Packeis am Pol

Packeis am Pol

rezensiert von Walter Sorger

Ein Brettspiel ohne Brett bzw. ein Kartenspiel ohne Karten: Die Spielausstattung
besteht aus 60 stabilen Papp-Hexagons, die als Eisschollen zu dicht gepacktem
“Packeis am Pol” auf dem blanken Tisch ausgebreitet werden. Die Spielpöppel
sind hübsch geformte und bunt bemalte Pinguine, die sich über die Eisschollen
bewegen.

Zwei bis vier Spieler besitzen je vier bis zwei Pinguine. Pro Zug bewegen sie einen
davon auf gerader Linie beliebig weit über die Eisfläche. Die Pinguine der Mitspieler
dürfen dabei nicht übersprungen werden. Nach dem Zug wird die Ausgangs-Eisscholle als
Siegpunkt-Prämie kassiert und vom Tisch genommen.

board

So wird das Packeis immer löcheriger und der Bewegungsspielraum für die Pinguine wird
immer enger. Am Ende sitzt jeder einsam auf seiner letzten Eisscholle und wartet auf die
Schlussabrechung. Gewonnen hat der Spieler, dessen abkassierte Eisschollen in Summe die
meisten (Siegpunkt-)Fische enthalten.

Natürlich ist der erzielte Fischsegen kein Geschenk des Himmels, sondern muss durch
kluge Planung gefördert werden. Es gilt, durch (Pinguin-)Körpereinsatz und Mut zur Lücke
für sich ganz allein große Flächen vom Packeis abzutrennen und sie dann in Seelenruhe
abzuernten, während die anderen Pinguine schon festsitzen und in ihren letzten Zügen leer
ausgehen. Dieses Ziel verfolgt selbstverständlich jeder Mitspieler, und so steckt in
jedem Zug eine Menge Angriff und Verteidigung, kurzum die spielerische Interaktion ist
allgegenwärtig.

Als 2-Personenspiel mag der reine Denksport in Vordergrund stehen; in dieser Beziehung
sollte “Packeis” ohne Fehl und Tadel sein. Beim Mehrpersonenspiel kommen
unvermeidlich die Unwägbarkeiten von konkurrierenden Interessenlagen hinzu. Dafür gewinnt
hier der spielerische Anteil.

Ein Spiel geht äußerst flott über die Bühne, in wenigen Minuten ist es vorbei. Zum
Warming-Up einer Spielrunde ist es ideal geeignet. Und wer seinen Kindern vor dem
Schlafengehen noch einen lockeren Spielspaß vergönnen will, liegt mit “Packeis am
Pol” garantiert auch richtig. Eigentlich handelt es sich um ein abstraktes Spiel im
Sinne der alten Klassiker, wie Mühle, Dame oder Halma, und in traditionellen
Spielesammlungen aus Großmutters Zeiten hätte es einen ehrenvollen Platz verdient -wenn
es damals schon existiert hätte.