von Walter am 24.11.2016 (651 mal gelesen, 2 Kommentare)

1. “1846 – The Race for the Midwest”

„1846“ - Upgrades bei den Großen Seen

„1846“ – Upgrades bei den Großen Seen

Schon in der Vorwoche hatte Moritz fĂŒr unsere heutige Runde mal wieder ein 18xx-Spiel vorgeschlagen, das brandneue „1846“. Ausgerechnet Moritz, der fĂŒr diese Spiele mit nur 7 Punkten kleckert, wĂ€hrend alle anderen mit 10 Punkten klotzen. „Ich wollte Euch mal wieder eine Freude machen!“ Wie zuvorkommend! Alle waren sofort Feuer und Flamme dafĂŒr.

Erst die angesagte Spieldauer von fĂŒnf Stunden ließ die MĂŒter etwas abkĂŒhlen. Aaron und GĂŒnther recherchierten im Internet, verteilen Analysen zu den Unterschieden gegenĂŒber der „1830“, und verschickten an jeden Mitspieler das 24-seitige Regelheft mit der Verpflichtung sich darauf vorzubereiten. Schließlich wollten wir uns die mindestens eine Stunde EinfĂŒhrung sparen.

Es ist immer wieder erstaunlich und faszinierend, was sich die liebhaberischen VĂ€ter neuer 18xx-Kinder alles einfallen lassen, um ihr Kind nicht nur anders, sondern auch besser aussehen zu lassen als die BrĂŒder und Schwestern. SelbstverstĂ€ndlich werden auch lokale historische Gegebenheiten in das verĂ€nderte Spieldesign eingewoben. Zumindest propagiert solche das Regelheft. Darauf wollen wir hier aber nicht eingehen.

Wesentliche Unterschiede der „1846“ gegenĂŒber unserer Best-of-all-Ever „1830“ sind u.a.:

  • Auf die 10 Privatgesellschaften wird nicht mehr geboten. Stattdessen wĂ€hlt sich jeder Spieler reihum aus einer jeweils eingeschrĂ€nkten Auswahl eine Private aus. Das geschieht solange, bis alle Privaten genommen wurden. Erst dann decken die Spieler ihre gewĂ€hlten Privaten auf und zahlen dafĂŒr. – Ein akzeptables Verfahren, aber die Freiheiten und die Taktiken der „1830“ um die richtigen Privaten und vor allem um den „Priority Deal“ sind dahin.
  •  Gesellschaften floaten schon, wenn das Director Share verkauft ist. Das gezahlte Geld geht in die Gesellschaft. Zur weiteren Finanzierung dĂŒrfen die Gesellschaften ihre Aktien an die Bank verkaufen. Das scharfe Kalkulieren der eigenen Börse, genauso wie das Feilschen um Beteiligungen entfĂ€llt.
  •  Es gibt vier statt drei Fortschritt-Phasen, in denen ZĂŒge verschrottet werden und Eigenschaften von Privaten verfallen.
  •  Zur Finanzierung von Zwangsloks darf eine Gesellschaft bei Bedarf ihre eigenen Aktien notverkaufen. Erst wenn auch dieser Erlös nicht reicht, muss der Direktor mit seinem Privatvermögen einspringen. Die Möglichkeiten, als Direktor bankrott zu gehen, sind fast eliminiert. DafĂŒr wĂŒrde ein Spiel bei einem solchen Bankrott auch nicht beendet werden: der Bankrotteur dĂŒrte weiterhin zusehen, wie die restlichen Spieler lustig weiterspielen.
  •  Gesellschaften mĂŒssen fĂŒr Private immer den vollen Preis zahlen. Einem Ausblutenlassen einer Gesellschaft, bevor man sie einem Mitspieler vor die FĂŒĂŸe wirft, ist damit ein deutlicher Riegel vorgeschoben.
  •  Der Verkauf von Minderheits-Aktien hat keinen Einfluss auf den Aktienkurs. Dieser Kurs sinkt nur dann, wenn der Direktor Aktien verkauft, und auch dann nur um genau eine Stufe. Die Spannung mit dem „Priority Deal“ beim Verkaufen „geiler“ Aktien ist total eliminiert, genauso wie das taktische Kaufen und Verkaufen von Aktien zur Kursmanipulation.
  •  Loks werden „ausgephast“, sprich sie fahren ein letztes Mal nach Anbruch der Phase, in der sie ausgemustert werden. Der technische Fortschritt schlĂ€gt also nicht so brutal zu, und Gesellschaften können die Finanzierung modernerer ZĂŒge risikolos bis zum letzten Augenblick aufschieben.

Aarons Fazit: „Alles in Allem also eher ein zahmer 18xx-Vertreter, bei dem es am meisten darauf ankommt, die richtigen Privaten mit den richtigen Gesellschaften mit den richtigen Einstiegskursen und den richtigen Strecken zu kombinieren.“ Alle sahen das genauso Die Robber-Barons mit ihren bösen kapitalistischen Machenschaften sind außen vor, die soliden Empire-Builders bleiben unter sich.

Unser beschleunigter Einstieg in eine neue 18xx-Welt wurde allerdings vom MĂŒnchener Verkehrsverbund torpediert. Der Bus, mit dem Moritz gewöhnlich zum Westpark fĂ€hrt, war ausgefallen, und Moritz mit den ganzen Spielutensilien, traf erst eine Viertelstunde spĂ€ter ein.

Nach dem Spielaufbau und der Verteilung des nagelneuen Materials auf dem Tisch fehlten auf einmal fĂŒnf Aktien-Shares: drei PrĂ€sidenten und zwei Normal-Shares. Könnte es sein, dass ein Stanzbogen zu wenig in die Spieleschachtel eingelegt worden war? Wir suchten, staunten, suchten nochmal, wunderten uns – und stellten dann Ersatz-Shares her. Problemlos, aber es hatte nochmals 20 Minuten gedauert. Bis wir die vermissten Karten unter dem Spielplan fanden: mit ihrer fabrikneuen GlĂ€tte waren sie darunter gerutscht, bevor es ein Spieler auch nur wahrgenommen hatte.

Startspieler wurde Walter. GĂŒnther als Letzer in der „offiziellen“ Bankrunde durfte als Erster bei den Privaten zugreifen. Da er den geringen Einfluss auf die noch freien öffentlichen Linien fĂŒrchtete, wĂ€hlte er die geographisch unabhĂ€ngigen Mail-Contract und Meat-Packing-Company. Aaron griff bei der Indepenent „Michigan Southern“ zu, frei nach dem Motto: „Ein guter Go-Spieler spielt bei sich selbst.“, Moritz engagierte sich in Ohio und bei den Lakes, und Walter suchte sein GlĂŒck mit der Independent „Big 4“. Wenn man noch keine Ahnung hat, wie in „1846“ der Hase lĂ€uft, wo die ersten Pflaumen reifen und wo spĂ€ter die großen Gewinne gemacht werden, ist man bei der Auswahl 1 aus 6 in jedem Fall ĂŒberfordert. Die Gesellschaften könnte man genauso gut rein zufĂ€llig verteilen.

Die Big-4 legt einen Ausbau nach SĂŒdwesten nahe, und so startete Walter mit der Illinois Central, Moritz gefiel der alte„1830“er Glanz der NYC, Aaron begann mit der Grand Trunk in der NĂ€he seiner Michigan, und GĂŒnther bekam die B&O, die in „1846“ aber keineswegs die Potenz von „1830“ hat.

Mit zwei Tiles pro Operation-Round und mit von Start weg zwei Operation-Rounds pro Bank-Runde, kam der Streckenbau zĂŒgig voran. Alle Gesellschaften forcierten auch unverzĂŒglich den Lokomotiven-Einsatz, so dass GĂŒnther, als er mit seiner B&O zum ersten mal zum Einsatz kam, sich schon mit 3er ZĂŒgen eindecken konnte. Damit war auch die zweite Phase erreicht, grĂŒne Update-Tiles standen zur VerfĂŒgung, und blitzschnell war ein Verkehrsnetz entstanden, das mehr oder weniger lĂŒckenlos den gesamten Midwest-Raum umfasste. Alle Linien waren mit allen anderen zusammengestoßen, hatten sich ergĂ€nzt oder blockiert, waren mit Token reserviert oder mit Nebenstrecken umgangen worden.

„Blitzschnell“ ist hier etwas euphemistisch ausgedrĂŒckt. Es bezieht sich lediglich auf die Anzahl der Runden die es brauchte, um den beschriebenen Entwicklungsstand zu erreichen. Aber jede einzelne Runde dauerte lĂ€nger als ein komplettes „1830“ mit der Computer-UnterstĂŒtzung von Helmut Ohley! Per Stoppuhr gemessen vergingen 19 (NEUNZEHN) Minuten und 44 Sekunden, bis Walters drei Mitspieler mit ihren vier Gesellschaften eine einzige Operation-Round durchgefĂŒhrt hatten, und er mit seiner Illinois Central am Zug war. Inzwischen hatte Rostow gegen Bayern MĂŒnchen zwei Tore geschossen und Manchester City gegen Mönchengladbach ausgeglichen. Was soll ein „1846“ Spieler auch anderes tun, als sich der Sportschau zuzuwenden, wenn er ansonsten zwanzig Minuten lang teilnahmslos nur den ErbsenzĂ€hlereien seiner Mitspieler zusehen kann?

Es ist nicht spannend, was hier abgeht. Nach dem ersten Drittel des Streckenbaus sind die Fortschritte eher linear und langweilig. Es gibt kein New York mit dem sprunghaften Anstieg der Einnahmen. Jeder StĂ€dte-Update einer jeglichen Stadt in jeder Phase bringt die identischen 10 Dollar mehr ein, und da fast alle Gesellschaften von solchen Updates profitieren – einige hier, andere dort – gibt es auch keinen Ehrgeiz, hier noch irgendwelche SchnĂ€ppchen zu finden.

Nur Moritz hatte sich etwas zu spĂ€t auf die Socken gemacht und war von einer Ost-West-Passage mit den ausgelobten Zusatzeinnahmen abgesperrt worden. Verzweifelt bat er seine Mitspieler um BauvorschlĂ€ge, wie doch noch irgendwo-irgendwie die Verbindung herzustellen sei. Matt-in-einem-Zug-Lösungen gab es nicht, er musste schon mit einem DreizĂŒger rechnen, und richtig, nach zwei Operation-Rounds stand er auch schon vor der ErfĂŒllung seines Herzenswunsches. Da – oh Schreck – fehlte genau das grĂŒne Streckenteil, das er zum Anschluss brauchte; beide Teile waren schon an anderer Stelle verbaut. Großes Klagen und Anklagen seinerseits. Entschuldigung und Beschwichtigung der Ratgeber: „Damit muss man rechnen … Man kann doch nicht alles vorhersehen … Außerdem kann man die verbauten grĂŒnen Teile ja gegen braune austauschen, da stehen sie dann wieder zur VerfĂŒgung …!“ Moritz musste sich zwei weiteren Malocher-Runden unterziehen. Wie lange das – in Minuten ausgedrĂŒckt – dauert, ist ja bekannt. Er ging schon auf Mitternacht zu.

Moritz hatte das gewĂŒnschte grĂŒne Streckenteil gerade ausgebaut und erwartungsvoll zur Seite gelegt, als Walters Blick darauf fiel und ihn der Hafer stach. Als echte oder vermeintliche Zukunftsinvestition, vielleicht aber auch nur aus Bosheit, nahm er das begehrte StĂŒck und baute es an einer Nebenstrecke bei sich im SĂŒdwesten ein. Danach wĂ€re es fast zum Eklat gekommen! „Unter diesen UmstĂ€nden habe ich keine Lust mehr, weiterzuspielen.“ (Walter hatte ĂŒbrigens schon seit einer geschlagenen Stunde dazu keine Lust mehr! Fast ein geschenkter Spielabbruch!)

Da griffen die Weiterspiel-Gierigen Aaron und GĂŒnther ein. Mit Akribie wiesen sie nach, dass das inkriminierte StĂŒck Walter nur einen sehr fraglichen Zukunftsvorteil bringen wĂŒrde. Mit Engelszungen ĂŒberredeten sie ihn, diesen Bauzug rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Keine Rede davon, dass man bei den 18xx-Spielen nicht nur FÜR SICH, sondern auch GEGEN DIE ANDEREN baut. Walter ließ sich breitschlagen. Das Spiel ging weiter.

Noch ĂŒber eine Stunde! Moritz bekam von GĂŒnther noch die ausgelutschte B&O zugeschustert, konnte Aaron seine NYC ĂŒberlassen, und floatete noch die Erie. An der Einlaufsreihenfolge Ă€nderte sich dadurch nichts. Schon nach der HĂ€lfte des Spiels hatte sich abgezeichnet, dass GĂŒnther gewinnen und Aaron Zweiter werden wĂŒrde. Was denn sonst!

Moritz verpasste nicht nur die vorletzte, sondern auch die letzte U-Bahn nach Hause. Aaron machte ihm den Taxi-Chauffeur. GĂŒnther und Walter diskutierten noch bis fast zum Morgengrauen die Eigenleistung der „1846“ innerhalb der 18xx-Familie. GĂŒnther predigte einem UnglĂ€ubigen.

WPG-Wertung: Aaron: 8 (eine 18xx-Einstiegsversion), GĂŒnther: 9 (grundsĂ€tzlich bekommen alle 18xx-Spiele eine 9, nur die Königin „1830“ bekommt eine 10, Einsteigermodell), Moritz: 5 (zu clumsy, ohne dass es geil ist), Walter: 5 (5 Stunden ErbsenzĂ€hlen! Wo ist der Gag, da es doch nur darauf ankommt – wie Aaron richtig bemerkt hat – die richtigen Privaten mit den richtigen Gesellschaften mit den richtigen Einstiegskursen und den richtigen Strecken zu kombinieren? Und dies ist nichts als eine ewige kleinkrĂ€merische Rechnerei. Mit einer Computer-UnterstĂŒtzung fĂŒr die Strecken- und Geld-Verwaltung könnten es 8 Punkte werden, so aber nicht).

Zwei meiner verehrten Mitspieler, erfahrene „1830“-Spieler, haben hier konstatiert, dass „1846“ fĂŒr Einsteiger in die 18xx-Familie geeignet ist. Woher kommt dieser Eindruck, der meines Erachtens total falsch ist? Das ist doch nur eine Zeitungsente!

  • Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man vier statt drei Spielphasen noch einfĂŒhrt!
  •  Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man neben den normalen Strecken auch noch zusĂ€tzlich eine Ost-West-Passage auslobt!
  •  Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man alle Gesellschaften auf einmal aufeinander logehen lĂ€ĂŸt, anstatt sie in wohldosierten AbstĂ€nden floaten zu lassen!
  •  Es ist nicht “einsteigerisch”, wenn man neben den immobilen Privaten auch noch mobile “Independent Railroads“ einfĂŒhrt, die mit Gleisbau und Operation sogleich in den öffentlichen Gesellschaftstrubel eingreifen.
  •  Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn eine Gesellschaft zwischen 40 und 150 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von 350% beliebig gefloatet werden kann, anstatt wie bei „1830“ zwischen 67 und 100 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von nur knapp 50%!
  •  Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn der PrĂ€sident die volle, die HĂ€lfte oder gar keine Dividende ausschĂŒtten darf, und der Aktienkurs je nach der Höhe der ausgeschĂŒtteter Dividende in Relation zum Aktienkurs um 1 Stufe fallen oder bis zu 3 stufen steigen kann! Wie einfach hier hier hingegen ein “Alles oder nichts”?!

In “1846“ wurde ein potenter Kater kastriert und anschließend zu einem Tiger aufgeblasen. Die Aufforderung „teach me, tiger“, ist dann schon eher ein Hohn!

Lieber fĂŒnfmal mit „1830“ pleite gehen, als einmal in „1846“ gewinnen. Ersteres ist ganz leicht, das hat jeder Spieler mehr oder weniger selber in der Hand; letzteres ist sehr schwer, denn da steht GĂŒnther davor, wie der Erzengel mit dem Flammenschwert vor der verschlossenen ParadiestĂŒr.


2 Reaktionen zu “23.11.2016: Railways bis zu Morgengrauen”

  1. Hans

    Mahlzeit!
    Nachdem ich nun selbst eine Partie 1846 in der neuen GMT-Version gespielt habe, bin ich auf euren Artikel gestoßen und habe ein paar Anmerkungen bzw. auch Fragen dazu.

    —-
    Zitat:
    “Gesellschaften mĂŒssen fĂŒr Private immer den vollen Preis zahlen. Einem Ausblutenlassen einer Gesellschaft, bevor man sie einem Mitspieler vor die FĂŒĂŸe wirft, ist damit ein deutlicher Riegel vorgeschoben.”
    —-
    Die Anleitung sagt dazu aber etwas anderes: Private Companys dĂŒrfen zum Preis zwischen 1$ und dem aufgedruckten “Listenpreis” von einer Gesellschaft einem Spieler abgekauft werden.
    Inwieweit die Privaten nun mit Ausblutenlassen einer Gesellschaft zu tun haben, ist mir nicht ganz klar. Könntest du mir das bitte etwas genauer erlÀutern?

    —-
    Zitat:
    “Es gibt kein New York mit dem sprunghaften Anstieg der Einnahmen. Jeder StĂ€dte-Update einer jeglichen Stadt in jeder Phase bringt die identischen 10 Dollar mehr ein, und da fast alle Gesellschaften von solchen Updates profitieren – einige hier, andere dort – gibt es auch keinen Ehrgeiz, hier noch irgendwelche SchnĂ€ppchen zu finden.”
    —-
    Das ist nicht wahr. Chicago ist in 1846 die stĂ€rkste Stadt was die Einnahmen betrifft (Ă€hnlich wie New York in 1830) mit 10-40-70-90 (gelb-grĂŒn-braun-grau). Jede der ersten beiden Stadtausbaustufen bringt +30$, die letzte immerhin +20$. Zudem ist die Anzahl der Bahnhöfe begrenzt (einer sogar fĂŒr eine bestimmte Private reserviert). ZusĂ€tzlich verfĂŒgt Chicago ĂŒber eine von drei West-Verbindungen, was bei einer gefahrenen E-W-Verbindung nochmal einen enormen Bonus bringt und diese West-Verbidung kann auch nur genutzt werden, wenn ich ĂŒber eine nicht blockierte oder eigene Hexfeldseite nach Chicago einfahre (aufgrund der speziellen “Bauform”). Das macht Chicago zu etwas ganz besonderem in 1846.
    UnabhĂ€ngig von Chicago gibt es noch die drei Z-StĂ€dte. Diese bieten 20$ höhere Einnahmen als die anderen StĂ€dte und drei vorgedruckte gelbe StĂ€dte mit Einnahmen von 10$ (Ausnahme: Detroit). Dort bringt die erste AufrĂŒstung des Streckennetzes immerhin +20$.
    Es spielt also durchaus eine Rolle, welche StÀdte ich in meine Verbindungen mit einbeziehe und welche nicht.

    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man vier statt drei Spielphasen noch einfĂŒhrt!”
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    GrundsĂ€tzlich bin ich der Meinung, dass die Anzahl der Phasen nicht wirklich als Argument Pro oder Kontra gelten kann. Regelseitig ist das kein grĂ¶ĂŸerer Aufwand, da die Phasenwechsel alle durch denselben Auslöser eintreten (Kauf der ersten Lok einer neuen Generation). In welcher Phase nun welche Lok rostet und welche farbigen PlĂ€ttchen zur VerfĂŒgung stehen, ist doch völlig egal. Eine einzige Phase wĂ€re sehr einsteigerfreundlich, aber ob es zwei oder vier Phasen gibt, spielt keine Rolle mehr.
    Nebenbei bemerkt hat 1830 ganze sechs Phasen, demnach ist 1846 mit seinen vier Phasen nach eurer Betrachtung definitiv einsteigerfreundlicher.

    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man neben den normalen Strecken auch noch zusĂ€tzlich eine Ost-West-Passage auslobt!”
    —-
    Zustimmung, auch wenn die dazugehörigen Regeln in einem Satz sehr leicht untergebracht werden können.

    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man alle Gesellschaften auf einmal aufeinander logehen lĂ€ĂŸt, anstatt sie in wohldosierten AbstĂ€nden floaten zu lassen!”
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    Liegt es nicht in Spielerhand, welche Gesellschaften gefloatet werden und ob in SR1 gleich alle gefloatet werden?

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    Zitat:
    “Es ist nicht “einsteigerisch”, wenn man neben den immobilen Privaten auch noch mobile “Independent Railroads“ einfĂŒhrt, die mit Gleisbau und Operation sogleich in den öffentlichen Gesellschaftstrubel eingreifen.”
    —-
    Zustimmung.

    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn eine Gesellschaft zwischen 40 und 150 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von 350% beliebig gefloatet werden kann, anstatt wie bei „1830“ zwischen 67 und 100 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von nur knapp 50%!”
    —-
    Diesen Punkt bzw. die dahinterstehende Rechnung verstehe ich nicht. Die Spannweite fĂŒr 1846 liegt bei 110$ und fĂŒr 1830 bei 33$. Bezogen auf den niedrigsten Einstiegspreis stimmt die knapp 50% bei 1830, allerdings komme ich bei 1846 “nur” auf 275%. Habt ihr anders gerechnet und wenn ja, wie? Warum dies aber nun nicht “einsteigerisch” sein soll, erschließt sich mir noch nicht wirklich. Wollt ihr darauf hinaus, dass es mehr Optionen gibt, mit denen ein Einsteiger ĂŒberfordert sein kann?

    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn der PrĂ€sident die volle, die HĂ€lfte oder gar keine Dividende ausschĂŒtten darf, und der Aktienkurs je nach der Höhe der ausgeschĂŒtteter Dividende in Relation zum Aktienkurs um 1 Stufe fallen oder bis zu 3 stufen steigen kann! Wie einfach hier hier hingegen ein “Alles oder nichts”?!”
    —-
    Auf den ersten Blick wirkt “Alles oder Nichts” sicherlich einfacher. Im spĂ€teren Spielverlauf hingegen, wenn eine Gesellschaft alle Aktien ausgegeben hat (sei es komplett in Spielerhand oder teileweise noch im Stock Market) ist bei “Alles oder Nichts” die einzige Möglichkeit an Geld fĂŒr die Gesellschaft (zum Kauf teuren Lok) zu kommen, das Einbehalten aller Einnahmen und damit einhergehend ein Wertverlust der Aktie. Bei AusschĂŒttung der HĂ€lfte kann die Gesellschaft in den meisten FĂ€llen diesen Wertverlust verhindern und eventuell sogar noch eine Wertsteigerung erreichen. Ist es nicht sogar intuitiver bzw. realitĂ€tsnĂ€her (und somit in meinen Augen auch einsteigerfreundlicher), dass eine Gesellschaft auch einen Teil einbehĂ€lt und den anderen Teil als Dividende ausschĂŒttet kann, anstatt “Alles oder Nichts”?

    1846 hat, im Vergleich zu 1830, nahezu identische Aktionen, lĂ€sst aber eben bei der einen oder anderen Aktion mehr Freiraum (als Beispiele seien DividendenausschĂŒttung (alles-halb-nichts zu alles-nichts) und Festsetzung des Ausgabepreises der Aktien (11 zu 6 mögliche Werte) genannt). Der gewonnene Freiraum fĂŒr die Spieler geht aber nicht mit Regelanpassungen bzw. Zusatzregeln einher.
    Die Spielmechaniken hingegen machen 1846 in meinen Augen zu einem einsteigerfreundlicheren Spiel, z.B.:
    – Loks, die eben nicht sofort bei einem Phasenwechsel aus dem Spiel genommen werden, sondern noch einmal fahren dĂŒrfen (sofern vor der letzten Fahrt nicht noch ein weiterer Phasenwechsel stattfindet).
    – die Möglichkeit, Aktienanteile aus dem Besitz der Gesellschaft in einem gewissen Rahmen an die Bank zu verkaufen, um nötiges Geld fĂŒr andere Anschaffungen (z.B. Loks) bereitzustellen.
    – ein eindimensionaler Aktienmarkt, der keine plötzlichen und hohe Kursverluste zulĂ€sst.

    Sicherlich wird bei 1846 ein Einsteiger gegen einen erfahrenen Spieler das Nachsehen haben, aber es fĂ€llt nicht so drastisch aus. Zudem wird der Einsteiger sanfter an mögliche Schwachstellen seiner Strategie herangefĂŒhrt, hat aber auch etwas mehr spielerische Freiheit und Möglichkeiten andere Wege einzuschlagen.

    Mir persönlich gefÀllt 1846 sehr gut und ich finde es auf jeden Fall einsteigerfreundlicher als zum Beispiel 1830.

    Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,
    Hans

  2. Walter Sorger

    Hallo Hans, danke fĂŒr Deine umfangreichen Bemerkungen. Ich will mich bemĂŒhen, auf alle Deine Punkte einzeln einzugehen:
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    Zitat 1:
    “Gesellschaften mĂŒssen fĂŒr Private immer den vollen Preis zahlen. Einem Ausblutenlassen einer Gesellschaft, bevor man sie einem Mitspieler vor die FĂŒĂŸe wirft, ist damit ein deutlicher Riegel vorgeschoben.”
    WS-Kommentar: Richtig, ich habe das falsch ausgedrĂŒckt, Private dĂŒrfen auch unter dem Listenpreis verkauft werden. Meine Aussage richtete sich aber gegen die Tycoons, die fĂŒr Private den doppelten Preis zahlen. Ein sehr beliebter Trick von Aaron: Da bringt er die B&O auf stolze Höhen (noch lieber die PRR, aber mit der geht es langsamer), und dann kauft er von der letzten Barschaft dieser Gesellschaft die Camden & Amboy fĂŒr 320 $ und schmeisst in der nĂ€chsten Bankrunde diese zweifellos „ausgeblutete“ Linie einem Compagnon vor die FĂŒĂŸe. Finde ich toll, aber nicht fĂŒr AnfĂ€nger.
    —-
    Zitat: 2
    “Es gibt kein New York mit dem sprunghaften Anstieg der Einnahmen. Jeder StĂ€dte-Update einer jeglichen Stadt in jeder Phase bringt die identischen 10 Dollar mehr ein, und da fast alle Gesellschaften von solchen Updates profitieren – einige hier, andere dort – gibt es auch keinen Ehrgeiz, hier noch irgendwelche SchnĂ€ppchen zu finden.”
    —-
    Hans-Bemerkung: Das ist nicht wahr. Chicago ist in 1846 die stĂ€rkste Stadt was die Einnahmen betrifft (Ă€hnlich wie New York in 1830) mit 10-40-70-90 (gelb-grĂŒn-braun-grau).
    WS-Kommentar: OK, Chicago ist tatsĂ€chlich eine Stadt mit dem grĂ¶ĂŸten Wachstum. Allerdings hat es so viele ZugĂ€nge, das praktisch fast alle Linien hier partizipieren können. Tatsache ist aber, dass alle (wegen mir auch „fast alle“, bzw. die breiige Masse der) StĂ€dte auf dem Spielbrett die gleichförmige und fĂŒr mich sehr langweilige Steigerungsrate von 10 Dollar pro Upgrade hatten. Nach zwei Dritteln des Spiels haben wir alle gerade wegen dieser Einförmigkeit, von der wegen dem in „1846“ ĂŒber-vermaschten Netz Alle-mit-Allen auch noch alle gleichmĂ€ĂŸig profitiert hĂ€tten, auf weitere Upgrades verzichtet.
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    Zitat: 3
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man vier statt drei Spielphasen noch einfĂŒhrt!”
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    Hans-Bemerkung: GrundsÀtzlich bin ich der Meinung, dass die Anzahl der Phasen nicht wirklich als Argument Pro oder Kontra gelten kann.
    WS-Kommentar: Gut, das will ich mal so stehen lassen. GefĂŒhlsmĂ€ĂŸig habe ich die Phasenanzahl in die nicht-einsteigerische Richtung gewertet, will das Ganze aber nicht rational ausdiskutieren.
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    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man neben den normalen Strecken auch noch zusĂ€tzlich eine Ost-West-Passage auslobt!”
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    Hans-Bemerkung: Zustimmung, auch wenn die dazugehörigen Regeln in einem Satz sehr leicht untergebracht werden können.
    WS-Kommentar: Oh, freut mich, eine Zustimmung!
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    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn man alle Gesellschaften auf einmal aufeinander logehen lĂ€ĂŸt, anstatt sie in wohldosierten AbstĂ€nden floaten zu lassen!”
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    Hans-Kommentar: Liegt es nicht in Spielerhand, welche Gesellschaften gefloatet werden und ob in SR1 gleich alle gefloatet werden?
    WS-Kommentar: NatĂŒrlich liegt es in Spielerhand. Aber in „1830“ geht es einfach nicht, weil dafĂŒr das Geld nicht reicht. Dort gibt es ja deshalb auch gleich von Anfang an eine wunderschöne Spannung zwischen PrĂ€sidenten und Nicht-PrĂ€sidenten. In „1846“ kann jeder mit geringen Eigenmitteln eine Linie floaten, und – meines Erachtens – sollte er es sinnvollerweise auch tun. Das fĂŒhrt zu mehr Gleichförmigkeit, aber auch von Anfang an zu einem nur schwer ĂŒberblickbaren Chaos.
    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn eine Gesellschaft zwischen 40 und 150 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von 350% beliebig gefloatet werden kann, anstatt wie bei „1830“ zwischen 67 und 100 Dollar, also innerhalb einer Spannweite von nur knapp 50%!”
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    Hans-Bemerkung: Diesen Punkt bzw. die dahinterstehende Rechnung verstehe ich nicht.
    WS-Kommentar: Zur Rechnung: Wenn 40 % = 100 % ist, dann sind 150 $ = 375 %. OK, Entschuldigung: Rechenfehler von Excel oder Schreibfehler von mir. 
    Zum „einsteigerisch“: Wenn es nur einen einzigen Preis gĂ€be, dann wĂ€re das doch zweifellos die „leichteste“ Lösung, also fĂŒr Einsteiger am besten zu handhaben. Da der Schwiergigkeitsgrad mit steigender Spannweite fĂŒr den Einstiegspreis STETIG ansteigt, ist eine kleinere Spannweite (und die knapp 50% Spannweite bei 1830 sind zweifellos eine deutlich kleinere Spannweite) fĂŒr den Einsteiger leichter zu handhaben als die xxx % Spannweite bei „1846“.
    —-
    Zitat:
    “Es ist nicht „einsteigerisch“, wenn der PrĂ€sident die volle, die HĂ€lfte oder gar keine Dividende ausschĂŒtten darf, und der Aktienkurs je nach der Höhe der ausgeschĂŒtteter Dividende in Relation zum Aktienkurs um 1 Stufe fallen oder bis zu 3 stufen steigen kann! Wie einfach hier hier hingegen ein “Alles oder nichts”?!”
    —-
    Hans-Bemerkung: Auf den ersten Blick wirkt “Alles oder Nichts” sicherlich einfacher.
    WS-Kommentar: Auf den zweiten, dritten und letzten Blick ist das immer noch einfacher. SpĂ€ter argumentierst Du mit „Handlungsfreiheit“, „NĂŒtzlichkeit“ und Ă€hnlichen Begriffen, womit Du vollkommen recht hast. Aber es bleibt einfach dabei, je mehr Optionen ich habe, desto komplizierter wird das Spiel. Bei „einsteigerisch“ geht es nicht darum, den Spielern ein GrĂ¶ĂŸtmaß an SchrĂ€ubchen und Optimierungsmöglichen in die Hand zu geben, sondern die AblĂ€ufe in einem vereinfachten Schwarz-Weiß-Schema zu prĂ€sentieren.
    Ich möchte mich jetzt ganz klar und deutlich zum „einsteigerisch“ positionieren. FĂŒr mich ist das keineswegs ein QualitĂ€tskriterium. Wenn ich gelernt habe, damit umzugehen, sind fĂŒr mich mehr Optionen, grĂ¶ĂŸere Spannweite etc. alles positive Begriffe! Mir macht ein Spiel mehr Spaß, wenn ich in einem großen Handlungsspielraum schwelgen kann. Wenn aber jemand mit dem Begriff „einsteigerisch“ auf den Markt geht, dann muss diese beanspruchte Qualifikation auch stichhaltig sein. Was sie in „1846“ fĂŒr mich nicht ist.
    Viele GrĂŒĂŸe Walter

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