von Walter am 1.09.2005 (642 mal gelesen, keine Kommentare)

1. “Haselwurz und BĂ€renklau”
Peter hat dieses Jahr schon öfters Spiele mit schlechter Bewertung abgetan, die vom Rest der WPG dann deutlich positiver aufgenommen wurden. Bei “Haselwurz …” wollte er eigentlich nur demonstrieren, was ihm hier nicht gefĂ€llt, aber ohne ein paar Proberunden wollten wir ihm seine AusfĂŒhrungen nicht abnehmen.
Die Spieler reisen wie der kleine Nils Holgersson auf dem RĂŒcken von Tierchen in der Landschaft umher und versuchen, passende GelĂ€ndeformationen zu finden, die ihnen Siegpunkte einbringen.
Der Spielaufbau, die Reisetechnik und die dahintersteckende Naturbetrachtung sind sehr gefÀllig. Viele schöne Ideen sind hier eingeflossen.
Man muß aber auch mit ein paar SchwĂ€chen zurechtkommen. Die Möglichkeit, in einem einzigen Zug gleich mehrere Siegpunktkarten abzugrasen, verfĂŒhrt Knobelfreunde zu langen Denkzeiten; lockere GemĂŒtern sind dann leicht etwas verstimmt. Zum Charakter des Spieler hĂ€tte es sicherlich besser gepaßt, wenn nur jeweils eine Karte erwerbbar wĂ€re.
Auch der Zwang, sich erst bewegen zu mĂŒssen, bevor man Siegpunktkarten kassieren darf, findet keinen rechten Beifall. Warum sollte man nicht im Stehen seine Umgebung inspizieren können? Das wĂ€re ein Freiheitsgrad mehr im Handlungsspielraum, ohne daß dabei am Spiel auch nur das Geringste verlorenginge!
WPG-Wertung: Aaron: 6, GĂŒnther 5, Peter 3, Walter 5.
Aaron hat seine (englische) Rezension schon fertig; in der nĂ€chsten “Games International” wird sie veröffentlicht. Vielleicht fĂ€llt mir dazu auch noch was in Deutsch ein.
2. “Ogallala”
Das Spiel ist ein Oltimer aus dem PalÀowestparkium; Aarons Ausgabe wurde 1989 von ASS herausgebracht und lag bei uns schon auf dem Tisch, als Martin noch Hecht im Karpfenteich war.
Jeder Spieler hat vor sich ein eigenes riesiges Spielbrett, auf dem er zufÀllig gezogene Karten offen ablegt. Er baut daraus Kanus; je lÀnger sie sind, desto mehr Punkte bringen sie ein. Insofern ist das ganze ein solitÀres Kartenablegespiel.
Allerdings gibt es auch Karten, die eine chaotische Interaktion mit sich bringen: man darf fremde Kanuteile zerstören oder bei sich selber einbauen, und u.U. muß man sogar mal unfreiwillig ein eigenes Kanu auf Grund setzen. Berechenbar ist nichts, KartenglĂŒck und Risikobereitschaft alles, und nostalgische Freude an der eigenen Spiel-Vergangenheit noch mehr. Der Youngster Peter hatte natĂŒrlich noch keine Erinnerung.
WPG-Wertung: Aaron: 5, GĂŒnther 6, Peter 2 (Youngster), Walter 5.
Ich werde eine Rezension schreiben.
3. “Modern Art”
Noch ein Spiel aus den Vor-WPG-Zeiten, aber ein sicherer Garant fĂŒr eine knappe Stunde Spielspaß.
Eigentlich nur ein Versteigerungsspiel, aber eines von allerfeinster Art. Man muß sich selber schwer ins Zeug legen, um unbedingt die wertvollsten Kunstwerke auf seine Seite zu bringen. Man darf sie aber auch, natĂŒrlich nicht geschenkt, bewußt einem Mitspieler ĂŒberlassen, damit er Gefallen am KĂŒnstler findet und seine Werke fördert. Dann steigt natĂŒrlich auch der Marktwert der Karten, die man selber noch von diesem KĂŒnstler in der Hand hĂ€lt.
Wir haben noch lange darĂŒber diskutiert, wie man mit bestimmten KartenhĂ€nden umgeht. Welche Karten soll man zuerst versteigern? Diejenigen, an denen man selber Interesse hat oder diejenigen, mit denen man die Konkurrenz auf ein falsche FĂ€hrte locken will? Bis zu welchem Preis soll man mitgehen? Manchmal ist das eine klare Dreisatz-Rechnung, manchmal steckt dahinter eine klare Verschleierungstaktik. Wir kamen zu keiner abschließenden, einvernehmlichen Lösung. Das ist immer ein Zeichen von gutem Spieldesign.
Peter, als eingefleischter Knizianer konnte nur konstatieren: “Hier stimmt alles! Ein Kunstwerk!”
WPG-Wertung: Aaron: 8, GĂŒnther 7, Peter 9, Walter 9.
Das Spiel ist eine Rezension wert, spĂ€testens wenn es mal unser “Gem des Monats” geworden ist. Aber bei Luding sind dazu schon genĂŒgend Links aufgefĂŒhrt; die sollten reichen.
4. “Samarkand”
Wir hatten schon eine Menge Spielspaß erlebt und doch erst 2 Âœ Stunden gespielt. Ist es tatsĂ€chlich möglich, höchst kurzweiliges SpielvergnĂŒgen zu haben, ohne 7 Menschenzeitalter am Spieltisch verbringen zu mĂŒssen?
Im Vertrauen auf Uns-Willi von GrĂŒnspan zogen wir uns noch ein Wirtschaftsspiel herein. Die Spieler bewegen sich von WĂŒste zu WĂŒste, zu Oasen und StĂ€dten, verteilen Gastgeschenke, kaufen Waren, tauschen Waren und verkaufen sie wieder. Wer am schnellsten den notwendigen Umsatz gemacht hat, beendet das Spiel.
Das Kartensammelspiel ist ein ziemlich friedliches Herumreisen auf den Spielfeldern, die die Welt bedeuten. Jeder kann auch denken, wenn er nicht dran ist. Es spielt sich ziemlich flott, und doch hinterlĂ€ĂŸt es irgendwie auch einen leicht schleppenden Eindruck. Wer dieses Paradoxon auflösen kann, möge sich bitte melden.
Peter verkĂŒndete schon vorzeitig seinen Sieg, brachte es dann aber nur auf 495 Piaster. Diesmal schenkte ihm niemand die fehlenden fĂŒnf Rupien, er mußte noch einmal sein GeschĂ€ft erledigen. Gekonnt griff er zum WĂŒrfel, lies sich die benötigte FĂŒnf servieren und war am Ziel.
WPG-Wertung: Aaron: 5, GĂŒnther 6, Peter 6, Walter 6.
Hallo Wilhelm, auf dem Deckel und auf dem Spielbrett haben wir am Ende noch lange nach dem “GrĂŒnspan” gesucht. Und ihn nicht gefunden. Gibt es einen? Und wo ist er?

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