von Walter am 17.02.2011 (1.565 mal gelesen, 5 Kommentare)

ÔÇ×Elisabeth Schneider wendet das Strategiespiel Monopoly auf die Berliner Kulturlandschaft anÔÇť, so hie├č heute eine Bildunterschrift in der Abendzeitung. Dieser Satz enth├Ąlt mindestens f├╝nf sachliche Fehler.

1. “Kingsburg”
Ein Brettspiel mit vielen W├╝rfeln als dominierendes Spielelement, bei dem aber doch nicht vorwiegend die Summe der zuf├Ąlligen W├╝rfelergebnisse den Ausschlag ├╝ber Sieg oder Niederlage gibt. Jeder Spieler wirft mit drei (oder mehr) W├╝rfeln und darf die Ergebnisse einzeln oder in beliebigen Kombinationen f├╝r seine Z├╝ge ausn├╝tzen. Er besetzt damit entsprechende Zahlenfelder (ÔÇ×GouverneureÔÇť), die ihm Einkommen in Form von Rohmaterial (Holz, Stein oder Gold) gew├Ąhren, Kampfst├Ąrke gegen regelm├Ą├čige feindliche Angriffe verleihen, oder Bonuspunkte f├╝r seine n├Ąchsten W├╝rfelkombinationen vergeben.
Jedes Zahlenfeld (mit den Werten von 1 bis 18) kann pro Runde nur von einem Spieler genutzt werden. Wer mit seinen W├╝rfelergebnissen nur noch auf Felder kommen kann, wo schon Mitspieler stehen, verliert diesen Zug. Deshalb setzt nach jedem W├╝rfelwurf (gleichzeitig und ├Âffentlich von allen Spielern) ein eifriges Analysieren ein, welche Kombinationen die Mitspieler auch erzielen k├Ânnen, welche Felder also umk├Ąmpft sind, und welche Zahlenwerte man nur allein kombinieren kann, f├╝r deren Zug man sich also noch Zeit lassen kann. Diese Phase dauerte bei uns zu dritt schon recht lange, bei vier oder mehr Mitspielern (Denkern) kann sie vielleicht sogar untertr├Ąglich werden.
Mit dem erworbenen Rohmaterial kann man Geb├Ąude errichten, die erstens Siegpunkte einbringen, zweitens Kampfst├Ąrke gegen die bereits erw├Ąhnten Angriffe, drittens Vorteile bei weiteren Aktionen, und viertens vor allem Modifier f├╝r zuk├╝nftige W├╝rfelkombinationen. Vor allem durch die Modifier werden die Auswirkungen von Fehlkalkulationen bei der W├╝rfelanalyse gem├Ą├čigt, man darf ja noch etwas zulegen, um vielleicht ein benachbartes Zahlenfeld zu erreichen, das noch frei ist. Diese Modifier geben einem Profidenker aber noch mehr Gelegenheit, die insgesamt 10 bis 15 geworfenen W├╝rfel ausgiebig zu analysieren, um f├╝r sich und seine Bauvorhaben die optimalste Ausbeute zu erzielen. Heute war gl├╝cklicherweise keine dieser zuweilen unangenehmen Spezies am Werk.
Horst verlegte sich bei seinen Bauwerken schwerpunktm├Ą├čig auf den religi├Âsen Sektor. Allein ├╝ber Standbild, Kapelle, Kirche und Kathedrale erzielte er 96 % seiner ingesamt 25 Siegpunkte. Doch seine G├Âtter lie├čen ihn beim Kampf gegen Drachen und D├Ąmonen im Stich. Hier mu├čte er zu viel Federn lassen, um noch aufs Treppchen zu kommen. Moritz lie├č nichts anbrennen; seine planm├Ą├čige Konzentration auf Kneipen und Kasernen brachte ihm den Sieg.
WPG-Wertung: Host: 9 (h├╝bsche W├╝rfel-Kombinatorik, auch f├╝r Gelegenheitspieler bestens geeignet), Moritz: 7 (alles funktioniert, wirkt auf Dauer allerdings repetitiv, es kommen im Laufe des Spiels keine neuen Abl├Ąufe mehr hinzu, Walter: 7 (alles ist konstruktiv und sehr gut ausbalanciert).
2. “Partacus”
Ein neues h├╝bsches Kartenspiel von Bernd Eisenstein, das er zur Spiel 2011 in Essen herausbringen will. Wir sammeln ÔÇ×BesitzkartenÔÇť verschiedener Kategorien (Armeen und Flotten, Land und Leute, Reichtum und Macht), die wir einerseits kostenlos von einem verdeckten Stapel ziehen, andereseits aus einer offen Auslage k├Ąuflich erwerben. Die unterschiedlichen Kategorien haben alle Einflu├č auf Rabatte und Verg├╝nstigungen bei unseren n├Ąchsten Z├╝gen.
Wenn der Stapel mit den 74 Besitzkarten durch ist, ist das Spiel zu Ende, und der Spieler mit dem optimalsten Besitzstand hat gewonnen. Bevor wir uns recht versahen ÔÇô nach knapp 30 Minuten – war das Spiel auch schon zu Ende. ÔÇ×Viel zu schnellÔÇť war der einhellige Kommentar. Das Sammeln, Kaufen und Auslegen der Karten und das effiziente Wirtschaften mit den beeinflu├čbaren Einnahmen hat allen viel Spa├č gemacht.
Noch keine WPG-Wertung f├╝r ein Spiel im Beta-Test.
3. “Rumis”
Ein sch├Ânes Spiel mit Baukl├Âtzchen f├╝r Ingenieure und Topologen. Wir stecken unsere Elemente zu einem kompakten Gebilde zusammen, und Sieger wird der, von dessen Farbe am Ende die gr├Â├čte Fl├Ąche noch zu sehen ist.
Vor sechs Jahren hatte ich meinen Gro├čneffen ein Exemplar dieses Spiels zu Weihnachten geschenkt, letztens ÔÇô 5 Jahre sp├Ąter – erhielt ich von ihrem Vater dazu folgenden Kommentar:
Rumis war, nachdem Du es uns geschenkt hattest, einige Male ausprobiert worden, dann aber, wie so viele andere Spiele, erstmal im Spieleschrank verschwunden. An diesem Wochenende feierte das Spiel dann seine Auferstehung – nachdem Du dass Spiel in M├╝nchen unseren Kindern “n├Ąher” gebracht hattest. Ich muss allerdings gestehen, dass sich das Spiel – wie schon nach den ersten Testrunden, in grauer Vorzeit – bei mir sicher nicht so hoch platzieren wird, wie bei den WPG. Das Spiel ist “nett”, um es mit den Kindern zu spielen, kurzweilig, schnell, ohne komplizierte Regeln, aber offen gestanden f├╝r mich ein reines Gl├╝cksspiel. Bei zwei Spielern ist das mit Sicherheit anders zu bewerten, aber bei vier Spielern ist man absolut vom Wohl der anderen Mitspieler abh├Ąngig und es gilt sich eigentlich h├╝bsch zur├╝ck zu halten, weil man, wenn man durch zu viele eigene Oberfl├Ąchen, den Missmut der anderen Spieler auf sich zieht, gnadenlos gemobbt werden kann (bis hin zum “Spielausschluss”).
Wir werden das Spiel, weil es jetzt bei uns – speziell den Kindern – gerade “in” ist, in den n├Ąchsten Tagen/Wochen noch viele Male spielen, und ich werde mich dem auch nicht verweigern, weil es, wenn es um das Spielen an sich geht, wie beschrieben “nett” ist, h├╝bsch aussieht und auch den Kleinen und Unbedarften eine Siegchance bietet. Wie aber diese Spiel sich den “Monatstitel” der WPG erworben hat erschlie├čt sich mir momentan noch nicht.

Diese provozierende Kritik war der Auftakt zu einem vielseitigen Briefwechsel ├╝ber Techniken und Strategien, sowie ├╝ber eine mathematische Definition des Begriffs ÔÇ×Gl├╝cksspielÔÇť. Rumis ist definitiv keines, doch ich bin nicht sicher, ob ich meinen Neffen davon ├╝berzeugen konnte.
Heute durfte Horst die Initiationsriten von Rumis ├╝ber sich ergehen lassen. Er fand das Spiel ÔÇ×toll, aber nicht f├╝r michÔÇť. Als Wertung vergab er eine ÔÇ×objektiveÔÇť 8, und eine ÔÇ×subjektiveÔÇť 3! Hallo Aaron, wie bringst Du diese Klassifikation in unser Wertungsschema?
WPG-Wertung: Lassen wir den WPG-Durchschnitt bei 8, auch Birgit ist daf├╝r.
4. “Bluff”
Gro├če Verluste im ersten Spiel, vor allem bei denen, die nicht mehr bezahlen konnten.
Dann setzte Horst zum gro├čen Bluffen an und bevor wir hinter seine Masche kamen, hatte er dreimal hintereinander gewonnen. Jetzt ging es nur noch darum, ihn wieder zu enttronen. Es dauerte immerhin noch zwei Durchg├Ąnge, bis das geschafft war.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.
PS: Hallo Birgit, ich w├╝nsche Euch, dass Sebastian seine Nach-Impf-Probleme bald ├╝berwunden hat und auch Du mal wieder bei uns vorbeischauen kannst.


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5 Reaktionen zu “14.02.2011: Sammeln und Bauen mit W├╝rfeln und Karten”

  1. Moritz

    ÔÇ×Elisabeth Schneider wendet das Strategiespiel Monopoly auf die Berliner Kulturlandschaft anÔÇť, so hie├č heute eine Bildunterschrift in der Abendzeitung. ”
    5 sachliche Fehler?
    Ok,
    1) Monopoly ist kein Strategiespiel, geschenkt
    2) Berlin hat (vielleicht) keine Kulturlandschaft (Ansichtssache)
    3) Ein Spiel kann nicht auf eine Kulturlandschaft “angewendet” werden
    4) wenn man ganz niggelig ist: man m├╝sste wohl “hei├čt” anstatt “hie├č” schreiben, da die Zeitung ja von “heute” ist
    aber was ist der 5. Fehler, Walter?
    “Elisabeth Schneider” ist falsch geschrieben?
    Ich komm einfach nicht drauf….bitte hilf!
    Moritz

  2. Walter

    Lieber Moritz,
    2) ziemlich richtig: In der Zeitung war von der ÔÇ×M├╝nchener KulturlandschaftÔÇť die Rede, und nicht von der ÔÇ×BerlinerÔÇť.
    2b) Ob wir in M├╝nchen eine “Kulturlandschaft” haben, kannst Du besser beurteilen als ich.
    3) nicht richtig: Das hat die K├╝nsterin lt. Zeitung n├Ąmlich getan. Der Versuch ist nicht strafbar.
    4) auch ein bi├čchen richtig: Als ich den Artikel geschrieben habe, war ÔÇ×heuteÔÇť bereits ÔÇ×gesternÔÇť.
    5) Die K├╝nsterlerin hie├č ÔÇ×MizziÔÇť, was eine Kurzform von ÔÇ×MariaÔÇť, aber nicht von Elisabeth ist.
    5b) Ihr Familienname ÔÇ×SchnyderÔÇť ist auch falsch geschrieben.
    6) Der Artikel stand nicht in der Abendzeitung, sondern in der S├╝ddeutschen Zeitung.
    Und der Anlass, warum ich meinen Text ├╝berhaupt geschrieben habe, war Dein absolut richtiger Punkt 1:
    Monopoly ist kein Strategiespiel, sondern ein ziemlich reinrassiges W├╝rfel-Gl├╝cksspiel.

  3. Moritz

    Aha, jetzt verstehe ich!
    Vielleicht ist Monopoly aber einfach auch gar kein Spiel, sondern eine Art Folter….das denke ich mir immer wieder nach Galileo…

  4. Moritz

    Ich muss hier ├╝brigens auch nochmal betonen, dass der Horst wirklich ein Superspieler ist, mit dem man immer gerne spielt!

  5. Horst

    Danke f├╝r die Blumen, Moritz. Ich kann das Kompliment nur zur├╝ckgeben. so wie ich ├╝berhaupt finde, da├č die Westpark Gamers eine klasse Truppe sind. Es macht immer einen Riesenspa├č!