{"id":566,"date":"2010-04-29T02:28:14","date_gmt":"2010-04-29T01:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=566"},"modified":"2010-04-29T11:02:04","modified_gmt":"2010-04-29T10:02:04","slug":"28042010-landwirtschaft-rund-um-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/04\/29\/28042010-landwirtschaft-rund-um-die-welt\/","title":{"rendered":"28.04.2010: Landwirtschaft rund um die Welt"},"content":{"rendered":"<p>Was machen frischgebackene Rentner, wenn sie gerade keine neuen Spiele erfinden? Richtig: Sie lesen Kochrezepte und versuchen, diese nachzukochen. Damit der Braten perfekt gelingt, hat mir mein Sohn zu Weihnachten ein Fleischthermometer geschenkt. Seitdem liegt es hier auf meinem Schreibtisch. Inzwischen ist die Schachtel und die Gebrauchsanweisung verschwunden (Bratkartoffeln gelingen auch ohne Thermometer), und es ist immer noch ein Geheimnis, wie man das Ding nutzt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/fleischthermometer1.jpg\" alt=\"fleischthermometer1\" width=\"332\" height=\"330\" class=\"alignright size-full wp-image-567\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/fleischthermometer1.jpg 332w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/fleischthermometer1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/fleischthermometer1-300x298.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><br \/>\nHeute bekam ich den simplen Rat: \u201eReinstecken und messen, wie hei\u00df der Braten ist!\u201c \u2013 Gerhard Polt h\u00e4tte dazu erg\u00e4nzt: \u201eWia im richtigen Leben!\u201c<br \/>\n<strong>1. &#8220;Finca \u2013 El Razul&#8221;<\/strong><br \/>\nVor knapp einem Jahr zum letzten Mal gespielt, lag diesmal die Spielbox-Erweiterung auf dem Tisch:<br \/>\n&#8211; F\u00fcr die Windm\u00fchle, auf der die Spieler ihre P\u00f6ppel bewegen, um Fr\u00fcchte und Lastesel zu kassieren, gibt es ein neues Windm\u00fchlenblatt \u201eWahlfrucht\u201c, auf dem man nicht die pro Blatt festgelegte Frucht bekommt, sondern sich eine beliebige Fruchtsorte aussuchen kann. Damit wird einem m\u00f6glichen Engpass f\u00fcr einzelne Fr\u00fcchte entgegengesteuert, und es gilt noch mehr aufzupassen, ob dadurch nicht eine bestimmte Fruchtart ausverkauft wird, und alle Spieler ihre gehorteten Vorr\u00e4te zur\u00fcckgeben m\u00fcssen.<br \/>\n&#8211; Ein weiteres neues Winm\u00fchlenblatt ist der \u201eEl Razul\u201c. Wer dieses Blatt betrifft, hat bei den Fr\u00fcchten ebenfalls freie Auswahl. Zus\u00e4tzlich darf er die El Razul-Figur in eine beliebige Gemeinde versetzen, wodurch in dieser Gemeinde die vorgegebene Zusammensetzung der gehandelten Fr\u00fcchte aufgehoben ist und durch beliebige andere Frucht-Kombinationen ersetzt werden kann. Bei uns wurde diese Figur nur m\u00e4\u00dfig genutzt, man kann einem Mitspieler, der sich auf eine bestimmte Fruchtsorte eingeschossen hat, damit die Trauben aber ganz sch\u00f6n sauer werden lassen.<br \/>\n&#8211; Es gibt zwei weitere Fruchtpl\u00e4ttchen f\u00fcr die Gemeinden. Wer sich diese Pl\u00e4ttchen einhandeln will, mu\u00df dazu lediglich einen Lastesel abgeben, aber keine Fr\u00fcchte. Es ist regeltechnisch noch ungekl\u00e4rt, ob man die Fr\u00fcchte \u00fcberhaupt haben und transportieren mu\u00df, oder ob man dazu einen leeren Esel hinschicken kann.<br \/>\nWenn ein solches Pl\u00e4ttchen erworben wird, werden zus\u00e4tzlich von jeder Fruchtsorte zwei St\u00fcck vom Vorrat in die Schachtel zur\u00fcckgegeben. Dadurch verknappt sich das Angebot und die Gefahr (oder Chance), dass Fruchtsorten ausgehen, versch\u00e4rft sich.<br \/>\n&#8211; Jeder Spieler bekommt noch ein zus\u00e4tzliches Aktionspl\u00e4ttchen: die Sonderaktion \u201eMarionette\u201c. Wer dieses Pl\u00e4ttchen einsetzt (einmal pro Spiel m\u00f6glich), darf einen beliebigen fremden P\u00f6ppel statt des eigenen ziehen, und bekommt dann alles, was auch diese Figur erhalten w\u00fcrde. Das schaftt eine drastische chaotische Eingriffsm\u00f6glichkeit in das Spielgeschehen. Ein Spieler, der seine P\u00f6ppel logistisch planend in lukrative Konstellationen gebracht hat, wird um seinen verdienten Lohn gebracht, indem ein Mitspieler ihn seines besten Pferdes im Stall beraubt.<br \/>\nDiese Spielbox-Erweiterungen machen aus einem (wenigstens) kurzfristig berechenbaren Spiel (ein Zug vorausdenken) ein nicht mehr berechenbares Spiel. Doch diese Reduzierung der Berechenbarkeit f\u00f6rdert die spielerische Linie, man braucht jetzt schlichtweg nur noch den jeweils n\u00e4chst-besten Zug tun. Die restliche Entwicklung liegt in der Hand der Mitspieler.<br \/>\nG\u00fcnther wird gegen diese These &#8211; wie auch schon gegen die \u00e4hnliche These beim Original-Finca &#8211; nat\u00fcrlich seine Einw\u00e4nde erheben, denn er hat das Spiel haushoch gewonnen. Doch n\u00e4chstes Mal werden wir Verlierer besser spielen und unsere gr\u00f6bsten Fehler vermeiden. (Wahrscheinlich wird G\u00fcnther dann immer noch gewinnen. Qed!)<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron:8 (zwei Punkte mehr als f\u00fcr die Basisversion. Das lag nicht nur an der Extension, auch weil die Spielernte der letzten Monate einen gewissen Langdenker-Frust ausgel\u00f6st hatten, der bei \u201eEl Razul\u201c nicht gegeben war) G\u00fcnther: \u201ekeine \u00c4nderung, aber mindestens 7 Punkte\u201c; traf damit haargenau seine Wertung vom letzten Jahr. Walter: 7 (1 Punkt mehr f\u00fcr die Erh\u00f6hung des Mitspieler-Chaos)<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Vor den Toren von Loyang&#8221;<\/strong><br \/>\nLoyang ist die Hauptstadt der Han-Dynastie und vor den Toren werkeln die Bauern auf ihren Feldern, um die Einwohner zu ern\u00e4hren. Wir sind die Bauern, kaufen oder sparen Saatgut, s\u00e4en auf unseren Feldern, ernten, handeln und versorgen unsere Stamm- und Laufkundschaft mit landwirtschaftlichen Produkten. \u201eAls erfolgreichster Landwird erweist sich, wer im vorgegebenen Zeitraum am weitesten auf dem Wohlstandspfad voranschreitet. Diese Schritte kosten Geldm\u00fcnzen \u2013 anfangs weniger, sp\u00e4ter mehr.\u201c So steht es in der Einleitung, auf Seite 1 ganz oben. Doch wir m\u00fcssen uns durch weitere 12 Seiten Regelheft hindurcharbeiten, und keiner hatte dazu einen richtigen Peil. So stopselnd, nahezu radebrechend haben wir uns noch nie die Regeln erarbeiten m\u00fcssen.<br \/>\nDas Spiel versucht mit chinesischer Grafik und chinesischen Schriftzeichen ein bi\u00dfchen Han-Stimmung ins Spiel zu bringen. Daf\u00fcr konnte dann keiner von uns anhand der Schriftzeichen erkennen, wieviel \u201eK\u00e4sch\u201c eine bestimmte Geldm\u00fcnze wert ist. Die Regeln waren deutsch, das Milieu chinesich und unser Verst\u00e4ndnis spanisch. Hierbei ist China absolut \u00fcberfl\u00fcssig. (Und Spanien auch!) Die landwirtschaftliche Optimierung ist das einzige Thema, das im Spiel r\u00fcberkommt. Produzieren die teutonischen Bauern von heute denn keine Fr\u00fcchte mehr? \u201eVor den Toren von Unna\u201c h\u00e4tte es auch getan.<br \/>\n\u201eDas Spielmaterial macht mich total irre\u201c st\u00f6hnte Aaron. Auch die Positionen von Feldern, Schubkarre, Lager, Laden und Markt mu\u00df man sich erst err\u00e4tseln. Weiterhin gibt es Aktionskarten, mit denen man seine Z\u00fcge steuern kann. Der Verteilungsmechanismus ist ganz pfiffig: Jeder erh\u00e4lt 4 Karten und mu\u00df reihum jeweils eine Karte offen auf einen Ablagestapel geben, bis ein Spieler zuschl\u00e4gt und sich aus einer Handkarte und einer Karte vom Ablagestapel die 2 Aktionen ausw\u00e4hlt, mit denen er eine Spielrunde durchf\u00fchren will.<br \/>\nDie Aktionskarten m\u00fcssen nun vor jeder Runde neu gemischt werden. Ein ergonomisch etwas ungl\u00fcckliches, weil zeitaufwendiges Prinzip. Nicht ganz so pfiffig.<br \/>\nDann tr\u00f6pfelt das Spiel ziemlich solit\u00e4r vor sich hin. Jeder \u00fcberlegt f\u00fcr sich allein, welche Fr\u00fcchte er auf seinen Feldern anbaut und erntet. Jeder sucht sich seine eigenen Stamm- und Laufkunden zusammen, die er im Laufe des Spiels bedienen will. Jeder legt sich seinen eigenen Markt an, auf dem er notfalls die geernteten Fr\u00fcchte gegen die vom seinen Abnehmern gew\u00fcnschte Auswahl umtauscht. Jeder kauft in seinem eigenen Laden den Rest an Fr\u00fcchten zusammen, den er auf seinen Feldern und M\u00e4rkten nicht erwerben konnte. Interaktion ist in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von Null.<br \/>\nHalt! Hier habe ich etwas Wichtiges vergessen. Es gibt Aktionskarten, mit denen man in fremden G\u00e4rten naschen kann, Aktionskarten, in denen man fremde Kunden und fremde M\u00e4rkte anzapfen kann. Da hat sich der Mitspieler gerade die richtige Kombination f\u00fcr ein mehrstufiges Produzieren und Handeln zurechtgelegt, dann nehmen wir ihm den Endverbraucher weg! Langfristiges Analysieren und Planen gegen nullfristiges Durchkreuzen der Pl\u00e4ne. Pa\u00dft das zusammen? F\u00fcr mich nicht, f\u00fcr uns nicht! Bei \u201eAgricola\u201c vom gleichen Autor Ros-En-Ber(g) gibt es wenigstens eine scharfe Konkurrenz um die besten Aktionspl\u00e4ttchen f\u00fcr unsere Entwicklung. In \u201eLoyang\u201c sind wir alle autistische Ameisenbauern, die nur ab und zu mal von einem Bonzenbauern gepiesackt werden.<br \/>\nDrei Stunden lang haben wir diese A-B-Kombination ausgehalten. Es gab immer mehr Felder und immer mehr Erntefr\u00fcchte, von daher also eine gewisse Steigerung des Umsatzes, ansonsten hat sich die Welt nicht wesentlich weiterbewegt. Was in der ersten Stunde an neuen Spielelementen gereizt hatte, wurde die restlichen Stunden zur Routine. Ein Zeitvertreib unter netten Freunden. Oder ganz f\u00fcr sich alleine. Als Alternative zu Kochb\u00fcchern, Rezepten, Fleischthermometern und \u00e4hnlichen Dingen.<br \/>\nBemerkenswert immerhin, da\u00df G\u00fcnther mal wieder NICHT gewonnen hat. Er hatte sich versehentlich schon in der ersten Runde einen Kredit geben lassen m\u00fcssen, dessen teure R\u00fcckzahlung in der Schlu\u00dfabrechnung nicht mehr gutzumachen war. Gerechtigkeit aus dem Reich der Mitte!<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron:5 (\u201em\u00f6chte es nicht unbedingt noch einmal spielen\u201c \u2013 Hier ist das \u201eunbedingt\u201c mindestens einen Punkt wert! Einen weiteren halben Punkt gab es f\u00fcr die R\u00fcckseite der Spielpl\u00e4ne, die speziell f\u00fcr die Farbenblinden unter uns Mitspielern gestaltet waren), G\u00fcnther: 5 (\u201ees funktionert\u201c; einen halben Punkt f\u00fcr die vielen T\u00fcten zum Einpacken des Spielmaterials\u201c), Walter: 6 (\u201ekonstruktiv, nur deutlich zu lang\u201c).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nNein, kein Bluff mehr. Es war schon halb Zwei, als wir China hinter uns gelassen hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machen frischgebackene Rentner, wenn sie gerade keine neuen Spiele erfinden? Richtig: Sie lesen Kochrezepte und versuchen, diese nachzukochen. Damit der Braten perfekt gelingt, hat mir mein Sohn zu Weihnachten ein Fleischthermometer geschenkt. Seitdem liegt es hier auf meinem Schreibtisch. 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