Spielbericht 2.10.2002

Spielbericht 2.10.2002

Autor: Aaron

am Tisch: Peter, Hans, Günther, Aaron

auf dem Tisch: Globopolis

  1. GlobopolisGlobopolis box

    Eine unserer eher seltenen “Vierer” Runden, die wir eher für Klassiker
    deutscher Spieleverlage reserviert haben. Heute stand aber das nagelneue
    “Globopolis” auf dem Tisch.

    Nach fast zweijähriger Entwicklungszeit auf Basis einer Idee von Charles Burnes hat Mike
    Lasher, besser bekannt als der Namensgeber von Mike’s Bike Tours, dieses Spiel im September im Eigenverlag
    heraus gebracht. Vertrieben wird das Spiel über das Globopoly Internet Cafe
    in München und einem “Grass Roots Marketing Plan” – bei einer geplanten 1.
    Auflage von 25.000 Spielen (so der Aufdruck auf der Schachtel) sicherlich kein Risiko
    freies Unterfangen.

    Der erste Eindruck beim Öffnen der Spielschachtel ist in Anbetracht der Veröffentlichung
    im Eigenverlag überwältigend: ein riesiger Spielplan, mehrere Kartensätze, jede Menge
    Würfel und noch mehr Lego ähnliche Bausteine füllen die Schachtel fast randvoll. Bis hin
    zum kleinsten Detail sind alle Spielkomponenten von hervorragender Qualität, die ein
    Ravensburger oder Kosmos Verlag nicht besser hätte hinbringen können. Die Spielregel sind
    in einem hervorragend aufgemachten 24-seitigen Regelbuch beschrieben, zusammen mit einer
    Beschreibung der Hintergrund-Story zu Globopolis – einer globalen Weltraumstadt, die nach
    einem verheerenden Meteoriteneinschlag im Jahr 2097 gebaut wurde. Die in dieser
    5-seitigen Story enthaltenen Zeichnungen lassen das ein oder andere SciFi-Fan Herz höher
    schlagen.

    Das Spiel ist ausgelegt für 2 bis 5 Spieler, die um die Macht in Globopolis kämpfen.
    Hierzu versuchen sie die Herrschaft über die Länder in Globopolis zu übernehmen und
    hierdurch sowohl Geld als auch Siegpunkte zu erlangen. Abhängig von der Spielerzahl endet
    das Spiel auf jeden Fall, wenn ein Spieler die festgelegte Punktzahl erreicht hat (eine
    begonnene Runde wird noch zu Ende gespielt).

    Globopolis ORSSDie Länder sind kreisförmig auf dem Spielplan in
    vier Quadranten angeordnet. Jeder Spieler kontrolliert einen “Governor”
    seiner Farbe und bewegt ihn mittels eines Würfelwurfs über diesen Plan. Damit das
    Glückselement hier nicht zu groß wird hat ein Spieler die Wahl mit wie vielen
    Würfeln (eins bis drei) er seinen Bewegungswurf durchführt und ob er vorwärts oder
    rückwärts geht – letzteres kostet allerdings Geld.

    Jedes Land benötigt 5 verschiedene Ressourcen, um sich weiter entwickeln zu können. Neben
    Wasser, Nahrung, Energy und der Ultralight Component Fertigung gibt es als wichtigste
    Ressources die Network Security Einheit, die die Verteidigungs- und Angriffsstärke eines
    Landes entscheidend beeinflusst. Sobald ein Land einen kompletten Satz von 5 Ressourcen
    besitzt, kann der besitzende Spieler dieses Land entwickeln und damit seine Kampfstärke
    weiter verbessern. Gleichzeitig steigt auch der Wert des Landes, was durch zusätzlichen
    Punkterwerb dargestellt wird. Entwickelte Länder können zu “superentwickelten”
    Ländern gemacht werden, wenn das Land einen zweiten kompletten Ressourcensatz besitzt.
    Jedes Land gehört einer Farbgruppe an und der Besitz aller Länder einer Farbgruppe bringt
    zusätzliche Siegpunkte.

    Dies alles kostet Geld, das es zu verdienen gilt. Ähnlich des Monopoly-Konzepts muss ein
    fremder Spieler eine sogenannte “Conference Gebühr” bezahlen, wenn er auf einem
    Land in Fremdbesitz landet. Diese Gebühr richtet sich nach dem aktuellen
    Entwicklungsstand des betreffenden Landes – auch das erinnert wieder an Monopoly
    (Häuser/Hotels). Anders als dort hat ein Spieler aber immer die Möglichkeit, statt
    Gebühren zu bezahlen zu versuchen, ein fremdes Land zu übernehmen, falls er im gleichen
    Quadranten ein oder mehrere eigene Länder besitzt. Entscheidet sich der Spieler für diese
    Option beginnt eine Kampfrunde.

    Das Kampfsystem unterscheidet sich von Allem was wir bisher gesehen haben und macht das
    Spiel in dieser Phase auch für die Nicht-Kämpfenden interessant. Der angreifende Spieler
    entscheidet sich, welches seiner Länder im Quadranten die Übernahme versuchen soll. Jetzt
    wird abhängig von der Stärke der beiden betroffenen Länder die Anzahl Würfel, die jede
    Seite für die Kampfwürfe zur Verfügung hat ermittelt. Hierbei zählen einerseits der
    Entwicklungsstand der beiden Länder (das Land mit dem höheren Stand erhält einen 6-Seiter
    zusätzlich) und andererseits die Anzahl der National Security Units des Landes (jede
    bringt wiederum einen zusätzlichen 6-Seiter). Weiterhin entscheidet die Mehrheit der (als
    optional in der Spielregel gekennzeichneten) Network Infiltration Agenten über weitere
    ein oder zwei zusätzliche Würfel. Das alles führt dazu, dass der Angreifer mit mindestens
    einem 6-Seiter und einem 8-Seiter und der Verteidiger mit mindestens 2 6-Seitern und
    einem 10-Seiter kämpfen.

    Globopolis boardBei einem Kampf würfeln beide Kontrahenten gleichzeitig mit
    ihren Würfeln. Zur Auswertung wird der durch den 8- bzw. 10-seitigen Basiswürfel
    geworfene Wert multipliziert mit der Anzahl von 6-Seitern, die den gleichen Wert
    zeigen (also: Pasch = Faktor 2, zwei Pasch = Faktor 4, Drilling = Faktor 3, usw.).
    Der Spieler mit dem niedrigeren Gesamtergebnis muss einen 6-Seiter abgeben. Sobald
    ein Spieler nur noch mit seinem 8- bzw. 10-Seiter würfelt und verliert ist der Kampf
    beendet. Der Gewinner eines Kampfes bekommt sofort das betroffene Land inkl. seines
    Punktwertes und seiner Ressourcen, das Land verliert dabei aber seinen
    Entwicklungsstand und alle National Security Einheiten und ist damit erst einmal
    ohne Verteidigung; dies kann aber sofort durch Verlagerung von Ressourcen von
    anderen Ländern ausgeglichen werden (so unsere leider falsche
    Regelinterpretation, da ja ansonsten ein Land für eine komplette Runde völlig
    ungeschützt ist und damit zur leichten Beute wird. Eine Diskussion mit dem Autor
    ergab, dass man das aber durchaus als Regelvariante zulassen kann)
    . Hat
    der Angreifer den Kampf gewonnen, kann er erneut sofort vom gleichen Territorium ein
    Land der gleichen Farbgruppe angreifen.

    Wir fanden die Kämpfe immer spannend und mehr als einmal hat der von der Würfelzahl
    unterlegene Spieler trotzdem den Kampf gewonnen. Dies liegt natürlich an der Art der
    Punktermittlung mittels Multiplikation statt der üblichen Addition, die auch in quasi
    aussichtslosen Situationen noch für einen Sieg sorgen kann (z.B. 2 gegen 7 Würfel mit 8
    (10-Seiter) mal 1 (kein Pasch) gegen 1 (8-Seiter) mal 6 (1 Vierling, 1 Pasch)). Wir
    hatten dabei nie das Gefühl, dass das System unausgewogen oder unkalkulierbar ist.

    Globopolis - boardEin weiteres Analogon zu Monopoly sind die 3 Typen von
    “Ereignis”-Karten: “Mission” Karten geben zusätzlich zur
    allgemeinen Siegbedingung über die Siegpunkte eine alternative Siegbedingung vor,
    die stark an Risiko erinnert. Anders als dort, kann man bis zu 3 dieser Karten
    besitzen und es reicht aus, eine der Siegbedingungen zu erfüllen.
    “Influence” Karten geben zusätzliche Fähigkeiten, die gerade in einem
    Kampf wertvoll sein können. “Opportunits” oder “OPs” Karten
    bieten zusätzliche Angriffsvarianten.

    Für den Erwerb dieser Karten sowie von Ressourcen und Agenten gibt es entsprechende
    Felder auf dem Plan, die erreicht werden müssen, was uns gerade bei den beiden
    Letztgenannten recht schwierig vorkam, da diese Felder nur wenige Male existieren. Geld
    gibt es – Monopoly lässt grüßen – beim Ziehen über Los, äh über “Teleport”.

    Ein weiteres interessantes Detail ist, dass ein Spieler zu fast jedem beliebigen
    Zeitpunkt Siegpunkte in Geld umtauschen kann – und umgekehrt. Das führte bei uns dazu,
    dass Günther seine letzten 20 zum Sieg benötigten Punkte kurzerhand mit Geld erwarb und
    das Spiel beendete. Hier müssen alle Spieler ein Auge auch auf die finanzielle Situation
    der Anderen haben. (Hier haben wir übrigens ein wichtiges Regeldetail übersehen:
    sobald ein Spieler nur noch 25 Punkte vom Sieg entfernt ist, darf er kein Geld mehr gegen
    Punkte tauschen, und asserdem nur maximal 5 Siegpunkte pro Runde)

    Unsere erste Runde Globopolis endete nach rund 3 Stunden mit dem beschriebenen Sieg von
    Günther. Bis zum 2. Drittel des Spiels war sozusagen der Sieg für alle von uns noch
    “drin”, obwohl Hans recht früh mit Geldmangel zu kämpfen hatte und die
    Entwicklung seiner Länder ins Stocken kam. Peter, der wie üblich aggressive
    Übernahmekämpfe veranstaltete konnte diese Situation anfangs ausnutzen und ein recht
    großes Länderkontingent kontrollieren, verlor dann aber bei wichtigen Kämpfen gegen
    Günther seine Länder wieder und belegte zum Schluss den letzten Platz.

    Ein Resumé nach einer Spielrunde zu ziehen ist uns nicht möglich – zu häufig erkannten
    wir erst spät die taktischen Möglichkeiten, geschweige waren wir in der Lage, eine
    Strategie zu entwickeln. Dazu ist das Spiel zu vielfältig und komplex. Auch die rein
    äußerlich hervorragende Spielregel entpuppte sich als Hemmnis, da nicht immer der
    betreffende Regelpassus schnell auffindbar war. Zwar sind alle Regeln auf nur 8 Seiten,
    davon alleine 4 für die erste Spielrunde, beschrieben aber der Regelaufbau ist gelinde
    gesagt “ungewöhnlich” und erschwert den Einstieg ins Spiel. Gemeinerweise
    finden sich wichtige Regeldetails nämlich als Randnoten oder optisch als Einschübe
    aufgemachte Zusätze, die schnell mal überlesen werden. Zwar gibt es zwei Quick Reference
    Charts, die allerdings nicht unbedingt übersichtlicher sind.

    Wir haben von einer Bewertung des Spiels nach nur einer Runde abgesehen, insbesondere
    nachdem die Meinungen doch recht stark divergierten. Peter hatte bereits nach 15 Minuten
    sein Urteil gefällt – ihm gefällt es nicht und das, obwohl er da noch gar nicht wusste,
    dass er verlieren wird. Bei Hans Günther und mir sind noch ein paar Spiele für ein Urteil
    notwendig.

    Link zu Globopolis
    Rules Clarificationspdf file

    Link zu Globopolis
    Variantenpdf file

    Because of the rather confusing and disorganised rule book I wrote an “Avalon
    Hill” style rules summary which should suit the “hard core” gamers better:

    Link zu Globopolis
    Rules Summarypdf file