von Walter am 31.08.2006 (759 mal gelesen, keine Kommentare)

1. “Maestro Leonardo”
4 kleine Italiener aus Roma und aus Napoli haben sich hingesetzt und ein nagelneues Super-Spiel zusammengebastelt. In punkto Logik, Komplexit├Ąt und Interaktion steht es zwischen den “F├╝rsten von Florenz” und “Caylus”, doch die Idee und die Abl├Ąufe sind total neu.
Nat├╝rlich geht es um Ressourcen-Management und Entwicklungsfortschritt. Zuerst in einem relativ ├╝berschaubaren Kampf um die besten Startpl├Ątze beim Ausbau und Profit; wer zu kurz gekommen ist, kann mit Geld noch einiges ausb├╝geln. Am Ende, wenn alle in Geld, Rohstoffen, Produktionskapazit├Ąt und Arbeitskr├Ąften schwimmen, hei├čt es schon Klotzen und nicht Kleckern, wenn man eine lukrative Idee erfolgreich umsetzen will.
Produziert werden Erfindungen von Leonardo da Vinci, daher der Name; doch es k├Ânnten genauso gut auch ├äpfel und Birnen sein. Dann m├╝├čte das Spiel halt “Tutti Frutti” hei├čen.
Die Startaufstellung dauerte 25 Minuten, Aaron’s anschlie├čende Erkl├Ąrung der Spielregeln noch mal 30 Minuten und das Spiel selbst knapp 2 Stunden. Alles in Erwartung, Spannung und Harmonie. Jeder lie├č die goldene Regel der Westpark-Gamers: “Man kann auch denken, wenn man nicht dran ist” links liegen, lebte in den Aktionen seiner Mitspieler und begann seine eigenen Zugm├Âglichkeiten erst dann zu analysieren, wenn er selber an der Reihe war. Wir haben diese Zeitverschwendung wahrgenommen, aber nicht und niemandem ├╝belgenommen. Daf├╝r ist die Stimmung im “Maestro” viel zu konstruktiv.
Umsatz und Gewinn steigen exponentiell mit der Rundenzahl, so da├č kleine Fehler zu Spielbeginn noch problemlos ausgeglichen werden k├Ânnen. Doch am Ende kann es auch krasse H├Ąrtef├Ąlle geben, wenn man sich zu zielgerichtet auf ein ganz bestimmtes Produkt konzentriert und ein Mitspieler es einem zum ungl├╝cklichsten Zeitpunkt vor der Nase wegschnappt. Dieses unkalkulierbare Risiko hat in unserer Runde nicht gut gefallen, doch k├Ânnte man es durch prophylaktische diversifizierende Sicherheits-Investitionen abmildern.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (wg. der H├Ąrtef├Ąlle am Ende), G├╝nther: 6 (k├Ąmpft auch noch mit der H├Ąrte), Hans: 8, Walter: 8
Walter schreibt eine Rezension.
G├╝nther untersucht eine PC-Adaption als Nachfolger zum erfolgreich angej├Ąhrten “Sankt Petersburg”!
2. “Flaschenteufel”
Eine Demorunde dieses gelungenen Absackerspiels f├╝r unseren Strategen Hans. Beim letzten Mal hatte sich Peter ├╝ber die totale Abh├Ąngigkeit vom Kartengl├╝ck mokiert, jetzt sollte Hans hierzu seinen Senf abgeben.
Hans spielte im allerersten Spiel zum allerersten Stich die gelbe Eins aus. Alle hielten den Atem an. Das mu├čte doch schon ein spielentscheidender Fehler sein! Gleich im ersten Stich m├╝├čte er den Flaschenteufel bekommen und ihn nie wieder loswerden k├Ânnen. Doch das war von uns allen (bis auf Hans) eine Fehleinsch├Ątzung. Es gibt nur 3 gelbe Karten, die h├Âher sind als die Start-Teufelskarte 19, n├Ąmlich 22, 25 und 28. Nur wenn diese 3 Karten zuf├Ąllig in 3 verschiedenen Spielerh├Ąnden waren, hatte Hans verloren. Wenn er selbst nur eine einzige davon in der Hand hielt, war die Wahrscheinlichkeit f├╝r seinen Sudden-Death schon ziemlich bei Null. Daf├╝r war er aber grandios gleich beim ersten Stich die gef├Ąhrlichste Karte aus seiner Hand losgeworden! Hi Peter, hattest Du Dir das schon klargemacht?
Unser heutiges Fazit: Nach Hans und G├╝nther Einsch├Ątzung ist das Spielgl├╝ck in “Flaschenteufel” zu 66% Prozent selbstbestimmt und nur zu 33% fremdbestimmt (von der Kartenausteilung), bei Aaron und Walter steht es hier 50:50. Peters Wert zum Vergleich dazu ist in der Gr├Â├čenordnung von 0 % f├╝r die Selbstbestimmung!
Jeder kann eine ganze Menge f├╝r sein Gl├╝ck tun
– Einen Stich freiwillig mitnehmen oder nicht
– Niedrig (!! siehe Hans !!) oder hoch ausspielen (unter Beachtung der Farbe)
– Bei der Kartenpflege sich eine Farbe freispielen oder m├Âglichst alle Farben behalten
und dazu kommen nat├╝rlich noch die Taktiken bei der Kartenablage und beim Teufelsstich am Anfang. Das Problem ist nur: Wir wissen noch nicht genau, welches die optimale Spieltaktik ist. Doch das spricht nicht f├╝r die Nicht-Beherrschbarkeit vom Flaschenteufel, sondern ausschlie├člich f├╝r unseren mangelnden ├ťberblick. H├Ąufiger Spielen!
Hans vergab mit 7 Punkten genau die bisherige WPG-Durchschnittszahl.
Moritz hat schon letztes Jahr eine Rezension geschrieben.
3. “Bluff”
Hans fand eine pr├Ągnante Formulierung f├╝r den Kern der Non-Warmduscher-Problematik beim Bluff:
[glowred]Wenn man immer dabei ist,
dann ist man bald nicht mehr dabei![/glowred]
Aaron erwischte es als Ersten. Walter konnte sich einmal im Endspiel aus einem 1:3-R├╝ckstand noch gegen Hans durchsetzen; das zweiten Endspiel ging aus dem gleichen R├╝ckstand heraus an G├╝nther.
Kniffelige Frage: Ihr seid im Endspiel mit einem klugen Neuling mit 3:1 W├╝rfeln und werft 2 Einsen und 1 Stern. Was gebt ihr vor? Ein eingefleischter WPGler f├Ąngt mit 1 mal die Vier an. Jetzt hebt der kluge Neuling auf 2 mal die Vier. Erfreut geht man auf 3 mal die Eins und glaubt schon, den Sieg in der Tasche zu haben, doch dann erh├Âht der Neuling auf 2 mal Stern! Was jetzt? Gutes Rad ist teuer!
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


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