von Walter am 13.12.2007 (1.704 mal gelesen, keine Kommentare)

AnlĂ€ĂŸlich Walters Geburstag (3 Jahre unter hexadezimal 40) ging das VorgesprĂ€ch um alte MĂ€nner. Da liegen natĂŒrlich auch die Golf-Klischees nicht sehr weit entfernt. “Spielen Sie schon Golf oder haben Sie noch Sex?” Von verstorbenen Bridgefreunden geerbte GolfschlĂ€ger habe ich Duzende im Keller, selber nutzen tue ich sie noch nicht. Aaron warnte auch davor. “Wenn Ă€ltere MĂ€nner Golf spielen, ist es, wie wenn sie masturbieren. Es macht ihnen selber Spaß, aber fĂŒr die Zuschauer wirkt es etwas peinlich”. – Ich werde meine geerbten GolfschlĂ€ger wohl besser ungenutzt weitervererben!
1. “Agricola”
Uwe Rosenberg hat wieder zugeschlagen und ein neues Werk prĂ€sentiert, das mit seinen komplizierten Querwirkungen dem “Zepter von Zavandor” nicht nachstehen dĂŒrfte. Beim Zusammenbau des Spielplans war Peter vom “innovativen Konzept” ganz begeistert: eine gelungene Umsetzung von Asymmetrie in der Symmetrie. (Kauft Euch das Spiel, und Ihr werdet verstehen, was damit gemeint sein könnte.) Dann fing GĂŒnther mit der ErklĂ€rung an. Erst mal das Grobe und Allgemeine, dann die Details. Nach anderthalb Stunden (90 Minuten) waren wir einigermaßen durch und GĂŒnther lobte die Zuhörer fĂŒr ihre Disziplin und Geduld. Dabei brannten wir förmlich darauf, endlich anfangen zu können.
Die Spieler sind – wie der Lateiner schon weiß – Bauern und betreiben Landwirtschaft. Aufbau von Ackerbau und Viehzucht, Ausbau von Haus und Hof, Vermehrung von Vieh, Kinderkriegen in der Agricola-Familie, ErnĂ€hrung sichern und lauter gute EntwicklungszĂŒge tun, die in der Zukunft tausendfĂ€ltige Frucht tragen sollen. Doch die Zukunft hat noch lĂ€ngst nicht begonnen. ZunĂ€chst zieht sich alles ziemlich zĂ€h dahin.
In den zwei ZĂŒge, die jeder Spieler pro Runde frei hat, rangeln sie sich um die lukrativsten Aktionsfelder, auf denen sie Baumaterial erwerben oder Entwicklungskarten ausspielen dĂŒrfen. Nach einer knappen Stunde Spielzeit hatte noch keiner ein Haus gebaut, keiner ein Kind gekriegt, GĂŒnther hatte als einziger ein Kornfeld umgepflĂŒgt, doch fĂŒr die Aussaat hatte seine ZugkapazitĂ€t noch nicht gereicht.
Das mĂ€chtigste Spielelement sind die zu Spielbeginn zufĂ€llig verteilten Sonderkarten fĂŒr “kleine Anschaffungen” und “Ausbildung”. Damit kann man kĂŒnftige Investitionskosten reduzieren und seine Effizient beim Brezel-Backen und Schweine-Verwursteln erhöhen. In bestimmten RundenabstĂ€nden gibt es “ErnĂ€hrungsphasen”, in denen man seine Familie mit NĂ€hrwerten versorgen muß. Wer nicht genug hat, bekommt “Bettelkarten”, die bei Spielende als Minuspunkte zĂ€hlen.
Hier entzĂŒndete sich eine lebhafte Diskussion ĂŒber die Regelauslegung. Nach dem Aufdruck auf den Kochstellen-Sonderkarten darf man Getreide nur dann mit einem besseren Tauschkurs zu Brot verbacken, wenn man die Aktion “Brot-Backen” gewĂ€hlt hat. Nach dem Text im Regelbuch, erlauben in der ErnĂ€hrungsphase “Feuer und Kochstellen, sowie andere geeignete Ausbildungen und Anschaffungen, Getreide und GemĂŒse zu einem besseren Tauschkurs umzuwandeln”. Darf man jetzt in der ErnĂ€hrungsphase, aber außerhalb der Aktion “Brot-Backen” mit einer Kochstelle Getreide zu Brot verwandeln oder nicht? Peter fand in den Regeln den “Beweis”, daß man es nicht darf. Walter bestritt den Beweis, und hielt Peters Argumentation lediglich fĂŒr eine (zweifelhafte) juristische Auslegung. “Beweise gibt es nur in der Mathematik”.
Doch die Diskussion verlief bei aller Kontroverse Ă€ußerst friedlich. Es ging nicht um Sieg oder Niederlage, sondern nur um die gemeinsame Kritik an den unglĂŒcklichen Formulierungen in der Spielregel. Aaron meinte, die unnötigen ErklĂ€rungssĂ€tze im Regelheft seien nur eine Hilfestellung fĂŒr die Dummen. Die Klugen wĂŒrden die Situation auch ohne diese SĂ€tze problemlos verstehen; doch mit diesen SĂ€tzen könnten sie stundenlang um die Auslegung streiten. Wir waren offensichtlich Halbgebildete, denn unsere Diskussion dauerte nur eine halbe Stunde!
Es ging auf Mitternacht zu, und Peter drĂ€ngte wie immer auf die letzten ZĂŒge (und auf seinen U-Bahn-Anschluß). Es sah nicht schlecht fĂŒr ihn aus, aber GĂŒnther hatte seinen “Agricola”-Erfahrungsvorsprung in die letzten benötigten Siegpunkte umsetzen können.
Dann durften wir noch alle gemeinsam eine halbe Stunde lang das Spielmaterial wieder wegrĂ€umen. FĂŒr Schafe, Wildschweine und Rinder, fĂŒr GemĂŒse und Getreide, fĂŒr Lehm, Holz und Stein, und fĂŒr tausenderlei anderes Zubehör hatte GĂŒnther tausenderlei Plastikbeutelchen, in denen alles wieder fein sĂ€uberlich eingetĂŒtet wird. Bei vier Stunden Spielzeit ist das ja wohl auch noch zu verkraften.
WPG-Wertung: Aaron: 5, GĂŒnther: 7, Peter: 5, Walter: 7
Walter wird eine Rezension schreiben.
2. “Flaschenteufel”
Nach der schweren Kost noch ein kurzer, aber keineswegs leichter Absacker. Aaron machte uns dreimal den Wolfgang, GĂŒnther und Walter schnellten sich bis in die Gegend von 150 Punkten hoch.
Weiterhin eine ungebrochen hohe WPG-Wertung.


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