27.08.2025: Gaudi ohne Freude

1. “Die Artemis – Odysee”

Thema verfehlt. Wir gehen weder mit der jungfräulichen Artemis auf die Jagd noch irren wir durch das östliche Mittelmeer. Keine Kalyso hält uns mit ihrer Verführung fest und keine Kirke verwandelt uns in Schweine.

Wir fahren mit unserem Raumschiff gezielt und mehr oder weniger geskriptet auf die Planeten ferner Sonnensysteme, um dort die sechs verschiedenen Ressourcen zu gewinnen, mit denen wir den Bau von Kolonien, Fabriken, weiterer Raumschiffe und Platzhalter bezahlen.

Wir lassen unsere Fabriken produzieren, um weiter Rohstoffe zu erhalten – einer oder zwei günstig platzierte Mitspieler dürfen dann ebenfalls produzieren (= Kingmaker-Effekt 1).

Etwa viermal im Spiel darf jeder Spieler eine individuelle Wertung ansetzen, in der seine Konfiguration an Objekten mit Siegpunkten beschert wird. Auch hier profitieren ein paar wenige glücklich konfigurierte Mitspieler mit (= Kingmaker-Effekt 2).

Wir haben die Regel weggelassen, dass der Spieler, dessen Zug ausgewertet wird, auch noch bestimmen darf, wer mit ihm mitprofitieren darf und wer nicht. Bei so einem Kingmakerei-Potential hätte zumindest Walter sofort das Handtuch geworfen.

Bei diesen Wertungen werden zufällig unglücklich bis dumm konfigurierte Mitspieler noch explizit mit Siegpunkt-Abzug bestraft. Welchen positiven Effekt auf den Spielablauf soll denn diese Frust-Regel haben? Die Spieler sind doch schon durch ihren Minderertrag bestraft, und auch ohnehin viel zu sehr mit Ressourcen-Beschaffung für ihre Bauvorhaben beschäftig, als dass sie sich um die unvorhersehbaren Wertungsaktionen ihrer Mitspieler Gedanken machen können.

Auch den Startspielervorteil hat der Vielspieleerfinder Faidutti nicht gelöst. Durch die vorgegeben unterschiedliche Verteilung der Planeten um ihre Sonnen verdienen in den ersten drei – zwangsläufigen – Reisezüge der Spieler jeweils nur die beiden linken Spieler mit, danach aber alle. Fazit: nachdem alle Spieler ihren ersten (Reise-)Zug gemacht haben, besitzt der dritte Spieler 2 Ressourcen mehr als der erste, der 4te und der 5te Spieler. Das sind etwa 10 Prozent mehr, als man im gesamten Spiel erwirtschaftet. Kann das gut sein?

Offensichtlich hatte Faidutti ein Gaudispiel im Sinn. Das ist ihm auch gelungen. Aber in Bayern hat „Gaudi“ etwas mit chaotischer Freude zu tun, das französische „gauche“ ist eher linkisch, schief und krumm.

WPG-Wertung: Aaron: 3 (es wären 5 Punkte, wenn man in den angegebenen 45 Minuten durch wäre, wir brauchten aber 2 ½ Stunden, grottige Ikonographie, kein Spielspaß, mehr Frust als Lust), Andrea: 4 (da steckt ein schönes Spiel drin, wenn man eine Menge verändert), Günther: 5 (ein akzeptables Aufbauspiel für 3 Personen. [WS: Gelten Deine 5 Punkte auch für das Spiel in einer 5er Runde?]), Moritz: 5 (die Wertungen sind ein Scheiß; es wäre besser, wenn jeweils eine allgemeine Wertung zu Beginn einer Runde offen ausläge), Walter: 4 (das Ressourcen-Handling ist ein Scheiß; die Zufallseffekte erschlagen die Planung; ich hatte an keinem einzigen Zug einen Spielspaß).

PS: Aaron erkannte, dass wir die „Artemis“ schon vor 14 Jahren unter dem Namen „ad astra“ gespielt haben. Da stimmt wenigstens der Titel, auch wenn wir nicht zu Sternen, sondern zu deren Planeten fliegen.

2. “Cat in the Box”

Walter spielt dieses eigenartige, höchst bemerkenswerte Stichkartenspiel sehr gerne, konnte sich heute mit diesem Vorschlag aber nur durchsetzen, weil unsere seltene, aber immer höchst attraktive Mitspielerin Andrea sofort darauf ansprang.

Aaron schlug eine „Faidutti-Regel“ vor: Bei Spielende bekommt der Letzte seine Punkte mit Minus-1 multipliziert und darf dann die Hälfte davon an einen beliebigen Mitspieler abgeben.

WPG-Wertung: Keine neue Wertung für ein 8 Punkte-Spiel.

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