von Walter am 5.07.2007 (3.756 mal gelesen, keine Kommentare)

Seit kurzem besitze ich ein eigenes Exemplar von “Friedrich”. Wenn sich jetzt bei uns nur eine Dreierrunde abzeichnet, dann bin ich nicht mehr traurig, wie bisher, sondern ich freue ich mich auf die jedesmal phantastische Begegnung mit Friedrich. Aaron betonte allerdings, da├č er sich lieber auf eine “Friedericke” freuen w├╝rde. – Wie einseitig sind doch die normalen Heteros!
G├╝nther k├╝ndigte schon vorher an, da├č er noch den diesj├Ąhrigen Preistr├Ąger von “Spiel des Jahres” mitbringen w├╝rde. Da war die Vorfreude umso gr├Â├čer: es kam also nicht nur alter Harung, sondern auch ein neuer Backfisch auf den Tisch.
1. “Zooloretto”
Von vorneherein nur als Warmup f├╝r das Friedrichs-Trio gedacht. G├╝nther hatte den Vorg├Ąnger “Coloretto” zuhause vergessen, sonst h├Ątten wir als Vorspiel zum Vorspiel noch die Ausgangsversion gespielt, die Michael Schacht zu seinem Preistr├Ąger “Zooloretto” weiterentwickelt hat.
Die Spieler decken der Reihe nach vom verdeckten Stapel ein Tierpl├Ąttchen auf und legen es offen auf einen von drei Haufen auf den Tisch. Alternativ zum Aufdecken kann ein Spieler auch einen der offenen Haufen an sich nehmen und die Tiere auf die Gehege in seinem Spielbrett verteilen. In ein Gehege d├╝rfen nur Tiere einer Art, und wer f├╝r eine bestimmte Tierart kein freies Gehege mehr hat, mu├č f├╝r das Tierpl├Ąttchen in den “Stall” legen und kassiert am Ende daf├╝r Strafpunkte.
In dem verdeckten Stapel liegen au├čer Tierpl├Ąttchen auch “Verkaufsst├Ąnde” oder Geldm├╝nzen (nach Aaron “Knopfnacktschnecken”), die dem Erwerber auf andere Arten Siegpunkte einbringen k├Ânnen. H├╝bsch zusammengestellt, ausgewogen, flott und bunt, aber keineswegs aufregend. Ich f├╝hle mich von den vielen Zufallseinfl├╝ssen gespielt und von meinen Mitspielern bevormundet. Keiner konnte und wollte mich dar├╝ber belehren, wie ich hier mein Schicksal selber in der Hand haben k├Ânne.
Gewinnen hei├čt soviel wie:
1) Das richtige Tierpl├Ąttchen aufdecken (100 % Zufall)
2) Das gezogene Tierpl├Ąttchen so auf den Haufen legen, da├č die mitspielende Konkurrenz m├Âglichst die mieseste Auswahl hat (100 % Entscheidungsfreiheit bei einem Freiheitsgrad von 2)
3) Rechtzeitig keine Tierpl├Ąttchen mehr ziehen (100 % Entscheidungsfreiheit bei 100% Unsicherheit, ob das n├Ąchste gezogenen Pl├Ąttchen von Vorteil oder Nachteil w├Ąre)
4) Von den ausliegenden Haufen den Besten ausw├Ąhlen (100 % Entscheidungsfreiheit bei einem durchschnittlichen Freiheitsgrad von 1-2; oft genug steht man vor der Auswahl zwischen Skylla und Charibdis, oder wie das hei├čt.)
Aaron fand die Spielregel “komplexer als ich dachte”. Seine Me├člatte f├╝r ein “Spiel des Jahres” liegt offensichtlich nicht hoch. Mit Recht, denn diese gro├če Auszeichnung hat bekannterma├čen als Zielpublikum die brav spielende Familie mit Kindern und keine vielspielenden Profis. Entsprechend mu├č auch “Zooloretto” eingeordnet werden, und unser Echo war ziemlich verhalten.
WPG-Wertung: Aaron: 6, G├╝nther: 7, Walter: 6
Ein Rezensionschreiber hat sich noch nicht gefunden. Als Spiel des Jahres ist es nat├╝rlich eine Rezension wert, und es l├Ą├čt sich eine Menge dazu sagen; als “Zoloretto” allein w├╝rde es uns aber wohl nur schwer animieren, die Zeit f├╝r einen Spielkritik aufzubringen.
2. “Friedrich”
Wir haben schon so viel ├╝ber Friedrich geschrieben, ohne auch nur im geringsten die Tiefen dieses Kriegsspiels ausgelotet zu haben. Auch heute strotzte unsere Partie wieder nur so vor Anf├Ąngerfehlern:
1) Friedrich lie├č sich in Ru├čland auf einen absolut aussichtslosen Kampf ein, bei dem er seine bewu├čt schwach ausgestatteten Armeen gleich von vorneherein h├Ątte aufgeben m├╝ssen.
2) Friedrich bewegte sich in Mitteleuropa viel zu wenig, um seine Gegner mit kurzen aber ├╝berzeugenden Streichen zu treffen. Er h├Ątte auch konsequenter untersuchen m├╝ssen, wie seine Gegner ihre Armeen verteilt haben, um gezielt erfolgreiche K├Ąmpfe zur Schw├Ąchung der Gegner einzugehen.
3) ├ľsterreich z├Âgerte sowohl die kleinen Scharm├╝tzel als auch die gro├čen Entscheidungsschlachten viel zu lange heraus. Es was mehr ein Gl├╝ck, das es unversehens sein Kriegsziel erreicht und das Spiel gewonnen hatte.
4) Schweden hat nicht viel falsch gemacht. Aber auch nicht viel richtig. Seine Rolle ist mehr die einer Stecknadel, mit der Friedrich hin und wieder gepiekst wird.
5) Ru├čland verzettelte sich zu sehr in den ostpreussischen Gebieten. Hierf├╝r sollte es nur eine kleine Auskehrer-Armee einsetzen, mit seiner Hauptmacht aber in Richtung Berlin vorsto├čen. Damit es den Krieg gewinnt, bevor die Zarin stirbt und ihr Nachfolger den Krieg abbricht.
6) Frankreich ging den Hannoveranern nicht konsequent ans Leder, sondern begn├╝gte sich am Ende sogar mit einem Stellungskrieg und verlor das Kriegsziel mit der Eroberung der Zielst├Ątte fast ganz aus den Augen. Oder war das der Respekt vor Friedrich?
Als ├ľsterreich gewonnen hatte, war es 2 Uhr nachts. Die Zeit war wie im Flug vergangen. Und wenn wir am n├Ąchsten Morgen nicht alle wieder am Bruttosozialprodukt feilen m├╝├čten, h├Ątten wir problemlos noch in eine Revanche-Runde einsteigen k├Ânnen.
G├╝nther als Neuling vergab zun├Ąchst nur magere 7 Punkte. Erst als er mit seiner Kritik nicht so recht Boden unter den F├╝├čen bekam, erh├Âhte er auf 8 Punkte. Auch wenn “Friedrich” vielleicht kein “G├╝nther-Spiel” ist, ist doch nicht ausgeschlossen, da├č er demn├Ąchst auch noch auf 9 Punkte heben k├Ânnte.


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