{"id":737,"date":"2010-09-23T01:45:07","date_gmt":"2010-09-23T00:45:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=737"},"modified":"2010-09-23T08:41:15","modified_gmt":"2010-09-23T07:41:15","slug":"21-9-2010-buse-fur-den-dammbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2010\/09\/23\/21-9-2010-buse-fur-den-dammbruch\/","title":{"rendered":"21.09.2010: Bu\u00dfe f\u00fcr den Dammbruch"},"content":{"rendered":"<p>Andrea ist katholische K\u00f6lnerin und assoziiert mit Protestanten (igitt!) die sauert\u00f6pfischen Nichtlacher aus Europas Norden. Walter stammt aus protestantischem Hause in Franken und assoziiert mit Katholiken die Drauflos-Lebenden, die sich niemals um die (In-)Konsistenz zwischen Lehre und Leben geschert haben: Wallfahrten und s\u00fcndigen, in jeder beliebigen Reihenfolge.<br \/>\nWarum diese Einleitung? Nun ja, das Schl\u00fcsselspiel des heutigen Abends drehte sich um das Gut- und B\u00f6se-Sein. Und auf diesem Gebiet besitzen die Vertreter der beiden gro\u00dfen deutschen Volkskirchen garantiert keine gemeinsamen Gene.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Das kalte Herz&#8221;<\/strong><br \/>\nMoritz\u2019 aktuelle Spielentwicklung hat die n\u00e4chste Umdrehung in einer nach oben offenen Spiralbewegung zur\u00fcckgelegt und wurde erneut zur Begutachtung aufgetischt. Wir sind immer noch Holzf\u00e4ller und Fl\u00f6\u00dfer frei nach Wilhelm Hauffs gleichnamiger Erz\u00e4hlung.<br \/>\nWesentliche \u00c4nderungen gegen\u00fcber der Vorg\u00e4ngerversion (siehe Spielbericht vom 8. September diesen Jahres):<br \/>\na) In der Startaufstellung gibt es bereits ausreichend Holz vor der H\u00fcttn bzw. in der Nagold.<br \/>\nb) Alles Holz geh\u00f6rt jedermann und kann von allen f\u00fcr den gleichen Erl\u00f6s bewegt, entstaut und gefl\u00f6\u00dft werden.<br \/>\nc) Geld und Siegpunkte sind w\u00e4hrend des Spiels nicht ineinander konvertierbar. Nur am Spielende liefert das Restgeld einen additiven Siegpunkt-Betrag.<br \/>\nd) Die individuellen Ereigniskarten sind verschwunden. Daf\u00fcr gibt es jetzt f\u00fcr alle Mitspieler g\u00fcltige Saisonkarten, die den Spielraum innerhalb der Aktionen einer Runde bestimmen.<br \/>\ne) Die Arbeiter k\u00f6nnen an jeder beliebigen Stelle des Spielbrettes eingesetzt werden.<br \/>\nf) Alle Aktionen (Holz f\u00e4llen, St\u00e4mme bewegen, Staud\u00e4mme \u00f6ffnen, Fl\u00f6\u00dfe binden und Fl\u00f6\u00dfe verkaufen) k\u00f6nnen jetzt auch ohne Arbeiter ausgef\u00fchrt werden.<br \/>\ng) Man kann immer noch beten. Doch steigt man daf\u00fcr nicht linear auf der Fr\u00f6mmigkeitsskala, sondern bekommt Abla\u00dfzettel, die erst als B\u00fcndel in Fr\u00f6mmigkeit umgesetzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nNach der Quintessenz von Hauff\u2019s M\u00e4rchen sind wir sind immer noch gut und b\u00f6se und k\u00f6nnen b\u00f6se Aktionen durchf\u00fchren, die uns in den S\u00fcndenpfuhl dr\u00fccken, oder Abla\u00df erwerben, um uns wieder daraus zu erheben.<br \/>\nDieser typisch katholische Mechanismus l\u00f6ste zwischen Andrea und Walter eine fortw\u00e4hrende konstruktive Diskussion aus, welche Spielz\u00fcge protestantisch und welche katholisch sind. Bu\u00dfe tun, um das kalte Herz zu erw\u00e4rmen, ist protestantisch. Bu\u00dfe tun, um in der Fr\u00f6mmigkeitsskala nach oben zu steigen, ist katholisch. A priori Bu\u00dfe-Tun ist protestantisch, hat doch schon Luther in seiner ersten These formuliert, da\u00df das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen eine stete Bu\u00dfe sein soll. Hingegen aus einem wohldefinierten Grund Bu\u00dfe zu tun hat, ist katholisch. Schlie\u00dflich hat man bei Spiel und Tanz, wenn nicht gar auf dem Oktoberfest, erst einmal geh\u00f6rig ges\u00fcndigt. Und schlie\u00dflich will man sich damit einen klar quantifizierten und ausgewiesenen Zeitanteil Seelenpein im Fegefeuer ersparen. Katholiken tun Bu\u00dfe, weil sie gut werden wollen. Protestanten tun Bu\u00dfe, weil sie gut sind. Oder weil sie b\u00f6se sind von Jugend auf. Usw.<br \/>\nAuch wenn diese Diskussion nur ganz leise und in einer abseitigen Tischecke gef\u00fchrt wurde, wurde sie von Aaron deutlich kritisiert. Als Unh\u00f6flichkeit gegen\u00fcber dem Autor. Walters Einwand: Das Spiel bietet zu wenig Motivation etwas zu tun. Alle Aktionen, die man tun darf, kosten a) Geld und b) bringen vor allem unmittelbar dem Nachfolger etwas ein. Ein eigener Nutzen ist erst mit weiterer unfreiwilliger und nicht vorhersehbarer Anschiebhilfe durch die Mitspieler zu erzielen.<br \/>\nMoritz sah das sofort ein: Er schlug einen neuen Spielanfang vor mit einer ad hoc-Modifikation der Spielregeln.<br \/>\na) Die einzelnen Aktionen d\u00fcrfen (wieder) erst nur dann getan werden, wenn man einen Arbeiter zur Stelle hat. (Allerdings ist die Beweglichkeit der Arbeiter noch sehr hoch. Diese Einschr\u00e4nkung des Aktionsspielraums mu\u00df noch weiter verst\u00e4rkt werden.)<br \/>\nb) Die Baumst\u00e4mme in den Fl\u00fcssen bewegen sich automatisch, d.h. jeder Spieler darf \/ muss standardm\u00e4\u00dfig pro Zug eine Portion St\u00e4mme bewegen.<br \/>\n(Frage: Warum bilden die Holzst\u00e4mme immer noch so dicke Pakete. Warum schwimmen auf den einzelnen Flu\u00dfabschnitten nicht immer nur einzelne Baumst\u00e4mme die Nagold hinab?)<br \/>\nJetzt war die allgemeine Dammbewegung gestoppt und jeder Spieler mu\u00dfte Arbeiter bringen, um aktiv ins Spielgeschehen eingreifen zu k\u00f6nnen. Dammbr\u00fcche erfolgten nur noch mit manuellem Zutun. Auch die Bu\u00df-Diskussion war unverz\u00fcglich gestoppt. Schlie\u00dflich gab es jetzt genug eigene Z\u00fcge zu planen und fremde Z\u00fcge zu beobachten, um am Damm zu bleiben. Doch noch immer ist man nur begrenzt seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied. Immer noch braucht man die Hilfe der Mitspieler um die D\u00e4mme oder die Fl\u00f6ssel\u00e4nde voller Baumst\u00e4mme zu bekommen und damit lukrativ handeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDoch immerhin gab es zum ersten Mal, seit wir am kalten Herzen operieren, reichlich Fl\u00f6\u00dfe mit \u00fcppigen Ertr\u00e4gen, die strahlende Mienen bei den gl\u00fccklichen (oder f\u00e4higen) Holzh\u00e4ndlern hervorriefen. Doch es gibt noch viel zu balancieren. Nach 4 Stunden eifriger Holzf\u00e4llerei waren wir alle erst einmal gr\u00fcndlich geschafft.<br \/>\nFazit:<br \/>\nMoritz war mit der Spiell\u00e4nge zufrieden. Es hat sich viel bewegt und alle Spielelemente waren angesprochen worden.<br \/>\nAaron vermi\u00dfte noch eine geh\u00f6rige Portion Interaktion. Streckenweise war die unvermeidliche Denkzeit auch \u00fcber Geb\u00fchr lang.<br \/>\nAndrea war mit der gelungenen Themenumsetzung beim Gut-B\u00f6se-Prinzip zufrieden. Ihr gefiel auch das Kosten-Steigerungsprinzip bei den Saisonkarten.<br \/>\nHans setzte seine Kritk an den Geschwindigkeitsverh\u00e4ltnissen im Spieldesign an: z.B. sind die Arbeiter zu langsam und die Fl\u00fcsse zu schnell.<br \/>\nWalter spielte nicht gerne den Schmied vom fremden Gl\u00fcck.<br \/>\n<em>Noch keine WPG-Wertung.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;R-\u00d6ko&#8221;<\/strong><br \/>\nDie mentale Energie reichte mit \u201eR-\u00d6ko\u201c nur noch zu einem leichten Absacker-Kartenspiel, das am Westpark schon zweimal gefallen konnte.<br \/>\nJeder hat 1-5 Karten in den Farben rot-gr\u00fcn-gelb-blau der Hand und legt davon pro Zug 1-5 Karten einer Farbe an die \u201eM\u00fcllseite\u201c des passenden gleichfarbigen Stapel in der Mitte des Tischen und bekommt daf\u00fcr die Karten von der \u201eRecycling\u201c-Seite dieses Stapels. Liegen mindestens 4 Karten auf der M\u00fcllseite, bekommt man die oberste Karte des Stapels, die Plus- oder Minuspunkte in der Endabrechung bedeuten.<br \/>\nKartenpflege (durch Ablegen am \u201erichtigen\u201c Stapel zum Aufnehmen der \u201erichtigen\u201c Recycling-Karten) ist durchaus interessant, doch was letztendlich in der Auslage geboten ist, wird stark vom Kartenzufall bestimmt.<br \/>\nMoritz sch\u00e4tzte den \u201eGl\u00fccksfaktor\u201c auf 60-70%. Womit er sicherlich ganz gut liegt. Wobei wir aber immer noch nicht wissen, wie der \u201eGl\u00fccksfaktor\u201c \u00fcberhaupt definiert ist.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Andrea (7), Hans (6) und Moritz (6) blieben mit ihrern Noten ganz nah am aktuellen Notendurchschnitt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrea ist katholische K\u00f6lnerin und assoziiert mit Protestanten (igitt!) die sauert\u00f6pfischen Nichtlacher aus Europas Norden. 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