Amazonas

Amazonas

rezensiert von Peter Riedlberger

Es geht bei Amazonas um das Bauen von Forschungsstationen. Die Stationen werden in
Dörfern gebaut. Jedes Dorf bringt ein bestimmtes Forschungsplättchen (wie Fisch,
Orchidee, Schmetterling – insgesamt fünf verschiedene Arten) und stellt unterschiedlich
viele Bauplätze für Stationen bereit. Sind alle Bauplätze belegt, kann keine weitere
Station errichtet werden. Zudem ist der zweite Bauplatz teurer als der erste, der dritte
teurer als der zweite. Ergo müssen Spieler danach trachten, die erste Station in einem
gegebenen Dorf zu errichten.

Die einzelnen Dörfer sind mit Straßen und/oder Wasserwegen mit anderen Dörfern
verbunden. Die allererste Station wird frei gesetzt; alle weiteren dürfen nur in Dörfern
errichtet werden, die eine Straße oder einen Wasserweg von einer bereits vorhandenen
Station entfernt liegen. Ergo muss beim Planen die Wegeführung beachtet werden.

Ziel des Spieles ist, möglichst viele Punkte zu machen. Es gibt drei Dinge, für die
Punkte ausgeschüttet werden. Wer zuerst fünf verschiedene Forschungsplättchen hat,
bekommt 5 Punkte, der zweite 4, der dritte 3, der letzte 2. Wer mindestens drei
Forschungsplättchen derselben Sorte hat, erhält die Zahl als Punkte (4
Schmetterlinge bringen also 4 Punkte, 2 Schmetterlinge dagegen gar nix). Zudem erhält
jeder Spieler zu Beginn einen “Auftrag“, eine geheim gezogene Karte, auf
der vier Dörfer eingezeichnet sind. Jedes Dorf, in dem keine eigene Forschungsstation
gebaut wurde, bringt 3 Minuspunkte.

Jeder Spieler kann maximal 12 Stationen bauen. Es geht, wie man unschwer merkt, um das
Optimieren der Baustrategie. Ideal wäre, die fünf Typen als erster zu haben, ansonsten
aber nur noch solche Plättchen zu bauen, die man mehrfach hat. Dabei muss, wie gesagt,
die Wegeführung berücksichtigt werden.

board

Sobald man die Auftragskarte gezogen hat, kann man praktisch schon sein Imperium
planen. Zwar können die anderen Spieler dazwischen kommen (die Zahl der Bauplätze ist ja
begrenzt), aber das Spielfeld ist so groß, dass dies kaum ein Problem ist. Und wenn: Die
zweite Station kostet meist nur eine Münze mehr, das ruiniert keinen.

Geld zum Bauen bekommt man übrigens mit Karten, die man am Anfang der Runde verdeckt
spielt. Diese Karten legen zugleich die Zugreihenfolge fest. Jeder hat denselben
Kartensatz. Ist er aufgebraucht, sind wieder alle Karten im Spiel. Das Einkommen bemisst
sich aus einem Fixbetrag plus der Summe aller Plättchen der Sorte X (je nach Karte). Eine
gute Runde bringt ca. 8 Münzen, eine schlechte 1 oder 2. Es passiert öfters, dass für
einen Spieler die Runde nur aus dem Einkommensphase besteht (weil er sich keine Station
leisten kann).

Würze sollen die Ereigniskarten ins Spiel bringen. Sie haben Effekte wie “Diese
Runde keine Stationen an Wegen entlang bauen” oder “… an Wasserstraßen
entlang bauen” oder “Halbes Einkommen”. Das kann für einzelne Spieler
verheerend sein, andere dagegen überhaupt nicht betreffen. Wer auf eine Station sparte,
die er entlang einer Wasserstraße errichten wollte, die aber nicht passierbar ist, hat
Pech.

Amazonas ist sterbenslangweilig. Nach dem Ziehen der Aufträge stellt man sich eine
Strategie zurecht, die man so lange öd und stumpfsinnig verfolgt, bis sie der
Ereigniskartenstapel zufällig durchkreuzt. Falls du keine Probleme mit den Ereigniskarten
hast: Gratulation, du hast vermutlich gewonnen, wenn du dich nicht ganz doof anstellst.
Aber selbst Amazonas-Sieger (wie ich in der letzten Partie) langweilen sich bei diesem
Spiel erheblich, zumal dann, wenn die eigenen Züge zwei Runden hintereinander nur aus
Einkommen einnehmen bestehen. Dass es den anderen nicht besser geht, ist kein Trost. Im
Gegenteil. Bekanntlich ist Gähnen ansteckend.