PRINCESS RYAN’S STAR MARINES

PRINCESS RYAN’S STAR MARINES

Star Marines

Hersteller: Avalon Hill (das alte)

Autor: Marc McLaughlin (siehe auch “Viceroys“-Kritik)

Getestet: englische Version (out of print) 1997

Tester: Moritz Eggert

Szenario: : Die ferne Zukunft – Oder der feuchte Traum eines amerikanischen
Militärfetischisten. Es gibt immer noch Marines, und sie sind – anders als in der
Wirklichkeit – auf der Seite des Guten. Ein “Evil Overlord” (die “Black
Guard”) hat die schöne und irgendwie wichtige Prinzessin Ryan entführt. Die Aufgabe
der Marines ist es, diese in einer waghalsigen Aktion zu befreien. Schritt für Schritt
wagen sie sich ins Territorium des Bösen, wobei ihnen allerlei Ungeziefer und wirklich
böse Gegner im Wege stehen. Am Ende gewinnen die Marines (bis zu 6 Spielern) oder der
Guard-Spieler (maximal einer, oder auch keiner, denn das Spiel kann auch die Aufgabe des
Bösen locker übernehmen, daher eignet sich “Princess…” auch gut als
Solitärspiel). Und unter den Marines gewinnt derjenige, der dann auch noch das Zimmer
rät, in dem die Prinzessin festgehalten wird (so wie Prinzessin Leia im Gefängnistrakt
von “Star Wars”…als Star Wars noch gut war).

Das Spiel: Auch wenn meine Kurzbeschreibung oben etwas gelangweilt klingen
sollte, das Spiel ist super! Durch das Thema sicherlich nicht jedermanns Sache, aber es
ist eines der wenigen Kooperationsspiele die tatsächlich Spaß machen. Die Marines sind
nämlich nicht so gut, wie es erst scheint, sie können sich durchaus auch gegenseitig das
Leben schwer machen (obwohl dies natürlich dem “Guard”-Spieler nur nützt). Auf
dem graphisch aufwendig gestalteten Spielplan bewegt sich die einzige Spielfigur Richtung
Palast, wobei grundsätzlich immer 2 Wege zur Auswahl stehen. Jeder dieser Wege führt
durch gänzlich unterschiedliches Territorium, hier funktionieren mal keine Energiewaffen
(d.h. die dementsprechenden Kampfkarten dürfen nicht gespielt werden), dort darf sich der
Böse nicht “verstecken” (also Stärkekarten verdeckt spielen, was immer
besonders unangenehm ist). Hier müssen die Marines erst einen Todesparcours durchlaufen
(“the gauntlet”) bevor sie kämpfen dürfen, dort finden sie Waffen, die äußerst
nützlich sind.

Wenn man sich für einen Weg entschieden hat, ist es nicht sicher, daß man wirklich an
dem erwarteten Ort ankommt: Jede “Location” kann nämlich durch eine nur dem
Guard bekannte Ortskarte ersetzt werden, wenn der Zufall (oder manchmal auch der
Guard-Spieler) es will, und dann ist das Staunen recht groß. Dadurch ist der Spielverlauf
stets unvorhersehbar.

Grundsätzlich versuchen die Marines mit einer “Kartenhand” (also ohne
Waffenkarten nachzuziehen) und jeweils 3 kontrollierten Marines mit unterschiedlichen
Spezialeigenschaften möglichst weit zu kommen, denn jedes “regrouping”
(Waffenkarten nachziehen, tote Marines ersetzen, etc.) kostet wertvolle Zeit, und wenn
die wertvollen 15 Timechips aufgebraucht sind, haben die Marines verloren (die Regeln
haben hier übrigens eine Unklarheit: haben die Marines verloren, wenn der letzte Timechip
aufgebraucht wird, oder erst, wenn ein Timechip verlangt wird, und die Marines keinen
mehr haben???).

In den meisten Locations spielt der Guard eine Karte, die die Marines mit Waffenkarten
schlagen müssen, und hierbei kommt ein interessantes Element ins Spiel: Nur der Marine,
der im Falle eines Sieges den insgesamt “höchsten” Kampfwert gespielt hat,
bekommt Promotion Points (zum Aufrüsten) und eine “Dispatch”-Karte (bringt
zusätzliche Optionen). Und auch nur er (oder sie) darf jeweils dem Guard-Spieler eine
Ja/Nein-Frage bezüglich des Prinzessinenaufenthaltes stellen. Nicht immer will man aber
die höchste Karte spielen, man kann auch den ranghöchsten Soldaten (und der bestimmt
immer, wo’s langgeht, oft auch gegen den Willen der Anderen) mit einer niedrigen
Karte hinterhältig killen, um selber Anführer zu werden.

Spieldauer: Regelerklärung ca. 15 Minuten (viele Details können während des
Spielens “nacherklärt” werden), Spieldauer so um die 2-3 Stunden.

Ähnliche Spiele: Siehe “Kommentar”!!!!

Kommentar der Westpark Gamers: Das Spiel kam bisher in unseren Runden immer
sehr gut an, obwohl es in der Spieleszene eigentlich nur unenthusiastische Kritiken bekam
(was allerdings auch an der etwas einfallslosen Thematik und einem gewissen Glückselement
liegt, manches ist auch zu komplex für den Durchschnittspieler, obwohl das Spiel nicht
wirklich überladen ist wie sonst einiges von AH). Die Herausgabe des Spiels wurde von dem
Konkurs und darauf folgenden Aufkauf von AH durch Hasbro überschattet, es ist das
drittletzte Spiel, das überhaupt erschien. Auch der hohe Preis hat nicht viel zur
Verbreitung beigetragen – dieser erscheint umso merkwürdiger, als man eigentlich nur für
ein grosses Spielbrett zahlt: die Karten sind von eher schlechter Qualität, und es fehlen
sogar die dringend benötigten “Timechips” und eine “Währung” für die
Promotion Points.

Aber egal: Selten hatte ich so viel Spaß beim Spielen wie als Guard-Spieler, als sich
meine Freunde Aaron, Walter und Peter als Marines gegenseitig die Suppe versalzten. Als
Marine ist man auch ständig ins Spiel involviert, es gibt keine “Runden”, keine
Spielerreihenfolge, keinen Leerlauf, wenn man auf den Zug des Anderen wartet. Die
ständige Action macht Spaß, und die Kooperation ist interessant und wirkt nicht
aufgesetzt, wie bei manchem fehlgeleiteten Sozialarbeiterkitsch in gewissen Spielen aus
den 80ern. Einige Spielmechanismen sind sehr innovativ, und insgesamt handelt es sich um
ein nur “slightly flawed overlooked gem”.

Und noch was: Wer sich bei der obengenannten Sppielbeschreibung an den umstrittenen
“Herr der Ringe” von Reiner Knizia erinnert fühlt…hat recht! Ich würde meinen
Marine-Hintern darauf verwetten, daß Reiner dieses Spiel kennt, und sich dadurch zu
“Herr der Ringe” hat inspirieren lassen, es gibt einfach zu viele
Ähnlichkeiten! Sicherlich würden manche sagen, daß die Änderungen von Knizia das
Spielprinzip verbessert haben, aber ich mag einfach die “rauhere” und weniger
gutmenschenartige Version besser: Und das ist eben “Princess Ryan’s Star
Marines”. Und das taktische Element ist, wenn man ganz genau hinguckt, bei der
Prinzessin wesentlich interessanter als bei “HDR”.

Absolut empfohlen!

Moritz’ Bewertung: 9 von 10

Westpark momentane Bewertung: 7.25

Weiterführende Informationen: Für den Hardcorespieler empfehle ich sehr die in einer der letzten
“Generals” veröffentlichte Punkteabrechnung, die das Spielende deutlich
interessanter macht. Da dieser Artikel schwer zu finden sein dürfte, hier eine gescannte
Kopie der Abrechnungsschablone, die ziemlich
selbst erklärend ist.
http://grognard.com/titlep.html (einige weitere Kritiken auf englisch)