer 9 befindet man sich also \u00fcber den Wolken.<br \/>\nDoch bei \u201eCloud 9\u201c geht es weniger hoch hinaus, als eher darum, Bodenber\u00fchung zu vermeiden. Wir befinden uns in einem supersch\u00f6nen Ballonkorb, reihum ist einer der Pilot und w\u00fcrfelt mit zwei (sp\u00e4ter mehr) W\u00fcrfeln Farbkombinationen aus \u2013 rot-gr\u00fcn-gelb-lila. F\u00fcr jede gew\u00fcrfelte Farbe mu\u00df der Pilot eine gleichfarbige Karte (aus seiner verdeckten Kartenhand) abgeben. Hat er keine entsprechende Karte mehr, ist der Ballon abgest\u00fcrzt und wir gehen leer aus. Doch bevor der Pilot bekennen mu\u00df, dass er keine passende Karte mehr hat, d\u00fcrfen wir entscheiden, ob wir weiterhin im Ballon bleiben, oder lieber aussteigen. Steigen wir rechtzeitig aus, so bekommen wir Siegpunkte, und zwar umso mehr, je l\u00e4nger der Ballon unterwegs war.<br \/>\nDer Pilot darf nat\u00fcrlich nicht freiwillig aussteigen. Er mu\u00df auch noch mindestens eine Strecke weiter fliegen, um selber Punkte kassieren zu d\u00fcrfen. Erleichtert wird seine Weiterfahrt durch \u201eWildcards\u201c, die f\u00fcr beliebige W\u00fcrfelkombinationen herhalten k\u00f6nnen. Viele zuf\u00e4llig gezogene Wildcards machen den Sieger aus. Der Pilot l\u00e4\u00dft seine Mitfahrer aussteigen und hangelt sich mit den Wildcards noch um gewaltige Punktespannen nach vorne. Insofern ist \u201eCloud 9\u201c ein normales braves, Chaos-W\u00fcrfel-Kartenspiel.<br \/>\nEtwas problematisch ist die Regel, dass der Pilot <strong>nicht<\/strong> beweisen mu\u00df, dass er eine geforderte W\u00fcrfel-Kartenkombination nicht mehr besitzt. Hier ist Betrug (oder Irrtum) T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Irgendwie kann diese \u2013 eigentlich unerl\u00e4\u00dfliche \u2013 Regel auch nicht in das Spiel eingebaut werden. Denn zeigt der Pilot seine Kartenhand, ist der ganze Spielwitz vorbei. Ein Geburtsfehler, der einem german-style Game wohl niemals passiert w\u00e4re.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (2 Punkte weniger als Stone Age), Moritz: 6 (fehlertolerant), Walter: 5 (h\u00f6chstenfalls zum Aufw\u00e4rmen).<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Hansa Teutonica&#8221;<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Moritz zum Kennenlernen, f\u00fcr die anderen zur Vertiefung. Aaron durfte in freier Rede die Regeln erkl\u00e4ren und ging sofort in die Details. Selbstverst\u00e4ndlich kam von Moritz sofort die R\u00fcckfrage: \u201eUnd was ist das Thema?\u201c Lange Gesichter. Vom geschichtstr\u00e4chtigen Thema \u201eHanse\u201c ist keine Stimmung enthalten. Zumindest nicht f\u00fcr einen eingefleischten Liebhaber amerikanischer Weltkriegsspiele. Es ist ein abstraktes Aufbauspiel, und wenn man es gut kennt, dann artet die Zug-Optimierung, die Interaktion, das lebenswichtige Kn\u00fcppel-zwischen-die-Beine-Werfen richtiggehend in Arbeit aus.<br \/>\nG\u00fcnther (mit einer Stunde Versp\u00e4tung eingetrudelt) wurde um Spieltips gefragt. \u201eMan mu\u00df Startspieler sein!\u201c Ist hier der Saulus zum Paulus geworden? Nein, eher der Petrus zum Judas!<br \/>\nMoritz bekam als Neuling die Startspielerrolle zugewiesen und belegte sofort die Strecke G\u00f6ttingen-Quedlingburg. Aaron blockierte mit seiner Scheibe Quedlingburg und legte einen W\u00fcrfel in Richtung L\u00fcbeck. Walter blockierte G\u00f6ttingen und Warburg und G\u00fcnther blockierte Warburg und L\u00fcbeck. (Insider erkennen hieraus sofort, dass G\u00fcnther nicht auf seinem angestammten Platz sa\u00df. Warum wohl?)<br \/>\nMoritz scheute die Unkosten beim Verdr\u00e4ngen, war aber dann doch der erste, der sich 5 Aktionen freigeschaufelt hatte. Allerdings war er daf\u00fcr bis zum Schlu\u00df bei seiner Startausstattung an S\u00e4cken stehengeblieben. Dieses Handicap kann man nicht wieder gut machen.<br \/>\nAaron setzte auf ein schnelles Ende und begann unverz\u00fcglich, sich ein Streckennetz aufzubauen. Es h\u00e4tte auch fast zum Sieg gereicht. Wenn Walter ihm noch schnell 2 Wertungspunkte zugeschustert und damit das Spiel beendete h\u00e4tte. Doch dann w\u00e4re er selber Letzter geworden, er wollte aber lieber Vorletzter werden. So erhielt G\u00fcnther noch eine Chance. Der hatte auf die Verdr\u00e4ngt-Werden-Strategie gesetzt. Damit bekommt man am leichtesten eigene W\u00fcrfel aufs Brett, und wenn man sie auch noch g\u00fcnstig verschieben kann, kann man damit reichlich punkten. Er nutzte die Chance zum Sieg.<br \/>\nMoritz hatte die Sudden-Death-Bedingung beim Spielende nur halb verstanden und war entr\u00fcstet. \u201eIch mache Euch jetzt den Jens! 2 Punkte f\u00fcrs Spiel!\u201c Gl\u00fccklicherweise wird auch bei ihm die Suppe nicht so hei\u00df gegessen wie gekocht. Er konnte sich noch zu 6 Wertungspunkten aufraffen, w\u00fcnschte sich aber sehnlichst Spiele herbei, die Atmosph\u00e4re haben. Wie z.B. \u201eWind River\u201c, ebenfalls vom Argentum-Verlag, das \u201esuper auf die Thematik eingestellt ist\u201c.<br \/>\nUnd doch war es gerade Moritz, der nach einem bi\u00dfchen Palaver \u00fcber die verschiedenen Entwicklungslinien von \u201eHansa Teutonica\u201c eine sofortige Wiederholung des Spiels vorschlug. Gesagt, getan. Solche Wiederholungen kann man am Westpark an einem Finger abz\u00e4hlen!<br \/>\nWieder verlief das Spiel anders als in allen vorherigen Spielen. Eine der St\u00e4rken von \u201eHansa Teutonica\u201c, die das Spiel wohl noch lange spielenswert halten. Zu Beginn gab es \u00e4u\u00dferst hartn\u00e4ckige Kampfszenen um die begehrten Entwicklungsstrecken f\u00fcr Aktionen und S\u00e4cke. Als sich der Dampf gelegt hatte, suchte sich jeder eine ruhige Ecke, in der er m\u00f6glichst ungest\u00f6rt seine Siegpunktquellen sprudeln lassen konnte. Individuelle Denkphasen schlossen sich an, allerdings nicht so lange, dass Aarons schneller tickender Biorhythmus nerv\u00f6s werden konnte.<br \/>\nAn G\u00fcnther lief das Spiel gnadenlos vorbei. Sein Pulver aus dem ersten Spiel war na\u00df geworden. Kein Verdr\u00e4ngen, keine Strecke, keine Aktionen, keine S\u00e4cke. Er wurde Letzter. Nach vier aufeinanderfolgenden Siegen darf das hier doch mal gesagt werden. Ehrliche Frage: Was hast Du eigentlich f\u00fcr Z\u00fcge gemacht? Ich kann mich an keinen einzigen mehr erinnern!<br \/>\nMoritz profitierte von G\u00fcnthers Abr\u00e4umwertungen, die ihm die wichtigen Entwicklungsstrecken des Anfangs leer und herrenlos \u00fcberlie\u00dfen und konzentrierte sich mit seiner Aktionsmasse sehr bald auf den Streckenbau. Damit wurde er Sieger.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (bleibt), G\u00fcnther: 8 (bleibt, ein \u00e4u\u00dferst facettenreiches Spiel), Moritz: 7 (als Einschr\u00e4nkung: \u201edas Spiel ist clunky und abstrakt\u201c, als Empfehlung: \u201eMan mu\u00df antizyklisch spielen\u201c), Walter: 9 (bleibt).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Halunken und Speklunken&#8221;<\/strong><br \/>\nSpieleautor ist der Klassiker Alex Randolph, dessen Erzeugnisse es immerhin 13 mal auf die Auswahlliste zum \u201eSpiel des Jahres\u201c gebracht haben. Auch die \u201eHalunken\u201c sind ein Klassiker. Allerdings aus dem vorigen Jahrtausend. 1997 waren die Geschm\u00e4cker offensichtlich noch anders.<br \/>\nWir schicken unsere Kapit\u00e4ne acht Runden lang um das Hafenbecken, um die beste Mannschaft anzuheuern. Unser Bewegung bestimmen wir anhand von Bietkarten nach Art von \u201eHol\u2019s der Geier\u201c. Wenn zwei Spieler zuf\u00e4llig die gleiche Bewegungskarte ziehen, m\u00fcssen beide stehenbleiben.<br \/>\nUnsere angeheurte Mannschaft besteht aus Karten, deren Wert wir erst kennen, wenn wir die Karte erworben haben. Dann liegt die Karte offen vor uns und und die Mitspieler k\u00f6nnen sie uns abluchsen, wenn sie zuf\u00e4llig auf das gleiche Feld kommen, auf dem wir stehen.<br \/>\nIn der Erweiterungsregel gibt es noch einen Kapit\u00e4n, der uns ebenfalls Karten abluchst, ebenfalls mit einer gewissen Zuf\u00e4lligkeit, aber deutlich h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit. Den Kapit\u00e4n k\u00f6nnen wir ersteigern, dann geh\u00f6ren die von ihm abgeluchsten Karten uns selber.<br \/>\nEine Art Blinde-Kuh-Spiel unter Blinden nachts im Dunkeln bei Stromausfall. Am Ende, wenn man nur noch eine einzige Bewegungskarte hat, f\u00e4llt mit der Schrittweite sogar noch der einzige Freiheitsgrad weg, den wir im Spiel haben. Stefi schrieb bei FAIRspielt: \u201eKein Taktikergeschick n\u00f6tig. Einfach nette Unterhaltung.\u201c Das war wohl auch schon im letzten Jahrtausend!<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (wohlwollend), G\u00fcnther: 4 (einschlie\u00dflich eines halben Randolph-Ged\u00e4chtnis-Punktes, \u201ekaputt ist das Spiel nicht\u201c), Moritz: 5 (\u201espielt sich wie ein Familienspiel, ist aber kein Familienspiel\u201c), Walter: 3 (m\u00f6chte es nicht noch einmal spielen, weder mit seinen Kindern noch mit seinen Enkelkindern).<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nMoritz stand mit 3:1 gegen G\u00fcnther im Endspiel. G\u00fcnther gab nach seiner Leib- und Magen-Strategie 1 mal die F\u00fcnf vor, Moritz hob ab 2 mal die F\u00fcnf, G\u00fcnther auf 2 mal den Stern. Schweres Los f\u00fcr Moritz: Er hatte Eins, Zwei und Stern unter dem Becher. Was h\u00e4ttet Ihr gesetzt?<br \/>\nMoritz legte den Stern und die Zwei heraus und w\u00fcrfelte mit der Eins nach. Eine Zwei. So einfach geht \u201eBluff\u201c! In jedem Fall aber 4 vorz\u00fcgliche Schachz\u00fcge der Beteiligten.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom geplanten aber abgeblasenen Streik der Lufthansapiloten w\u00e4re der eine oder andere von uns vielleicht betroffen gelesen. Vom gleichzeitig in Frankreich stattfindenden Eisenbahnerstreik wohl kaum. Au\u00dfer Hans. Gestern kam seine Mail hier an: \u201eMeine R\u00fcckreise aus dem Frankreichurlaub l\u00e4uft ganz und gar nicht wie geplant &#8230; und kann noch dauern. 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