Cash ‘n Guns

Cash
‘n Guns

rezensiert von Walter Sorger

Die beste aller Ehefrauen hat sich in ihren reiferen Jahren einen geilen Hosenanzug
zugelegt. Positiver Nebeneffekt: Sie kann plötzlich selbst unter ihren besten Freundinnen
die Spreu vom Weizen trennen. Wer sie liebt, lobt den Anzug, wer sie nur toleriert,
ignoriert ihn!

Ein genauso effizienter Indikator zum Unterscheiden von langjährigen
Spielerfreundschaften ist “Cash’n Guns”! Auf dem Tisch liegen Geldscheine
zufälliger Stückelung als Beute, die unter die Spieler gleichmäßig verteilt werden soll.
Jeder Spieler bekommt eine Pistole in die Hand und ein paar Patronen. Auf das Kommando
1-2-3 müssen alle gleichzeitig aufeinander zielen. Wer getroffen wird, scheidet bei der
Verteilung der Beute aus.

Auf wen wird man bei einer symmetrischen Sitzverteilung wohl schießen? Auf das Lamm,
das in der langjährigen Spielerfreundschaft noch nie ein Wässerchen getrübt hat oder auf
den Wolf, dessen Zähne so manche Narbenspur auf unserer Spielerseele hintergelassen hat.
Irgendeinen muss man auswählen; keiner von uns ist so emotionslos, dass er bei seinen
Zielscheiben nicht doch Vorlieben entwickeln könnte. Es können sich Abgründe auftun!

Die “bezielten” Spieler sind noch nicht tot. Sie würden im Ernstfall auch
bloß verwundet werden und lediglich für eine Runde leer ausgehen. Vielleicht haben die
Mitspieler sogar nur Platzpatronen geladen und wollen ihren Kumpanen damit ins Boxhorn
jagen. Außerdem steht jedem Spieler eine “Blitzkugel” zur Verfügung: Wenn er
die geladen hat, kann er einen bösartigen Zieler unschädlich machen, bevor dieser seine
Kugel abgeschossen hat.

in play

Nachdem alle Pistolen in Anschlag gebracht wurden, bekommen die Spieler noch eine
Chance zum Weglaufen: Auf ein weiteres Kommando 1-2-3 können sie entscheiden, ob sie ihre
Flinte ins Kornfeld werfen und die Flucht ergreifen, oder ob sie auf dem Schießplatz
bleiben und sich dem Kugelhagel stellen wollen. Wer auf dem Platz überlebt, weil entweder
gar nicht oder nur mit Platzpatronen auf ihn geschossen wurde, bekommt seinen Anteil an
der Beute.

Der von der Mehrheit meistgeliebte Mitspieler hat keine Chance. Er kann zwar pro Runde
ebenfalls einen Mitspieler von der Beute aussch(l)ießen, er selbst wird aber an keiner
einzigen großen Beute beteiligt sein. “To have a plan”? Fehlanzeige! In einer
chaotischen Runde von zufälligen Bekanntschaften oder in einer Runde von Freunden, die im
Alkohol ihr Erinnerungsvermögen ertränkt haben, kann es vielleicht Spaß aufkommen lassen.
Als Party- und Dödelspiel mag es seine Fan-Gemeinde erobern. Wer weiß, womit man sich in
einer Elite-Gesellschaft nicht alles die Zeit vertreiben kann!

Das Spielmaterial ist sehr ordentlich, die Regeln sind klar und verständlich und die
Zusatzkarten als Erweiterungsmöglichkeiten verdienen in ihrer Wertigkeit nach dem
Moritz-Cthulhu-Postulat das Prädikat “excellent”. Offene Schaumgummi-Pistolen
anstelle von heimlichen Papp-Wählscheiben sind allemal eine originelle Idee. Peter als
altgriechischer Naturwissenschaftler vergibt sehr gute 8 Punkte, die anderen WPGler
liegen zwischen 6 und 7 Punkten. Ich liege hier total daneben. Ich kenne halt schon alle
meine Pappenheimer und brauche kein “Cash’n Guns”, um in ihre
Mördergrubenherzen sehen zu können.