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Colosseum
rezensiert von Walter Sorger
Ein “Ausstattungsmonster” von Wolfgang Kramer und Markus Lübke. Jede Menge hübsches
Spielmaterial: einen Kaiser mit Lorbeerkranz, einen Konsul mit Tunika, dicke feste
Spektakelplättchen mit farbenfrohen symbolischen Zeichnungen (für die himmlischen Münchener sind
auch ein paar “boanige Engel” dabei). Sogar eine Anleitung zum Wieder-Einpacken der
Einzelteile gibt es, sonst würde man die vielen Einzelteile schwerlich wieder in der
Originalschachtel unterbringen.
Die Spieler veranstalten Zirkusspiele und müssen dazu natürlich rechtzeitig:
- Gladiatoren, Löwen, Pferde, Sänger und sonstige Artisten anheuern
- die Arena erweitern
- neue Zirkusprogramme zusammenstellen (kaufen)
- Luxus-Logen einrichten (kaufen)
- den Kaiser und andere Prominente in die Arena locken.

Die Arena-Erweiterung und vor allem die neuen Zirkusprogramme kosten massiv Geld. Das nötige
Artisten-Zubehör muss man sich ersteigern. Die noch offenen Lücken in seinem Ensemble kann man
versuchen, durch Tausch mit seinen Mitspielern aufzufüllen. Promies werden schlichtweg durch Würfel
herbeigewürfelt. Damit sind die wesentlichsten Spielelemente auch schon aufgezählt: kaufen,
ersteigern, tauschen und würfeln. Die Mischung ist thematisch gelungenen und verbreitet eine
konstruktive Spielstimmung. Vor allem die sehr rasante Steigerung der Effekte, das schnell
anwachsende Künstlerensemble und die enorm steigenden Einnahmen lassen überall eine gespannte
Vorfreude auf die nächste Aufführung entstehen.
Die Spieler bekommen zu Beginn je zwei Zirkusprogramme und fünf Artisten zugeteilt. Alle
Programme sind verschieden, d.h. sie benötigen eine unterschiedliche Anzahl und eine
unterschiedliche Zusammensetzung von Artisten. Ob die ausgeteilten Artisten zu den Programmen der
Startaufstellung passen, ist Glücksache, doch sind Diskrepanzen hier nicht allzu tragisch. Die
ersten Programme sind noch ziemlich bescheiden.
Die paar benötigten Artisten kann man sich meist
leicht ersteigern oder ertauschen. Und wenn ein Programm nicht vollständig abgedeckt werden kann,
gibt es nur ein paar Punkt-Abzüge, die leicht zu verschmerzen sind.
Für jede Aufführung kassiert ein Spieler Geld; je größer und vollständiger die Aufführung, desto
mehr Geld und Prämien gibt es. Doch diese Zwischensummen werden nicht zu Siegpunkten kumuliert. Man
muss sie in neues Material investieren, um noch größere, noch aufwendigere Veranstaltungen
aufzuziehen. Wer nach fünf Runden die grandioseste Aufführung auf die Beine stellen konnte, ist
Sieger.
Für die Sieger in den Zwischenrunden hält das Spiel ein Zuckerbrot und eine Peitsche bereit: Der
jeweils Führende bekommt außer dem höheren Geldertrag für seine Veranstaltung noch eine
Punkteprämie, die in allen weiteren Aufführungen mitgezählt wird. Dafür muss er dem Letzten in der
Reihe eines von seinen Spektakelplättchen abgeben. Das kann bitter sein. Aber es ist spieltechnisch
ein sinnvolles Korrektiv, so wird der Letzte nicht allzu früh ganz aus dem Rennen geworfen.

Nach jeder Aufführung behält man die Artisten in seinem Ensemble. Beim Zusammenstellen eines
erweiterten Zirkusprogramms muss man darauf Rücksicht nehmen und möglichst eine Vorstellung mit
ähnlichen Künstlern auf die Beine stellen. Hier die Möglichkeiten seiner Hand, das Angebot auf dem
Versteigerungsmarkt und das überflüssige Personal in den Händen der Mitspieler gut einschätzen zu
können und mit den künstlerischen Ambitionen der Mitspieler und den Preisen im Showbusiness in
Einklang zu bringen, das ist die wesentliche Voraussetzung zum Sieg.
Was gibt es noch für Tipps? Nicht sehr viele!
- Tausche gut und vorteilhaft! Aber das ist bereits ein problematischer Vorschlag. Wer hier beim
Tausch auf Heller und Pfennig seine materiellen Tauschvorteile gegen die seines Gegenüber
ausrechnen will und dann noch darauf achten will, ob er anderen Mitspieler etwas wegtauschen kann,
der hat das spielerisch-konstruktive Thema verfehlt. Glücklicherweise kam das in unserer durchaus
auf Konkurrenz ausgerichteten Spielerschar auch überhaupt nicht vor. - Würfele gut! Bring die Promis in deine Vorstellung, würfele sie aus den Arenen der Gegner,
positioniere sie mit deinen Würfelergebnissen so, dass sie für deine letzte und teuerste
Vorstellung in greifbarer Nähe sind. Auf die Problematik dieser Würfelratschläge brauche ich wohl
nicht einzugehen.
Was ist mit diesen Tipps gesagt? “Colosseum” ist ein Spiel und keine Rechenaufgabe!
Aufbauen und anpassen, progressiv Geld ausgeben und progressiv Geld einnehmen hält es in Schwung.
Schwingen wir mit!
