Diamant

Diamant

rezensiert von Moritz Eggert

Das Erfinden im Team gehört zu den Königsdisziplinen in der Spieleszene, und wenn zwei
Grössen wie Alan R. Moon (Elfenland) und Bruno Faidutti (Ohne Furcht und Adel)
zusammenarbeiten ist auf jeden Fall Hinschauen Pflicht, auch wenn „Schmidt
Spiele“ sich erst seit jüngerer Zeit mit „Autorenspielen“ hervortut.
Diamant ist allerdings deutlich weniger anspruchsvoll als ein typisches Faidutti oder
Moon-Spiel – vielleicht eine Vorgabe des Verlags?

In „Diamant“ verkörpern die Spieler furchtlose Schatzsucher, die sich in
tiefe Höhlengänge wagen, um die dicksten Diamanten ans Tageslicht zu bringen. Hinter
dieser traditionellen „Adventure“-Fassade verbirgt sich allerdings ein
lupenreines Zockerspiel der eher einfachen Art – wer hier auf Abenteuerkarten und
Fallgruben hofft, wird also enttäuscht werden.

Zuerst einmal bauen die Spieler kleine Schatzkisten zusammen, die vor allem dazu
dienen, den aktuellen Stand der eigenen Diamanten geheimzuhalten. Auf dem im Grunde
unnötigen Spielplan befinden sich 5 Höhleneingänge an die die Höhlenkarten angelegt
werden. Diese Eingänge werden in der Regel etwas verwirrend als
„Höhlenblocker“ bezeichnet, das ist aber angesichts der sehr kurzen und alles
andere als unverständlichen Regel nicht wirklich schlimm.

Die Spieler dringen nun gemeinsam in die Höhle vor und decken eine Höhlenkarte auf.
Diese zeigt nun entweder eine Anzahl von Diamanten (zum Beispiel „3“ oder
auch „17“) oder eine „Gefahr“ (Skorpione, Schlangen und ähnliches
Gekreuch). Sind es Diamanten, werden diese durch die Anzahl der gerade in der Höhle
anwesenden Spieler geteilt, der Rest kommt auf die aktuelle Höhlenkarte. Sind es also zum
Beispiel drei Spieler und 17 Edelsteine bekommt jeder 5 Steine und 2 kommen auf die
Karte. Die so erlangten Diamanten kommen noch nicht in die Schatzkiste sondern daneben,
denn die Höhle muß ja erst noch unbeschadet verlassen werden.

Ist die aufgedeckte Karte eine Gefahr, passiert erst einmal noch nichts. Wird derselbe
Gefahrentyp (also zum Beispiel Skorpion) allerdings im selben Höhlengang noch einmal
aufgedeckt, müssen alle Spieler alle ihre bisherigen in dieser Höhle erlangten Steine
wieder abgeben.

Daher wird vor dem Aufdecken jeder Karte geboten, in dem man seinen Abenteurer
verdeckt in die Hand nimmt oder nicht und dann alle gleichzeitig aufdecken. Ist man
weiterhin dabei, muß man die Konsequenz der nächsten Karte akzeptieren, hat man sich
frühzeitig verabschiedet, nimmt man alle auf den Karten liegenden Steinchen auf. Haben
mehrere Spieler keine Lust mehr weiterzugehen, werden diese Steine natürlich auch wieder
aufgeteilt!

Dies wird 5 mal durchexerziert (es werden also 5 Höhlen solange erforscht, bis auch
der letzte Schatzsucher aufgibt), dann endet das Spiel und der Spieler mit den meisten
Klunkern ist Sieger.

Dies sind im Grunde auch schon alle Regeln. Was wie ein recht simples Spielchen
klingt, ist es auch, aber Spass machen tut es. Natürlich versuchen die Cracks zu
berechnen, wie wahrscheinlich das zweite Auftauchen eine Gefahrenkarte ist (da die Karten
alle immer vom selben Stapel genommen werden, ist dies durchaus möglich), aber natürlich
kann man das nie genau wissen. Interessant wird es immer dann, wenn viele Steine auf den
Karten liegen, denn dann wird ein frühes Aussteigen durchaus reizvoll, das Problem ist
natürlich, daß andere das dann auch attraktiv finden. Traum jeden Abenteurers ist es
natürlich, mutterseelenallein durch die Höhlen zu streifen, einen Stein nach dem anderen
aus den Gängen hauend, während die feigen Kollegen schon wieder bei Chili aus der Dose im
Camp sitzen. Unmöglich ist das nicht, aber man braucht starke Nerven. Ich persönlich
fand, daß das frühe Aussteigen oft bessere Erträge findet, aber das hängt sicherlich vom
Wagemut der Runde ab.

„Diamant“ ist ein nettes kleines Spielchen, das viel Spaß bringt, sich
aber eher als Füller oder Abschlussspielchen eignet denn als Hauptgang, aber das ist ja
beileibe nichts schlechtes, denn man kann ja nicht immer nur „Bluff“
spielen… Zudem eignet es sich sehr gut als Spiel für alle Altersgruppen, auch sehr junge
Spieler werden hier gleiche Chancen haben.

Die Aufmachung ist hübsch, der Preis nicht zu hoch, was will man also mehr? Auf in die
Höhle zum Diamantensuchen!

Erklärung der Regeln: 5 Minuten

Zusammenbau der Schatzkisten: maximal 1 Minute

Spielspass: hoch

Gehirnschmalz: wenig benötigt