Comuni

Comuni

rezensiert von Walter Sorger

Viele europäische Nationen sind im Kommen, wenn es um das Design ausgewogener, intelligenter,
abstrakter und komplexer Spiele geht, darunter auch die Italiener. “Comini” ist eine
Gemeinschaftsproduktion von acht namentlich genannten Entwicklern, den vielen Vokalen am Namensende
nach zu schließen alle italienischer Provenienz. Als Thema haben sie den jahrhundertelangen Kampf
der italienischen Städte um die Vorherrschaft, vor allem aber gegen die ständigen Besuche der
Möchte-Gern-Kaiser deutscher Nation untergeschoben.

Die Spieler müssen ihre Stadt entwickeln, Erträge erwirtschaften, ein Verteidigungspotential
aufbauen und immer mal wieder den Schaden durch kaiserliche Invasionen überstehen. Es gibt eine
Menge Rädchen zu drehen, manchmal drehen dabei die Mitspieler in entgegengesetzte Richtungen, und
selbstverständlich möchte man immer gerne einen Zug mehr machen, als einem gerade zusteht.

Die “Projekte” für die Stadtentwicklung muss man sich ersteigern. Dazu kann man aber
nicht einfach das Höchstgebot abgeben und sie dann einsäckeln, sondern man muss eine Aktion und
eine frei wählbare Menge Gold ausgeben, um sein Interesse für ein Sortiment von ausliegenden
Projekten zu bekunden. Eine ganze Runde lang muss man aushalten und hoffen, daß man nicht von einem
höherbietenden Spieler verdrängt wird, ehe man die Projekte erwerben und nutzen kann. Wird man aber
verdrängt, so hat man entweder seine Aktion verloren, oder man gibt einen “Pilger” aus
und wählt dann ein Ersatzsortiment aus. Dabei kann man seinerseits einen Mitspieler verdrängen,
sofern man im ursprünglichen Gebot bereits mehr Gold investiert hatte als der Gegner. Dieses
Projekt-Ersteigern ist eine sehr gelungene Mischung aus Klotzen mit Gold und Kleckern mit
Pilgern.

Ein ersteigertes Projekt besteht aus ein bis drei Gebäudenkarten unterschiedlichen Typs (Kultur,
Religion, Handel und Militär) mit jeweils verschiedener Wertigkeit (Zahlen 1 bis 4). In der
Bauphase des Spiels kann man die entsprechenden Gebäude bauen, indem man die zugehörigen Karten
offen vor sich hinlegt. Dabei sollten aus Gebäuden gleichen Typs möglichst hohe Stapel gebildet
werden, denn wenn man später dafür Erträge kassiert, ergibt die Anzahl der Karten in einem
Gebäudestapel den Betrag, den man bekommt. Lauter Einser-Stapel bringen insgesamt nur eine einzige
Einheit, ein Vierer-Stapel aber gleich vier Stück davon.

Die Karten eines Gebäudetyps dürfen aber nicht beliebig auf einen Stapel übereinandergelegt
werden, sondern eine angelegte Karte muss mindestens eine Wertigkeit besitzen, die der Höhe des
Stapels entspricht. Durch Zugabe von Handwerkerkarten kann man hier etwas nachhelfen.

Das Spiel läuft ganz ohne Zufallseffekte ab. Alles ist planbar und trotzdem sehr spielerisch.
Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Projekte für einen möglichst günstigen Preis zu
erwerben und sich zum besten Zeitpunkt die richtige Auswahl an Betriebsmitteln (Gold, Armeen,
Pilger und Handwerker) zuzulegen. Was ist hier die richtige Reihenfolge?

Einen Glückwunsch aus der Seemannssprache abwandelnd kann man sagen: “Habe immer eine
Handbreit Pilger unter dem Kiel!” Gold ist wichtig, wenn man sich auf der Setzleiste für die
Bauprojekte das wichtigste Stück unter den Nagel reißen will. Da kann man jede Menge Gold
gebrauchen. In der Endphase sollte man nicht mehr von bestimmten Bauprojekten abhängen, da lässt
die Bedeutung des Goldes nach. Handwerker helfen Engpässe in höheren Bauphasen zu überwinden und
Armeen sind seit alters her ein notwendiges Übel. In “Comuni” haben sie einen weitgehend
defensiven Charakter: sie mildern die Schäden der periodischen Invasionen.

Dazu ist ein sehr pfiffiges Gemeinschaftselement eingebaut: Zur Verteidigung gegen die
Eindringlinge gibt jeder Spieler freiwillig eine Anzahl Armeen in einen Gemeinschaftstopf. Kommen
genügend Armeen zusammen, geht die Invasion schadlos vorüber. Ist der Aggressor stärker als die
Verteidigungsarmee, so verlieren die Spieler Siegpunkte. Sehr bemerkenswert: nicht alle Spieler
verlieren hierbei gleich viel, sondern jeder Spieler muss genau so viele Siegpunkte MEHR abgeben,
wie er gegenüber dem letzten Mitspieler in Führung liegt. Das ist ein sehr gut durchdachtes
Korrektiv gegen frühe Führung, und sicherlich ist es eine überlegenswerte Spieltaktik, sich lange
auf den hinteren Siegpunkt-Positionen aufzuhalten (d.h. bewusst keine Siegpunkt-trächtigen Züge zu
machen) und dann die Führenden bei der Abwehr von Invasionen im Stich zu lassen. Die Belohnung, die
sie für den größten Einsatz im Verteidigungsbündnis bekommen, macht ihre Verluste durch den
Siegpunkt-Vorsprung garantiert nicht wett.

“Comuni” kommt in einer sehr gelungenen Ausstattung daher, das Spielbrett ist hübsch
ausgearbeitet, das Spielmaterial ist solide und das Regelheft professionell ausgearbeitet. Eine
empfehlenswerte Anschaffung. Zumindest für anspruchsvolle Spieler.