Wench!

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Autor Shaun Cranford
Verlag Eagle Games
erschienen 2005
Spielerzahl 3-6
Spielzeit 20 Minuten

Wench!

rezensiert von Aaron Haag

Kann man Birnen essen? Richtige Antwort: “Es kommt drauf an.” Wenn mit dem Begriff
“Birne” die Frucht gemeint ist schon, aber was ist mit der Glüh-“Birne” (Osram möge mir
verzeihen) oder dem Kopf meine Freundes? Offenbar gibt es im Deutschen Begriffe, die sowohl Form als auch
Funktion beschreiben und es damit dem Kontext überlassen, welche genaue Interpretation die richtige ist.

Ähnlich ging es mir, als ich das Spiel “Wench!” sah. Wench? Noch nie gehört. Ein kurzer Blick
bei leo.org fördert drei mögliche
Interpretationen zu Tage: “Mädchen”, “Frauenzimmer”, “Hure”. Damit ist
zumindest die Form klar beschrieben: es handelt sich im eine Bezeichnung für eine weibliche Person. Bleibt
noch die “Funktion” und da liegen Walter (siehe seinen Bericht vom Spieleabend) und ich doch etwas
auseinander. Wench ist nach meiner Meinung ein Frauenzimmer, genau in der Bedeutung, wie Mann (und Frau) es
meint und wie es detailliert auf wench.org
von Dawn Ferchak beschrieben wird. Und die hat mit Prostitution vermutlich genauso viel gemeinsam wie George
W. Bush mit der Friedensbewegung. Oder wir einigen uns auf Moritz’ Kompromissvorschlag
“Tussie”, der wohl den Standardfall der Anwendung im Englischen am besten wiedergibt.

Aber nun zum Spiel. Die Schachtel lässt bereits erahnen, dass es um ein Kartenspiel geht und offenbar
leicht bekleidete “Frauenzimmer” die Karten zieren. Der kleine Hinweis “M – mature” lässt
vermutlich das ein oder andere Männerherz erst einmal etwas schneller schlagen, kämen dann nicht Karten zum
Vorschein, deren Illustrationen sich eher an frühpubertierende Jünglinge richtet als an reiferes
Publikum.

Nach dem Öffnen der Schachtel liegt einem ein Satz Pokerkarten (vier Farben mit je 13 Karten und 2 Jokern)
in der Hand. Erster Verdacht: die Mini-Playboy Version von Poker. Dass es aber nicht um Poker geht, wird
klar, wenn man die Karten kurz auffächert und feststellt, dass es “blaue” und “braune”
Karten gibt. Außerdem hat jede Karte einen Titel und eine Anweisung, die als Text unter dem Titel steht.
Spätestens beim Lesen dieser Texte wird klar, um welche Art Spiel es sich handelt: ein Partyspiel. Und
aufgrund der Illustrationen eines für reine Männerrunden, wie der Schachteltext am oberen und unteren Rand
auch deutlich verrät: “A drinking man’s thinking game”. Der “thinking” Anteil des
Spiels beschränkt sich aber auf das Studieren der Spielregeln und verliert sich dann beim Spielen sofort um
durch “drinking” ersetzt zu werden.

Die fünf Karten, die jeder Spieler zu Beginn zugeteilt bekommt, gilt es so schnell wie möglich wieder los
zu werden. Das erreicht man durch Ausspielen von braunen Karten wenn man an der Reihe ist. Hat man keine,
muss man nachziehen. Die ausgespielte braune Karte legt man vor sich ab und die darauf stehende Anweisung
gilt ab sofort für alle Spieler bis man wieder an der Reihe ist.

Die Anweisungen bieten einerseits die Möglichkeit, Karten aus der eigenen Hand mit anderen Spielern zu
tauschen, ausliegende Karten zu wechseln oder anderen Spielern bei Nichtbeachten der Anweisung Karten zu
geben, der so genannten “primary penalty”, die aber nur einmal pro Runde zu zahlen ist. Damit das
Spiel auch wirklich zum “drinking man’s game” wird, schlägt die Regel eine “secondary
penalty” vor, die jeden Spieler trifft, der gegen eine ausliegende Anweisung verstößt. Hier rät die
Regel zu “einen Schluck des Lieblingsgetränks”.

Dann sind da noch die blauen Karten, die zu jeder beliebigen Zeit gespielt werden können, solange die auf
der Karte beschriebene Bedingung gerade zutrifft. Und um den “thinking” Anteil zumindest beim
Regelstudium zu gewährleisten, gibt es noch eine zweite Sorte braune Karten (allerdings nur vier Stück), die
nicht wie die anderen braunen offen für eine Runde vor einem abgelegt werden, sondern deren Anweisung als
“fast action” sofort und nur einmal umgesetzt wird.

Bevor wir noch einmal zu den Kartenillustrationen kommen, ein paar Worte zu den Anweisungen auf den
Karten. Diese rangieren von trocken und unspektakulär über ganz lustig bis albern. Aber dank der
“secondary penalty” Regel wird dafür gesorgt, dass nach einigen Runden die Stimmung steigt,
vorausgesetzt, das Lieblingsgetränk hat den entsprechenden Alkoholgehalt. Und hier rät die Regel in echter
amerikanischer Haftpflicht-Paranoia möglichst nur Plastik- oder Alubehälter für die Getränke zu verwenden und
das Spiel zu beenden, wenn sich Spieler unwohl oder schwindlig fühlen. Klar, dass auch noch darauf
hingewiesen wird, das Spiel nur dort zu spielen, wo es erlaubt ist. In unserer Runde gab es auch ohne
gehobenen Alkoholpegel Lacher, aber echte Spielstimmung kam doch nicht auf.

Aber noch einmal zurück zu den Illustrationen. Beim Herstellen der Bilder für diese Rezension fiel mir
auf, dass alle höheren Karten (10, B, D, K, A) deutlich weniger Comic-artig sind und die Gesichter durchaus
echten Models nachempfunden worden sein könnten. Und siehe da, ganz am Schluss der Regel werden die
“Card Models” namentlich erwähnt, und darunter ist mit Brigitte Cranford vermutlich die Ehefrau des
Autors. Und wenn die beiden nicht gerade einen Rosenkrieg austragen, spricht das sogar dafür, Wench einfach
nur mit “Mädchen” zu übersetzen…