{"id":700,"date":"2010-09-09T02:22:58","date_gmt":"2010-09-09T01:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=700"},"modified":"2010-09-09T12:07:01","modified_gmt":"2010-09-09T11:07:01","slug":"8-9-2010-hotel-am-plattensee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/09\/09\/8-9-2010-hotel-am-plattensee\/","title":{"rendered":"8.9.2010: Hotel am Plattensee"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn es nach den ausgebliebenen Session-Reports so aussieht, als h\u00e4tten wir vier Wochen pausiert, waren die Westparker doch auch in der Zwischenzeit aktiv. Allerdings mit bereits bekannten und beschriebenen Spielen, einmal direkt bei Hans-im-Gl\u00fcck, vor allem aber ohne den Gewohnheitsschreiber Walter.<br \/>\nWalter durfte einige Wochen lang am Plattensee den Geburtstag der besten aller Ehefrauen feiern, und mu\u00dfte sich in der dortigen Spielew\u00fcste mit \u201eHotel\u201c begn\u00fcgen. Einem Westpark-Strategen kann diese Monopoly-Variante zun\u00e4chst nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln abgewinnen. Doch wenn man von vorneherin davon ausgeht, keine konsequente Gewinnstrategie verfolgen zu k\u00f6nnen, sondern mit einer dem\u00fctig-gel\u00f6sten Kismet-Einstellung die Gaben des W\u00fcrfels hinzunehmen, dann kann man unter netten Menschen auch mit einer \u201eHotel\u201c-Runde zwei Stunden Spa\u00df haben.<br \/>\n\u201eUnd was gef\u00e4llt Euch daran so besonders?\u201c war hinterher die obligatorische Westpark-Gamers-Frage. \u201eDa\u00df man nicht denken mu\u00df!\u201c antwortete ein frisch gebackener Mediziner, Freund der Nichte. Und was sagte die Nichte selber zum Abschlu\u00df: \u201eMama, zu Weihnachten w\u00fcnsche ich mir ein NEUES Monopoly.\u201c<br \/>\n<strong>1. &#8220;Das kalte Herz&#8221;<\/strong><br \/>\nVor einem halben Jahr haben wir die Neuentwicklung von Christof und Moritz noch im Embryonalzustand in Augenschein nehmen k\u00f6nnen. Wir sollen als Fl\u00f6sser im Holzhandeln unsere t\u00e4glichen Siegpunkte verdienen (siehe Session Report vom 17.M\u00e4rz). Damals hie\u00df der Arbeitstititel noch \u201eHolzhacken im Schwarzwald\u201c. Jetzt gehen unsere Spiele-V\u00e4ter schon sechs Monate lang mit ihrem Kind schwanger und haben eine Menge zus\u00e4tzlichen Pepp hineinentwickelt.<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Embryo2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Embryo2-300x245.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"245\" class=\"alignright size-medium wp-image-707\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Embryo2-300x245.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Embryo2-150x123.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Embryo2.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt schon mit dem Namen an. Aus den \u201eHolzhackern\u201c ist \u201eDas kalte Herz\u201c geworden, nach einem M\u00e4rchen von Wilhelm Hauff, das den Holzh\u00e4ndlern in Schwarzwald gewidmet ist. Hier ein Ausschnitt aus der Hauff\u2019schen Einleitung:<br \/>\n\u201eWer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen \u2026 Dort besch\u00e4ftigen sich die Leute gew\u00f6hnlich mit Glasmachen; auch verfertigen sie Uhren und tragen sie in der halben Welt umher. Auf der andern Seite des Waldes wohnen andere Menschen desselben Stammes, die handeln mit ihrem Wald; sie f\u00e4llen und behauen ihre Tannen, fl\u00f6\u00dfen sie durch die Nagold in den Neckar, und von dem obern Neckar den Rhein hinab, bis weit hinein nach Holland. Am Meer kennt man die Schwarzw\u00e4lder und ihre langen Fl\u00f6\u00dfe; sie halten an jeder Stadt, die amStrom liegt, an, und erwarten stolz, ob man ihnen Balken und Bretter abkaufen werde; ihre st\u00e4rksten und l\u00e4ngsten Balken aber verhandeln sie um schweres Geld an die Mynheers.\u201c<br \/>\nIn dem M\u00e4rchen kommt der kleine Kohlemunk-Peter vor, der auf seinem Abenteuer vom guten Glasm\u00e4nnlein besch\u00fctzt und vom b\u00f6sen Holl\u00e4ndermichel bedroht ist. Dieser mythische Gut-B\u00f6se-Kontrast hat es den Autoren angetan. Zur soliden Holzhandwerksarbeit haben sie phantastische Aktionskarten gestellt, die st\u00e4ndig unseren Charakter verderben und uns Minuspunkte zuschustern. Zu unserer Seelenrettung m\u00fcssen wir regelm\u00e4\u00dfig beten und dabei eine st\u00e4ndig wachsende Anzahl von Scherflein in den Opferstock geben. Wer allerdings von Haus aus zur Fr\u00f6mmigkeit neigt, geht \u00fcberhaupt nicht mehr in den Wald, sondern schickt seine Leute st\u00e4ndig ununterbrochen ins Bethaus, und sammelt sich so nicht nur Sch\u00e4tze im Himmel, sondern auch Siegpunkte auf Erden.<br \/>\nDiese Strategie verfolgte Walter, wobei ihm zugute kam, da\u00df er durch seinen zu Spielbeginn verteilten Sondercharakter von vornerherein f\u00fcr jede Fr\u00f6mmigkeitsstufe zwei Scherflein weniger zahlen mu\u00dfte als im Standard-Tarif. So konnte er als Heiliger den Sudden Death herbeif\u00fchren und sich dabei noch zum Sieger k\u00fcren lassen.<br \/>\nEs gibt noch viel zu feilen am kalten Herzen. Auch mu\u00df noch einiges vereinfacht werden. Die vielen Gr\u00fcbelm\u00f6glichkeiten \u00fcber die effizientesten Z\u00fcge f\u00fcr die einfachen Holzhacker und Holzh\u00e4ndler kosten (am Westpark) eine viel zu gro\u00dfe Menge Denkzeit. Und warten ist l\u00e4stig. Besonders f\u00fcr Walter, der noch dazu f\u00fcr seine Bete-und-Faulenze-Strategie \u00fcberhaupt keine Denkzeit ben\u00f6tigte. Zum Gl\u00fcck konnte er sich den Hauff vornehmen und \u201eDas kalte Herz\u201c lesend bew\u00e4ltigen, w\u00e4hrend seine Mitspieler Holz hackten, Baumst\u00e4mme anschoben, Staud\u00e4mme fluteten und Fl\u00f6\u00dfe zusammenzimmerten.<br \/>\nEin Neunmonatskind wird \u201edas kalte Herz\u201c bestimmt nicht.<br \/>\n<em>Noch keine WPG-Wertung.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Chairman of the Board&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Brettspiel wurde uns vom irischen Verlag Peca-Games zum Testen zugeschickt, mit den besten Referenzen im Internet.<br \/>\nBeim Auspacken erinnerte das Spielbrett eher an \u201eMonopoly\u201c: Um den Spielfeldrand herum sind farbige Felder gruppiert, auf die je eine Karte gelegt wird. Bei \u201eMonopoly\u201c sind das Stra\u00dfen, im \u201eChairman of the Board\u201c (deutscher Titel: \u201eDer Vorstandsvorsitzende\u201c!!) sind das Aktienanteile.<br \/>\nDoch es gibt keine W\u00fcrfel, die Bewegung um das die Aktienfelder am Spielfeldrand erfolgt mitttels Karten. Der Mechanismus ist hier ganz \u00e4hnlich dem eines Kartenspiels, das ich als Kind unter dem Namen \u201eSchnauz\u201c kennengelernt habe: Jeder Spieler erh\u00e4lt 3 Karten eines \u201enormalen\u201c Kartendecks (Romm\u00e9, Canasta, Bridge), darf jeweils eine davon mit einer Karte vom \u00fcbrigen Stapel tauschen und mu\u00df damit m\u00f6glichst schnell die h\u00f6chstwertige Kartenkombination erzielen. Wem das gelingt, der darf sich einen Aktienanteil nehmen. Wer dann die niedrigstwertige Kartenkombination in seiner Hand h\u00e4lt, mu\u00df dem Gewinner zus\u00e4tzlich eine gewaltige Stange Bargeld zuschustern. F\u00fcr die anderen Mitspieler tut sich gar nichts.<br \/>\nMoritz erkl\u00e4rte diese etwas seltsame Karten-Brettspiel-Nichts-R\u00fchrt-Sich mit \u201eWarten auf Godot\u201c von Samuel Beckett. Auch bei diesem absurden St\u00fcck des irischen Autors wartet man ebenfalls vergeblich darauf, da\u00df irgendwann mal irgend eine Aktion geschieht. In \u201eChairman of the Board\u201c erh\u00e4lt dazu noch jeder Spieler eine \u201eVetokarte\u201c, mit der er verbieten kann, da\u00df sich ein Spieler nach der oben beschriebenen Regel einen Aktienanteil nehmen kann. So ist der Stillstand gleich doppelt gesichert.<br \/>\nNat\u00fcrlich l\u00f6ste dieses vermurkste Design sehr bald ausschlie\u00dflich Gel\u00e4chter aus. Zumindest bei \u00be der Teilnehmer. Walter \u201efand es \u00fcberhaupt nicht zum Lachen\u201c, doch f\u00fcr Moritz war es \u201eeines der besten Spiele, das mit je untergekommen ist\u201c. Doch trotz diese Qualifizierung brachen wir ab, bevor auch nur der ersten Spieler einen Aktienanteil erworben hatte. \u201eIt\u2019s not a game, it\u2019s a joke!\u201c (Hallo Peca-Games: Falls Euch dieser Session-Report zu b\u00f6sartig erscheint, dann k\u00f6nnt Ihr wenigstens noch das Moritz-Zitat in Euere Internet-Pr\u00e4sentation \u00fcbernehmen!).<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 2 (f\u00fcr das sch\u00f6ne, qualitativ hochwertige Spielmaterial), G\u00fcnther: 2 (f\u00fcr die Veto-Karten), Moritz: 2 (Spielmaterial), Walter: 2 (Als Reverenz f\u00fcr die vielen Schnauz-Runden aus seiner Jugend)<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Schnauz&#8221;<\/strong><br \/>\nZur Demonstration eines funktionierenden Spiels mit dem oben erw\u00e4hnten Kartenkombination-Tausch-Mechanismus schlug Walter ein Spielchen vom Original-Schnauz vor. Im Internet ist es mit dem Namen \u201eSchwimmen\u201c gef\u00fchrt und hat die weiteren regionalen Bezeichnungen Knack, Wutz, Bull und Hosn obi \u2026<br \/>\nUnter der Seite http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwimmen_(Kartenspiel) findet man die Ablaufbeschreibung:<br \/>\n\u201eDer Kartengeber teilt beim offenen Spiel jeweils drei verdeckte Karten einzeln an alle Spielteilnehmer aus, an sich selbst jedoch zwei P\u00e4ckchen mit jeweils drei Karten. Er sieht sich die Karten eines Stapels an und entscheidet, ob er mit diesen Karten spielen m\u00f6chte, oder nicht. Will er mit den Karten des ersten Stapels spielen, so muss er den zweiten Stapel offen in die Tischmitte legen. Will er die Karten des ersten Stapels nicht behalten, so legt er diese drei Karten offen in die Mitte des Tisches und muss die Karten des zweiten Stapels aufnehmen. Die \u00fcbrigen Karten werden beiseite gelegt.<br \/>\nDer Spieler links vom Geber beginnt das Spiel. Er kann entweder eine Karte oder alle drei Karten aus der Hand mit Karten in der Mitte tauschen \u2013 jedoch nicht zwei. M\u00f6chte er nicht tauschen, so kann er entweder schieben, d. h. keine Karte tauschen, oder aber das Spiel schlie\u00dfen, indem er klopft (meist mit den Fingerkn\u00f6cheln auf den Spieltisch).\u201c<br \/>\nLogisch, stimmig, ausgewogen, unterhaltsam. Auf keinen Fall krass.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (auch Jugenderinnerung), G\u00fcnther: 5 (warum eigentlich?), Moritz: 5 (funktioniert), Walter: 7 (schnell und gute Kosten\/Nutzen-Relation im Material).<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Flaschenteufel&#8221;<\/strong><br \/>\nMoritz wurde ungedultig: \u201eJetzt la\u00dft uns endlich nochmal ein gutes Spiel spielen!\u201c 23 Uhr war schon vorbei, da standen nur noch Absacker zur Auswahl. \u201eFlaschenteufel\u201c ist immerhin einer von den besten.<br \/>\nAaron schlug G\u00fcnther gleich eine Allianz gegen Moritz und Walter vor, doch G\u00fcnther hatte eine bessere Idee: \u201eAlle drei gegen Moritz! Wenn er schon mal da ist!\u201c<br \/>\nAllerdings lassen sich aggressive Allianzen in Flashenteufel kaum umsetzen .Am Ende ist jeder doch nur darum bem\u00fcht, sein eigenes Sch\u00e4fchen ins Trockene zu bringen. Selbst beim Schieben von Karten in der Startaufstellung kann jeder nur an seinen eigenen Vorteil denken: Die niedrigere Karte an den rechten Mitspieler, die h\u00f6here Karte an den linken Mitspieler. Die Begr\u00fcndung daf\u00fcr und eine Reihe weiterer Ratschl\u00e4ge findet man unter der Flaschenteufel-Rezension auf unserer Seite.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><br \/>\n<strong>5. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nWalter stand mit 3 W\u00fcrfeln im Endspiel gegen G\u00fcnther mit 1 W\u00fcrfel. 1 mal die Vier war Pflichtvorgabe im Kampf der 1-mal-Vier gegen 1-mal-F\u00fcnf-Kontrahenten.<br \/>\nG\u00fcnther hatte eine winzige Eins unter seinem Becher. Wie sollte er kontern?<br \/>\nEr versuchte es mit 2 mal die Eins. Doch Walter, der eine Eins und zwei Zweien unter dem Becher hatte, konnte mit 2 mal die Zwei den Sack zumachen.<br \/>\nG\u00fcnther bekam hinterher nat\u00fcrlich den Vorwurf zu h\u00f6ren, warum er die 1-mal-Vier-Vorgabe nicht angezweifelt habe. Daf\u00fcr bekommt er jetzt als unser Chefmathematiker folgende Hausaufgabe aufgedr\u00fcckt;<br \/>\na) Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, unter 3 W\u00fcrfeln keine Vier zu haben.<br \/>\nb) Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 3 W\u00fcrfeln (einschlie\u00dflich der Nachw\u00fcrfelm\u00f6glichkeit) besser als 2 mal die Eins zu w\u00fcrfeln. (Unter der Voraussetzung, dass unter unter dem Becher des Gegners eine Eins vorhanden ist.)<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn es nach den ausgebliebenen Session-Reports so aussieht, als h\u00e4tten wir vier Wochen pausiert, waren die Westparker doch auch in der Zwischenzeit aktiv. 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