{"id":70,"date":"2005-07-21T02:23:45","date_gmt":"2005-07-21T02:23:45","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=70"},"modified":"2009-11-16T20:51:46","modified_gmt":"2009-11-16T19:51:46","slug":"21-juli-2005-7-ages-fur-den-flaschenteufel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2005\/07\/21\/21-juli-2005-7-ages-fur-den-flaschenteufel\/","title":{"rendered":"21.07.2005: 7 Ages f\u00fcr den Flaschenteufel"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;7 Ages&#8221;<\/strong><br \/>Moritz konnte endlich einem wohlwollenden Haufen sein liebstes Kind, &#8220;7 Ages&#8221; vorf\u00fchren. Ein normaler WPG-Spielabend reicht nat\u00fcrlich nur f\u00fcr eines der 7 Ages, aber als Kostprobe und um auf den Geschmack zu kommen, sollte das sicherlich genug sein.<br \/>Als erfahrener Liebhaber und Experte konzentrierte Moritz sich und uns gleich auf die wesentlichsten Spielelemente: Wir verzichteten auf die Ereigniskarten (sie machen das Spiel zu einem unberechenbaren Chaosspiel) und beschieden uns mit der kleinen Auswahl von 673 (statt 800) verschiedener Charaktere. So waren wir nach einer guten Stunde Erkl\u00e4rung mit den Regeln auch schon durch und wendeten uns mit Moritz Hilfe den ersten Spielz\u00fcgen zu.<br \/>Aaron war Startspieler und nach kaum 10 Minuten eifrigster Beratung von Moritz war er mit seinem ersten Zug fl\u00fcssig fertig geworden. Bei G\u00fcnther dauerte die Hilfestellung nur noch 9 Minuten. Ich war dritter und hatte als einzige Zugm\u00f6glichkeit, entweder Australien zu entdecken oder mir neue Karten zu besorgen. Da ich Australien aus verschiedenen neuzeitlichen Erfahrungen zwar sehr sch\u00e4tze, aber nicht viel Lust hatte, mich weit vor unserer Zeitrechnung die ersten Jahrhunderte meines Daseins ganz alleine mit K\u00e4nguruhs herumzuschlagen, wollte ich als ersten Zug schon auf Australien verzichten und alle meine Aktionskarten gegen ein neues Handset tauschen, um ein neues Gl\u00fcck n\u00e4her an der Wiege der Menschheit zu versuchen. Aber Moritz redete auf mich ein, wie ein Bauer auf seine kranke Kuh: ich sollte auf keinen Fall die Besiedelung Australiens so achtlos von mir weisen sollte. Ich vertraute auf ihn und entdeckte Australien.<br \/>\u00dcberhaupt Moritz: So uneigenn\u00fctzig wie heute war er noch nie aufgetreten. An jeden verteilte er eindringlich und leidenschaftsvoll die besten Tips. Jedem griff er selbstlos wie ein barmherziger Samariter unter die Arme. Jeder war f\u00fcr ihn das geh\u00e4tschelte Kind, das er mit aufrichtiger Mutterliebe an beiden H\u00e4nden auf dem richtigen Weg f\u00fchren wollte. Schlie\u00dflich ging es darum, sein 10-Punkte-Non-Plus-Ulta-Spiel einem gr\u00f6\u00dferen Freundeskreis zuzuf\u00fchren. Keiner sollte aus Mi\u00dfverst\u00e4ndnis oder aus fr\u00fchzeitiger Frustration auf eine 4 Punkte-Bewertung kommen. Sogar seine eigenen aggressiven Entwicklungsm\u00f6glichkeiten setzte er hinten an, um eine m\u00f6glicherweise schlechte Notengebung zu verhindern. Vielleicht wird es doch noch mal bei uns &#8220;Spiel des Monats&#8221;.<br \/>Nat\u00fcrlich konnte er auch die Situation genie\u00dfen, in einer WPG-Runde gleich vier kompetente Rollen auf einmal zu spielen. Wir waren dankbare Zuschauer seiner Spielk\u00fcnste und lie\u00dfen uns von ihm gerne unsere Spielaktionen diktieren.<br \/>Aarons erster Zug dauerte \u00fcbrigens noch etwas l\u00e4nger als 10 Minuten. Wir bemerkten rechtzeitig, da\u00df das von Aaron gegr\u00fcndete Makedonier-Volk gleich nach seiner Entstehung zwei zus\u00e4tzliche Spezialz\u00fcge durchf\u00fchren konnte. Es war uns nicht sofort aufgefallen, da\u00df Aarons F\u00fchrer &#8211; nicht Moritz, sondern Alexander der Gro\u00dfe &#8211; gerade die komplizierteste Figur des ganzen Spieles ist. Steht ja erst auf Seite 17 der Spielregeln erkl\u00e4rt. Aber dank Moritz Hilfe war Aaron erster Zug nach weiteren 10 Minuten zur Freude und Zufriedenheit aller erg\u00e4nzt und abgeschlossen.<br \/>Moritz war &#8211; ingesamt gesehen &#8211; nicht ganz so uneigenn\u00fctzig, wie man es aus seiner zartschmelzenden Stimme und Beratert\u00e4tigkeit h\u00e4tte entnehmen k\u00f6nnen. Als wir nach 2 Stunden Spielzeit in der dritten Runde neue V\u00f6lker gr\u00fcnden durften, wu\u00dfte er auf einmal glasklar, da\u00df die schwarzen Hunnen \u00fcberhaupt das geilste Volk der &#8220;7 Ages&#8221; sind: 25 Dollar Erstausstattung f\u00fcr das Milit\u00e4r und die Kontinente Asien und Europa schutzlos ausgeliefert. Eine winzige Einzelheit, die ihm in der Startphase, als jeder noch seine V\u00f6lker frei zusammenstellen konnte, total entfallen war. Als er sich wieder erinnerte, war er zuf\u00e4llig gerade am Zug. (An die Spells ab der dritten Runde konnte er sich sp\u00e4ter gl\u00fccklicherweise doch nicht mehr erinnern.)<br \/>Wir l\u00f6sten uns jedenfalls so langsam aus Moritz liebevoller Vormundschaft und planten unsere Z\u00fcge selber. Soweit einem das Spiel dazu die Freiheit l\u00e4\u00dft. &#8220;Ein guter Go-Spieler spielt immer bei sich selbst!&#8221; Diese Weisheit ist auf &#8220;7 Ages&#8221; nicht anwendbar. Das Spiel schickt uns ohne Wahl in die entlegensten Ecken der Welt. Dabei ist es auf einem fast zwei Meter gro\u00dfen Spielbrett, f\u00fcr das ein einziger Ausziehtisch kaum ausreicht, gar nicht so einfach, von Sibirien aus die Indianer-V\u00f6lker in Feuerland zu regieren. Oder zu bek\u00e4mpfen.<br \/>Ich baute die h\u00e4ngenden G\u00e4rten ganz ungest\u00f6rt \u00fcber den Ayers Rock. (Damals hie\u00df er noch so? Heute hei\u00dft er hei\u00dft er ja schon &#8220;Uluru&#8221;. Oder hie\u00df er damals schon so?) Ich brachte den Steinzeitmenschen in Australien die Demokratie. Moritz errichteten die Pyramiden bei den Tamilen, Aaron baute die gro\u00dfe chinesische Mauer mitten durch den Kongo und G\u00fcnther erleuchtete die Azteken in Mexiko mit dem Tempel der Diana. Als uns das pl\u00f6tzlich irgendwie anachronistisch vorkam, verk\u00fcndete Moritz: &#8220;Ich finde das ganz toll, die Geschichte neu zu schreiben!&#8221; Ja wenn man das so sieht \u0085<br \/>Dank Aarons Beschleunigung (Handels-Aktivit\u00e4ten) waren wir nach ca. 3 Stunden mit dem ersten von sieben Ages durch und Aaron hatte gewonnen. Es war ein Start-Ziel-Sieg. Ich hingegen bekam eine Start-Ziel-Rote-Fahne. Weder die Polen, das Lieblingsvolk meiner ungarischen Frau, noch die Piraten (sind die nicht irgendwie verwandt, schon allein vom Alfabeth her?), und nat\u00fcrlich auch nicht die australischen Aborigines konnten mir zu Glanz und Gloria verhelfen. Das lag mit Sicherheit nicht an Moritz&#8217; guten Ratschl\u00e4gen. Es lag einfach daran, da\u00df drei Stunden Spielzeit mit nur einem einzigen Age nicht ausreichen, die Ungleichgewichtigkeiten der Startaufstellung zu neutralisieren. Wenn wir uns noch weitere 24 Stunden mit dem Spiel verlustifiziert h\u00e4tten, und uns auch die anderen sechs Ages vorgenommen h\u00e4tten, dann w\u00e4re alles sicherlich ganz anders verlaufen. Vielleicht.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 Punkte (reichts jetzt f\u00fcr S.d.M?), G\u00fcnther: 5 (tolerierbar f\u00fcr S.d.M?), Moritz: 10 Punkte (was denn sonst)), Walter: 5 Punkte ( tolerierbar! Schlie\u00dflich ist schon allein die Farbgebung im Titel identisch wie bei &#8220;1830&#8221;!)<\/em><\/p>\n<p><strong>Feuerteufel<\/strong><br \/>Ein h\u00fcbsches kleines Stichspiel, in dessen Geheimnisse wir noch lange nicht eingedrungen sind. Gibt man seinem linken oder seinem rechten Nachbarn die b\u00f6sartigere Karte? Wie spielt man mit vielen unangenehm kleinen Karten, wenn man nicht wei\u00df, welche noch kleineren Karten im Spiel geblieben sind? Grunds\u00e4tzlich so wenig wie m\u00f6glich eigene Stiche, damit man h\u00f6here Chancen hat, die faulen Gurken noch irgendwie loszuwerden?<br \/>Es steckt viel drin, in diesem kleinen Spiel. Besonders wenn man die beigelegte Erz\u00e4hlung von Stevenson gelesen hat.<br \/><em>WPG-Wertung: Keine neuen, nur alte, gute Wertungen<br \/><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;7 Ages&#8221;Moritz konnte endlich einem wohlwollenden Haufen sein liebstes Kind, &#8220;7 Ages&#8221; vorf\u00fchren. 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