Vampire: Prince
of the City
Rezension von Walter Sorger
Das Spiel ist ein Eroberungs- und Kampfspiel. Die Spieler breiten sich auf einer Hex-Landschaft
aus und versuchen, möglichst viele prestigeträchtige Gebiete unter ihren Einfluss zu bekommen. Als
Vampire brauchen sie sich aber nicht zu Fuß über das Spielfeld ausbreiten, sie können an jeder
beliebigen Stelle des Spielfeldes landen und dort ihren Eroberungsdrang ausleben.
Selbstverständlich stehen überall Konkurrenzkämpfe an. Der Sieger kriegt alles, der Verlierer
nichts. Gekämpft wird mit Würfeln und Würfel-Modifikationskarten (z.B. “Würfele noch
einmal!” Oder: “Zähle +1 zum Würfelergebnis hinzu!”). Selbstverständlich ist dabei
Kingmakerei unvermeidlich. Oder gibt es rationale Gründe, warum ich mich mit dem einen anstatt mit
dem anderen Mitspieler anlegen sollte?
In jedem Konflikt darf jeder Spieler jedem anderen Mitspieler zur Seite stehen. Ist das ein Bug
oder ein Feature? Wir haben diese Quadrat-Kingmakerei lieber gar nicht praktiziert, sonst wäre das
Jammern und Wehklagen noch größer geworden.
Gekämpft wird in “Vampire” auch gegen böse Monster, die spontan aber regelmäßig zum
Vorschein kommen und sich für alle Spieler negativ auswirken, bis sie mit vereinten Kräften
ausgeräumt werden. Hierzu sind unbedingt Koalitionen notwendig. Am Räumungskommando darf aber nur
teilnehmen, wer vom handelnden Spieler dazu eingeladen wurde. Diese Elitetruppe teilt sich dann die
ausgeschriebene Erfolgsprämie, alle anderen gehen leer aus. Ganz normale Kingmakerei.
Man darf eine Einladung auch ablehnen und den Kolonnenführer im Regen stehen lassen. Falls er es
nicht schafft, das böse Monster zu beseitigen, bekommt er den Wert der Prämien abgezogen. Das kann
ja böse enden! Der Spieler darf aber vor der Würfelentscheidung noch rechtzeitig den Schwanz
einziehen und sich aus dem Staube machen. “Vampire” für Warmduscher!
Bei uns kam diese Situation nicht vor. Wir haben die bösen Monster immer sofort beseitigt und so
Prämie an Prämie angehäuft. Bis der Bank die Prämien-Münzen ausgingen.
Wir hatten von vorne herein die Kurzfassung des Spieles vorgesehen. Nur 6 Runden sollten
ausgetragen werden. Als nach 3 Spielstunden gerade mal 3 Runden absolviert waren, tröstete sich die
Spielergemeinde: “Jetzt sind nur noch 3 Runden zu spielen”.
Nach der vorletzten Runde, weit nach Mitternacht, gab es einen knapp Führenden, der nach
heftigen Kämpfen in der letzten Runde erfolgreich niedergemacht wurde, so dass am Ende der zuletzt
Ziehende den Sieg perfekt machen konnte.
Wir waren in absoluter Spiellaune. Keiner nahm keinem eine Attacke übel. Angriffe, Niederlagen,
Würfelpech, Ausladungen, Kingmakerei etc. wurden ohne eine einzige Kritik-Äußerung ertragen, ja
genossen. Fünf Stunden lang. Total unabhängig vom Ernst des Spieles. Hätte auch leicht ins Auge
gehen können!