von Walter am 1.03.2013 (3.100 mal gelesen, keine Kommentare)

Aus einer französischen Spieleseite:
A vaincre sans péril, on triomphe sans gloire. (Ein Sieg ohne Gefahr ist ein Triumpf ohne Glanz.)

1. “Bora Bora”
Bora Bora gilt als die schönste Insel der Welt. Der (Session-Report-) Autor war schon da und hat dort bei einem Abendessen auf der Klippe den schönsten Sonnenuntergang seines Lebens genossen. Außerdem mit einer „magyar banda“ ein gelungen aufgemotzes touristisches Gourmet-Event in Marlon Brandos Lieblingsrestaurant. Und Du (entschuldige das Duzen), lieber Stefan Feld, was hast Du auf Bora Bora erlebt? Oder warst Du nur mit dem Finger auf der Landkarte dort?

Bora Bora - GĂŒnther macht uns den Moritz

Bora Bora – GĂŒnther macht uns den Moritz

Sein „Bora Bora“ verteilt sich gleich auf fĂŒnf Inseln, auf denen wir unsere HĂŒtten errichten und dafĂŒr irdisches Baumaterial oder göttliches Manna bekommen. Ist es im richtigen Leben nicht umgekehrt? Wir heuern eingeborene MĂ€nner und Frauen an und nehmen deren Dienstleistungen in vielerlei Formen in Anspruch: von TĂ€towierungen ĂŒber Transportservice bis hin zu ihrem multiplen Muschi-Angebot.

Eine gigantische Menge Spielmaterial fĂ€llt ĂŒber uns her. Eine Überschlagsrechung in Excel liefert 445 Einzelteile, mit denen wir uns auseinandersetzen mĂŒssen, Sand, Steine und Holz, MĂ€nner, Frauen und Priester, Aufgaben und Aktionen, Hauptgötter, Untergötter und Opfergaben, und noch vieles mehr.

Alles steht in einer vorzĂŒglich konzipierten AbhĂ€ngigkeit zueinander. MĂ€nner bringen Frauen, Frauen bringen uns hinĂŒber und die Götter geben nach Empfang der obligatorischen Opfergaben den Segen dazu.

Mit WĂŒrfeln fĂ€ngt es an. Drei StĂŒck davon hat jeder. Hohe WĂŒrfel tragen hohe FrĂŒchte, kleine WĂŒrfel tragen kleine FrĂŒchte; dafĂŒr dĂŒrfen sich die Kleinen auch noch in Nischen drĂ€ngen, wenn fĂŒr die Großen schon kein Platz mehr frei ist. Doch mit Hilfe der Götter können sich auch große WĂŒrfel in die Nischen drĂ€ngen und kleine WĂŒrfel die hohen FrĂŒchte erlangen. Es gibt keine harten Barrieren, keine unĂŒberwindlichen EngpĂ€sse, nicht nur die Götter machen es möglich. Bayrisch ausgedrĂŒckt: „A bisserl wos geht ollawei“.

Reichlich sprudeln die Siegpunkt-Quellen. Anschwellend und abschwellend je Phasenkonzept des (Spiele-)Autors. Sie finden sich in den vielfÀltigen Aufgabenstellungen (zum Sammeln von Göttern, GrÀbern und Gelehrten), beim Bauen, beim Priestern, beim Schmuckeln, beim Fischeln und beim Statusschritteln. Verbesserte und additive Quellen liefern bessere MÀnner, Frauen und Götter.

Alles ist perfekt designed, alles lĂ€uft rund. Im Schweiße seines Angesichts hat Stefan Feld sicherlich viele Monate, wenn nicht Jahre, gehobelt und geschliffen, damit die Spieler nicht mehr ĂŒber Ecken und Kanten stolpern. Sie selber brauchen beim Spielen, beim Planen und Werkeln, keinen Schweiß mehr zu vergießen. Obwohl das nicht geschadet hĂ€tte. Welcher Freak fĂŒhlt sich schon wohl, wenn er keine echte Herausforderung zu bestehen hat. Und vor allem, wenn er in einem mehrstĂŒndigen Planspiel seinen Gegnern nicht an den Wagen fahren kann. Interaktion wird klein geschrieben. Konstruktive Solos mit marginaler Konkurrenz bestimmen das Spiel. Bora et labora! Mit großem „Bora“ und kleinem „labora“.

Der Zufall hat ebenfalls seine wohlverdiente Dosis zugeteilt bekommen. Die WĂŒrfel bestimmen immerhin QualitĂ€t und QuantitĂ€t der erlaubten ZĂŒge. Und die angebotene Auswahl an MĂ€nnlein und Weiblein, an Aufgaben und Schmuck trĂ€gt einen erheblichen Teil an zufĂ€lliger Punkteausbeute bei. Zudem gibt es Siegpunkt-PrĂ€mien, die a priori nicht zu erfĂŒllen sind, beispielsweise die SonderprĂ€mie fĂŒr die maximal sechs möglichen SchmuckstĂŒcke, wenn mangels Masse schon in der ersten Runde kein SchmuckstĂŒck erworben werden konnte. Ein bißchen Toleranz hĂ€tte hier etwas mehr Freude aufkommen lassen.

WPG-Wertung: Aaron: 5 (elendes RumgewĂŒrge ohne Spannungsbogen, das Thema ist nur ĂŒbergestĂŒlpt, weniger wĂ€re mehr gewesen), GĂŒnther: 5 (schöne karibische Farben [AbN: „Bora Bora liegt nicht in der Karibik!“, lockere Siegpunkt-Sammlung, keine Steigerung, kein dynamischer Aufbau], Walter: 5 (fĂŒr den Schweiß des Spielers; fĂŒr den Schweiß des Autor wĂ€hrend seiner Spielentwicklung gibt es 10 Punkte; aber diese werden hier leider nicht extra ausgewiesen.)

2. “Yunnan”
Leicht schĂŒchtern fragte Aaron nach, ob er sein Yunnan nochmals auf den Tisch bringen dĂŒrfe. Der Verlag hat im Feinschliff noch diesen oder jenen Splitter gefunden, mal sehen, wie das in einer Dreierrunde ankommen könnte. Keine Frage, dass Aarons schĂŒchteres Ansinnen sofort auf fruchtbaren Boden fiel. Auch fĂŒr alte Hasen ist die rasante Entwicklung in Yunnan immer wieder eine geistig-spielerische Herausforderung. Mit welchen Entwicklungsschritten kann man sich in die entscheidende Position manövrieren, um dann möglichst unvermutet loszulegen und fĂŒr den Endspurt einen verteidigbaren Vorsprung herauszuarbeiten.

GĂŒnther investierte als Startspieler in Tempel und Kontore. Doppelt gemoppelt. Nach drei (von fĂŒnf) Runden hatte er sich hoffnungslos ins Abseits manövriert. Spricht das jetzt gegen die geistige Herausforderung von Yunnan. Nein, es spricht nur dafĂŒr, dass die Balance in einer Vierrrunde und nach den Regeln von gestern nicht identisch ist zur Balance in einer Dreierrunde mit den Regeln von morgen. GĂŒnther hatte schlichtweg auf das gestrige Pferd gesetzt.

Walter legte sich in der ersten Runde einen HĂ€ndler zu, sorgte in den folgenden Runden dafĂŒr, dass dieser sich auch vor den FĂ€usten seiner Gegner nicht mehr zu fĂŒrchten brauchte, und begann ab der dritten Runde, konsequent seine Einnahmen in Siegpunkte zu verwandeln, so dass die Mitspieler unter Druck gerieten und mehr oder weniger fluchtartig die Ausbildung ihrer Pferdejungen in den Wind schreiben mußten.
Aaron war’s zufrieden. Argentum darf es auch sein. Die Dreierrunde hat gegenĂŒber eine Vierrunde noch den psychologischen Vorteil, dass es fĂŒr jedes böse VerdrĂ€ngen auf den verschiedenen Entwicklungsachsen immer noch ein TrostpflĂ€sterchen gibt. Bayrisch ausgedrĂŒckt: „Oans geht oiwei no“.

Hinterher diskutierten wir noch ausgiebig die Möglichkeiten fĂŒr Yunnan als Zwei-Personen-Spiel. Auch dafĂŒr gibt es sehr erfolgsversprechende AnsĂ€tze. Doch wahrscheinlich kommt das erst in der ersten oder zweiten Expansion.

Keine WPG-Wertung fĂŒr ein Spiel in der Entwicklungsphase.


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