von Walter am 9.09.2016 (812 mal gelesen, keine Kommentare)

Unser Aaron ist unter die Komparsen gegangen. Heute hatte er den letzten Drehtag f├╝r einen s├╝├čen, kleinen Reklamefilm. Anstatt sich in R├╝diger Dorns ÔÇ×KarubaÔÇť Wege durch Wald und Flur zu bahnen, f├╝hrte er reifere Damen auf verschlungenen Waldwegen durch die Niederungen des Memminger Flughafens. ÔÇ×Der Dreh heute dauert l├Ąnger als geplant. Ich werde vermutlich erst so gegen 20:30 am Westpark seinÔÇť lautete seine Hiobsbotschaft. Das Rest-Trio konnte nur hoffen, dass eine sechsst├╝ndige Vorausplanung am Filmset realistisch ist.

1. “Karuba”

Eigentlich wollte Horst gleich zu Beginn ein abendf├╝llendes ÔÇ×My VillageÔÇť auflegen. Von seiner Familie hatte er sich freigeben lassen, und mit seiner Anreise per Drahtesel hatte er sich auch von der vorletzten U-Bahn unabh├Ąngig gemacht. Aarons Komparserei machte jetzt einen Strich durch diese Rechnung. Schnelle, lockere Warming-Ups waren angesagt. Da kam ÔÇ×KarubaÔÇť gerade recht.

Bis die Endausscheidung zum ÔÇ×Spiel des Jahres 2016ÔÇť hat es dieses leicht zu erkl├Ąrende und locker ablaufende Spiel gebracht. Bei uns wurde es sogar ÔÇ×Spiel des Monats 2016ÔÇť. Im Report vom 27.05.2016 habe wir es beschrieben.

40 Minuten soll die Spieldauer sein. Wobei wir am Westpark in der Regel noch 50% drauflegen m├╝ssen. In ÔÇ×KarubaÔÇť aber nicht. Einschlie├člich Vorgepl├Ąnkel und Erkl├Ąrung waren wir in der angegeben Zeit durch. Horst war so begeistert, dass wir mit allseitigem Einverst├Ąndnis gleich noch einen zweiten Durchgang anf├╝gten.

WPG-Wertung: Zum bisherigen Schnitt von 7,3 vergab Horst 8 Punkte (mit einer Tendenz f├╝r 9, ÔÇ×so eine Spannung in einer so kurzen Zeit!ÔÇť Er wird es sich umgehend f├╝r seine eigene Spielrunde zulegen)

2. “My Village”

Gro├čer Platzbedarf f├╝r ÔÇ×My VillageÔÇť

Gro├čer Platzbedarf f├╝r ÔÇ×My Village”, kontemplative Mitspieler

Aaron war noch nicht da, hatte aber auch nichts dar├╝ber verlauten lassen, dass seine Dreharbeiten noch l├Ąnger dauern w├╝rden. Volles Risiko bauten wir schon einmal ÔÇ×My VillageÔÇť auf; das nimmt ja schon mal zehn Minuten in Anspruch. Als erstes brauchten wir einen Zusatztisch f├╝r Getr├Ąnke und Gummib├Ąrchen, die Menge an Landschafts-, Produktions- und Verwaltungskarten, mit denen jeder Spieler in ÔÇ×My VillageÔÇť seine eigene Kolchose aufbaut, nimmt eine gew├Âhnliche Tischfl├Ąche voll in Anspruch.

In diesem ├╝ppigen Aufbau-Optimierungsspiel erweitern wir pro Zug unseren Betrieb um eine neue Wirtschaftsfl├Ąche, oder wir nutzen die vorhandene Produktionskapazit├Ąt f├╝r die Erzeugung von G├╝tern, Geld oder direkten Siegpunkte.

  • Kornfelder produzieren Geld. Wof├╝r wir das brauchen, das kriegen wir sp├Ąter.
  • Handwerkliche Betriebe produzieren f├╝nf verschiedenen G├╝ter, mit denen wir sp├Ąter Kunden oder Kirche bedienen k├Ânnen.
  • Kundenauftr├Ąge listen die G├╝ter auf, f├╝r deren Produktion und Ablieferung wir Siegpunkte erhalten.
  • Reisen bildet! F├╝r Reisekarten erhalten wir direkte Siegpunkte, sonst allerdings nichts.
  • Geld- und G├╝ter-Investitionen in den kirchlichen Bereich liefern ├╝berproportional wachsende Siegpunkte und weitere kleine Verg├╝nstigungen im d├Ârflichen Leben.
  • Rath├Ąuser generieren Geld, indirekte Siegpunkte oder Joker-G├╝ter.
  • Versammlungspl├Ątze erzeugen W-Potenz. Was das ist, das kriegen wir gleich.

F├╝r jeden der verschiedenen Z├╝ge, den wir tun wollen, m├╝ssen wir eine vorgeschriebene Zweier-Kombination von W├╝rfeln vorweisen, von zweimal die Eins bis zweimal die Zw├Âlf. Damit kommen wir zum Knackpunkt des Spiels. Pro Zug w├╝rfelt der Startspieler elf W├╝rfel aus. Reihum reserviert sich dann jeder Spieler zwei davon aus, mit denen er seinen Zug bestreiten will. Eine h├╝bsche Konstruktion.

Klar ist, dass der Startspieler bei der W├╝rfelauswahl erhebliche Vorteile hat; deswegen darf jeder Spieler auch einen Zug opfern, um in der n├Ąchsten Runde selber Startspieler zu werden. Doch dieser Vorteil wird durch eine ganze Reihe von M├Âglichkeiten entwertet.

  1. Es gibt oft mehrere gute Z├╝ge, die man auch noch in verschiedenen Reihenfolgen durchf├╝hren kann, so dass man nicht streng von einer einzigen vorgegebenen Kombinationen abh├Ąngig ist.
  2. Der letzte Spieler eine Runde kann immer noch aus f├╝nf W├╝rfeln w├Ąhlen; damit stehen oft genug noch ausreichend viele ÔÇ×nat├╝rlich guteÔÇť Kombinationsm├Âglichkeiten zur Verf├╝gung.
  3. Es gibt auch einen durchaus akzeptablen Zug, n├Ąmlich die Bewegung des Oberhauptes, den man mit jeder beliebigen W├╝rfelkombination ausf├╝hren darf.
  4. Mit Geld, der Frucht unserer Kornfelder (siehe oben) k├Ânnen wir einzelne W├╝rfel modifizieren, d.h. die Augenzahl um eins nach oben oder unten drehen.
  5. Mit W-Potenz (siehe Versammlungspl├Ątze) k├Ânnen wir gar einen W├╝rfel auf eine frei w├Ąhlbare Zahl drehen.

Fazit, wenn man bei der ├ťbernahme der Startspielerposition nicht noch weitere Vorteile einheimsen k├Ânnte, w├╝rde sich dieser Zug nicht lohnen.

Was lohnt sich dann? Das ist die Crux des Spiels. Es lohnt sich zuviel! Zuerst muss man sich nat├╝rlich die ÔÇťrichtigeÔÇŁ Produktionsmaschine zurechtlegen. Ein bi├čchen W-Potenz, ein bi├čchen Geld-Potenz, dann aber eine optimale Anzahl von Produktionsfeldern mit der gleichen W├╝rfelkombination. Mit einer bestimmen W├╝rfel-Kombination darf man n├Ąmlich nicht nur ein einziges seiner Felder aktivieren, sondern alle Felder, f├╝r die diese Kombination vorgeschrieben ist.

Da steht der Startspieler vor geschlagenen elf W├╝rfeln, von denen er nur zwei braucht, die er aber ggf. noch modizifieren bzw. auf beliebige Werte drehen darf. Er hat eine Menge zu denken. Vor allem am Anfang, wenn er beim Aufbau seiner Maschine noch als dem Vollen sch├Âpfen kann. Jeder Spieler darf dabei auch noch ├╝berlegen, ob er mit bestimmten W├╝rfeln, die er f├╝r sich reserviert, seinen Mitspieler die Kombinierbarkeit unter den Restw├╝rfeln erschwert. Kurz und gut: es muss gedacht werden. Leider viel zu lange. Eine ├╝berschl├Ągige Rechnung zeigt: Wir haben in drei Stunden Spielzeit (ohne Erkl├Ąrung) das Spiel ├╝ber die Runden gebracht; dabei war jeder Spieler etwa 20 mal an der Reihe. Alle langen und breiten 9 Minuten durfte ein Spieler also einen Zug ausf├╝hren. Ziemlich kontemplativ!

G├╝nther baute sich eine h├╝bsche Handwerkersiedlung, ├╝ber die er sp├Ąter am laufenden Band (d.h. immer wenn er dran war) Kundenauftr├Ąge realisierte. Mit 68 Siegpunkten (Erster) bekam er ein Drittel mehr als Walter (Letzter), der nach ca. 60 Minuten resigniert hatte und mit seinen W-potenten Z├╝gen lediglich Bier braute, neue W-Potenz erzeugte, und sich um F├╝rbitter bem├╝hte. Daf├╝r war G├╝nthers Vorsprung doch noch recht ertr├Ąglich.

WPG-Wertung: Aaron: 5 (das Spiel dauert doppelt so lang, wie ich diese Art von Spiel ertragen kann), G├╝nther: 6 (k├╝rzer w├Ąre besser), Horst: 7 (die Spieldauer ist f├╝r diese Art von Spiel angemessen; wenn ich mit W├╝rfeln optimieren kann, m├Âchte ich dazu Zeit bekommen; ich liebe W├╝rfel-Aufbau-Optimierungsspiele), Walter: 5 (saubere Konstruktion, gute Balance, leider ohne jegliche Interaktion, nicht einmal beim Zugriff auf die Felder gibt es eine nennenswerte Konkurrenz; zu lange Wartezeit; als Solit├Ąrspiel w├╝rde ich ihm 8 Punkte geben).


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