von Walter am 23.08.2007 (429 mal gelesen, keine Kommentare)

Was ist ein “Absacker“? Nach Wikipedia wird damit das letzte Getr├Ąnk bezeichnet, das gegen Ende einer gem├╝tlichen Runde als Ritual zum Auseinandergehen getrunken wird. Es soll einfach die gute Stimmung der Begegnung bekr├Ąftigt und in den Abschied hin├╝bergerettet werden.
Bei Google findet man neunzigtausend Eintr├Ąge zu “Absacker”, LEO hingegen kennt das Wort noch nicht, doch immerhin findet sich eine stimmige Englisch-├ťbersetzung bei ODGE: “One for the road“. Jetzt ist klar, was es hei├čt, wenn wir tief in der Nacht noch mal ein “Bluff” hervorholen. Auch wenn die “road” in M├╝nchen meist mit “U-Bahn” zu ├╝bersetzen ist.
Nach der zweiw├Âchigen Urlaubspause taten sich die 5 Westparker schwer mit der Spieleauswahl. “Ursuppe” (Basisversion) geht nur zu viert. “El Grande” und “El Cabalero” sind schon ziemlich in die Jahre gekommen, selbst bei den hochdotierten “F├╝rsten von Florenz” wurden die Nasen ger├╝mpft. Aarons Mitbrinsel “Canalmania” fiel immerhin nur knapp mit 2:3 Stimmen durch. Peters Favorit “Die Erben von Hoax” wurden von Hans so entschieden abgelehnt, da├č es erst gar nicht zur Abstimmung kam. Wir brauchten unbedingt einen Absacker zum Aufw├Ąrmen. Die gl├Ąnzenden Augen von Peter und Loredana gaben den Ausschlag f├╝r:
1. “Zoff im Zoo”
Ein Spiel zum Absacken, zum Aufw├Ąrmen und f├╝r ganze lange Spieln├Ąchte. Im ersten Vorspiel wollte sich Aaron an Sch├Ątzchen Loredana ranmachen, doch nicht der Erste und der Letzte (, sowie der Zweite und der Vorletzte) bilden eine Koalition, sondern der Erste mit dem Vorletzten. So durfte Walter statt Aaron den Peter machen und Hans war der neutrale Dritte.
Kreuz und quer wurden M├╝cken zu Elefanten geschlagen, Krokodile von M├Ąusen gefressen und Haie zu kleinen Fischen mutiert. (Oder umgekehrt.) Der “Zoff” ist ein lustiges Kartenspiel um die chaotisch berechenbare Fre├čreihenfolge im Reich der Tiere. Peter und Loredana sind zweifellos unsere Experten, was das Berechenbare betrifft, Walter beharrt dagegen auf dem Chaos und hat noch kein rechtes Bild vom relativen Wert der einzelnen Karten. Er vermi├čt die g├Âttliche Klarheit des g├Âttlichen Bridge.
Nach dem zweiten Spiel kann Peter wenigstens nicht mehr behaupten, Walters Ressentiment l├Ąge daran, da├č er immer verliert.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein mit durchschnittlich ├╝ber 8 Punkten hoch bewertetes Spiel.
2. “Die Erben von Hoax”
Hansens Einspruch gegen das Spiel wurde mit 4:1 abgeschmettert. Peter durfte noch mal gen├╝├člich die Spielregeln f├╝r das (fast) wohlbekannte Spiel vortragen. Wir spielten gewissenhaft unsere verdeckten Rollen als H├Ąndler, Bauer und Dieb, als Baron und Richter, als M├Ânch und Magier. Wir handelten, ernteten und klauten, wir klagten an und verurteilten, gew├Ąhrten Abla├č und lie├čen uns imunisieren. Z├Ąh sammelten wir die Siegpunkte auf unseren Konten.
“Hoax” ging fr├╝her schon mal flotter ├╝ber die B├╝hne. Diesmal entstanden die Lacher mehr aus Peters spielbegleitenden Erz├Ąhlungen ├╝ber Meilenkonten bei der Lufthansa und ├╝ber seltsame Bonusprogramme von Banken, mit denen die Meilenkonten gef├╝llt werden, obwohl keine Euros flie├čen und keine Meilen geflogen werden. Vielleicht war das sogar der Grund, warum ein richtiger Spielflu├č erst gar nicht entstand. Jedenfalls hatten nach 40 Minuten (einschlie├člich Regelwiederholung) die Besten gerade erst ein Viertel der notwendigen Siegpunkte zusammen und wir verzichteten zugunsten eines unverw├╝stlichen Absackers auf den Rest der hoaxialen Zauberei.
WPG-Wertung: Aaron: 6, Hans: 6, Loredana: 6, Peter: 7, Walter: 5.
Das ist quer durch die Bank ein ganzer Punkte weniger als bisher. Entweder das spielerische Einrosten im Urlaub oder die Lufthansa-Meilen m├╝ssen daran schuld sein.
3. “Bluff”
├ťber eine Stunde lang durfte sich Peter noch an unserem Standard-Absacker erlaben. Einmal stand er mit 3 gegen Walters 5 W├╝rfel im Endspiel. Er hatte 2 Vierer und eine F├╝nf geworfen und ging mit seiner Vorgabe aufs Ganze: 4 mal die Zwei! Walter hatte leider keine einzige Zwei unter seinem Becher. Das war es dann auch.
Im n├Ąchsten Spiel verlor Aaron gleich zu Beginn alle 5 (in Worten: sechs!) W├╝rfel, als er nach zwei geblufften Vorgaben von Hans und Peter mit einem weiteren Bluff Walter aus den Angeln heben wollte. Der hatte leider auch keine von den inzwischen bei 9 angelangten Dreiern.
Das restliche Bluff-a-Quadre konnte Peter f├╝r sich entscheiden und gab das Statement ab: “Wer Bonusprogramme versteht, der kommt auch mit Bluff zurecht.” Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung blieb offen, schlie├člich konnte reihum fast jeder mal den Sieg davontragen. Doch eine andere psychologische Bluff-Wahrheit gewinnt immer mehr Zustimmung:
[glowred]”Wer schon zu Beginn unter Durchschnitt setzt, blufft!”[/glowred]


Kommentarfunktion ist deaktiviert