{"id":590,"date":"2010-05-20T02:16:54","date_gmt":"2010-05-20T01:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/2010\/05\/20\/19052010-die-tore-der-welt-fuhren-nach-krakow\/"},"modified":"2010-05-20T10:12:32","modified_gmt":"2010-05-20T09:12:32","slug":"19052010-die-tore-der-welt-fuhren-nach-krakow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/05\/20\/19052010-die-tore-der-welt-fuhren-nach-krakow\/","title":{"rendered":"19.05.2010: Die Tore der Welt f\u00fchren nach Krakow"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00f6mmigkeit lag in der Luft. Die Duftschwaden des \u00f6kumenischen Kirchentages in M\u00fcnchen haben sich noch nicht verzogen. Die netten freundlichen Jugendlichen mit dem Rucksack auf dem R\u00fccken haben einen positiven Eindruck hinterlassen. Unwidersprochen wurde [von wem?] das Fazit gezogen: \u201eDie Jugendlichen m\u00fcssen doch besch\u00e4ftigt werden. Irgendwo m\u00fcssen die Hormone ja hin. Entweder zum Milit\u00e4r oder zum Kirchentag. Und somit liefert der Kirchentag einen wichtigen Beitrag zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung\u201c.<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-590 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/05\/20\/19052010-die-tore-der-welt-fuhren-nach-krakow\/kikeriki3\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"117\" src=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kikeriki3-150x117.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kikeriki3-150x117.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kikeriki3-300x235.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kikeriki3.jpg 345w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n<br \/>\nAaron hatte schon einen Blick auf das erste Spiel geworfen und konstatierte: \u201eFr\u00f6mmigkeit ist endlich\u201c.<br \/>\n<strong>2. &#8220;Die Tore der Welt&#8221;<\/strong><br \/>\nWir werkeln an den Pal\u00e4sten des Abendlandes, d\u00fcrfen dabei nicht unsere j\u00e4hrlichen Abgaben an Geld und Getreide vergessen, und m\u00fcssen auch rechtzeitig ein paar Notgroschen in die Fr\u00f6mmigkeit investieren. Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben. Denn Fr\u00f6mmigkeit ist endlich.<br \/>\nWer nach 4 Runden am besten gepunktet hat, wobei Bausteine f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Bauwerke und die Heilung von Pestkranken am meisten einbringen, ist Sieger.<br \/>\nSchon vor einen halben Jahr bemerkte Aaron, da\u00df \u201edas Spiel nur so vor sich hind\u00fcmpelt\u201c, so war es auch heute. Interaktion bleibt ein Fremdwort, wenn man das zuf\u00e4llige Wegschnappen eines punktetr\u00e4chtigen Zuges nicht dazu z\u00e4hlen m\u00f6chte.<br \/>\nMoritz entdeckte Murphies Gesetz vom richtigen Spielverlauf: \u201eWenn das Pech zuschl\u00e4gt, dann schl\u00e4gt es bei Aaron zu!\u201c Der kam auf der Privilegienleiste fast immer nur auf die Loserfelder, die ihm keine Sonderertr\u00e4ge einbrachten. So konnte er im Schwei\u00dfe seines Angesichts gerade noch die Abgaben an Kaiser und Bischof erwirtschaften, zu Wohlstand und Siegpunkten reichte es nicht.<br \/>\nWalter flog in der ersten Runde die Wolle nur so in den Scho\u00df und mit einem einzigen Verkauf konnte er gen\u00fcgend Knete erzielen, um sich f\u00fcr die n\u00e4chsten Runden aller Pflichten an Geld und Fr\u00f6mmigkeit entledigen zu k\u00f6nnen. Er warf das Geld mit vollen H\u00e4nden in den Klingelbeutel. Doch das r\u00e4chte sich. In den letzten Runden musste er den G\u00fcrtel wieder enger schnallen. Moritz baute so schnell wie m\u00f6glich zwei H\u00e4user, mit deren Ertr\u00e4gen er seine Hungerphase hinter sich lassen konnte. Ein paar wenige Bausteinspenden zum M\u00fcnster reichten zum Sieg. Obwohl ihm eine Ereigniskarte mit einem Schlag alle Pestkranken wegheilte und er anschlie\u00dfend mit seinem vorsorglich erworbenem medizinischen \u00dcberwissen in die R\u00f6hre schauen konnte.<br \/>\nIn der ersten Runde wurden per Ereigniskarte alle Bauvorhaben gestoppt, und dieser Baustopp wurde bis zum Spielende nicht mehr aufgehoben. Walter meckerte lautstark \u00fcber diesen Mangel im Spieldesign. Wie kann man wichtige Spielelemente (Baumaterial sammeln, Bauen, Spendensiegel erwerben) nach wenigen Z\u00fcgen blockieren und bis zum Ende stillgelegt lassen?! Moritz hielt hier ganz entschieden dagegen: damit w\u00fcrden in der reichhaltigen Balance des Spieles nur ein paar Gewichte verschoben. Aaron pflichtete dem bei: \u201eDas Spiel hat sowieso viel zu viele Elemente!\u201c<br \/>\nWas ist das Geheimnis f\u00fcr den Sieg? Der Sieger verk\u00fcndete: \u201eMan mu\u00df seine Strategie den Umst\u00e4nden anpassen.\u201c Dies ist eigentlich die klassische Definition von \u201eTaktik\u201c. Doch das Spiel ist nicht einmal ein taktisches Spiel, man kann 0 (in Worten: Null) Z\u00fcge voraus kalkulieren. Zufallseinfl\u00fcsse von Ereigniskarten und Mitspielerchaos k\u00f6nnen sogar einen gewieften Nullz\u00fcge-Voraus-Taktiker aushebeln.<br \/>\nNoch dazu ensch\u00e4rft sich das Spiel selber: viele im Ansatz auseinanderlaufende Spielentwicklungen werden durch ausgleichende Regelelemente gebremst, so da\u00df extremen Entwicklungen verhindert werden und dadurch eher ein bi\u00dfchen Langweiligkeit Einzug h\u00e4lt. Moritz nannte das \u201eeine typische Designfalle von Euro-Games\u201c, also von eigentlich guten Konstruktionsprinzipien europ\u00e4ischer Spiele.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (fr\u00fcher 6), Hans: 6 (\u201eFamilienspiel\u201c, doch wohl eher f\u00fcr Elite-Familien), Moritz: 7 (hat wahrscheinlich den Ken Follett studiert), Walter: 6 (bleibt)<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Krakow&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron hat das Spiel in Essen erstanden. Mit einer pers\u00f6nlichen Widmung der Autoren Peter Struijf und Melchior van Rijn. Leider k\u00f6nnen wir heute keine positive R\u00fcckmeldung geben.<br \/>\nKrakow ist ein chaotisches Stichkartenspiel mit einem Spielbrett als Nebenschauplatz. Jeder Spieler erh\u00e4lt pro \u201eQuartal\u201c (Runde) 9 \u201eIntrige-Karten\u201c in den vier Farben Rot, Gr\u00fcn, Gelb und Blau und mit Zahlenwerten von Plus 2 bis Plus 7 und Minus 0 bis Minus 9. Auf jeder Karte sind f\u00fcr jede der vier Farben unterschiedliche Plus- und Minuspunkte aufgedruckt.<br \/>\nDer Startspieler startet mit einer Karte einen Stich. Jeder Spieler darf eine beliebige Karte seine Kartenhand dazugeben. Das besondere dabei ist, da\u00df jeweils zwei Spieler zusammenspielen: Ist die Summe der Pluspunkte f\u00fcr die ausgespielte Farbe gr\u00f6\u00dfer als die Minuspunkte, die die Gegenspieler dazugegeben haben, so hat die \u201eIntrige\u201c gewonnen und das Siegerpaar erh\u00e4lt Spielsteine zugesprochen, die sie in bestimmten Stadtvierteln des Spielplans ablegen kann. Haben die Minuspunkte der Gegenspieler die Mehrheit, so ist die Intrige verloren und die Gegenspieler d\u00fcrfen zur n\u00e4chste Intrige, d.h. zum n\u00e4chsten Stich ausspielen.<br \/>\nNach 7 Stichen ist das Quartal vorbei, die restlichen zwei Karten pro Kartenhand verfallen. Nach vier Quartalen ist ein ganzes Jahr vorbei und es wird gewertet. Die Mehrheiten der Spielerpaare in den Stadtvierteln liefern Siegpunkte, die beiden Spielern gleichm\u00e4\u00dfig zugute kommen. Soweit ist die Punktevergabe absolut paar-symmetrisch.<br \/>\nUnd jetzt kommt ein \u00fcberraschender asymmetrischer Siegpunktanteil, der aus dem Paarspiel doch noch ein Einzelk\u00e4mpferspiel macht: die gewonnenen Intrigen jeder Farbe steuern ebenfalls Siegpunkte bei, doch die werden nur an individuelle Spieler vergeben. Jedem Spieler wird zu Spielbeginn eine bestimmte Farbe geheim zugeordnet, und die Intrigen seiner Farbe liefern nur ihm allein Siegpunkte. So mu\u00df jeder Spieler bei jedem Stich in sich selbst den gegens\u00e4tzlichen Kampf ausfechten: La\u00df ich den Gegner eine Intrige in meiner Farbe gewinnen, g\u00f6nne ihnen also die Spielsteine in der Stadt, erhalte aber daf\u00fcr als einziger den Intrigenpunkt, oder spiele ich meine beste Gegenkarte um die Intrige scheitern zu lassen, so da\u00df keiner etwas erh\u00e4lt, wir als Paar aber die n\u00e4chste Intrige starten d\u00fcrfen? Sinngem\u00e4\u00df \u00e4hnliche K\u00e4mpfe mit umgekehrtem Vorzeichen mu\u00df man in seiner Brust \u00fcber die Intrigen der eigenen Seite austragen.<br \/>\nDieser Kampf ist nur theoretisch. Wenn man \u00fcberhaupt eine geeignete Kartenhand bekommen hat, um die Intrigen beeinflussen zu k\u00f6nnen, dann ist es in der Regel lohnender, die Intrigen der eigenen Seite unabh\u00e4ngig von ihrer Farbe durchzubringen und die Intrigen der fremden Seite zunichte zu machen. Nur falls die eigenen Seite \u00fcber die Stadtviertel schon gen\u00fcgend Siegpunkte eingeheimst hat, kann man den Gegner eine Intrige der eigenen Farbe durchbringen lassen und dem Partner eine Intrige einer fremden Farbe vermaseln. Das grenzt dann aber schon an Sch\u00e4bigkeit. Zum Gl\u00fcck bleibt diese Sch\u00e4bigkeit marginal, da jeder erst einmal froh ist, wenn er \u00fcberhaupt eine Intrige f\u00fcr die eigene Seite entscheiden kann. Die Mittel dazu liegen nahezu ausschlie\u00dflich in der zuf\u00e4lligen Kartenausteilung. Spielplan, Kartenpflege, Karten merken und Gegner ausrechnen etc. gibt es nicht.<br \/>\nEin \u201eAnf\u00e4ngerspiel\u201c von Krakow ist nach genau einem Jahr zu vier Quartalen von je 7 Stichen zu Ende. Ein Standardspiel besteht aus zwei Jahren, und ein \u201eExpertenspiel\u201c aus drei Jahren. Nach Moritz\u2019 Vorwarnung wegen schlechter Kritiken wollten wir uns auf ein Standardspiel beschr\u00e4nken.<br \/>\nEs waren einmal vier Ameisen,<br \/>\ndie wollten gemeinsam nach Krakow verreisen,<br \/>\nnach einem Jahr wurden sie weise<br \/>\nund verzichteten sie auf den Rest der Reise.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 3 (das Spiel ist nicht kaputt und es hat sch\u00f6nes Spielmaterial), Hans 3 (erst nur 1 Punkt, von Aaron auf 2 Punkte gedr\u00e4ngt, weil das Spiel ja wirklich nicht \u201ekaputt\u201c ist, f\u00fcr die antipapistischen Begleittexte noch einen Sympathiepunkt zugelegt), Moritz: 2 (\u201eFlaschenteufel ist besser\u201c, doch das kann man mit Krakow \u00fcberhaupt nicht vergleichen), Walter: 3 (viel zu viel Brimborium f\u00fcr ein Quadrat-Mau-Mau).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Religion und Musik&#8221;<\/strong><br \/>\nNein, kein Spiel. Doch statt \u201eFlaschenteufel\u201c als Kontrast zu \u201eKrakow\u201c und statt \u201eBluff\u201c zum spielerischen Absacken diskutierten wir noch eine geschlagene Stunde \u00fcber Kirche, Religion, Gl\u00e4ubige und Klerus. Dar\u00fcber, da\u00df die Kirche zu wohl keiner der zivilisatorisch-ethischen Errungenschaften unserer heutigen Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, herrschte Einigkeit. Moritz nahm dann leidenschaftlich die Rolle des Advocatus Diaboli ein. Ohne die katholische Kirche h\u00e4tte das Abendland niemals diese einzigartige Entwicklung seiner Musik genommen. Kein anderer Teil der Welt hat dies aufzuweisen, keine andere Religion hat dies gef\u00f6rdert. Er sollte es wohl wissen.<br \/>\nMit traurigen Einsichten in den losgelassenen Kapitalismus und die B\u00e4nker-Moral ging der Abend zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00f6mmigkeit lag in der Luft. Die Duftschwaden des \u00f6kumenischen Kirchentages in M\u00fcnchen haben sich noch nicht verzogen. Die netten freundlichen Jugendlichen mit dem Rucksack auf dem R\u00fccken haben einen positiven Eindruck hinterlassen. Unwidersprochen wurde [von wem?] das Fazit gezogen: \u201eDie Jugendlichen m\u00fcssen doch besch\u00e4ftigt werden. Irgendwo m\u00fcssen die Hormone ja hin. 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