07.01.2026: Papyrus und Lapislazuli

1. “Papyria”

Lieber Bernd,

endlich konnten wir Deinem “Papyria” frönen, nachdem es Günther schon an Weihnachten auf unseren Gabentisch am Westpark auslegen wollte, uns damals aber die Entschärfung zweier Bombendrohungen soviel Zeit gekostet hat, dass wir bei der angegebenen Spielzeit (90-120 Minuten, am Westpark mit 3 zu multiplizieren) fürchten mußten, das Christkind zu verpassen.

Heute lief es mit der Spielzeit recht flott, vor allem auch, weil unsere Denker sich damit begnügten, gute Züge zu machen und nicht unbedingt immer die besten machen wollten. Lediglich Spielaufbau und Regeleinführung nahmen erhebliche Zeit in Anspruch. Du hast uns ja auch mit einer gigantischen Menge von Holz- und Pappmaterial versorgt. Dazu kam noch, dass wir uns nicht mit dem deutschen Regelheft begnügten: Moritz verfolgte synchron und ergänzte sequentiell Günthers deutsche Erklärungen nach dem englischen Regelheft. Und siehe, es gab keinen Widerspruch und keine Frage blieb offen.

Synchrones Regelstudium mit deutschem und englischem Regelheft

Wie immer in Deinen Spielen entführst Du uns in die Antike und wir dürfen als mesopotamische Könige durch Wind, Sand und Sterne unsere Geschäfte mit dem pharaonischen Papyrus und dem prophetischen Lapislazuli betreiben. Mit der gewohnten Sorgfalt hast Du diese beiden Stoffe dafür herausgesucht; sie zählen zu den begehrtesten Gütern, für deren Import die Haute Volée in Mesopotamien ganze Wagenladungen von Schrifttäfelchen hergab.

Was sagt die KI dazu?

“Papyrus bezeichnet sowohl die Staude als auch den daraus hergestellten, antiken Beschreibstoff, der in Ägypten aus den Markstreifen dieser Pflanze gefertigt wurde. Darüber hinaus bedeutet Papyrus auch den beschriebenen Text auf diesem Material der als Papyrusrollen erhalten ist.

Lapislazuli steht symbolisch für Weisheit, Wahrheit, innere Erkenntnis und spirituelle Klarheit. Er fördert authentische Kommunikation sowie Selbstbewusstsein und schützt den Träger vor Negativität schützen. Lapislazuli war in Mesopotamien ein extrem wertvoller Edelstein, der aus dem heutigen Afghanistan importiert wurde.”

Mit Schiff und Fußgänger ziehen wird unsere Bahnen durch ein wahres Schlaraffenland; uns fliegen an jedem Haltpunkt zwar keine gebratenen Tauben in den Mund, aber Siedlungen, Bergwerke, Städte und Tempel sowie Wertungsplättchen und Multiplikatoren lassen uns die goldenen Äpfel der Hesperiden, sprich die Siegpunkte, einerseits sofort und andererseits nochmals am Ende reichlich in unseren Schoß rollen. Etwas despektierlich nennen wir am Westpark diese Rollerei (Stefans)Feld-Salat, in „Papyria“ sollten wir es wohl angemessener Eisenspäne nennen.

Auch dem Zufall hast Du einen angemessenen Spielraum eingeräumt. Manche der Eisenspäne sind eher Blei, andere dafür edle Nuggets, die uns mit einem Schlag um 50 goldene Äpfel vorwärts bringen können. Doch gegen allzu forsches Vorwärtsschreiten hast Du eine Bremse eingebaut: Wer sich nicht rechtzeitig das benötigte Wissensquantum angeeignet hat, muss die Äpfel am Wegrand liegen lassen.

Wir waren alle klug genug, keiner musste jemals auf seinen Segen verzichten, und als wir am Schluss auch noch die letzten Ernten eingefahren hatten, konnte jeder nur mit Bewunderung konstatieren: Der Bernd muss ein glänzender Mathematiker sein, der die kompliziertesten Siegpunkt-Berechnungsformeln nur so aus dem Ärmel schüttelt.

Jetzt beim Verfassen des Reports habe ich in der Spielschachtel noch eine Anleitung zu „Papyria Assur“ gefunden. Offensichtlich hast Du noch eine weitere Spielidee mit dem gleichen Spielmaterial realisiert. Multi-Kulti, diesmal in Assyrien. So wird Papyria mindestens noch einmal bei uns auf den Tisch kommen. Wir sind schon gespannt darauf.

Liebe Grüße, Deine Westpark-Gamers

WPG-Wertung: Aaron: 7 (die Regeln lesen sich schwierig und die Ikonographie unterstützt die Szenerie nur sehr zurückhaltend; das Spiel spielt sich angenehm schnell; die Zufälligkeiten schieben einem paralytischen Ausrechnen-Wollen den Riegel vor), Günther: 6 (Einschränkungen durch den Feldsalat und die großen Zufallseffekte bei den Wertungen), Moritz: 6 (gute Spannungskurve, die Quantität der Wertungen nimmt bombastisch zu, ein gelungener Empire-Building Effekt, das Thema wollen wir jetzt nicht unter die Lupe nehmen, ohnehin bräuchte man dazu auch ein Mikroskop), Walter: 7 (sehr konstruktiv, Schwelgen in Siegpunkten, keinerlei Frustration – wenn man den Priester noch weglässt. Mit der Zeit lässt sich bestimmt auch Bernds Formelmechanismus in den Griff bekommen, und dann können unsere Freaks wieder stundenlang die Zeit mit dem Ausknobeln der besten Züge verbringen).


2. “Tricky Twist”

Zum Ausklang noch ein Stichkartenspiel, bei dem eine ganze Reihe unterschiedlicher Stichwertungsregeln in Anwendung kommen. Wir haben das heute erst mal nur vorgesichtet.

Neu ist, dass auch Karten, mit denen man nicht bedient, einen eigenen Stich liefern.

Da aber gut 40% der Karten nach Gutdünken weggelegt werden und nicht zum Einsatz kommen, ist nach Walters Einschätzung eine auch nur annähernd sichere Planung des Abspiels einer Kartenhand nicht möglich. Wie auch immer die Wertungsregeln lauten, über einen gewissen Gaudi wird das Spiel nicht hinauskommen.

Dagegen predigte Günther – natürlich – wie ein Bauer zu seiner kranken Kuh.

Noch keine WPG-Wertung.

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