{"id":630,"date":"2010-06-10T01:52:22","date_gmt":"2010-06-10T00:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/2010\/06\/10\/962010-fressen-und-schmieren\/"},"modified":"2010-06-10T08:42:36","modified_gmt":"2010-06-10T07:42:36","slug":"962010-fressen-und-schmieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/06\/10\/962010-fressen-und-schmieren\/","title":{"rendered":"9.6.2010: Fressen und Schmieren"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind Doktor! Peter hat grade den Doktortitel erworben. Sein Thema \u201ePhilologischer, historischer und liturgischer Kommentar zum 8. Buch der \u201aJohannis\u2019 des Goripp nebst kritischer Edition und \u00dcbersetzung\u201c. Sein geiles Werk liegt auf Grund zweier grandioser Fehldrucke leider immer noch nicht in Buchform vor, aber den Titel darf er schon f\u00fchren. Auch Andrea hat dieses Jahr den Doktor gemacht. Und voraussichtlich wird unser Moritz dieses Jahr sogar noch Professor an der Akademie werden. Ohne Doktortitel!<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/doktorhut.jpg\" alt=\"doktorhut\" width=\"296\" height=\"296\" class=\"alignright size-full wp-image-638\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/doktorhut.jpg 296w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/doktorhut-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><br \/>\nAls Freund vom Wissenquiz kann man daraus nat\u00fcrlich sofort die Frage ableiten: \u201eWas ist im akademischen Bereich h\u00f6her-rangig: der \u2019Doktor\u2019 oder der \u2019Professor\u2019? Obwohl wir gerade Doktor geworden sind, kann ich diese Frage nicht schl\u00fcssig beantworten!<br \/>\n<strong>1. &#8220;7 ATE 9&#8221;<\/strong><br \/>\nEin kleines Kartenspiel, das Moritz auf der Spiel 2009 schon mit der Autorin Maureen Hiron und Tom Vasel von den Boardgame-Geeks gespielt hatte. Um uns das Spiel noch schmackhafter zu machen, beteuerte Moritz, da\u00df die Autorin eine \u201ebekannte Bridgespielerin\u201c sei. Diese Finte konnte Walter aber sofort durchschauen. Er kennt alle Top-Bridgespielerinnen der Welt. Wenigstens dem Namen nach! Es sind ja nur 8 1\/2.<br \/>\nBeim Auspacken des Kartenstapels erkannte Aaron sogleich, da\u00df es sich bei \u201e7 ATE 9\u201c um eine Art \u201eAdvanced Mau-Mau\u201c handeln m\u00fcsse. Moritz unterstrich den \u201ereal-time\u201c Charakter des Spiels. Was ist das? Wir m\u00fcssen wie bei Mau-Mau aus unserer Kartenhand jeweils eine Karte passend zur letzten Karte auf dem Tisch zugeben, es geht aber nicht geordnet reihum, sondern wer als erster entdeckt, da\u00df er eine passende Karte besitzt, darf sie asynchron sofort auf den Tisch legen.<br \/>\nDa kann doch ein Blinder mit der Kr\u00fccke sehen, dass dieses unkoordinierte Vorgehen sofort Diskussionen und Rechthabereien dar\u00fcber ausl\u00f6sen wird, welcher von zwei Spielern zuerst seine Karte hingelegt hat. Diese Blindenvision wurde ignoriert, doch Walter nutzt schon die ersten Kollision, um sich vom Spiel zur\u00fcck zu ziehen. \u201eNix f\u00fcr mich, streitet euch ohne mich!\u201c Aaron war der zweite, der dieses Spielprinzip schon vom Prinzip her nicht akzeptierte. Die anderen drei spielten in weniger als zwei Minuten den Sieger aus. Das war\u2019s dann auch schon.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 3 (weil\u2019s funktioniert, ansonsten die nicht beantwortete Frage. \u201eWas ist an dem Spiel gut?\u201c), Loredana: 1 (\u201eist kein Spiel\u201c), Moritz: 5 (\u201ef\u00fcr die geforderte schnelle Reaktion\u201c; vielleicht auch in memoriam der besten Bridgespielerin der Welt), Peter: 2, Walter: 2 (\u201ekein Spiel f\u00fcr den Westpark\u201c)<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Maria&#8221;<\/strong><br \/>\nDas neue Spiel von Richard Sivel. Eine Weiterentwicklung von \u201eFriedrich\u201c, mit den gleichen Kampfmechanismen, einer \u00e4hnlichen Geographie von Mitteleuropas und einer modifizierten historischen Grundlage.<br \/>\nDoch wir waren heute zu f\u00fcnft, und \u201eMaria\u201c geht nur zu dritt. Leider. Moritz packte das Material bedauernd wieder ein.<br \/>\n<strong>3. &#8220;Macht$piele&#8221;<\/strong><br \/>\nDieses Spiel geht mit bis zu 5 Mitspielern; wir haben es am Westpark bisher aber nur zu viert gespielt. Peter und Loredana waren heute die Frischlinge.<br \/>\nSchon w\u00e4hrend Aarons Erkl\u00e4rung erkannte Peter messercharf: \u201eDas Spiel ist sozialkritisch!\u201c Nur ob hier die Sicht von \u201eIhr dort oben\u201c oder die von \u201ewir hier unten\u201c zugrunde lag, blieb noch offen.<br \/>\nBereichsleiter d\u00fcrfen abdanken. Loredana \u2013 noch ist sie keine Deutsche \u2013 fragte: \u201eWas hei\u00dft \u201aabdanken\u2019\u201c?Unisono-Antwort des deutschen M\u00e4nnerquartetts: \u201eZur\u00fccktreten\u201c. F\u00fcr Sprachetymologen immerhin bemerkenswert, dass im Verb \u201aabdanken\u201c das Wort \u201eDank\u201c enthalten ist. Vielleicht kommt das daher, da\u00df in fr\u00fcheren Jahrhunderten die F\u00fchrer (oder ihr Fu\u00dfvolk) deutlich honoriger waren als heutzutage und immmer \u201emit Dank entlassen\u201c wurden.<br \/>\n\u00dcber diesen Bedeutungskl\u00e4rungen tauchte nat\u00fcrlich sofort die Frage auf: \u201eHat K\u00f6hler abgedankt?\u201c \u201eNein, er hat den Schwanz eingezogen!\u201c (Dieser Satz in diesem Zusammenhang ist nicht meine Wortsch\u00f6pfung, er ist lediglich ein w\u00f6rtliches Zitat aus den heutigen Beitr\u00e4gen. Ich hoffe, dass ich jetzt nicht wegen Verunglimpfung der Ex-Obrikeit belangt werden kann.)<br \/>\nAbgedankte Bereichsleiter haben zwei Verwendungsm\u00f6glichkeiten: Entweder gehen sie in den Vorstand, oder sie werden externe Berater. Welche Alternative hat wohl unser Holzkohlenhersteller gew\u00e4hlt?<br \/>\nAls Aaron auf den Punkt \u201eKorruption\u201c zu sprechen kam, konstatierte Loredana: \u201eDas ist ist Realit\u00e4t!\u201c. Ein M\u00e4dchen von knapp \u00fcber 17, f\u00fcr die das Leben gerade erst angefangen hat! Nach weiteren Details konnte Peter aufkl\u00e4ren: \u201eKorruption ist etwas Gutes!\u201c.<br \/>\nUmfangreiche wirtschaftspolitische Kommentare aus mehr als 200 Jahren Gesamtlebenserfahrung begleiteten die Regelerkl\u00e4rung und der Witz der aktuellen Lage lie\u00df manchen Ernst der Macht$piel-Regeln untergehen. So kam es auch gleich in der ersten Runde zu einem neuartigen Spiel-Skandal am Westpark:<br \/>\nPeter hatte f\u00fcr Walters Boss-Privileg 250 Mille Schmiergeld r\u00fcbergereicht und der hatte sich mit Schmerzen vom Gedanken an die Gr\u00fcndung einer neuen Hauptabteilung getrennt. Da zog Aaron die n\u00e4chste Ereigniskarte: \u201eDer Boss wird entmachtet.\u201c Das Privileg ist nichts mehr wert. Walter kassierte als abgedankend-werdender Boss immerhin noch 200 Mille Entsch\u00e4digung, doch Peter war das Objekt der Begierde unter den Hand zerfallen. Dagegen protestierte er unverz\u00fcglich: \u201eIch habe diese Regel nicht gekannt. Das Boss-Privieg ist das einzige, das per Ereigniskarte neutralisiert wird. Wenn ich das gewu\u00dft h\u00e4tte, h\u00e4tte ich niemals daf\u00fcr etwas geboten.\u201c<br \/>\nWalter wollte nat\u00fcrlich seine 250 Mille nicht wieder rausr\u00fccken, h\u00f6chstenfalls die H\u00e4lfte. Doch damit war Peter nicht zufrieden zu stellen. Was tun?<br \/>\nMit drei weinenden Augenpaaren fingen wir die \u201eMacht$piele\u201c nochmals von vorne an. Doch Widerwille und Animosit\u00e4ten waren schnell verflogen. Friedlich und fr\u00f6hlich ging der konstruktive Intrigenkampf \u00fcber die B\u00fchne, jeder sah den Sieg vor Augen, Peters brach sogar in fr\u00fchzeitiges Frohlocken aus, doch das Hosianna-Singen mu\u00dfte er einem anderen \u00fcberlassen.<br \/>\nDem Sieger war sicherlich eine gl\u00fcckliche Erzfeindschaft zu gute gekommen. Die gewollte Unsymmetrie bei der Verteilung der Erzfeindschaften erzeugt n\u00e4mlich bereits in der Startaufstellung ungleiche Siegchancen. Bekommen zwei Mitspieler sich zuf\u00e4llig gegenseitig als Konkurrenten zugeteilt, dann tun sie sich deutlich schwerer, hier den vierten Siegpunkt zu ergattern, als ein Solog\u00e4nger, der locker und unbemerkt an seine Sonderaufgabe herangehen kann.<br \/>\nDoch Macht$piele ist ein derma\u00dfen gut ausbalanciertes Spiel, so dass wir mit einem berechtigten Urvertrauen uns darauf verlassen wollen, dass Eggert-Spiele an den verschiedenen Einstellschr\u00e4ubchen so lange gedreht hat, bis die verschiedenen Wege zum Sieg nach Menschenverm\u00f6gen gleich lang sind. Der Rest ist Spiel.<br \/>\nEs war noch nicht zu sp\u00e4t und zum Verifizieren der Chancengleichheit schlug Moritz vor: \u201eLa\u00dft es uns doch einfach nochmals spielen!\u201c Wir waren fast dazu geneigt. Doch dann pfiff aus der Ferne schon die vorletzte U-Bahn und Peter wollte keinesfalls auf einen Absacker verzichten.<br \/>\n<em>Der bisherige WPG-Durchschnitt von 7,5 Punkten wurde genau gehalten: Loredana: 7 (\u201edie erste (abgebrochene) Runde hat mir besser gefallen\u201c), Peter: 8 (\u201enett &amp; spannend\u201c, anschaffenswert, Obletter macht\u2019s m\u00f6glich)<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron stand im Endspiel mit einem W\u00fcrfel gegen drei W\u00fcrfel von Moritz. Mit einem Stern unter dem Becher begann er mit 2 mal die Zwei. Moritz hob auf 3 mal Eins! Was jetzt? Aaron probierte es mit 2 mal Stern? 4 mal die Eins w\u00e4re es gewesen. Claro. Post mortem!<br \/>\nPeter erlebte \u201edas sch\u00f6nste Endspiel meines Lebens\u201c. Viel Spiele hintereinander konnte er durch die exakte richtige Vorgabe alle seine Gegner gleichzeitig um jeweils einen W\u00fcrfel k\u00fcrzen. Bis er alleine \u00fcbrig blieb.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind Doktor! Peter hat grade den Doktortitel erworben. Sein Thema \u201ePhilologischer, historischer und liturgischer Kommentar zum 8. Buch der \u201aJohannis\u2019 des Goripp nebst kritischer Edition und \u00dcbersetzung\u201c. Sein geiles Werk liegt auf Grund zweier grandioser Fehldrucke leider immer noch nicht in Buchform vor, aber den Titel darf er schon f\u00fchren. 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